Tracklist
01. Precious Stones
02. 8 by 8
03. Amor Fati
04. Relativity
05. Eternal Recurrence
Besetzung
C. Alex Luke – Gesang, Gitarren, Bass und Klavier
German Dmitriev – Violine
Steven Schumann – Cello
Maciek Szczyciński – Kontrabass
Gastmusiker:
Mordian – Gesang auf »Precious Stones« und »Eternal Recurrence«
James Dorton – Harsh Vocals auf »Precious Stones«
Weitere Mitwirkende:
Texte zu »Precious Stones« – Jake Thiele
Mixing und Mastering – Jack Kosto
Artwork und Layout – Timur Khabirov
Logo – Pavel Kurbanov
Symphonic Metal bedeutet nicht automatisch, dass einem bereits in den ersten Sekunden ein vollständiges Orchester, drei Chöre und ein heroisches Blechbläserkommando entgegenfliegen müssen. Eternal Recurrence aus Chicago wählen auf ihrer selbstbetitelten Debüt-EP einen wesentlich intimeren Weg. Anstelle einer künstlich aufgeblasenen MIDI-Kulisse setzt Mastermind C. Alex Luke auf ein echtes kammermusikalisches Ensemble aus Violine, Cello, Kontrabass und Klavier. Diese Instrumente begleiten die Metal-Besetzung nicht bloß dekorativ, sondern reagieren auf Gitarren, Stimmen und Rhythmen, setzen Gegenbewegungen und dürfen hörbar atmen. Das Kratzen eines Bogens, kleine Schwankungen und natürliche Übergänge werden bewusst nicht vollständig auspoliert. Dadurch klingt »Eternal Recurrence« persönlicher und menschlicher als viele glattgezogene Genreproduktionen. Progressive Strukturen, moderne Riffs, klassische Arrangements und vereinzelte Extreme-Metal-Ausbrüche treffen auf philosophische sowie gesellschaftliche Themen. Das Ergebnis ist anspruchsvoll, gelegentlich etwas sperrig, aber durchgehend hörenswert.
KAMMERMUSIK STATT ORCHESTRALER MATERIALSCHLACHT
Gegründet wurde Eternal Recurrence 2025 von Komponist und Multiinstrumentalist C. Alex Luke. Sein Ansatz entstand aus der Überzeugung, dass echte Musiker trotz immer leistungsfähigerer Samplebibliotheken und künstlich erzeugter Musik nicht ersetzt werden sollten.
Das klingt zunächst nach einer Grundsatzrede gegen moderne Technik, wird auf der EP aber musikalisch nachvollziehbar umgesetzt. German Dmitriev, Steven Schumann und Maciek Szczyciński spielen ihre Streicher- beziehungsweise Kontrabassparts mit jener natürlichen Beweglichkeit, die bei vollständig programmierten Arrangements häufig verloren geht.
Die Instrumente werden nicht zu einer riesigen Wand zusammengeschichtet. Stattdessen erinnert der Aufbau tatsächlich stärker an Kammermusik. Violine, Cello, Kontrabass und Klavier bleiben als einzelne Stimmen erkennbar und treten miteinander sowie mit den Metal-Instrumenten in einen hörbaren Dialog.
Das macht die Veröffentlichung weniger bombastisch als typische Werke von Epica oder Nightwish. Gleichzeitig wirkt sie intimer und detailreicher. Die Musik möchte nicht ständig überwältigen, sondern verlangt, dass der Hörer auf die Bewegungen zwischen den einzelnen Instrumenten achtet.
Als weitere Orientierungspunkte lassen sich Kamelot, Dream Theater, Opeth und in den technischeren Gitarrenpassagen sogar Revocation erkennen. Eternal Recurrence kopieren jedoch keine dieser Formationen vollständig, sondern verwenden ihre Einflüsse für eine eigenständige Verbindung aus Progressive und Symphonic Metal.
KOSTBARE STEINE UND MENSCHLICHE GRENZEN
»Precious Stones« war das erste Stück, das für die EP entstand. Ursprünglich wurde es während der Pandemie als geradliniger Metal-Song ohne klassisches Ensemble geschrieben. Erst später passte Luke das Arrangement an die kammermusikalische Ausrichtung des Projekts an.
Diese Entstehungsgeschichte ist hörbar. Der Song besitzt einen vergleichsweise direkten Metal-Kern, um den Streicher, Klavier und zusätzliche Stimmen gelegt wurden. Die verschiedenen Ebenen funktionieren weitgehend gut miteinander, wirken aber noch stärker voneinander getrennt als auf den späteren Titeln.
