Band: HRAFNABLÓT 🇮🇸
Titel: Guðlaugar Saga
Label: Selfrelease
VÖ: 11/09/26
Genre: Folk Metal

Tracklist

01. Spádómurinn
02. Dísablót
03. Heljarhlíð
04. Kappar, Meyjar, Komendur
05. Fögnuður
06. Nornarheimt
07. Svartigaldur
08. Heimþrá
09. Örlagavegur

 

Besetzung

Hugrún Hanna Stefánsdóttir – Vocals
Þórgnýr Einar Albertsson – Bass & Backing Vocals
Ólafur Daði Jónsson – Keyboards & Backing Vocals
Steingrímur Viðar Karlsson – Guitar & Backing Vocals
Andri Pétur Dalmar – Drums & Backing Vocals
Mara Birna Jóhannsdóttir – Guitar

 

Bewertung:

3,5/5

Island und Metal passen schon aufgrund ihrer rauen, mystischen Atmosphäre ziemlich gut zusammen. Bei HRAFNABLÓT kommt allerdings noch eine gehörige Portion Fantasie dazu. Auf „Guðlaugar Saga“ erzählt die isländische Band die Geschichte einer modernen Frau, die plötzlich im Zeitalter der isländischen Besiedlung landet. Mit dabei sind lediglich die Kleidung, die sie am Körper trägt, und ein Taser. Was zunächst ziemlich ungewöhnlich klingt, entwickelt sich zu einer Reise durch Schlachten, Feiern, Entführung und die Frage, wo Guðlaug eigentlich hingehört.

Musikalisch greifen HRAFNABLÓT tief in die nordische Sagen- und Folklorekiste, ohne daraus ein reines Mittelalter-Spektakel zu machen. Folk Metal bildet die Grundlage, dazu kommen Elemente aus klassischem Heavy Metal, NWOBHM, Gothic Metal und verschiedenen Spielarten des Extreme Metal. Genau diese Mischung macht „Guðlaugar Saga“ interessant.

Eine Saga mit eigener Handschrift

Mit dem kurzen Intro „Spádómurinn“ beginnt die Reise noch verhältnismäßig ruhig. Danach geht es mit „Dísablót“ deutlich kräftiger zur Sache. Schon hier wird klar, dass HRAFNABLÓT nicht versuchen, einfach irgendeine bekannte Folk-Metal-Formel nachzuspielen. Die Gitarren sorgen für die nötige Härte, während die Keyboards und melodischen Elemente immer wieder für eine deutlich nordische Färbung sorgen.

„Heljarhlíð“ nimmt sich anschließend etwas mehr Zeit. Mit über sechs Minuten gehört der Song zu den längeren Stücken des Albums und lebt von seinem Wechselspiel zwischen schweren und atmosphärischen Passagen. Genau diese Gegensätze ziehen sich eigentlich durch die gesamte Platte. Mal klingt die Musik düster und bedrohlich, dann wieder beinahe feierlich. Schönheit und Härte stehen nebeneinander, ohne dass eine Seite dauerhaft die Oberhand gewinnt.

Mit „Kappar, Meyjar, Komendur“ folgt ein gerade einmal gut einminütiger Zwischenruf, bevor „Fögnuður“ die Stimmung wieder aufhellt. Hier darf gefeiert werden. Das passt gut zur Geschichte und sorgt gleichzeitig dafür, dass das Album nicht permanent in einer schweren, düsteren Stimmung hängen bleibt.

HRAFNABLÓT verstehen es, ihre Geschichte auch musikalisch mit verschiedenen Stimmungen zu versehen. Das macht „Guðlaugar Saga“ abwechslungsreich und verhindert, dass sich die einzelnen Stücke zu sehr ähneln.

Zwischen dunkler Magie und Sehnsucht

Im zweiten Teil des Albums wird es zunehmend finsterer. „Nornarheimt“ und „Svartigaldur“ tragen diese Entwicklung bereits in ihren Titeln und bringen deutlich mehr Dunkelheit ins Spiel. Gerade hier kommen die Einflüsse aus Gothic und Extreme Metal stärker zum Vorschein.

