Band: Exploding Head Syndrome 🇳🇴
Titel: Deathbeds
Label: Independent
VÖ: 08.05.2026
Genre: Punk Rock / Melodic Hardcore / Hardcore Punk

Tracklist

01. Preaching To Rats
02. Confessions
03. Age Of Deviation
04. Deathbeds
05. Sinking
06. Scrabby
07. Sins Of Fathers
08. The Lynx
09. Faultlines
10. Taste My Sauce
11. The Ballad Of Denial

Besetzung

Eirik Ekholdt – Gesang
Morten Rørvig – Gesang, Gitarre
Jonas Andreassen – Gitarre
Håvard Jacobsen – Bass, Gesang
Lars Kirkerud – Schlagzeug

Bewertung:

4,5/5

Mit ihrem neuen Album »Deathbeds« beweisen die aus Oslo stammenden Punkrocker Exploding Head Syndrome, dass melodischer Hardcore und Punk Rock auch im Jahr 2026 noch ordentlich Dampf aus dem Kessel lassen können, ohne dabei nach aufgewärmter Nostalgie zu klingen. Hier wird nicht höflich angeklopft, hier wird die Tür eingetreten, der Verstärker aufgerissen und der Raum anschließend in eine gepflegte Pogo-Zone verwandelt.

Dabei ist »Deathbeds« keines dieser Alben, das sich erst minutenlang warmspielen muss, bevor es seine Wirkung entfaltet. Die Norweger kommen direkt auf den Punkt. Kurze Zündschnur, klare Haltung, starke Refrains und ein Sound, der zwischen 90er-Punk, melodischem Hardcore und moderner Direktheit steht. Das Album ist aggressiv, eingängig, politisch bissig und an einigen Stellen sogar herrlich bekloppt. Genau diese Mischung macht den Reiz aus.

Aufgenommen wurde »Deathbeds« im Herbst 2025 in Oslo. Mit Chris Cresswell, bekannt durch The Flatliners und Hot Water Music, hatte die Band einen Produzenten an Bord, der nicht nur aus der Ferne seinen Namen auf das Projekt klebte, sondern während der Aufnahmen direkt vor Ort war. Gemischt wurde das Werk von Kjell Thomas Tøssebro Mathisen, das Mastering übernahm Espen Høydalsvik bei Oslo Fuzz. Das Ergebnis klingt druckvoll, lebendig und angenehm ungeschönt. Keine klinisch glattpolierte Punk-Plastikproduktion, sondern ein Album mit Schweiß, Kante und genug melodischer Schlagkraft, um sich sofort im Ohr festzubeißen.

PUNKROCK MIT HALTUNG, HERZ UND ZÄHNEN

Inhaltlich zeichnen Exploding Head Syndrome auf »Deathbeds« ein ziemlich düsteres Bild der Gegenwart. Es geht um Machtmissbrauch, gesellschaftliche Ermüdung, korrupte Strukturen, politische Verblendung, Schuldverschiebung, Selbstbetrug und die Frage, wie lange ein System eigentlich noch brennen kann, bevor alle so tun, als wäre der Rauch nur Nebelmaschine.

Das klingt schwer, und ja, thematisch ist dieses Album auch schwer. Trotzdem wirkt »Deathbeds« nie wie eine trockene Vorlesung über den Untergang der Welt. Dafür hat die Band zu viel Gespür für Tempo, Melodie und diesen ganz bestimmten Hardcore-Punk-Reflex, der einen nicht in den Sessel drückt, sondern aus ihm herausschleudert. Exploding Head Syndrome verpacken ihre bitteren Beobachtungen in Songs, die live vermutlich nicht diskutiert, sondern verschwitzt werden.

Besonders stark ist, dass die Band nicht nur wütend klingt, sondern fokussiert. Hier wird nicht ziellos gegen alles gebellt, was sich bewegt. Die Wut hat Richtung. Die Songs treffen, weil sie nicht nur laut sind, sondern auch präzise formuliert wirken. Und wenn dann noch diese Refrains einsetzen, die zwischen Melodic Hardcore, Punk Rock und fast schon hymnischem Mitgrölfaktor pendeln, dann ist schnell klar: »Deathbeds« ist kein bloßer Krawall, sondern ein verdammt gut geschriebenes Punkalbum.

