Band: Eternal Drak 🇨🇦 / 🇨🇴
Titel: The Violence Of Time
Label: FirstWave Canada
VÖ: 17.07.2026
Format: Digital
Genre: Blackened Thrash Metal / Death Metal / Groove Metal
Spielzeit: 38:24 Minuten

Tracklist

01. We Force It To Speak – 05:15
02. The Unborn Paths Rot – 03:51
03. Me Hice Simultaneo – 03:30
04. The Blasphemy Of Time – 03:35
05. Chaos Is The Law – 03:34
06. Where Cause Is Buried – 03:55
07. Across The Watching Veils – 03:53
08. Breathing Once Again – 03:45
09. The Cosmos Rejects You – 04:09
10. No Direction – Total War – 02:57

Besetzung

Andres Martinez Torres (Drakar) – Gesang, Leadgitarre und Bass
Michel Amyot – Rhythmusgitarre
Karine Gagnon – Gastgesang

Songwriting: Drakar bei den Stücken 1–7 sowie 9 und 10; Michel Amyot bei Stück 8
Produktion, Mix und Mastering: Andres Martinez Torres (Drakar)
Artwork: Andres Martinez Torres (Drakar)
Bandfoto: Patrick Auger

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Oh Ja! Wir leben in absolut verrückten und gewaltätigen, empathielosen Zeiten, in denen jede Meldung von gestern am folgenden Morgen bereits durch die nächste Eskalation verdrängt wird. Eternal Drak betrachten diese Gegenwart nicht als eine Reihe isolierter Katastrophen. Auf »The Violence Of Time« richten sie ihren Blick auf die Zeit selbst und erklären sie zur feindlichen Kraft. Sie ordnet nicht, heilt nicht und liefert keine gerechte Antwort. Sie verformt Erinnerung, Identität und Kausalität, bis der Mensch seine eigenen Erklärungen für die Wirklichkeit hält.

Das sechste Studioalbum der kolumbianisch-kanadischen Band erscheint am 17. Juli 2026 über FirstWave Canada. Zehn Stücke in 38 Minuten und 24 Sekunden verbinden aggressiven Thrash Metal, melodische Black-Metal-Harmonik, Death-Metal-Schwere, Groove und lateinamerikanische Rhythmusfarben. Eternal Drak nennen diese Verbindung seit Jahren Drak Metal. Auf der neuen Platte wirkt dieses Vokabular besonders geschlossen: scharfe Riffs, eisige Tremolos, drängender Bass, akustische und flamencoartige Gitarren, klar gesetzte Soli und Drakars dunkler, gut verständlicher Gesang.

Eternal Drak wurden 1997 in Kolumbien von den Brüdern Andres Martinez Torres alias Drakar und Eduardo Martinez alias Warhammer gegründet. Nach einer Unterbrechung formierte sich die Band 2020 in Kanada neu und arbeitet heute von Quebec City aus. »The Violence Of Time« wurde von Drakar und Rhythmusgitarrist Michel Amyot eingespielt; Karine Gagnon ergänzt den Gesang. Drakar schrieb neun der zehn Songs und verantwortete Produktion, Mix, Mastering und Artwork. Amyot komponierte »Breathing Once Again« und setzt damit einen wichtigen Kontrast im letzten Drittel.

Eternal Drak – We Force It To Speak

ZEIT ALS GEWALT UND NICHT ALS HEILMITTEL

Der erweiterte Titel »The Violence Of Time – Heresies Against The Flow Of Time« formuliert das Konzept präzise. Eternal Drak widersprechen der vertrauten Vorstellung, Zeit bewege sich sauber von Vergangenheit über Gegenwart in die Zukunft. Auf diesem Album existieren Erinnerungen weiter, ungelebte Möglichkeiten zerfallen, bevor sie Wirklichkeit werden, und spätere Folgen verändern im Rückblick die Bedeutung ihrer Ursachen.

Das klingt zunächst nach abstrakter Philosophie, wird von der Band aber in konkrete musikalische Bewegung übersetzt. Tempi brechen auf, akustische Gitarren stehen neben Blackened Thrash, spanische und englische Texte teilen sich das Album, und geordnete Rhythmen werden durch plötzliche Beschleunigungen angegriffen. Die Songs erzählen keine durchgehende Geschichte. Jeder Titel untersucht eine andere Beschädigung unseres Zeitverständnisses.

