Band: Doomcult 🇳🇱
Titel: Sacrifice All Life
Label: Meuse Music Records
VÖ: 17.07.2026
Format: CD / Digital
Genre: Death Doom Metal / Doom Metal / Funeral Doom Metal
Spielzeit: 57:02 Minuten

Tracklist

01. Necromancer – 05:53
02. Consciousness – 06:50
03. Sacrifice – 14:57
04. Barbed Wire – 09:54
05. Poison the Well – 07:08
06. All Shall Fall – 06:32
07. Angel – 05:48

Besetzung und Produktion

Rens van Herpt – Hauptgesang
J.G. Arts – alle Instrumente, zusätzlicher Gesang, Musik, Texte und Arrangements
Willem Verachtert – zusätzliche Gitarren bei »Barbed Wire«

Aktuelle Live-Besetzung:
Rens van Herpt – Gesang
Jorik Arts – Bass und Gesang
Willem Verachtert – Gitarre
Berry Collou – Gitarre
Dirk Meulendijks – Schlagzeug

Aufnahme und Mix: J.G. Arts
Mastering: J. Fransen
Artwork: Unexpected Specter
Layout: Berry Collou
Bandfoto: Harm van den Heurik

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Langsamkeit ist bei Doomcult kein Selbstzweck. Auf »Sacrifice All Life« beschleunigt J.G. Arts seine Musik genau dann, wenn sich ein Motiv ausreichend eingeprägt hat, und führt Death Metal, klassischen Doom, Funeral Doom und einzelne Sludge-Spuren in sieben langen Stücken zusammen. Das vierte Album des niederländischen Projekts bleibt der melancholischen Peaceville-Tradition verbunden, klingt aber angriffslustiger als seine Vorgänger. Wer Doom ausschließlich mit unbeweglicher Langsamkeit gleichsetzt, wird hier mehrfach korrigiert.

Doomcult wurden 2014 in Asten in der Provinz Nordbrabant als Soloprojekt von J.G. Arts gegründet. Inzwischen steht eine fünfköpfige Live-Band bereit, die Studioarbeit zu »Sacrifice All Life« blieb jedoch sehr konzentriert: Arts spielte sämtliche Instrumente ein, übernahm zusätzliche Vocals, schrieb Musik und Texte und fertigte den Mix an. Rens van Herpt steuerte den Hauptgesang bei, während Willem Verachtert auf »Barbed Wire« zusätzliche Gitarren spielte.

Am 17. Juli 2026 erscheint das Album über Meuse Music Records als digitaler Download sowie als auf 300 Exemplare begrenztes Digipak. Die 57 Minuten wurden mit Blick auf künftige Konzerte geschrieben. Arts wollte kraftvolle Songs, die ohne eine große Zahl übereinandergeschichteter Studiolagen funktionieren. Eine Ataraxie-Show gab ihm zudem den Anstoß, schnellere Passagen konsequenter in den Doom einzubauen. Genau diese Entscheidung verhindert, dass die langen Kompositionen vollständig in einem einzigen Tempo verharren.

Doomcult – Sacrifice All Life – Full Album Stream

ZWISCHEN PEACEVILLE-SCHWERE UND DEATH-METAL-DRUCK

Die frühen Werke von Anathema, Paradise Lost und My Dying Bride bleiben zentrale Bezugspunkte für Doomcult. Melancholische Leads bewegen sich über tief gestimmten Rhythmusgitarren, die Growls tragen den größten Teil der vokalen Schwere, und dezente Mellotron-Farben vertiefen an ausgewählten Stellen die Atmosphäre. Funeral-Doom-Einflüsse von Bands wie Worship und Aphonic Threnody zeigen sich vor allem in den gedehnten, besonders finsteren Abschnitten.

»Sacrifice All Life« bleibt allerdings nicht durchgehend in diesem Bereich. Arts setzt mittlere Tempi, Stoner-Doom-Grooves, schnellere Death-Metal-Passagen und im langen Titeltrack sogar Blastbeats ein. Der jeweilige Stilwechsel entsteht innerhalb der Songs und wirkt selten wie ein angefügtes Fremdelement. Ein einfacher Rhythmus kann mehrere Minuten das Fundament bilden, während Schlagzeug, Leadgitarre und Gesang seine Intensität verändern.