Die größte Stärke liegt im Gesang. Mordian übernimmt die melodischen Passagen im Refrain und in der Bridge. Ihre warme Altstimme setzt einen starken Kontrast zu Lukes klarer Stimme und den harschen Vocals von James Dorton.
Dorton, bekannt durch seine Arbeit mit Black Crown Initiate, Diamorte und Ne Obliviscaris, verleiht den schwereren Abschnitten zusätzliche Durchschlagskraft. Seine Growls treten gezielt auf und machen aus dem Song keine vollständige Extreme-Metal-Nummer.
Textlich stammt »Precious Stones« als einziges Stück nicht von Luke, sondern von dessen früherem Bandkollegen Jake Thiele. Inhaltlich geht es um die Sinnlosigkeit jener religiösen, politischen oder gesellschaftlichen Grenzen, mit denen Menschen einander bekämpfen und sich selbst die Lebensfreude nehmen.
Der Gedanke wird ohne komplizierte philosophische Umwege vermittelt. Gerade deshalb eignet sich der Song gut als Einstieg. Die EP präsentiert ihre musikalischen Grundbestandteile, ohne den Hörer sofort mit den längsten und verschachteltsten Kompositionen zu konfrontieren.
Nicht jeder Übergang ist vollständig nahtlos. Besonders zwischen den härteren Gitarrenpassagen und den kammermusikalischen Abschnitten wirkt das Arrangement stellenweise wie eine Folge sorgfältig verbundener Einzelteile. Trotzdem gehört »Precious Stones« zu den unmittelbarsten Titeln der Veröffentlichung.
ACHT MAL ACHT UND DIE MASCHINE AM SCHACHBRETT
»8 by 8« wurde bereits vollständig für das neue Konzept komponiert. Entsprechend nehmen die Streicher einen größeren Raum ein und wirken nicht wie eine spätere Ergänzung.
Der Text wird aus der Perspektive von AlphaZero erzählt, einem selbstlernenden Computerprogramm, das sich das Schachspiel durch Partien gegen sich selbst beibrachte. Das acht mal acht Felder große Brett wird dabei zu einem kleinen Universum aus nahezu unzähligen Möglichkeiten.
Zu Beginn erscheint die künstliche Intelligenz unsicher. Regeln müssen verstanden, Fehler gespeichert und Strategien entwickelt werden. Innerhalb weniger Stunden wächst aus diesem unbeholfenen Ausgangspunkt ein System, das menschliches Wissen überholt.
Die Musik bildet diese Entwicklung durch wiederkehrende Motive und zunehmende Verdichtung ab. Klavier und Streicher wirken zunächst geordnet, während die Gitarren später mehr Raum beanspruchen und das Arrangement an Schwere gewinnt.
Gerade hier funktioniert die Verbindung aus klassischem Ensemble und Progressive Metal überzeugend. Die unterschiedlichen Instrumente sind nicht lediglich gleichzeitig vorhanden, sondern übernehmen nachvollziehbare Aufgaben innerhalb der Komposition.
Die Laufzeit von beinahe sieben Minuten ist dennoch spürbar. Einige Motive werden ausführlicher behandelt, als es für ihre grundlegende Aussage notwendig wäre. Freunde progressiver Entwicklungen dürften daran wenig auszusetzen haben, während Hörer kompakter Songstrukturen gelegentlich ungeduldig werden könnten.
Trotzdem bleibt »8 by 8« ein spannender Titel. Künstliche Intelligenz wird nicht einfach als böse Maschine beschrieben. Stattdessen interessiert sich Luke für die Geschwindigkeit, mit der ein künstliches System lernt, Muster erkennt und schließlich über seine ursprüngliche Aufgabe hinausdenken könnte.
AMOR FATI UND DIE LIEBE ZUM SCHICKSAL
Mit mehr als siebeneinhalb Minuten bildet »Amor Fati« das philosophische Zentrum. Der lateinische Begriff bezeichnet die bewusste Annahme beziehungsweise Liebe des eigenen Schicksals und ist eng mit Friedrich Nietzsches Vorstellung der ewigen Wiederkehr verbunden.
Die entscheidende Frage lautet: Könnte man das eigene Leben vollständig bejahen, wenn man wüsste, dass jede Entscheidung, jeder Fehler, jeder Verlust und jede Freude unendlich oft wiederholt würden?
