Tracklist
01. The Void
02. Underdark
03. Nightstar Odyssey
04. Titans
05. Oath Of Apathy
06. The Illusionist (Raise The Curtain)
07. Armored Will
08. Ravens At The Gates
09. Mournbraid
10. Old Man’s Tale (bonus track)
Besetzung
Johan Haraldsson – vocals
Johan Karlsson – guitar, bass, piano, orchestrations
Andreas Viklands – drums
Neue Kraft aus Schweden
Die schwedische Power-Metal-Szene hat in den letzten Jahrzehnten unzählige starke Bands hervorgebracht. In diese Tradition reiht sich auch EVERMORE ein. Hinter dem Namen steht ein kompaktes Trio. Sänger Johan Haraldsson, Multiinstrumentalist Johan Karlsson an Gitarre, Bass, Piano und orchestralen Arrangements sowie Schlagzeuger Andreas Viklands. Trotz der kleinen Besetzung klingt die Band auf Platte erstaunlich groß.
Mit »Mournbraid« erscheint nun das dritte Album der Schweden. Aufgenommen wurde es in den MWC Studios, produziert und gemischt von Marcus „Mackan“ Alfsson. Das Mastering übernahm Svante bei Chartmakers West. Schon diese Personalien lassen erahnen, dass hier kein Schnellschuss entstanden ist, sondern ein sorgfältig ausgearbeitetes Werk.
Epischer Auftakt
Der Einstieg gelingt mit »The Void«, einem kurzen orchestralen Stück, das die Atmosphäre des Albums sofort festlegt. Chöre, düstere Streicherflächen und ein langsamer Spannungsaufbau führen direkt zu »Underdark«, einem typischen Power-Metal-Stampfer mit treibenden Double-Bass-Rhythmen. Hier zeigt sich bereits eine der größten Stärken des Albums: die Balance zwischen hymnischen Melodien und einer leicht düsteren Grundstimmung.
Melodische Reise durch Sternennächte
Mit »Nightstar Odyssey« folgt einer der eingängigsten Songs der Platte. Der Refrain bleibt sofort im Ohr, ohne in simple Klischees abzurutschen. Viklands treibt den Song mit einem dynamischen Schlagzeugspiel voran, während im Hintergrund wieder orchestrale Elemente für epische Breite sorgen.
»Titans« geht noch einen Schritt weiter und bringt eine heroische Grundstimmung ins Album. Die Gitarrenlinien erinnern stellenweise an klassischen europäischen Power-Metal, während das Arrangement bewusst modern gehalten ist. Besonders der Mittelteil mit seinen mehrstimmigen Chören sorgt für Gänsehaut.
Dunklere Töne im Mittelteil
Der Albumfluss verändert sich spürbar mit »Oath Of Apathy«. Hier nehmen EVERMORE das Tempo heraus und setzt auf eine schwerere, fast melancholische Stimmung. Haraldsson zeigt dabei eine etwas rauere Seite seiner Stimme, was dem Song zusätzliche Tiefe verleiht.
Danach öffnet sich mit »The Illusionist (Raise The Curtain)« gewissermaßen ein neues Kapitel. Das Stück beginnt mit einem fast filmischen Intro aus Piano und orchestralen Klängen, bevor ein treibender Rhythmus einsetzt. Die dramaturgische Struktur erinnert tatsächlich an eine Theaterinszenierung: Aufbau, Spannung, große Auflösung im Refrain.
Kraftvolle zweite Hälfte
Mit »Armored Will« kehrt die Band zu einem direkteren Power-Metal-Ansatz zurück. Schnelle Gitarrenriffs, ein markanter Refrain und ein kurzes, prägnantes Solo geben dem Song eine klassische Metal-Dynamik. Gerade live dürfte dieser Titel hervorragend funktionieren.
»Ravens At The Gates« setzt anschließend auf eine dunklere, fast bedrohliche Atmosphäre. Die Gitarren wirken hier etwas tiefer gestimmt, während die Orchestrierungen stärker in den Hintergrund rücken. Dadurch entsteht ein kompakter, fast martialischer Klang.
Der emotionale Kern
Der Titeltrack »Mournbraid« bildet das Herzstück des Albums. Die Band kombiniert hier alles, was sie zuvor aufgebaut hat: melodische Gitarren, orchestrale Arrangements und eine emotionale Gesangsleistung. Der Song entfaltet sich langsam, steigert sich über mehrere Abschnitte hinweg und endet in einem großen Finale.
Gerade hier zeigt sich Karlssons Talent als Arrangeur. Die verschiedenen musikalischen Ebenen greifen präzise ineinander, ohne sich gegenseitig zu überdecken. Das Ergebnis wirkt cineastisch, aber dennoch klar strukturiert.
Bonus mit erzählerischem Flair
Als Bonus folgt »Old Man’s Tale«, ein ruhigerer Abschluss mit erzählerischem Charakter. Akustische Elemente und ein reduzierter Aufbau verleihen dem Stück eine beinahe folkige Atmosphäre. Nach dem epischen Titeltrack wirkt dieser Song wie ein ruhiger Nachklang.
Produktion und Klangbild
Klanglich überzeugt »Mournbraid« durch eine ausgewogene Produktion. Die Gitarren haben genug Druck, ohne die orchestralen Elemente zu überdecken. Besonders das Schlagzeug klingt natürlich und dynamisch. Marcus „Mackan“ Alfsson sorgt dafür, dass jedes Instrument seinen Platz bekommt, während das Mastering von Svante dem Album einen warmen, kräftigen Gesamtklang verleiht.
Auffällig ist auch, wie geschickt EVERMORE ihre orchestralen Arrangements einsetzen. Viele Bands im Genre überladen ihre Songs mit symphonischen Elementen. Hier bleibt alles kontrolliert und zielgerichtet. Die Orchesterparts unterstützen die Songs, statt sie zu dominieren.
Mit »Mournbraid« gelingt EVERMORE ein überzeugendes drittes Album. Die Band verbindet klassische Power-Metal-Elemente mit modernen Arrangements und einem starken Gespür für Dramaturgie. Besonders die Mischung aus melodischen Gitarren, orchestralen Klangflächen und der klaren Stimme von Johan Haraldsson prägt den Charakter der Platte.
Die Songs wirken durchdacht, abwechslungsreich und bleiben dennoch zugänglich. Stücke wie »Nightstar Odyssey«, »Titans« oder der Titeltrack zeigen, wie viel Potenzial in diesem Trio steckt.
Fazit: Mit »Mournbraid« beweisen EVERMORE erneut, warum sie zu den aufstrebenden Kraftzentren im Power-Metal gehören.