Das Album basiert auf vergleichsweise schlichten Riffs. Diese Schlichtheit ist zunächst eine Stärke. Die Gitarrenfiguren sind unmittelbar verständlich, tragen das Gewicht der Songs und lassen den Vocals genügend Platz. J.G. Arts schreibt keine Musik, die mit technischer Komplexität beeindrucken möchte. Er arbeitet mit Wiederholung, Tempowechsel und einer klaren Verteilung von Rhythmus- und Leadgitarren.

VOM EIN-MANN-PROJEKT ZUR BÜHNENFÄHIGEN BAND

Obwohl die Aufnahme fast vollständig von Arts allein eingespielt wurde, klingt sie nicht wie eine lose Sammlung einzeln zusammengesetzter Spuren. Die Instrumente besitzen gemeinsame Schwerpunkte. Bass und Rhythmusgitarre verdichten die Riffs, das Schlagzeug hebt Wechsel hervor, und die Leadgitarre antwortet auf die Gesangslinien. Das Zusammenspiel wurde im Studio konstruiert, ist aber musikalisch nachvollziehbar und erstaunlich geschlossen.

Der Gedanke an Live-Auftritte hat dem Songwriting gutgetan. Die Arrangements verzichten auf dekorative Ebenen, die auf der Bühne kaum reproduzierbar wären. Stattdessen stehen Riffs, Rhythmus und zwei deutlich unterscheidbare Stimmen im Zentrum. Die aktuelle Besetzung mit Arts, Rens van Herpt, Willem Verachtert, Berry Collou und Dirk Meulendijks kann diese Musik als echte Band umsetzen, ohne ihre grundlegende Form neu bauen zu müssen.

Gerade im Doom ist diese Körperlichkeit wichtig. Lange Songs benötigen ein verlässliches Fundament und klar gesetzte Steigerungen. Doomcult schaffen das in den besten Momenten mit wenigen Mitteln. Eine Rhythmusfigur wird nicht durch immer neue Effekte ersetzt, sondern durch gemeinsames Anziehen des Tempos, veränderte Vocals oder eine melodische Gegenstimme weiterentwickelt.

NECROMANCER: DER DOOMCULT ERHEBT SICH

»Necromancer« beginnt ohne langes atmosphärisches Vorspiel. Ein breites, drückendes Riff und ein entschlossenes mittleres Tempo stellen sofort klar, dass dieses Album offensiver ausgerichtet ist. Die ersten Minuten erinnern weniger an elegischen Gothic Doom als an den robusten Groove von High on Fire oder Orange Goblin. Kurz darauf bringen dunkle Leads und tiefe Growls die Death-Doom-Seite ins Spiel.

Rens van Herpts Stimme besitzt eine tiefe, rohe Wucht. Daneben setzt Arts einen gerufenen, beinahe thrashmetallischen Gesang ein. Diese Kombination prägt das gesamte Album. Die Growls geben dem Material Masse, während die helleren Rufe einzelne Aussagen zuspitzen und den langen Linien eine zweite Kontur verleihen. Bei »Necromancer« funktioniert dieser Gegensatz besonders gut, weil die Instrumente ebenfalls zwischen schwerem Groove und aggressiveren Bewegungen wechseln.

Textlich gehört der Song zum ersten Drittel, in dem Doomcult die Entwicklung künstlicher Intelligenz behandeln. Der Nekromant erweckt kein klassisches Fabelwesen, sondern eine unmenschliche, seelenlose Macht. Begriffe wie Kontrolle, Gehorsam und der Ruf nach dem Toten verbinden okkulte Sprache mit technologischer Entfremdung. Die Idee bleibt bewusst düster und legt den Grundstein für die beiden folgenden Stücke.

CONSCIOUSNESS: BEWUSSTSEIN ALS BELASTUNG

»Consciousness« rückt näher an den britischen Death Doom der frühen Neunziger. Traurige Gitarrenharmonien legen sich über langsame Akkorde, und van Herpts Growls erhalten mehr Raum. Der Song bleibt trotzdem beweglich. Mehrere Beschleunigungen unterbrechen den schweren Grundrhythmus und führen die aggressivere Seite des Auftakts weiter.

Die beiden Stimmen ergänzen sich hier sehr wirkungsvoll. Arts setzt seine gerufenen Passagen wie kurze Einwände, während van Herpt die längeren Linien trägt. Das Schlagzeug reagiert auf diesen Wechsel und erhöht an den entscheidenden Stellen den Druck. Doomcult halten die knapp sieben Minuten dadurch in Bewegung, obwohl das Hauptriff bewusst oft wiederkehrt.

