Band: FULCI 🇮🇹
Titel: Risorsero dalla Tomba e Fu… L’Apocalisse!
Label: 20 Buck Spin
VÖ: 20.03.2026 / Vinyl: 01.05.2026
Genre: Brutal Death Metal / Gore-Giallo Death Metal / Horror Soundtrack

Tracklist

01. Risorsero dalla Tomba e Fu… L’apocalisse!
02. Paura che Uccide
03. Apoteosi Del Mistero

Besetzung

Jason Dahlke – Gesang
Fiore Stravino – Gesang
Klem Diglio – Bass
Edo Nicoloso – Schlagzeug
Dom Diego – Lead Guitar / Synth
Ando Ferraiuolo – Acoustic and Rhythm Guitar

Nate Garrett – Gastgesang auf »Apoteosi Del Mistero«

Bewertung:

3,5 von 5

WENN DER TOD AUS DEM GRAB STEIGT

Wenn man das Cover dieses Werks schon ansieht, kommen einem 80’s Horror Movie Vibes auf, und alleine das weckt schon Neugierde. Doch wie sagte Oma schon immer so schön? Don’t Judge A Book By Its Cover, und dies bringt uns direkt zum Inhalt.

Bei FULCI ist dieser erste Eindruck aber nicht nur leere Verpackung, sondern tatsächlich Programm. Die italienische Death-Metal-Formation, benannt nach dem Godfather of Gore Lucio Fulci, hat schon immer verstanden, dass Horror nicht nur Blut, Gedärm und billiger Schockmoment bedeutet. Horror ist Atmosphäre. Horror ist dieses unangenehme Kribbeln im Nacken. Horror ist der Moment, in dem die Synthesizerfläche einsetzt und man bereits weiß, dass gleich etwas aus dem Nebel kriechen wird.

Mit »Risorsero dalla Tomba e Fu… L’Apocalisse!« liefern FULCI keinen klassischen Langspieler, sondern eine kurze, knackige und extrem filmische Maxi-Single beziehungsweise EP ab. Das Ganze dient als Soundtrack zum gleichnamigen Kurzfilm und ist inspiriert von Lucio Fulcis morbidem Kino-Kosmos, insbesondere von dieser Mischung aus paranormalem Schrecken, Spaghetti-Western-Staub und italienischem 70er- und 80er-Jahre-Gore-Horror. Genau dieser B-Horror-Movie-Charakter wird soundtechnisch perfekt eingefangen. Man riecht förmlich das alte VHS-Band, sieht die körnigen Farben, die billigen Nebelmaschinen und die Graberde unter den Fingernägeln.

(Hört hier »Risorsero dalla Tomba e Fu… L’Apocalisse!«)

EIN SOUNDTRACK AUS GRABERDE, SYNTHESIZERN UND TOD

Der Titeltrack »Risorsero dalla Tomba e Fu… L’apocalisse!« eröffnet dieses kurze Werk nicht mit der Abrissbirne, sondern mit Atmosphäre. Und genau das ist wichtig. FULCI werfen einem nicht direkt den ersten fauligen Kadaver vor die Füße, sondern lassen den Friedhof erst einmal atmen. Synthesizer, cineastische Spannung, dieses Gefühl von altem italienischem Horrorkino und eine gewisse morbide Theatralik greifen hier ineinander. Das ist keine bloße Einleitung, sondern eher ein Vorspann, bei dem die Kamera langsam über Grabsteine fährt und irgendwo im Hintergrund schon das Unheil lauert.

Gerade hier merkt man, dass FULCI ihr Konzept ernst nehmen. Diese Band nutzt Horror nicht einfach als dekoratives Splattermotiv, sondern baut Musik wie kleine Filmszenen. Man hört die Nähe zu alten Soundtracks, zu Fabio Frizzi, zu diesen unheimlichen Melodien, die nicht schön im klassischen Sinne sind, sondern sich wie kalte Finger um den Hals legen. Das Stück macht nicht viel im Sinne klassischer Songstruktur, aber es macht verdammt viel im Sinne von Stimmung. Und genau damit zieht es einen hinein.