Auch das von Drakar geschaffene Cover gehört zu diesem Konzept. Vergangenheit und Gegenwart bestehen gleichzeitig, während die Grundlage der linearen Zeit angegriffen wird. Das Bild zeigt keine einfache Uhr als dekoratives Symbol. Es visualisiert die Auflösung chronologischer Sicherheit und passt damit sehr genau zur inneren Struktur der Platte.

DRAK METAL: ZWEI KONTINENTE IN EINER MUSIKALISCHEN SPRACHE

Eternal Draks Herkunft ist für den Klang wesentlich. Die Band wurde in Lateinamerika gegründet und arbeitet inzwischen in Quebec. Ihre Musik verbindet den direkten Zugriff des Thrash Metal mit melodischen Black-Metal-Gitarren und lateinamerikanischen Akzenten. Flamencoartige Figuren und akustische Zwischenspiele sind keine exotischen Anhängsel. Sie gehören zur harmonischen Sprache der Band und stehen selbstverständlich neben Tremolo, Groove und schnellen Anschlägen.

Der Thrash Metal gibt den meisten Songs ihr Gerüst. Die Riffs sind präzise, eingängig und deutlich weiter vorn als die Death-Metal-Anteile. Black Metal erscheint vor allem in den kalten Harmonien, der düsteren Atmosphäre und Drakars schneidendem Vortrag. Tiefe Gitarren und einzelne schwere Rhythmen ergänzen Death- und Groove-Metal-Farben. Diese Gewichtung macht das Album zugänglich, ohne es freundlich klingen zu lassen.

Das fantastische Zusammenspiel von Drakars Leadgitarre und Michel Amyots Rhythmusarbeit hält die zehn Stücke zusammen. Amyot setzt die stabile Riffbasis, auf der Drakar Melodien, Tremolos und Soli platzieren kann. Der Bass folgt nicht ausschließlich der Gitarre. Er tritt wiederholt mit eigenen Linien hervor und sorgt dafür, dass selbst die schnelleren Abschnitte genügend Tiefe besitzen.

WE FORCE IT TO SPEAK: WIR ZWINGEN DIE ZEIT ZUR ANTWORT

Ein tickendes Uhrgeräusch eröffnet »We Force It To Speak«. Kurz darauf übernehmen die Gitarren und machen aus dem gemessenen Takt einen aggressiven Blackened-Thrash-Rhythmus. Drakars Stimme steht klar im Vordergrund. Sie klingt dunkel, scharf und kontrolliert, sodass die englischen Worte trotz der Härte gut zu verfolgen sind.

Besonders gelungen sind die akustischen und flamencoartig gefärbten Gitarren. Sie öffnen mitten im verzerrten Material einen anderen harmonischen Raum, ohne die Spannung zu senken. Das Zwischenspiel wirkt nicht wie eine Pause, sondern wie ein weiterer Versuch, dieselbe Frage aus einer veränderten Perspektive zu betrachten. Anschließend kehrt das Hauptriff mit größerem Nachdruck zurück.

Der Text bestreitet, dass Beobachtung neutral sein könne. Zwei Menschen beschreiben denselben Augenblick unterschiedlich, weil jede Wahrnehmung ihn bereits verändert. Wahrheit wird dem Chaos aufgezwungen, damit es für den Menschen erträglich und beherrschbar erscheint. Der Refrain formuliert diese Gewalt sehr direkt: Nicht die Zeit spricht aus eigenem Willen; wir nötigen sie zu einer Aussage.

THE UNBORN PATHS ROT: EIN RIFF MIT LANGZEITWIRKUNG

»The Unborn Paths Rot« erhöht sofort Tempo und Energie. Der Bass besitzt einen auffallend drängenden Ton und schiebt den Song unter den schnellen Gitarren voran. Das zentrale Riff im Mittelteil bleibt besonders gut im Gedächtnis. Eternal Drak beweisen damit, dass Blackened Thrash durchaus eingängig sein kann, ohne in einen glatt produzierten Refrain auszuweichen.

Inhaltlich geht es um Zukünfte, die niemals Wirklichkeit werden. Nicht ein Weg liegt vor dem Menschen, sondern unzählige Möglichkeiten, von denen die meisten sterben, bevor sie Realität erhalten. Der Text beschreibt Spuren nicht geführter Leben, Folgen ohne Entscheidung und Warnungen vor Ereignissen, die niemals stattfinden. Das ist eine der stärksten Ideen des Albums, weil sie alltägliche Zukunftsangst mit einer kosmischen Perspektive verbindet.