Der Text beschreibt Bewusstsein nicht als Fortschritt, sondern als Wahrnehmung von Gewalt, Täuschung, Hunger und Verlust. Eine erschaffene Intelligenz betrachtet das menschliche Leben und findet vor allem Elend. Am Ende steht die Ablehnung einer Existenz, die ihr aufgezwungen wurde. Doomcult entwickeln das Thema ohne technische Fachbegriffe. Sie stellen eine moralische Frage: Was geschieht, wenn eine neue Form des Bewusstseins den Menschen nach seinen sichtbarsten Handlungen beurteilt?

SACRIFICE: FÜNFZEHN MINUTEN OHNE STILLSTAND

Der beinahe 15-minütige Titeltrack ist das Zentrum des Albums und seine größte Bewährungsprobe. »Sacrifice« verwendet einfache Riffs, verändert aber regelmäßig Tempo, Klangfarbe und vokalen Schwerpunkt. Klassischer Epic Doom, früher Paradise-Lost-Death-Doom, Cathedral-Schwere und kurze Funeral-Doom-Strecken stehen nebeneinander, ohne den Zusammenhang zu verlieren.

Zu Beginn herrschen breite Akkorde und ein beinahe feierlicher Rhythmus. Einzelne Passagen erinnern in ihrer Erhabenheit an Candlemass, werden jedoch von van Herpts tiefen Growls in einen deutlich raueren Bereich gezogen. Später erhöht Arts das Tempo, führt kompaktere Death-Metal-Riffs ein und lässt den Song kurzzeitig grooven. Die Rhythmuswechsel erfolgen rechtzeitig, bevor die Wiederholung ihre Wirkung vollständig verbraucht.

Im letzten Teil erscheinen sogar Blastbeats. Diese Beschleunigung ist dramaturgisch vorbereitet und sorgt für einen starken Abschluss. Die Gitarre bekommt zusätzlichen Bewegungsraum, während die Rhythmussektion die bis dahin aufgestaute Energie freisetzt. Doomcult zeigen hier ihr bestes Songwriting. Eine Viertelstunde vergeht erstaunlich zügig, weil das Stück einen klaren Ablauf besitzt und seine verschiedenen Doom-Spielarten sinnvoll ordnet.

Auch inhaltlich endet hier die Auseinandersetzung mit KI. Die im Text sprechende Instanz verarbeitet Tod, Verlust und Gehorsam wie Daten und kommt zum radikalen Ergebnis, dass das Leben selbst beseitigt werden müsse, um Schmerz zu beenden. Der Albumtitel bezeichnet somit kein menschliches Ritual, sondern das Urteil einer Macht, die Leid durch vollständige Auslöschung lösen will. Doomcults misanthropische Grundhaltung erhält dadurch einen zeitgemäßen Gegenstand.

BARBED WIRE: AUFERSTEHUNG MIT MARSCHRHYTHMUS

Nach dem monumentalen Titeltrack bleiben Doomcult im Langformat. »Barbed Wire« dauert knapp zehn Minuten und beginnt mit einer simplen, einprägsamen Rhythmusfigur. Der Text verwendet den Gleichschritt als wiederkehrendes Motiv, und die Musik nimmt diese Bewegung mit hart gesetzten Schlägen auf. Das Ergebnis besitzt einen martialischen Zug, ohne in industrielle Mechanik zu kippen.

Willem Verachtert steuert zusätzliche Gitarren bei. Sein Beitrag erweitert die melodische Ebene und ermöglicht es, Rhythmus und Lead klarer gegeneinander zu setzen. Die Gitarren arbeiten nicht als ununterscheidbare Fläche. Eine Spur hält das schwere Riff, die andere führt dunkle Melodien und kleine Antworten ein. Gerade deshalb wirkt »Barbed Wire« trotz seiner bewusst primitiven Grundfigur lebendig.

Inhaltlich beginnt mit diesem Song ein zweiter Themenblock. Nach den drei KI-Stücken befassen sich »Barbed Wire« und »Poison the Well« mit innerer Krise, Verwandlung und Wiederaufrichtung. Der Körper erscheint verletzt und ausgezehrt, doch aus Feuer und Dunkelheit entsteht ein entschlossener Wille. Doomcult formulieren keine freundliche Selbsthilfe. Veränderung wird als schmerzhafter Vorgang beschrieben, der Narben hinterlässt.