PREACHING TO RATS: DER STARTSCHUSS IN DEN POGORAUSCH

Mit »Preaching To Rats« eröffnen Exploding Head Syndrome ihr neues Langspielwerk und zeigen direkt, wie absolut geiler Punkrock beziehungsweise Hardcore-Punk funktionieren kann. Der Song fackelt nicht lange und versetzt seine Zuhörer in einen Pogorausch, der es in sich hat. Zunächst kommt die Nummer mit einem simplen Gitarrenriff daher, das fast ein wenig nach Indie Rock schielt, bevor mit einem Attackeeffekt der mächtige Sound einsetzt. Nach einigen Drumbreaks und Fills legt die Band dann kompromisslos los.

Instrumental ist das geradlinig, aber keineswegs langweilig. Das Schlagzeug von Lars Kirkerud treibt die Nummer mit ordentlich Schweißarbeit nach vorne, während Bass und Gitarren das Fundament in dieser kompromisslosen Drei-Akkord-Manier zementieren, die modernen Punk und Hardcore verkörpert, ohne die Traditionen des Genres mit Füßen zu treten. Kurze Leads und präzise Breaks halten das Arrangement zusammen und sorgen dafür, dass aus Geschwindigkeit nicht bloß Durchmarsch wird.

Inhaltlich dreht sich der Opener um Verführung, Verantwortungslosigkeit und den Zusammenbruch alter Gewissheiten. Der Song beschreibt eine Welt, in der falsche Versprechen, Angst und Machtinstinkte stärker werden als Vernunft und Würde. Es geht um Menschen, die andere manipulieren, sich aber aus jeder Verantwortung stehlen. Der Titel trifft dabei sehr gut: Hier wird nicht zu einem aufgeklärten Publikum gesprochen, sondern in ein System hinein, das längst von Misstrauen, Gier und Verrohung angefressen ist.

CONFESSIONS: EIN REFRAIN, DER BLEIBT, UND EINE ANKLAGE, DIE SITZT

Ja, der geneigte Rezensent muss es gestehen: Das hier ist verdammt guter, melodischer und kompromissloser Punk beziehungsweise Hardcore. Mit »Confessions« liefern Exploding Head Syndrome einen Song ab, der in zügiger Geschwindigkeit nach vorne geht, aber gleichzeitig einen Refrain besitzt, der sich sofort im Kopf festsetzt. Man könnte an manchen melodischen Stellen kurz an die eingängigeren Momente einer Band wie Blink-182 denken, doch der Unterbau ist deutlich härter, zorniger und weniger sonnig.

Textlich ist »Confessions« eine direkte Abrechnung mit einem System, in dem Konsequenzen nicht für alle gleich gelten. Der Song richtet sich gegen jene, die sich durch Geld, Einfluss und Macht aus jeder selbst gegrabenen Grube freikaufen können. Es geht um Verantwortungsflucht, moralischen Bankrott und eine Gesellschaft, die oft lieber schnelle Lösungen glaubt, als die Mechanismen dahinter zu hinterfragen. Exploding Head Syndrome treffen hier einen Nerv, weil sie nicht abstrakt über Ungerechtigkeit singen, sondern über ein konkretes Gefühl: Manche dürfen alles, andere bezahlen die Rechnung.

Musikalisch ist das eine der stärksten Nummern des Albums. Die Mischung aus Druck, Eingängigkeit und bissiger Klarheit funktioniert hervorragend. Der Song hat Hitpotenzial, ohne sich anzubiedern. Genau so muss moderner Punk klingen, wenn er nicht nur nostalgisch auf alte Zeiten schielen, sondern selbst Relevanz besitzen will.