Dann kommt »Paura che Uccide«, und hier wird aus dem schleichenden Grauen endgültig ein Angriff. Die Nummer walzt mit schwerem Riffing nach vorne, groovt im Midtempo und trägt diese typische FULCI-Wucht in sich. Es ist nicht die filigrane Death-Metal-Chirurgie, bei der jeder Takt beweisen muss, wie viele Skalen man auswendig gelernt hat. Nein, hier geht es um Druck, um modrige Gewalt, um diesen stumpf-brutalen Punch, der direkt aus der Gruft zu kommen scheint. Die Growls klingen markerschütternd, die Gitarren sägen sich durch das Material, und das Schlagzeug treibt den Song mit der Wucht einer rostigen Kettensäge voran.

PAURA CHE UCCIDE WÄLZT ALLES PLATT

»Paura che Uccide« ist der Moment, in dem dieses Werk endgültig zeigt, warum FULCI innerhalb des modernen Brutal Death Metal eine eigene Duftmarke setzen. Die Band klingt nicht steril, nicht klinisch totproduziert und auch nicht wie die tausendste Kopie aus dem Slam-Baukasten. Vielmehr verbindet sie Brutalität mit Atmosphäre. Das Ding hat Riff, Groove und Nackenbrecher-Faktor, aber eben auch diese cineastische Aura, die im Hintergrund immer mitschwingt. Man könnte fast sagen: Hier mosht der Zombie noch mit Stil.

Besonders stark ist, dass FULCI ihre Härte nicht nur über Tempo definieren. Der Song lebt von seinem Gewicht. Die Riffs fallen nicht einfach nach vorne, sie drücken sich langsam durch die Tür, während dahinter schon der nächste Untote wartet. Dazu kommen Leads, die stellenweise diese hässliche, fiebrige Schärfe mitbringen, die perfekt zum morbiden Setting passt. Das ist Death Metal, der nicht glänzen will, sondern verwesen möchte. Und genau darin liegt seine Schönheit.

Auch die Produktion spielt dem Material gut in die Karten. Der Sound ist modern genug, um ordentlich Druck zu machen, aber nicht so glatt poliert, dass die ganze Horror-Dreckigkeit verloren geht. Die Gitarren sind massiv, der Bass gibt dem Ganzen diesen fauligen Unterbau, und die Drums knallen, ohne den Soundtrack-Charakter zu erschlagen. Der 80’s B-Horror-Movie-Charakter wird also nicht nur über Artwork und Songtitel transportiert, sondern tatsächlich über das Klangbild selbst. Man bekommt hier kein nostalgisches Poster an die Wand gehängt, sondern den passenden Sound aus dem Keller darunter.

APOTEOSE DES MYSTERIUMS

Mit »Apoteosi Del Mistero« folgt dann der vielleicht spannendste Moment dieser Veröffentlichung. Der Song basiert auf einem Thema von Fabio Frizzi aus »City Of The Living Dead« und wird von FULCI in eine eigene, schwere und beinahe doomige Form gebracht. Das ist nicht einfach ein Cover, das man mal eben als Bonus auf die Platte klatscht. Es wirkt eher wie ein Ritual. Langsam, bedrohlich, schattenhaft und getragen von einer Atmosphäre, die mehr nach Katakombe als nach Proberaum klingt.

Der Gastgesang von Nate Garrett gibt dem Stück noch einmal eine andere Farbe. Seine Stimme bringt einen fast sakralen, pathetischen Einschlag hinein, der wunderbar zu dieser Mischung aus Horror-Kitsch, Doom-Schwere und Death-Metal-Dreck passt. Gerade dadurch bekommt der Song etwas Eigenes. Er bricht mit der vorherigen Brutalität, ohne das Werk zu verlassen. Vielmehr öffnet er einen anderen Raum innerhalb desselben Albtraums. Wo »Paura che Uccide« körperlich zuschlägt, zieht »Apoteosi Del Mistero« den Hörer eher langsam in die Dunkelheit.