Musikalisch beginnt der Song mit tiefem Cello und Kontrabass. Die dröhnende Grundfläche wird durch eine Quinte und eine große Terz erweitert und erinnert bewusst an Richard Strauss’ »Also sprach Zarathustra«.
Die Anspielung ist naheliegend, aber sinnvoll. Statt das bekannte Motiv einfach zu kopieren, verwendet Luke dessen grundlegende Bewegung als Ausgangspunkt für ein eigenes Arrangement. Schwere Gitarren und rhythmische Figuren übernehmen anschließend die Führung.
Besonders das Zusammenspiel der tiefen Streicher mit Bass und Gitarren funktioniert. Der Kontrabass erweitert nicht bloß den unteren Frequenzbereich, sondern gibt dem Song eine organische Schwere, die sich von gewöhnlichen Synthesizerflächen deutlich unterscheidet.
Im Refrain arbeitet Luke teilweise mit dem dorischen Modus. Dadurch entsteht eine eigentümliche Balance zwischen Dunkelheit und Hoffnung, die hervorragend zum Gegensatz aus Leid und Lebensbejahung passt.
»Amor Fati« ist kompositorisch ambitioniert und besitzt mehrere beeindruckende Abschnitte. Gleichzeitig verlangt die Nummer Geduld. Nicht jede Wiederholung verstärkt automatisch die Aussage, und gelegentlich scheint die philosophische Idee stärker entwickelt als der unmittelbare musikalische Haken.
Für das Gesamtkonzept ist der Song dennoch unverzichtbar. Hier wird die Bedeutung des Projektnamens nicht nur erklärt, sondern in musikalische Gegensätze aus Schwere, Bewegung, Trauer und Zustimmung übertragen.
DIE UNENDLICHE TREPPE
»Relativity« ist von den unmöglichen Bauwerken M. C. Eschers inspiriert. Besonders die Werke »Relativity« sowie »Ascending and Descending« liefern die Grundlage für einen Text über Figuren, die scheinbar aufwärtsgehen und dennoch niemals ihr Ziel erreichen.
Die Perspektive eines Bewohners dieser unmöglichen Architektur verleiht dem Song eine interessante Ebene. Für die Figur erscheint der eigene Weg sinnvoll und geradlinig, obwohl er von außen betrachtet aus einem unendlichen Kreislauf besteht.
Mit knapp fünf Minuten ist »Relativity« vergleichsweise kompakt. Das steht dem Material gut. Die Komposition besitzt einen klaren Aufbau und verzichtet darauf, jede Idee bis zur letzten Möglichkeit auszudehnen.
Die Violine von German Dmitriev spielt eine zentrale Rolle. Ihre Linien bewegen sich um Lukes Gesang und vermitteln den Eindruck einer Treppe, die immer wieder an einem vertrauten Punkt ankommt.
Auch Motive aus den vorherigen Songs scheinen in veränderter Form zurückzukehren. Dadurch wird der Gedanke der Wiederholung nicht allein textlich behandelt, sondern in die musikalische Struktur der EP eingebaut.
Die klare Stimme von Luke passt grundsätzlich zum progressiven Charakter, fällt jedoch stellenweise sehr deutlich artikuliert aus. Während die Streicher fließend und weich ineinander übergehen, wirkt sein Gesang gelegentlich kantiger, als es die jeweilige Passage benötigt.
Das ist kein grundsätzliches technisches Problem, erzeugt aber eine gewisse Distanz. Mehr fließende Übergänge zwischen den einzelnen Tönen hätten den Gesang noch enger mit dem kammermusikalischen Untergrund verbunden.
DIE EWIGE WIEDERKEHR AUF HOHER SEE
Der abschließende Titeltrack ist mit mehr als acht Minuten die längste und zugleich vollständigste Komposition. Hier greifen klassisches Ensemble, Metal-Instrumentierung und Gesang besonders geschlossen ineinander.
Inhaltlich verwendet der Song eine gefährliche Seereise als Bild für Fehlgeburten, Trauer und wiederholte Versuche, trotz vorheriger Verluste ein sicheres Ziel zu erreichen. Jede neue Fahrt trägt die Erinnerung an die vorherige Katastrophe in sich.