AGE OF DEVIATION: MELODIE, CHAOS UND GESELLSCHAFTLICHE SCHIEFLAGE

Mit einem punkrockartig angehauchten Indie-Intro leitet »Age Of Deviation« etwas gemäßigter ein und zeigt, dass Exploding Head Syndrome auch dann funktionieren, wenn sie nicht sofort Vollgas fahren. Der Song besitzt eine starke melodische Linie und einen Refrain mit absoluter Ohrwurmgarantie. Trotzdem ist diese Nummer nicht weniger Punk als der Rest der Scheibe. Eher zeigt sie, wie vielseitig diese Band innerhalb ihres Rahmens agieren kann.

Inhaltlich beschäftigt sich der Song mit einer Gesellschaft, in der Wahrheiten zerfallen und Missverständnisse fast schon als Treibstoff dienen. Fakten sind nicht mehr einfach Fakten, Lügen nicht mehr einfach Lügen. Entscheidend ist immer öfter, wer spricht, welche Gruppe zuhört und welche Version der Wirklichkeit gerade am bequemsten erscheint. Der Song wirkt damit wie ein Kommentar auf eine Zeit, in der Abweichung, Provokation und gezielte Zerstörung von Gewissheiten nicht nur Nebenerscheinungen, sondern fast schon Geschäftsmodell geworden sind.

Besonders stark ist hier das Songwriting. Exploding Head Syndrome schaffen es, einen melodisch fast schon schönen Song zu schreiben, der inhaltlich alles andere als bequem ist. Diese Spannung macht »Age Of Deviation« zu einem frühen Höhepunkt des Albums.

DEATHBEDS: SCHWERE, HÄRTE UND EIN TITELTRACK MIT NACHDRUCK

Der nach dem Album benannte Song »Deathbeds« besticht anschließend durch Schwermut und Heaviness. Die Band liefert hier ein starkes Brett zwischen traditionellem Punkrock und Hardcore ab und bleibt ihrem Genre absolut gerecht, ohne dabei auf Autopilot zu schalten. Die Rhythmusinstrumentalisierung ist gottverdammt Punk, doch immer wieder hauen Exploding Head Syndrome kleine Gitarrenleads, Breaks und melodische Gesangspassagen heraus, die zeigen, dass hier weit mehr passiert als bloß Schrammelpunk mit angezogener Handbremse.

Textlich ist »Deathbeds« einer der politisch deutlichsten Songs des Albums. Es geht um nationale Mythen, Machtfantasien, historische Schuld, Gewalt und die gefährliche Bereitschaft, sich von einem selbstherrlichen Anführer in den Abgrund ziehen zu lassen. Gleichzeitig steckt im Song noch ein Rest Hoffnung: Der falsche Weg ist nicht unausweichlich, Umkehr bleibt möglich. Genau dieses Spannungsfeld zwischen Warnung und letzter Chance verleiht der Nummer Gewicht.

Der Shoutgesang sitzt perfekt im Soundbild, während die melodischen Chöre dem Ganzen die Krone aufsetzen. Hier zeigen Exploding Head Syndrome, dass politische Direktheit und musikalische Eingängigkeit keine Gegensätze sein müssen.

SINKING: MELODIC HARDCORE IM TIEF GESTIMMTEN PUNKZIRKUS

Ohrwurmfaktor-Refrains zu schreiben, haben Exploding Head Syndrome drauf. Das beweisen sie auch mit »Sinking«, einer Nummer, die melodische Hardcore-Einflüsse in den ohnehin tief gestimmten Punkzirkus einfließen lässt. Der Song bleibt direkt hängen, ohne dadurch harmlos zu wirken. Im Gegenteil: Unter der melodischen Oberfläche brodelt es gewaltig.

Inhaltlich geht es um zerstörte Beziehungen, moralische Erschöpfung und den Moment, in dem niemand mehr so genau weiß, ob man zu viel oder noch immer nicht genug versucht hat. Der Song beschreibt ein gegenseitiges Untergehen, ein Wechselspiel aus Abhängigkeit, Schuld, Wut und dem Wunsch, endlich loszulassen. Dabei bleibt offen, wer eigentlich wen mit nach unten zieht. Genau darin liegt die Stärke der Nummer: »Sinking« funktioniert sowohl als persönliche Beziehungskrise als auch als größeres Bild für gesellschaftliche Systeme, in denen alle wissen, dass sie untergehen, aber keiner rechtzeitig aussteigt.