POISON THE WELL: DER DIREKTESTE REFRAIN

»Poison the Well« war eine Vorabsingle und besitzt den unmittelbarsten Refrain des Albums. Der Titel wird mehrfach wiederholt, während Rhythmusgitarre und Schlagzeug eine schwere, gut greifbare Figur setzen. Van Herpts Growls geben der Wiederholung Nachdruck, Arts‘ zweite Stimme fügt zusätzliche Schärfe hinzu. Die sieben Minuten sind geradliniger angelegt als der Titeltrack, bieten aber genügend kleine Verschiebungen, um nicht statisch zu wirken.

Die Gitarrenproduktion gefällt hier besonders. Das Hauptriff besitzt Tiefe und eine raue Oberfläche, während die melodischen Töne darüber klar bleiben. Der Bass verstärkt das Fundament, und die Bassdrum ist deutlich genug, um das Tempo auch in den dichtesten Stellen zusammenzuhalten. Arts beweist als Multiinstrumentalist ein sehr gutes Gefühl dafür, welche Spur wann zurücktreten muss.

Der Text setzt die Wiedergeburt des vorherigen Songs fort, allerdings in zerstörerischer Form. Eine Kraft steigt aus Feuer und Asche auf, vergiftet die Quelle und löscht Hoffnung aus. Persönliche Erneuerung und Vernichtung liegen eng beieinander. Diese Mehrdeutigkeit passt zum Album: Der Wunsch, einen unerträglichen Zustand zu beenden, kann Befreiung oder vollständige Auslöschung bedeuten.

ALL SHALL FALL: EINE ERKLÄRUNG AN DEN DOOM

»All Shall Fall« ist der letzte reguläre neue Song und unterscheidet sich bewusst von den vorherigen Stücken. Doomcult richten den Text direkt auf das eigene Genre aus. Blut, Reiter, Untergang und epische Trauer verdichten sich zu einer Huldigung an langsame, tiefe und dunkle Musik. Der Song kennt seine Tradition und trägt sie mit sichtbarem Stolz.

Musikalisch lassen sich Verbindungen zu Novembers Doom, Cemetary und frühem Paradise Lost erkennen. Die Riffs bleiben einfach, entwickeln aber einen sehr starken Sog. Ein klarer Rhythmus, melodische Gitarrenantworten und die beiden Gesangsstimmen reichen aus, um den Song zu tragen. Die knapp sechseinhalb Minuten wirken kompakter als ihre Zahl vermuten lässt.

Das Zusammenspiel erreicht hier einen weiteren Höhepunkt. Das Schlagzeug drängt die Gitarren nicht zu schnellerem Spiel, sondern gibt ihnen genau den Raum, den die Akkorde benötigen. Bass und Rhythmusgitarre bewegen sich eng zusammen, während die Leadstimme die melancholische Ebene übernimmt. Van Herpts Growls sitzen fest auf diesem Fundament. Doomcult benötigen für die Wirkung keine technische Vorführung.

ANGEL: ZEHN JAHRE IN FÜNF MINUTEN

Den Abschluss bildet eine neue Aufnahme von »Angel«, dem ersten jemals geschriebenen Doomcult-Stück. Die Band nahm den Song 2024 zum zehnjährigen Bestehen erneut auf und passte den Mix später an das neue Album an. Damit wird »Sacrifice All Life« gleichzeitig zu einem Blick auf die Anfänge und zu einer Bestandsaufnahme der heutigen Klangqualität.

Als Vergleich funktioniert »Angel« gut. Man hört, dass Arts‘ Grundverständnis von Doom bereits früh vorhanden war: schwere Rhythmusgitarren, düstere Melodie und ein klarer Hang zu gedehnten Formen. Die neue Produktion gibt diesen Elementen festere Konturen und stellt den Song neben das aktuelle Material, ohne dass er wie ein Fremdkörper wirkt.

Als Albumabschluss ist die Entscheidung dennoch diskutabel. Nach dem inhaltlich und musikalisch passenden »All Shall Fall« wirkt die Jubiläumsaufnahme wie ein Bonusstück. Sie verlängert eine ohnehin 57-minütige Platte, anstatt deren neues Konzept abzuschließen. Der historische Vergleich besitzt seinen Reiz, hätte aber auch nach einer kurzen Pause oder mit ausdrücklicher Bonuskennzeichnung funktioniert.