Die Stürme kehren zurück, die Gefahr wiederholt sich und dennoch wird die Reise erneut angetreten. Damit erhält die ewige Wiederkehr eine sehr persönliche und emotionale Bedeutung. Es geht nicht mehr ausschließlich um abstrakte Philosophie, sondern um Menschen, die nach einem Verlust noch einmal Hoffnung zulassen.
Eine treibende musikalische Figur begleitet die gefährlichen Abschnitte. Sie soll die unvermeidbaren Stürme auf der Reise darstellen und wird später in veränderter Form wieder aufgegriffen.
Mordian kehrt als Gastsängerin zurück und verleiht dem Titel eine wichtige emotionale Erweiterung. Ihre Stimme harmoniert besonders gut mit den Streichern und wirkt in den ruhigeren Passagen beinahe wie ein weiterer Bestandteil des Ensembles.
Im Mittelteil übernimmt sie einen klagenden, sehr persönlichen Abschnitt. Die Musik zieht sich zurück, bevor Gitarren und Rhythmus erneut an Kraft gewinnen. Hier erreicht das Konzept seine größte emotionale Wirkung.
Gegen Ende wird das zuvor bedrohliche Motiv am Klavier in eine weichere Dur-Fassung verwandelt. Nach Sturm, Verlust und Angst entsteht das Bild eines sicheren Hafens und ruhig an das Ufer schlagender Wellen.
Der Titeltrack zeigt besonders deutlich, was Eternal Recurrence erreichen können. Klassik und Metal stehen nicht mehr nebeneinander, sondern bilden eine zusammenhängende Komposition. Die einzelnen Motive besitzen eine erzählerische Funktion und kehren in veränderter Form zurück.
Genau deshalb wird der Song in mehreren Rezensionen als Höhepunkt hervorgehoben. Er bündelt sämtliche Ideen der EP und gibt ihnen jene Geschlossenheit, die bei den ersten Stücken noch nicht in jedem Moment vorhanden ist.
ECHTE INSTRUMENTE MIT ECHTEN REIBUNGEN
Das wichtigste Merkmal ist nicht bloß die Verwendung von Violine, Cello und Kontrabass. Entscheidend ist, wie diese Instrumente aufgenommen und in den Mix eingebunden wurden.
Man hört kleine Bewegungen des Bogens, Veränderungen im Vibrato und natürliche Übergänge zwischen einzelnen Tönen. Diese Details wären mit hochwertigen Samples durchaus nachstellbar, würden aber selten dieselbe unmittelbare Wirkung besitzen.
Die Streicher klingen nicht vollkommen makellos. Genau darin liegt ihre Stärke. Sie besitzen eine Oberfläche, reagieren aufeinander und erzeugen kleine Spannungen, die den Arrangements Leben geben.
Besonders Steven Schumanns Cello und Maciek Szczycińskis Kontrabass verleihen den langsamen Abschnitten Gewicht. Die tiefen Instrumente werden nicht einfach durch Synthesizer ersetzt, sondern erzeugen einen tatsächlichen körperlichen Resonanzraum.
German Dmitriev übernimmt an der Violine häufig die beweglichste Stimme. Seine Linien stehen teilweise im direkten Austausch mit Gesang oder Gitarre, statt lediglich lange Töne über den Songs zu halten.
Luke selbst spielt Gitarren, Bass und Klavier und verbindet damit die beiden musikalischen Welten. Besonders sein Klavierspiel verhindert, dass Klassik und Metal als vollständig getrennte Lager erscheinen.
Die Gitarrenarbeit bewegt sich zwischen modernen Rhythmen, progressiven Läufen und melodischen Leads. Technische Fähigkeiten werden deutlich, stehen aber nicht dauerhaft im Vordergrund.
Gelegentlich möchte die Musik zu viele Bestandteile gleichzeitig abbilden. Wenn Gitarren, Streicher, Klavier und mehrere Stimmen um Aufmerksamkeit kämpfen, verliert das Arrangement etwas von jener Klarheit, die der kammermusikalische Ansatz eigentlich verspricht.
ZWISCHEN INTIMITÄT UND MODERNEM DRUCK
Jack Kosto von Seven Spires verantwortet Mixing und Mastering. Die Produktion verbindet moderne Metal-Härte mit einem ausreichend natürlichen Streicherklang.
Gitarren und Rhythmus besitzen Druck, ohne das klassische Ensemble vollständig zu überdecken. Auch die tiefen Instrumente bleiben erkennbar und werden nicht zu einer einheitlichen Bassfläche zusammengeschoben.