Musikalisch liefert die Band hier eine der emotional eingängigsten Nummern des Albums. Der Refrain greift sofort, die Gitarren treiben sauber nach vorne, und die Mischung aus Melodie und Frust sitzt punktgenau.

SCRABBY: KURZ, BRUTAL UND HERRLICH DURCHGEKNALLT

Das unglaublich ultrabrutal mit Vollgas abgehende, aber nicht weniger melodische »Scrabby« bringt eine andere Farbe ins Album. Hier wird es kürzer, dreckiger und mit einem Augenzwinkern gefährlich. Die Nummer setzt sich mit einer Figur namens Scrabby auseinander, die irgendwo zwischen Bandmaskottchen, Katastrophenfreund, Psychopath und betrunkener Abrissbirne herumstolpert.

Textlich wirkt der Song wie eine humorvolle Horrorgeschichte aus dem Proberaum oder Tourbus. Scrabby ist jemand, der Chaos anzieht, Grenzen überschreitet, Hilfe einfordert und im nächsten Moment wieder zubeißt. Das Ganze ist bewusst überzeichnet und lockert die schwere Grundstimmung des Albums auf, ohne wie ein Fremdkörper zu wirken. Gerade weil »Deathbeds« thematisch oft finster ist, tut so ein kurzer Irrsinnsausbruch gut.

Musikalisch ist »Scrabby« ein schneller Schlag in die Rippen. Kein langes Nachdenken, keine tiefenpsychologische Analyse nötig. Der Song kommt, grinst schief, verwüstet kurz die Wohnung und ist wieder weg.

SINS OF FATHERS: POGOGARANTIE MIT APOKALYPTISCHEM UNTERBAU

Mit Trommelwirbeln, gewohnt zügigen Gitarren und präzise eingespielten Riffs geht es bei »Sins Of Fathers« wieder mächtig zur Sache. Die Nummer besitzt diese pure Aggression und Pogogarantie, bei der man am liebsten den Raum durch eine gepflegte Pogoorgie in Schutt und Asche legen möchte. Gleichzeitig ist der Song mehr als nur ein körperlicher Ausbruch.

Inhaltlich befasst sich »Sins Of Fathers« mit vererbter Schuld, falschen Entscheidungen und dem Gefühl, in einer Gegenwart zu leben, die durch die Fehler vorheriger Generationen bereits beschädigt wurde. Der Song beschreibt eine Welt, in der Menschen nach Abkürzungen suchen, den falschen Figuren vertrauen und am Ende genau jene Dinge ersticken, die Leben ermöglichen könnten. Es geht um gesellschaftliche Selbsttäuschung und um die bitteren Folgen von Wertsystemen, die Besitz, Status und Macht über alles stellen.

Der Refrain bringt diese Endzeitstimmung stark auf den Punkt, ohne plump zu werden. Exploding Head Syndrome verbinden hier Energie mit Aussage. Das Ergebnis ist eine Nummer, die live wahrscheinlich ein absolutes Brett sein dürfte.

THE LYNX: UNTER ZWEI MINUTEN KONTROLLVERLUST

Direkt ohne höflich anzuklopfen tritt »The Lynx« die nächste Tür ein. In unter zwei Minuten spielt die Band eine Nummer herunter, die kompromisslos, hektisch und angenehm neben der Spur wirkt. Der Song ist kurz, aber nicht klein. Hier steckt viel Unruhe drin, viel Selbstironie, viel Absturz und ein bisschen dieser Wahnsinn, der im Punk schon immer besser funktioniert hat als glattgebügelte Ernsthaftigkeit.

Textlich wirkt »The Lynx« wie ein Bericht aus einem Kopf, in dem gerade alles gleichzeitig brennt. Es geht um Selbstzerstörung, körperliche Erschöpfung, Chaos im Freundeskreis, Fluchtfantasien, Delirium und den absurden Wunsch, einfach irgendwie durch das Leben zu fliegen, bis es vorbei ist. Die Figur im Song ist halb Mensch, halb Luchs, halb Katastrophe. Mathematisch ergibt das keinen Sinn, punkrocktechnisch aber absolut.