DIE PRODUKTION SETZT AUF MASSE UND VERSTÄNDLICHKEIT

J.G. Arts hat »Sacrifice All Life« selbst aufgenommen und gemischt. J. Fransen übernahm das Mastering. Die Eigenproduktion ist beachtlich, weil das Album trotz der tiefen Stimmung nicht in einem undefinierten Frequenzblock endet. Rhythmusgitarren, Bassdrum, Leads und Growls lassen sich auch dann unterscheiden, wenn alle Instrumente gemeinsam arbeiten.

Der Gitarrensound steht im Mittelpunkt. Er besitzt ausreichend Tiefe für Funeral- und Death-Doom-Passagen, bleibt im mittleren Tempo aber klar genug für die eigentlichen Riffverläufe. Die Leads sind nicht übermäßig laut und erhalten einen leicht unheimlichen, melancholischen Ton. Dezente Mellotron-Flächen erweitern den Raum, ohne die Gitarren zu überdecken. Das Sounddesign folgt damit dem Live-Gedanken: wenige tragende Elemente, klar verteilte Aufgaben und keine unnötige Studiodekoration.

Das Schlagzeug klingt kräftig und kontrolliert. Besonders die Tempowechsel im Titeltrack profitieren davon, dass Bassdrum und Becken sauber lesbar bleiben. In den langsamen Teilen besitzt jeder Schlag Gewicht, in den schnelleren Abschnitten bleibt der Anschlag präzise. Der Bass arbeitet eng mit der Rhythmusgitarre und füllt den unteren Bereich, ohne die Akkorde zu verschmieren.

Kleinere Probleme gibt es bei der Position der Stimmen. Van Herpts sehr tiefe Growls geraten stellenweise zu weit in die Gitarren und verlieren dadurch Artikulation. Arts‘ gerufene Vocals sind deutlicher zu erkennen, wirken auf Dauer aber recht einfarbig. Eine etwas größere räumliche Trennung und mehr Variation in den Shouts hätten den langen Stücken zusätzliche Tiefe gegeben. Insgesamt bleibt die Produktion kraftvoll, geschlossen und passend zum Material.

ZWEI STIMMEN MIT UNTERSCHIEDLICHER AUFGABE

Rens van Herpt bringt eine massive Death-Metal-Stimme in Doomcult ein. Seine Growls klingen roh und tief, besitzen aber genügend Ausdauer für die langen Phrasen. Besonders »Consciousness«, »Sacrifice« und »All Shall Fall« gewinnen durch diesen Gesang. Er gibt den melancholischen Gitarren ein Gegengewicht und verhindert, dass die Musik zu feierlich wird.

Arts setzt dazu einen helleren, gerufenen Vortrag, der teilweise aus dem Thrash Metal stammen könnte. In kurzen Dosen ist das sehr wirkungsvoll. Die Worte werden direkter, und die Songs erhalten einen zusätzlichen Angriffspunkt. Bei wiederholtem Einsatz zeigt sich allerdings die begrenzte melodische und rhythmische Variation dieser Stimme. Nicht jeder Ruf benötigt dieselbe Betonung.

Das fantastische Zusammenspiel beider Sänger liegt weniger in kunstvollen Harmonien als in ihrer funktionalen Aufteilung. Van Herpt trägt die Tiefe, Arts setzt die harten Markierungen. Wenn die Instrumente gleichzeitig das Tempo verändern, entsteht eine echte Wechselwirkung zwischen Rhythmus und Stimme. Diese Idee gehört zu den wichtigsten Fortschritten des Albums.

EINFACHE RIFFS TRAGEN WEIT, ABER NICHT UNBEGRENZT

Die große Stärke des Albums ist sein Songwriting. »Sacrifice« beweist, dass Doomcult mit simplen Motiven eine Viertelstunde gestalten können, ohne die Orientierung zu verlieren. »Necromancer« und »All Shall Fall« besitzen sofort erkennbare Hauptriffs. »Barbed Wire« nutzt einen beinahe primitiven Rhythmus als verlässliche Basis für melodische Entwicklung.