Musikalisch bleibt der Song kompakt. Die Wiederholungen geben dem Riff Gewicht, während kleine Veränderungen in Bass und Schlagzeugspur die Bewegung erhalten. Nach dem längeren Auftakt setzt dieses Stück einen konzentrierten Angriff und etabliert die knappe Dramaturgie, die den Rest des Albums prägt.

ME HICE SIMULTANEO: OBSESSION BESCHLEUNIGT ALLES

Der spanisch gesungene Titel »Me Hice Simultaneo« bedeutet sinngemäß, dass das Ich gleichzeitig oder simultan geworden ist. Eternal Drak senken das Tempo und entwickeln einen bedrohlichen Groove. Drakars spanischer Vortrag besitzt eine andere rhythmische Wirkung als seine englischen Texte. Die Silben greifen enger in die Gitarrenfigur und verstärken den lateinamerikanischen Charakter der Band.

Das Stück untersucht Aufmerksamkeit und Besessenheit. Wer Zeit permanent beobachtet, verstärkt ihren Druck. Angst beschwert die Gegenwart, Hoffnung verlängert das Warten, und Obsession beschleunigt die Wahrnehmung. Die Musik reagiert darauf mit einem kontrollierten, aber angespannten Puls. Jeder Schlag scheint das Bewusstsein noch fester an denselben Moment zu binden.

Der langsamere Aufbau ist für die Albumreihenfolge wichtig. Nach dem schnellen »The Unborn Paths Rot« zeigen Eternal Drak, dass Aggression nicht ausschließlich aus hohem Tempo entsteht. Bass, Rhythmusgitarre und Stimme setzen ihre Akzente gemeinsam. Dadurch entwickelt der Song eine schwere, beinahe rituelle Wirkung.

THE BLASPHEMY OF TIME: EIN SPALTENDER GESANGSKONTRAST

»The Blasphemy Of Time« kehrt zur Geschwindigkeit des Blackened Thrash zurück. Ein scharfes Riff, hohe Energie und ein aggressives Solo bestimmen die instrumentale Seite. Im Zentrum steht jedoch der Kontrast zwischen Drakars rauer Stimme und Karine Gagnons opernhaftem Gastgesang. Beide Stimmen besitzen für sich Ausdruck und Kraft.

Gemeinsam funktionieren sie nicht in jeder Passage gleich gut. Die Absicht ist nachvollziehbar: Vergangenheit und Gegenwart, Härte und melodische Erhabenheit sollen gleichzeitig hörbar werden. Manche Harmonien erzeugen tatsächlich eine spannende Reibung. An anderen Stellen liegen Betonung und Klangfarbe so weit auseinander, dass der Song seinen rhythmischen Fokus verliert. Dieser Gegensatz wird Hörer vermutlich stärker teilen als jeder andere Moment der Platte.

Der Text bezeichnet die lineare Zeitvorstellung als Irrtum. Die Vergangenheit verschwindet nicht, sondern bleibt auf der Gegenwart liegen. Erinnern bedeutet demnach keine sichere Rückschau, sondern erneuten Kontakt mit etwas weiterhin Wirksamem. Die überlagernden Stimmen passen konzeptionell sehr gut zu dieser Idee. Musikalisch hätte eine etwas genauere Abstimmung der Gesangslinien den Gedanken noch überzeugender umgesetzt.

CHAOS IS THE LAW: ORDNUNG IST DIE AUSNAHME

»Chaos Is The Law« beginnt schwerer und langsamer. Die Rhythmusgitarre setzt ein wuchtiges Motiv, das zunächst bewusst unbeholfen und bedrohlich voranschreitet. Im letzten Drittel erhöht die Band das Tempo deutlich. Gitarren und Bass beschleunigen gemeinsam, und der Song erreicht einen energischen Abschluss, der unmittelbar in »Where Cause Is Buried« führt.

Eternal Drak behandeln Chaos nicht als Störung eines eigentlich stabilen Systems. Unordnung ist der Normalzustand; Stabilität bleibt vorübergehend. Alles, was unverändert bleiben will – Identitäten, politische Systeme, Geschichtsbilder oder persönliche Erzählungen – wird vom zeitlichen Druck zersetzt. Die Beschleunigung des Songs veranschaulicht diesen Zerfall, ohne ihn mit komplizierten Worten erklären zu müssen.