Besonders in den ruhigeren Abschnitten überzeugt die Räumlichkeit. Violine, Cello, Kontrabass und Klavier erscheinen als einzelne Klangquellen, die sich innerhalb eines gemeinsamen Raums bewegen.
Sobald sämtliche Bestandteile aktiv werden, verdichtet sich die Produktion erheblich. Der Mix bleibt grundsätzlich kontrolliert, wirkt aber nicht immer vollkommen transparent.
Das passt teilweise zum dramatischen Charakter, zeigt jedoch auch, dass sich die ungewöhnliche Besetzung noch in einer Entwicklungsphase befindet. Ein etwas mutigerer Umgang mit Leerräumen könnte zukünftigen Kompositionen zusätzliche Wirkung verleihen.
Auch der Gesang dürfte polarisieren. Luke besitzt eine klare und kontrollierte Stimme, deren deutliche Artikulation gut zu den philosophischen Texten passt. In manchen melodischen Passagen wirkt der Vortrag allerdings etwas streng und weniger fließend als die umgebenden Streicher.
Die Gaststimmen erweitern das Klangbild deshalb erheblich. Mordians Altgesang sorgt für Wärme und längere melodische Bögen, während James Dorton den härtesten Abschnitten den notwendigen extremen Kontrast gibt.
EIN KONZEPT MIT WIEDERHOLUNGSPOTENZIAL
Mit fünf Songs und einer Spielzeit von gut 32 Minuten ist »Eternal Recurrence« beinahe ein kurzes Album. Die ausgedehnten Kompositionen geben den Themen und Arrangements genügend Raum.
Die Veröffentlichung ist erstaunlich geschlossen. Künstliche Intelligenz, philosophische Wiederholung, unmögliche Architektur und persönliche Trauer wirken zunächst wie weit voneinander entfernte Themen. Verbunden werden sie durch die Frage, wie Menschen oder Systeme mit Wiederholung, Erkenntnis und Veränderung umgehen.
Nicht jede Komposition erreicht dieselbe emotionale Stärke. »Precious Stones« klingt stellenweise noch nach einem Metal-Song, dem das spätere Kammermusikkonzept hinzugefügt wurde. »8 by 8« und »Amor Fati« besitzen spannende Ideen, verlieren sich aber gelegentlich in ihrer Ausführlichkeit.
»Relativity« profitiert von seiner kompakteren Struktur, während der Titeltrack sämtliche Elemente am überzeugendsten zusammenführt. Dort erreicht das Projekt eine tatsächliche Verschmelzung aus klassischer Komposition, modernem Metal und emotionaler Erzählung.
Die Debüt-EP ist deshalb weniger ein vollkommen ausgereiftes Meisterwerk als eine bemerkenswerte Grundlage. Die eigene Identität ist bereits klar erkennbar, und das kammermusikalische Konzept hebt Eternal Recurrence deutlich von zahlreichen Symphonic-Metal-Projekten ab.
Entscheidend wird sein, die einzelnen musikalischen Welten künftig noch organischer miteinander zu verbinden. Gelingt dies, besitzt das Projekt das Potenzial, eine sehr eigene Position zwischen Progressive, Symphonic und Extreme Metal einzunehmen.
FAZIT:
»Eternal Recurrence« ist eine ambitionierte Debüt-EP, die Symphonic Metal nicht durch möglichst große Orchesterflächen, sondern durch die Intimität echter Kammermusik erweitert. Violine, Cello, Kontrabass und Klavier dürfen hörbar atmen und verleihen den progressiven Metal-Kompositionen Wärme, Reibung und eine angenehm menschliche Oberfläche. Besonders »Precious Stones«, das kompakte »Relativity« und der emotional starke Titeltrack überzeugen. Die philosophischen und gesellschaftlichen Themen sind durchdacht, während die Gastbeiträge von Mordian und James Dorton wichtige vokale Kontraste setzen. Noch greifen Klassik und Metal nicht in jedem Stück vollkommen selbstverständlich ineinander, einige Passagen fallen etwas lang aus und Lukes sehr deutliche Gesangsführung harmoniert nicht immer ideal mit den fließenden Streicherarrangements. Dennoch gelingt Eternal Recurrence ein eigenständiger und hörenswerter Einstand, der beweist, dass kleine Ensembles eine größere Wirkung entfalten können als so manches digital aufgeblasene Orchester.