Die Nummer lockert das Album erneut auf, ohne harmlos zu sein. »The Lynx« ist witzig, aber nicht dumm. Unter dem Irrsinn liegt eine echte Nervosität. Genau dadurch funktioniert der Song so gut.

FAULTLINES: MONSTRÖSER PUNKROCK MIT OHRWURMREFRAIN

Monströs geht es dann mit »Faultlines« weiter. Hier bringen Doublebass-Drums im Vers zusätzlichen Druck ins Spiel, während einfache, eingängige Bass- und Gitarrenarbeit die Grundlage legt. Die Instrumente stützen sich gegenseitig, schieben gemeinsam nach vorne und machen Platz für einen Refrain, der wieder mächtig glänzt. Dass Exploding Head Syndrome spätestens jetzt zu den Bands gehören, die Refrains nicht nur schreiben, sondern in den Gehörgang schrauben können, ist keine Überraschung mehr.

Inhaltlich handelt »Faultlines« von Rissen in Beziehungen, Wahrnehmung, Schuld und gegenseitiger Abhängigkeit. Es geht um Menschen, die sich gegenseitig verletzen, einander aber trotzdem nicht loslassen können. Gleichzeitig wird der Blick größer: Die persönlichen Bruchlinien stehen auch für gesellschaftliche Spaltungen, für Manipulation, Egoismus und das Bedürfnis, sich endlich von bestimmten toxischen Kräften zu befreien.

Der Song ist stark, weil er dieses Gefühl von gemeinsamer Krankheit und gemeinsamer Gegenwehr musikalisch gut umsetzt. Der Druck stimmt, die Melodie sitzt, und der Refrain hebt die Nummer noch einmal deutlich an.

TASTE MY SAUCE: HOT SAUCE, HÖLLENFEUER UND HARDCORE PUNK AS FUCK

Mit »Taste My Sauce« servieren uns Exploding Head Syndrome einen weiteren Ohrenschmaus, der es in sich hat. Ordentlich Hardcore Punk as fuck, ein brachialer Tritt in die Hoden, aber eben mit einem Grinsen im Gesicht. Nach all den düsteren politischen und gesellschaftlichen Themen wirkt diese Nummer wie die scharfe Soße auf dem ohnehin schon brennenden Teller.

Textlich ist »Taste My Sauce« eine überdrehte Hymne auf Hitze, Schmerz, Reinigung und kulinarische Demütigung. Was zunächst wie ein Spaßsong über scharfe Soße wirkt, bekommt durch die aggressive Inszenierung fast rituelle Züge. Die Soße wird zur Prüfung, zur Strafe, zur Lektion in Demut. Natürlich ist das nicht bierernst gemeint, aber genau deshalb funktioniert es. Der Song bringt Humor ins Album, ohne die Energie zu senken.

Musikalisch geht das Ding nach vorne wie ein kurzer Abrissbagger. Keine große Verschnaufpause, kein unnötiger Zierrat. »Taste My Sauce« macht genau das, was der Titel verspricht: Es brennt.

THE BALLAD OF DENIAL: DAS GROSSE FINALE

Zum krönenden Abschluss geben Exploding Head Syndrome mit »The Ballad Of Denial« ihren längsten und progressivsten Song zum Besten. Hier liefert die Band kompositorische Pionierarbeit im Punk- und Hardcorebereich ab, zumindest gemessen an dem, was man auf diesem Album bis dahin gehört hat. Die Nummer nimmt sich mehr Zeit, baut größer auf und führt viele Stärken der Platte zusammen: Aggression, Melodie, gesellschaftliche Anklage, Endzeitstimmung und eine spürbare Dramatik.