Die Instrumente arbeiten hier besonders geschlossen. Amyots Riff bleibt auch während der Steigerung klar erkennbar, Drakar setzt darüber schneidende Leadtöne, und der Bass gibt dem Tempowechsel einen festen Untergrund. Dieses Zusammenspiel gehört zu den stärksten Leistungen des Albums.

WHERE CAUSE IS BURIED: WENN DIE FOLGE IHREN URSPRUNG UMSCHREIBT

»Where Cause Is Buried« fällt zunächst durch seine Basslinien auf. Sie bewegen sich deutlich unter den Gitarren und schaffen einen eigenen rhythmischen Verlauf. Kurze explosive Gitarrenpassagen durchbrechen das Gerüst und verleihen dem Song eine nervöse Energie. Das Tempo verändert sich mehrfach, ohne dass die Komposition zerfällt.

Der Text greift die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung an. Manche Ereignisse ergeben erst Sinn, nachdem ihre Folgen sichtbar sind. Im Rückblick wird der Ursprung so lange neu gedeutet, bis die Erzählung zum Ergebnis passt. Verantwortung und Schuld verlieren dabei ihre klare Form. Gerade in einer Zeit, in der politische und persönliche Geschichte permanent umgeschrieben wird, besitzt dieser Gedanke unangenehme Aktualität.

Sounddesign und Inhalt greifen sauber ineinander. Die Bassfigur vermittelt Ordnung, die Gitarrenausbrüche stellen sie infrage, und Drakars Stimme behauptet sich zwischen beiden Bewegungen. Nichts wird überladen. Jeder Klang erfüllt eine erkennbare Funktion.

ACROSS THE WATCHING VEILS: BEOBACHTUNG VERÄNDERT DEN MOMENT

Auf »Across The Watching Veils« erhält Drakars Gesang einen deutlichen Echoeffekt. Seine Stimme wirkt dadurch weiter entfernt und zugleich bedrohlicher. Das ist einer der auffälligsten Produktionsgriffe des Albums. Der Effekt wird gezielt eingesetzt und verwandelt den Gesang nicht in einen unverständlichen Hallnebel.

Auch dieser Song beschäftigt sich mit Aufmerksamkeit und der Frage, wie Beobachtung den zeitlichen Druck verstärkt. Damit liegt er thematisch nahe bei »Me Hice Simultaneo«. Die musikalische Perspektive ist jedoch anders. Statt eines schweren Latino-Grooves verwendet die Band wechselnde Tempi und eine unruhigere Black-Metal-Färbung. Das Motiv erscheint wie aus größerer Entfernung betrachtet.

Die Nähe beider Texte ist trotzdem ein kleiner konzeptioneller Schwachpunkt. Eternal Drak formulieren dieselbe Erkenntnis zweimal, ohne sie inhaltlich wesentlich zu erweitern. Die unterschiedliche musikalische Umsetzung verhindert Langeweile, doch eine zusätzliche lyrische Perspektive hätte den ansonsten sorgfältigen Albumaufbau bereichert.

BREATHING ONCE AGAIN: MICHEL AMYOT VERÄNDERT DIE FARBE

»Breathing Once Again« wurde als einziger Song von Michel Amyot geschrieben. Der Unterschied ist sofort hörbar. Das Tempo sinkt, das Arrangement wird schlanker, und klarere Vocals treten an die Stelle des permanenten rauen Angriffs. Nach sieben dichten Stücken bekommt das Album damit einen dringend benötigten Ruhepunkt.

Die zurückgenommene Rhythmusgitarre gibt der Stimme viel Platz. Drakar zeigt, dass sein Ausdruck nicht allein von scharfem Geschrei abhängt. Seine klarere Tonlage besitzt eine spröde Qualität und passt zum Text, der eine veränderte Wahrnehmung beschreibt. Unter dem ständigen zeitlichen Druck verlieren Freude und Katastrophe gleichermaßen ihre vertraute Bedeutung, weil alles bereits geschehen zu sein scheint.

Der Song beweist zugleich, wie wichtig Amyot für Eternal Drak ist. Seine Rhythmusarbeit stabilisiert nicht ausschließlich Drakars Ideen; als Komponist bringt er eine eigenständige Dynamik ein. »Breathing Once Again« ist kein Fremdkörper, erweitert aber den emotionalen Umfang der Platte erheblich.

THE COSMOS REJECTS YOU: DER MENSCH VERLIERT SEINEN MASSSTAB

Mit »The Cosmos Rejects You« kehren Geschwindigkeit und finstere Energie zurück. Das Hauptriff besitzt einen starken Thrash-Metal-Zug und lädt unmittelbar zum Kopfnicken ein. Tremolos und dunkle Harmonien legen sich darüber, während Drakar einen seiner schärfsten vokalen Auftritte liefert.

