Eradikated - Wiring Of Violence - cover artwork

Band: Eradikated 🇸🇪
Titel: Wiring Of Violence
Label: Indie Recordings
VÖ: 08.05.2026
Format: Digital / CD / LP
Genre: Thrash Metal / Crossover Thrash / Speed Metal

Tracklist

01. And On The Economy
02. British Petroleum
03. Mortality
04. Again I Rise
05. Culling
06. Tsar
07. Precipice
08. Wiring Of Violence
09. Confession Obsession
10. Ashes
11. And Cats!

Besetzung

Elvin Landaeus Csizmadia – Lead Vocals & Guitar
Ragnar Östberg – Lead Guitar & Vocals
Erland Östberg – Bass & Vocals
Calle Frogner Moberg – Drums

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Es gibt Thrash-Alben, bei denen man nach drei Songs weiß: nett gemeint, sauber gespielt, aber eigentlich liegt die Platte schon wieder im Regal. Eradikated machen es einem auf »Wiring Of Violence« schwerer. Die Schweden treten nicht als Retro-Kapelle auf, die nur alte Bay-Area-Poster abpaust. Sie nehmen diesen Sound zwar als Fundament, hängen aber mehr Wut, mehr politische Gegenwart und mehr jugendlichen Vorwärtsdrang daran, als es vielen Veteranen inzwischen lieb sein dürfte.

Das zweite Album der Band ist kurz, direkt und ziemlich ungeduldig. Nach dem grammis-nominierten »Descendants« hätten Eradikated auch auf Nummer sicher gehen können. Stattdessen wird hier die Schraube angezogen. Krieg, Ölkonzerne, soziale Ungleichheit, Machtmissbrauch, Klimakrise und kollektive Abstumpfung bilden den thematischen Rahmen. Keine schöne Welt, keine sanfte Beobachtung, kein „vielleicht sollten wir mal darüber reden“. »Wiring Of Violence« klingt eher wie der Moment, in dem die Diskussion vorbei ist und jemand den Verstärker sehr bewusst auf Anschlag dreht.

(Hört hier »Wiring Of Violence« von Eradikated)

KURZER ANLAUF, VOLLER EINSCHLAG

»And On The Economy« ist nur ein kurzer Einstieg, aber er setzt die Tonlage. Keine mystische Ouvertüre, kein langes Geräuschintro, sondern ein zynischer Einstieg in ein Album, das wirtschaftliche Gewalt und politische Kälte nicht als Nebenthema behandelt. Direkt danach macht »British Petroleum« keine Gefangenen. Der Song ist ein klassischer Nackenöffner: schnell, bissig, riffstark, mit diesem galligen Gesang von Elvin Landaeus Csizmadia, der die Worte nicht singt, sondern ausspuckt.

Dass die Nummer auf Ölkonzerne, Krieg, Macht und Profitgier zielt, ist nicht schwer zu erkennen. Trotzdem bleibt der Song kein politisches Flugblatt mit Gitarrenbegleitung. Das Ding funktioniert zuerst als Thrash-Track. Das ist wichtig. Wenn die Musik nicht knallt, helfen auch die besten Parolen nichts. Hier knallt sie. Ordentlich sogar.

»Mortality« setzt den Druck fort und liefert einen der direktesten Songs der Platte. Das Stück ist ein Aufruf zum Widerstand gegen ein System, das sich selbst zerlegt und trotzdem von den Falschen verteidigt wird. Musikalisch ist das ein Treffer: schnelle Riffs, Gang-Feeling, präzise Breaks, genug Mitbrüllfaktor. Genau hier zeigen Eradikated, dass sie nicht nur schnell spielen können. Sie verstehen, wie man Aggression bündelt.

WENN THRASH NICHT NUR SPORT IST

»Again I Rise« nimmt etwas Tempo heraus, ohne Energie zu verlieren. Der Song hat mehr Groove, mehr Raum und eine leicht verdrehte Atmosphäre. Gut so. Nach zwei Vollgas-Nummern wäre der nächste reine Hochgeschwindigkeitsangriff zwar möglich gewesen, aber nicht unbedingt klug. Eradikated zeigen hier, dass sie Dynamik verstanden haben. Das Riffing bleibt hart, die Stimmung wird schwerer, und der Song bleibt hängen, weil er nicht sofort alles in derselben Geschwindigkeit verheizt.

»Culling« ist dann wieder deutlich nervöser. Der Song wirkt enger, aggressiver und fast klaustrophobisch. Das passt zur Thematik: Auswahl, Aussonderung, Druck von oben, Gewalt als Verwaltungsprinzip. Man muss diese politische Direktheit mögen. Mir ist das aber lieber als ein weiteres Thrash-Album über nukleare Zombies, die auf Motorrädern durch generische Endzeitkulissen fahren. Eradikated haben etwas zu sagen, und sie sagen es mit Biss.

»Tsar« ist kurz, brutal und genau richtig platziert. Keine lange Ausarbeitung, keine unnötige Ausschmückung. Der Song kommt, schlägt zu und verschwindet wieder. Solche Stücke können Füllmaterial sein. Hier sind sie eher ein Tritt gegen die Tür, bevor »Precipice« mehr Tiefe ins Spiel bringt. Dieser Track gehört zu den stärkeren Momenten, weil er zwischen düsterem Spannungsaufbau und Thrash-Abriss gut vermittelt. Krieg, Abgrund, Kontrollverlust – die Themen sind groß, aber die Band hält den Song kompakt genug, damit er nicht zur Bedeutungspose wird.