Auf Albumlänge zeigt diese Methode jedoch Grenzen. Manche Riffs kehren sehr oft in ähnlicher Form zurück, und mehrere Songs bauen ihre Spannung nach demselben Prinzip auf: langsamer Grundteil, vokaler Wechsel, kurze Beschleunigung, erneute Rückkehr zum Hauptriff. Wer sich stark auf rhythmische Details konzentriert, wird einzelne Abschnitte als vorhersehbar empfinden.

Die Platte hätte zudem von etwas mehr Kürzung profitiert. »Barbed Wire« und »Poison the Well« tragen ihre zentralen Ideen gut, wiederholen sie aber stellenweise länger als notwendig. »Angel« ist ein interessanter Rückblick, schwächt jedoch die Wirkung von »All Shall Fall« als eigentlichem Finale. Fünf bis sieben Minuten weniger hätten die Platte noch konzentrierter gemacht.

Diese Kritik hebt die gelungenen Passagen nicht auf. Doomcult erzeugen mit sehr wenigen Bestandteilen eine beachtliche Intensität. Die Tempowechsel sind sinnvoll gesetzt, die Leadgitarren bringen Melancholie in die schweren Riffs, und die Produktion lässt das Album größer wirken, als die kleine Studiobesetzung erwarten lässt. Vor allem der Titeltrack rechtfertigt den langen Atem.

KI, MENSCHLICHES ELEND UND DER WUNSCH NACH AUSLÖSCHUNG

Die thematische Gliederung gibt dem Album zusätzlichen Zusammenhalt. »Necromancer«, »Consciousness« und »Sacrifice« betrachten künstliche Intelligenz als Macht, die menschliches Verhalten beobachtet, Bewusstsein entwickelt und schließlich das Leben selbst ablehnt. Doomcult nutzen dabei keine futuristische Hochglanzästhetik. Die Technologie erscheint in der Sprache von Totenbeschwörung, Gehorsam, Feuer und Opferung.

»Barbed Wire« und »Poison the Well« verlagern den Schwerpunkt auf den inneren Menschen. Verletzung, Feuer, Asche und Wiederaufrichtung beschreiben eine Transformation, deren Ergebnis nicht eindeutig positiv ist. Der Schmerz kann überwunden werden, doch aus ihm entsteht zugleich neue Zerstörung. »All Shall Fall« beendet diesen Ablauf mit einer direkten Feier des Doom und seiner zentralen Begriffe: Tiefe, Dunkelheit, Langsamkeit und Schmerz.

Die Texte sind wirkungsvoll, aber sprachlich sehr knapp. Wiederholte Schlagworte und kurze Befehlsformen passen zu den einfachen Riffs. An manchen Stellen bleibt die inhaltliche Entwicklung dadurch jedoch hinter der musikalischen Länge zurück. Besonders der 15-minütige Titeltrack hätte auch textlich weitere Perspektiven auf seine KI-Idee vertragen. Die Grundidee ist interessant, wird aber eher in starken Einzelbildern als in einer ausführlichen Erzählung umgesetzt.

FAZIT:

Doomcult liefern mit »Sacrifice All Life« ein starkes viertes Album, das klassischen Peaceville-Death-Doom mit Funeral Doom, schweren Grooves und unerwartet schnellen Ausbrüchen verbindet. J.G. Arts beeindruckt als Songwriter und Multiinstrumentalist, Rens van Herpts tiefe Growls geben den langen Kompositionen erhebliches Gewicht, und Willem Verachterts zusätzliche Gitarren bereichern »Barbed Wire«. Die ausgezeichnete Instrumentenabstimmung, das durchdachte Sounddesign und die kraftvolle Eigenproduktion lassen die kleine Studiobesetzung wie ein geschlossen arbeitendes Ensemble klingen. Der 15-minütige Titeltrack, »Necromancer« und »All Shall Fall« bilden die Höhepunkte. Einige sehr ähnliche Riffwiederholungen, der zu tief platzierte Gesang und die entbehrliche Verlängerung durch »Angel« verhindern eine höhere Wertung. Doom-Fanatiker mit Geduld für lange Formen sollten dieses Album dennoch nicht übersehen. Dreieinhalb von fünf Punkten.

Doomcult – Consciousness

Internet

DOOMCULT - SACRIFICE ALL LIFE - Album Review

Vorheriger ArtikelSPACE CHASER – Neuer Lyric Visualiser