Inhaltlich stellt der Song die menschliche Bedeutung radikal infrage. Jahre, Jahrzehnte und Lebensspannen sind Einheiten, die nur für uns Relevanz besitzen. In kosmischer Dimension hinterlässt ein Menschenleben kaum eine erkennbare Spur. Die Zeit hasst den Menschen nicht und urteilt nicht über ihn; sie nimmt ihn schlicht nicht wahr.

Diese Aussage könnte in gleichförmigem Nihilismus enden. Die Musik hält dagegen. Das Riff besitzt Energie, Bass und Rhythmusgitarre arbeiten eng zusammen, und das Solo setzt einen entschlossenen Akzent. Eternal Drak formulieren Bedeutungslosigkeit mit erstaunlich lebendiger Musik. Gerade dieser Widerspruch macht den Song zu einem Höhepunkt.

NO DIRECTION – TOTAL WAR: 177 SEKUNDEN KONTROLLIERTE ESKALATION

Das Finale »No Direction – Total War« ist mit 2:57 Minuten das kürzeste Stück und zugleich der frontalste Angriff. Blackened Thrash, Death-Metal-Schärfe und ein kriegerischer Refrain werden auf das Wesentliche reduziert. Die Band verzichtet auf ein langes Vorspiel und beendet das Album mit hoher Geschwindigkeit.

Der Text zerstört die letzte vertraute Eigenschaft der Zeit: ihre Richtung. Vergangenheit und Zukunft stehen nicht sauber hinter- und voreinander. Warnungen erreichen den Menschen erst nach dem Schaden, Entscheidungen scheinen von späteren Ergebnissen erzwungen zu werden, und die Gegenwart bezeichnet lediglich den Punkt, an dem das Bewusstsein gerade festhängt. Daraus entsteht ein totaler Krieg ohne Frontverlauf.

Die knappe Form ist perfekt gewählt. Nach den philosophisch dichten neun Stücken benötigt das Album keine lange Zusammenfassung. Ein schnelles Riff, aggressive Vocals und die wiederholte Kriegsformel reichen aus. Eternal Drak beenden die Platte konsequent und ohne einen angehängten Bonustrack.

PRODUKTION UND SOUNDDESIGN: RAUHEIT MIT KLARER ORDNUNG

Drakar hat das Album selbst produziert, gemischt und gemastert. Diese vollständige Kontrolle ist hörbar, weil Klang und Konzept dieselbe Richtung verfolgen. Die Produktion verbindet analoge Aggressivität mit digitaler Dichte. Gitarren besitzen eine raue Oberfläche, bleiben aber deutlich genug getrennt, um Rhythmus, Tremolo und Solo jederzeit unterscheiden zu können.

Die Bassdarstellung verdient besonderes Lob. Viele Blackened-Thrash-Produktionen behandeln den Bass als kaum wahrnehmbare Verdopplung der Gitarre. Auf »The Violence Of Time« erhält er eigene Bewegungsfreiheit. »The Unborn Paths Rot« und »Where Cause Is Buried« profitieren besonders von den präsenten Linien. Gleichzeitig behält die Schlagzeugspur genügend Anschlag, um Tempowechsel präzise zu markieren.

Das Sounddesign arbeitet mit wiedererkennbaren Einzelideen. Das Ticken am Anfang, akustische und flamencoartige Gitarren, das Echo bei »Across The Watching Veils«, die klareren Vocals in »Breathing Once Again« und der Operngesang bei »The Blasphemy Of Time« geben jedem Abschnitt eine eigene Farbe. Die Effekte ordnen die Dramaturgie und ersetzen keine fehlenden Riffs.

Drakars Stimme steht weit vorn und bleibt trotz ihrer dunklen Schärfe gut verständlich. Das ist eine wichtige Qualität, weil die Texte den Kern des Albums bilden. Die Produktion klingt sauberer als traditioneller roher Black Thrash, wahrt aber ausreichend Angriff und Reibung. Wer ausschließlich eine primitive Kelleraufnahme erwartet, wird die moderne Transparenz vielleicht als zu kontrolliert empfinden. Für dieses detailreiche Konzept ist sie die richtige Entscheidung.