DER TITELTRACK SITZT

»Wiring Of Violence« ist nicht nur wegen seines Titels der zentrale Song. Hier verdichtet sich die Grundidee des Albums: Gewalt ist kein Ausbruch einzelner Verrückter, sondern Teil eines Systems, einer Verkabelung, einer Struktur. Die Nummer ist etwas grooviger, wuchtiger und nicht ganz so frontal wie die schnellsten Stücke. Gerade dadurch gewinnt sie. Der Refrain hat Druck, das Riffing arbeitet sauber, und die Band klingt hier am meisten nach sich selbst.

»Confession Obsession« bringt danach eine weitere Facette. Stärker im Midtempo, mit kräftigem Bass-Einstieg und fast hypnotischer Wiederholung, wirkt der Song wie ein kurzes Atemholen, aber nicht wie ein Nachlassen. Das ist einer dieser Tracks, bei denen man merkt, dass Eradikated nicht nur jugendliche Energie haben, sondern auch das Gespür für Platzierung. Nicht jeder Song muss sprinten. Manche müssen schieben.

Mit »Ashes« zieht die Band zum Schluss noch einmal an. Der Song hat einen etwas düstereren Ton, aber gleichzeitig genug Thrash-Wucht, um das Album nicht bloß auslaufen zu lassen. Inhaltlich lässt sich das Stück als Blick auf Erschöpfung, psychischen Druck und das Zurückbleiben nach all der gesellschaftlichen Zerstörung lesen. Guter Abschluss, weil er nicht nur Tempo bietet, sondern auch Nachgeschmack. »And Cats!« hängt dann als kurzer, irritierender Ausklang dran. Kann man mögen, muss man nicht. Es bricht die Ernsthaftigkeit etwas auf, ohne das Album zu beschädigen.

HANDWERK, HÄRTE UND EIN PAAR GRENZEN

Was an »Wiring Of Violence« sofort auffällt: Diese Band ist tight. Nicht „für ihr Alter tight“, sondern einfach tight. Die Riffs sitzen, die Breaks kommen präzise, und das Zusammenspiel wirkt erstaunlich selbstverständlich. Ragnar Östberg und Elvin Landaeus Csizmadia liefern Gitarrenarbeit, die stark auf Bay-Area-Tradition setzt, aber nicht wie eine Museumsführung klingt. Erland Östberg und Calle Frogner Moberg halten den Laden zusammen und sorgen dafür, dass das Album trotz aller Geschwindigkeit nicht auseinanderfliegt.

Die Produktion passt dazu. Scharf genug, um modern zu wirken, roh genug, um nicht steril zu werden. Die Gitarren schneiden, die Drums drücken, der Bass ist kein bloßer Schatten, und der Gesang bleibt vorne. Es ist kein Sound, der jeden Winkel luxuriös ausleuchtet. Muss er auch nicht. Thrash braucht Reibung, und die ist hier da.

Natürlich ist »Wiring Of Violence« kein Album, das das Genre neu sortiert. Wer seit Jahrzehnten Thrash hört, wird die Einflüsse sofort erkennen: Exodus, Slayer, Death Angel, etwas Sacred Reich, hier und da moderne Crossover-Kante. Nicht jeder Song bringt eine Überraschung, und manchmal ist die Wut stärker als die Eigenständigkeit. Aber ehrlich gesagt: Bei dieser Spielfreude fällt das weniger ins Gewicht, als es auf dem Papier klingt. Das Album will keine Revolution der Form sein. Es will zünden, schieben, beißen und im besten Fall live ein paar Nacken ruinieren.

FAZIT:

»Wiring Of Violence« ist ein starkes zweites Album einer Band, die sehr genau weiß, wofür Thrash Metal 2026 noch taugen kann. Eradikated spielen schnell, wütend und technisch sauber, aber sie verlieren sich nicht im reinen Fingertraining. Die Songs haben politische Kante, klare Themen und genug Druck, um nicht als bloße Stilübung durchzugehen.

Die stärksten Momente sind »British Petroleum«, »Mortality«, »Again I Rise«, »Precipice«, »Wiring Of Violence«, »Confession Obsession« und »Ashes«. Das ist eine Menge für ein Album, das kaum über eine halbe Stunde geht. Kleine Abzüge gibt es für die begrenzte Innovationslust und dafür, dass manche bekannten Thrash-Reflexe sehr deutlich durchscheinen. Dafür stimmt die Energie fast durchgehend.

Unterm Strich liefern Eradikated genau das, was moderner Thrash braucht: keine peinliche Nostalgieveranstaltung, keine glattpolierte Streaming-Metal-Schablone, sondern ein wütendes, kompaktes, politisch geladenes Album mit starken Riffs und echter Bühnenwirkung. Wer bei Havok, Warbringer, Exodus oder Power Trip nicht sofort den Raum verlässt, sollte »Wiring Of Violence« dringend antesten.

Wiring Of Violence Album Stream:

Internet

Eradikated - Wiring Of Violence - CD Review

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