Über allem steht die Stimme von Hugrún Hanna Stefánsdóttir. Sie gibt der Geschichte ein Gesicht und funktioniert besonders gut in den atmosphärischeren Momenten. Die zusätzlichen Backing Vocals von Bass, Keyboards, Gitarre und Schlagzeug erweitern das Klangbild und verleihen manchen Passagen mehr Druck.

Instrumental bleiben HRAFNABLÓT ebenfalls angenehm abwechslungsreich. Steingrímur Viðar Karlsson und Mara Birna Jóhannsdóttir sorgen an den Gitarren für das metallische Fundament, während Bass und Schlagzeug ordentlich nach vorne arbeiten. Die Keyboards von Ólafur Daði Jónsson sind dabei mehr als reine Hintergrunddekoration. Sie tragen einen wichtigen Teil zur Atmosphäre bei.

„Heimþrá“ schlägt anschließend einen nachdenklicheren Ton an. Der Titel bedeutet sinngemäß Heimweh beziehungsweise Sehnsucht nach der Heimat und passt damit perfekt zu Guðlaugs innerem Konflikt. Sie ist in einer fremden Zeit angekommen und muss sich irgendwann entscheiden, ob sie in ihre normale Gegenwart zurückkehren will oder ob das Leben in der Vergangenheit für sie mehr bedeutet.

Den Schlusspunkt setzt „Örlagavegur“. Mit über elf Minuten ist das Stück nicht nur der längste Song, sondern gleichzeitig ein ausgedehntes Finale. Hier lassen HRAFNABLÓT noch einmal verschiedene Facetten des Albums zusammenkommen. Der Song braucht etwas Geduld, belohnt diese aber mit einer atmosphärischen Entwicklung, die gut zum Abschluss der Geschichte passt.

Folk Metal ohne Scheuklappen

Was HRAFNABLÓT auf „Guðlaugar Saga“ interessant macht, ist weniger ein einzelner spektakulärer Song als vielmehr die Kombination verschiedener Einflüsse. Die Band bedient sich bei isländischer Folklore und den Sagas, lässt aber ebenso klassischen Heavy Metal, nordischen Folk, Gothic und extreme Metal-Spielarten einfließen.

Nicht jede Passage sitzt dabei gleich perfekt. Vor allem bei den längeren Songs hätte an der einen oder anderen Stelle etwas weniger durchaus mehr sein können. Manche Ideen werden relativ lange ausgespielt, ohne dass daraus zwingend ein zusätzlicher Spannungsbogen entsteht. Auch bleiben nicht alle Songs unmittelbar im Ohr.

Dafür besitzt das Album Charakter. HRAFNABLÓT haben sich eine eigene kleine musikalische Welt gebaut und erzählen darin eine Geschichte, die gleichzeitig ernsthaft, düster und stellenweise ziemlich skurril daherkommt. Gerade die Idee, eine moderne Frau mit einem Taser in die Zeit der isländischen Besiedlung zu schicken, hebt „Guðlaugar Saga“ angenehm von vielen Genre-Konzepten ab.

Am Ende bleibt ein Folk-Metal-Album, das vor allem über seine Atmosphäre und seine Geschichte funktioniert. HRAFNABLÓT zeigen, dass nordische Folklore nicht zwangsläufig nach dem hundertsten Wikinger-Klischee klingen muss. „Guðlaugar Saga“ ist noch nicht durchgehend auf dem Niveau eines absoluten Genre-Highlights, bringt aber genügend eigene Ideen mit, um neugierig auf die Band zu machen.

Fazit: HRAFNABLÓT gelingt es, eine moderne Saga zu erzählen, die tief in der isländischen Kultur verwurzelt ist und gleichzeitig universelle Themen wie Identität, Heimat und das Streben nach Selbstbestimmung behandelt.

Internet

HRAFNABLÓT - Guðlaugar Saga - CD Review

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Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.