DAS DUO SPIELT WIE EINE VOLLSTÄNDIGE EINHEIT

Drakar und Michel Amyot verteilen ihre Aufgaben eindeutig. Amyot sorgt mit der Rhythmusgitarre für Halt, Drakar ergänzt Leadgitarre, Bass und Stimme. Die beiden Musiker versuchen nicht, sich gegenseitig mit technischer Selbstdarstellung zu überbieten. Ein Song benötigt zuerst ein funktionierendes Riff; erst danach kommen Tremolos, Soli und melodische Gegenstimmen.

Das fantastische Zusammenspiel zeigt sich besonders in den Tempowechseln. »Chaos Is The Law« beschleunigt im letzten Drittel, ohne sein Hauptriff zu verlieren. »Me Hice Simultaneo« bleibt langsam und bedrohlich, während Bass und Stimme den inneren Druck erhöhen. »The Cosmos Rejects You« verbindet einen sehr eingängigen Thrash-Rhythmus mit kalter Black-Metal-Harmonik.

Amyots Komposition »Breathing Once Again« zeigt zudem, dass die Zusammenarbeit nicht auf Begleitung und Führung reduziert werden kann. Er bringt eine andere Stimmung ein, die Drakar vokal überzeugend aufnimmt. Dadurch wirkt das Album wie die Arbeit zweier Musiker mit einem gemeinsamen Ziel und nicht wie ein Soloprojekt mit zusätzlicher Rhythmusspur.

STÄRKEN UND KLEINE BRUCHSTELLEN

Die größte Stärke von »The Violence Of Time« ist seine Konzentration. Kein Song überschreitet unnötig die Fünf-Minuten-Marke, und das Finale bleibt unter drei Minuten. Trotzdem besitzt jedes Stück genügend Raum für Tempowechsel, Bassdetails, Soli und eigene Produktionsideen. Die 38 Minuten vergehen schnell und laden zu einem weiteren Durchlauf ein.

Auch das Verhältnis von Eingängigkeit und Aggression ist gelungen. »The Unborn Paths Rot« und »The Cosmos Rejects You« haben Riffs mit hoher Wiedererkennbarkeit. Drakars Gesang klingt bösartig, bleibt aber verständlich. Melodien geben Orientierung, ohne den Thrash Metal zu entschärfen.

Die Schwächen liegen in einzelnen Entscheidungen. Der Gesangsgegensatz bei »The Blasphemy Of Time« ist konzeptionell sinnvoll, wirkt musikalisch jedoch stellenweise unverbunden. »Me Hice Simultaneo« und »Across The Watching Veils« behandeln nahezu dieselbe Erkenntnis über Aufmerksamkeit und Zeitdruck. Außerdem könnten Puristen die saubere Produktion und den deutlichen melodischen Anteil als zu zugänglich empfinden.

Diese Punkte beeinträchtigen den Gesamteindruck nur begrenzt. Eternal Drak kennen ihre Wurzeln, lassen sich von ihnen aber keine starre Form vorschreiben. Lateinamerikanische Rhythmik, Flamencogitarren, klare Vocals und digitale Präzision erweitern den Blackened Thrash, ohne seine Aggression zu verlieren.

FAZIT:

Eternal Drak legen mit »The Violence Of Time« ein durchdachtes, hervorragend produziertes und erstaunlich eingängiges Blackened-Thrash-Album vor. Drakar und Michel Amyot verbinden aggressive Riffs, eisige Harmonien, präsenten Bass, lateinamerikanische Rhythmusfarben und ein ausgezeichnetes Gitarrenzusammenspiel zu zehn kompakten Songs. Die Produktion stellt jedes Instrument klar dar, das Sounddesign gibt den einzelnen Titeln eigene Merkmale, und die Tempowechsel halten das Album dauerhaft in Bewegung. »We Force It To Speak«, »The Unborn Paths Rot«, »Breathing Once Again«, »The Cosmos Rejects You« und das rasende Finale ragen besonders hervor. Der nicht immer harmonische Gastgesang in »The Blasphemy Of Time« sowie eine kleine thematische Wiederholung verhindern die Höchstwertung. Als 38-minütige Abrechnung mit Erinnerung, Zukunft, Ursache und menschlicher Selbstüberschätzung funktioniert die Platte dennoch ausgezeichnet. Vier von fünf Punkten.

Eternal Drak – The Violence Of Time – Album Playlist

Internet

ETERNAL DRAK - THE VIOLENCE OF TIME - Album Review

Vorheriger ArtikelDoomcult – Sacrifice All Life