Und genau das ist die eigentliche Stärke dieser EP. Sie ist kurz, ja. Vielleicht sogar sehr kurz. Aber sie fühlt sich nicht belanglos an. In etwas mehr als elf Minuten schaffen es FULCI, einen kleinen Horrorfilm im Kopf zu starten. Man bekommt Intro, Gewaltexplosion und finsteres Finale. Das ist dramaturgisch sauber gebaut und funktioniert gerade deshalb so gut, weil kein unnötiges Fett an den Knochen hängt. Dieses Werk ist kein Festmahl, sondern ein blutiger Happen. Aber einer, der hängen bleibt.

ZWISCHEN GORE-GIALLO, DEATH METAL UND VHS-NOSTALGIE

Interessant ist, wie souverän FULCI hier zwischen Soundtrack und Death Metal pendeln. Viele Bands würden bei einem solchen Konzept entweder zu sehr in reines Intro-Gedudel abrutschen oder den filmischen Ansatz sofort mit stumpfem Geballer erschlagen. FULCI hingegen wissen, wann Atmosphäre wichtiger ist als Geschwindigkeit und wann der Hammer fallen muss. Das macht »Risorsero dalla Tomba e Fu… L’Apocalisse!« deutlich wertvoller, als man es bei nur drei Songs zunächst erwarten würde.

Natürlich kann man kritisieren, dass dieses Werk nur ein Appetizer ist. Wer nach »Duck Face Killings« direkt ein vollwertiges neues Album erwartet hat, wird hier erst einmal etwas verdutzt auf die Laufzeit schauen. Aber das wäre auch ein bisschen unfair. Diese Veröffentlichung versteht sich nicht als großes Hauptgericht, sondern als filmischer Zwischenschritt, als morbide Brücke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und dem nächsten vollständigen Kapitel der Band. In dieser Funktion macht sie genau das, was sie soll.

Die Nähe zu altem italienischem Horror ist dabei kein billiger Fanservice. FULCI arbeiten mit diesen Versatzstücken, weil sie zu ihrer musikalischen DNA gehören. Gore, Zombies, okkulte Stimmung, Synthesizer, Death Metal und diese gialloartige Überzeichnung sind hier keine Kostümierung, sondern Identität. Wenn andere Bands Horror bloß auf ihre Shirts drucken, graben FULCI den ganzen Friedhof aus und bauen daraus ein Studio.

FAZIT:

»Risorsero dalla Tomba e Fu… L’Apocalisse!« ist kurz, aber alles andere als belanglos. FULCI liefern hier keinen vollwertigen Langspieler, sondern einen kompakten, atmosphärischen und wuchtigen Horror-Soundtrack im Death-Metal-Gewand. Der 80’s B-Horror-Movie-Charakter wird nicht nur optisch, sondern auch soundtechnisch perfekt eingefangen. Man hört Grabnebel, alte VHS-Kälte, italienische Horrorästhetik und brutalen Death Metal in einem schmutzigen, aber stimmigen Gesamtbild.

Der Titeltrack baut die Kulisse auf, »Paura che Uccide« reißt die Tür zur Gruft ein, und »Apoteosi Del Mistero« schließt das Ganze mit doomiger, fast sakraler Schwere ab. Besonders stark ist, dass diese drei Stücke trotz kurzer Laufzeit wie ein geschlossenes kleines Werk funktionieren. Hier wird nicht einfach Material zusammengeworfen, sondern ein klarer audiovisueller Kosmos angedeutet.

Wer mit FULCI bisher nichts anfangen konnte, wird hier vermutlich nicht plötzlich zum Kultanhänger mutieren. Wer aber Death Metal mit Horrorfilm-DNA, morbider Soundtrack-Atmosphäre und ordentlich fauligem Groove liebt, bekommt hier ein kurzes, aber sehr feines Stück Nekro-Kino für die Ohren. Ein paar Minuten mehr hätten diesem Werk sicher nicht geschadet, doch was vorhanden ist, sitzt. Und zwar wie die Axt im Schädel eines schlechten B-Movie-Zombies.

Risorsero dalla Tomba e Fu… L’Apocalisse!

Internet

FULCI - Risorsero dalla Tomba e Fu… L’Apocalisse!

Vorheriger ArtikelExploding Head Syndrome – Deathbeds