Inhaltlich ist »The Ballad Of Denial« das Zentrum des Albums. Der Song beschreibt eine Welt im Zustand der Verdrängung. Moral verrottet, Ressourcen schwinden, Gier regiert, und während die Lage immer bedrohlicher wird, flüchten sich Menschen in Besitz, Bequemlichkeit, Ausreden und Selbstbetrug. Besonders stark ist, wie der Song die klassischen Phasen des inneren Widerstands gegen die Wahrheit aufgreift: Leugnung, Wut, Verhandlung, Niedergeschlagenheit. Doch am Ende steht keine einfache Erlösung, sondern eine bittere Erkenntnis: Vielleicht ist der Mensch selbst das Problem, das verschwinden muss, damit etwas anderes überleben kann.

Musikalisch durchläuft die Nummer fast das gesamte Spektrum der Band. Von aggressiven Passagen über melodische Momente bis hin zu schwereren, fast apokalyptischen Abschnitten wirkt »The Ballad Of Denial« wie der große Schlussmonolog dieses Albums. Das ist ambitioniert, aber nicht aufgeblasen. Gerade als Finale funktioniert der Song hervorragend, weil er »Deathbeds« nicht einfach beendet, sondern noch einmal zusammenfasst und zuspitzt.

SOUND UND PRODUKTION: DRUCKVOLL, DIREKT UND NICHT TOTPOLIERT

Die Produktion von Chris Cresswell steht diesem Album ausgesprochen gut. »Deathbeds« klingt modern genug, um druckvoll aus den Boxen zu kommen, aber nicht so sauber, dass die Punk-Energie dabei sterilisiert wird. Die Gitarren haben Biss, der Bass drückt, das Schlagzeug knallt, und die Vocals sitzen genau dort, wo sie hingehören: vorne, wütend und greifbar.

Besonders angenehm ist, dass die melodischen Refrains nicht weichgespült werden. Sie bekommen Raum, aber sie werden nicht in Pop-Punk-Zucker getaucht. Exploding Head Syndrome bleiben rau genug, um glaubwürdig zu sein, und eingängig genug, um hängen zu bleiben. Diese Balance ist nicht selbstverständlich. Viele Bands kippen entweder in zu viel Glätte oder in zu viel Krach. Deathbeds findet hier einen sehr starken Mittelweg.

Auch die kurzen humorvollen Ausbrüche wie »Scrabby« und »Taste My Sauce« sind gut platziert. Sie nehmen dem Album nicht die Schwere, sondern sorgen dafür, dass die düstere Grundhaltung nicht in Monotonie versinkt. Zwischen Weltuntergang, Machtkritik und scharfer Soße entsteht dadurch ein Album, das mehr Facetten besitzt, als man beim ersten Durchlauf vielleicht erwartet.

FAZIT:

»Deathbeds« ist ein verdammt starkes Punkrock- und Melodic-Hardcore-Album, das seine Wut nicht nur herausschreit, sondern sauber in Songs gießt. Exploding Head Syndrome klingen hier präzise, bissig und erstaunlich komplett. Die Band verbindet harte Verse, hymnische Refrains und gesellschaftliche Anklage zu einem Album, das gleichermaßen in die Beine, in den Kopf und gelegentlich direkt in die Magengrube geht.

Besonders stark sind Songs wie »Confessions«, »Age Of Deviation«, »Deathbeds«, »Faultlines« und das große Finale »The Ballad Of Denial«. Gleichzeitig sorgen Nummern wie »Scrabby« und »Taste My Sauce« dafür, dass das Album bei aller Härte nicht in bierernster Weltuntergangsstarre versinkt. Diese Platte hat Haltung, Humor, Geschwindigkeit und verdammt gute Refrains.

Ein Album, das überzeugt und das man sich zu fast jeder Gelegenheit reinziehen kann. Nur auf einer Ü40-Party sollte man mit »Deathbeds« vorsichtig sein. Am Ende bleiben dort vermutlich nur zwei Gäste übrig, aber die zerlegen euch dann mit einer derart gepflegten Pogo-Ekstase die Bude, dass selbst der DJ freiwillig den Sicherungskasten sucht. Genau so muss Punkrock wirken: unbequem, direkt, melodisch, laut und mit genug Energie, um den Alltag für knapp eine Albumlänge in Schutt und Asche zu legen.

EXPLODING HEAD SYNDROME - Deathbeds

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