Tracklist
01. The Death Of Wales
02. Bayonet
03. Call To Arms
04. Impending War
05. Glory
06. Llywelyn The Last
07. Trench Warfare
08. Embrace The End
Besetzung
Gofid – Gesang
Neidr – Instrumentierung
Krieg ist im Metal ein häufig bemühtes Thema. Bei Iselder wirkt es auf »The 38th Division« aber nicht wie bloßes Tarnnetz über gewöhnlichem Black Metal, sondern wie der eigentliche Morast, aus dem diese acht Stücke hochgezogen werden. Dieses Album marschiert nicht elegant in den Raum, es kommt mit Erde unter den Fingernägeln, Ruß im Hals und dem Blick eines Soldaten, der längst begriffen hat, dass hinter jeder Parole nur der nächste Graben wartet.
Der walisische Black-Metal-Act legt hier keine romantisierte Heldenschau vor. »The 38th Division« klingt vielmehr wie ein rostiger Feldspaten, der immer wieder gegen Stein schlägt. Raw Black Metal, Kriegsmetaphorik, historische Wucht und eine Produktion, die bewusst nicht nach Hochglanzstudio, sondern nach kaltem Beton, nassem Stoff und verbranntem Holz riecht. Wer hier filigrane Schönheit sucht, steht am falschen Schützengraben. Wer aber Black Metal hören will, der sich wie ein Marsch durch Nebel, Schlamm und splitterndes Metall anfühlt, bekommt hier ordentlich Futter für die Nackenmuskulatur.
DER ERSTE SCHUSS FÄLLT OHNE WARNUNG
»The Death Of Wales« öffnet das Album nicht mit atmosphärischem Vorgeplänkel, sondern mit direkter Kälte. Keine langen Sirenen, keine Feldaufnahme, kein dramaturgisches Aufwärmen. Iselder treten sofort auf das Pedal und lassen die Riffs wie schwarze Krähen über ein verwüstetes Feld ziehen. Der Song hat eine klare Funktion: Er stellt die Frontlinie her. Danach gibt es keinen sicheren Abstand mehr.
Gofid klingt am Mikrofon nicht wie ein Erzähler, sondern wie ein Überlebender, der seinen Bericht in gefrorenen Beton kratzt. Seine Stimme liegt roh, heiser und unversöhnlich über dem Material. Das ist kein Gesang, der gefallen möchte. Es ist ein kehliges Herauswürgen von Wut, Verlust und Verachtung. Gerade dadurch bekommt der Opener seine notwendige Härte.
DAS RIFF ALS BAJONETT
Mit »Bayonet« wird der Albumtitel endgültig körperlich. Der Song sticht nicht elegant, er rammt. Die Gitarrenarbeit wirkt wie ein rostiger Draht, der sich immer tiefer in die Haut frisst. Aufgebaut auf einem trockenen Fundament aus treibendem Schlagwerk und eisigem Riffing werden die Leadlinien nicht als Dekoration eingesetzt, sondern wie Leuchtspurmunition in der Dunkelheit.
Neidr liefert hier eine Instrumentierung, die nicht durch technische Angeberei auffällt, sondern durch Konsequenz. Das Stück bleibt direkt, grimmig und beweglich genug, um nicht in dumpfer Wiederholung zu versacken. Black Metal dieser Art lebt davon, dass ein Riff nicht nur gespielt, sondern in den Boden gestampft wird. Genau das passiert hier. Es ist keine Klangtapete, sondern ein Drahtverhau mit Verstärkeranschluss.
AUFRUF, ANGRIFF, ABNUTZUNG
»Call To Arms« trägt seinen Titel nicht zufällig. Der Song funktioniert wie ein Ruf durch ein zerbrochenes Horn: schneidend, roh und bewusst martialisch. Die Nummer hat starke Momente, besonders wenn das Tempo anzieht und die Riffs ihre Zähne zeigen. Gleichzeitig merkt man hier aber auch eine Schwäche des Albums: Nicht jede Passage wird mit derselben zwingenden Dynamik weiterentwickelt. Manches kreist etwas zu lange um dieselbe Achse.
Das ist nicht automatisch ein Problem, denn diese Art Black Metal lebt auch von Wiederholung, Druck und Trance. Trotzdem hätte gerade »Call To Arms« an ein, zwei Stellen noch eine zusätzliche Kante vertragen. Der Song wirkt wie ein Panzer, der kurz im Schlamm stecken bleibt, dann aber doch wieder anrollt. Nicht elegant, nicht perfekt, aber schwer genug, um Spuren zu hinterlassen.
IMPERIUM AUS EIS UND ASCHE
»Impending War« gehört zu den stärkeren Stücken der Platte. Hier greifen Tempo, Riff und Atmosphäre besonders gut ineinander. Der Song klingt, als würde ein Schneesturm durch ein ausgebranntes Munitionslager fegen. Kalt, bissig, unbarmherzig. Die Gitarren haben diesen frostigen Zug, der an klassischen Second-Wave-Black-Metal erinnert, aber durch die Kriegsthematik eine eigene Schwere bekommt.
Hier zeigt Iselder, warum »The 38th Division« trotz einiger konventioneller Zutaten funktioniert. Wenn die Band den Marschmodus verlässt und wirklich ins Gefecht übergeht, sitzt die Wirkung. Dann wird aus der vertrauten Black-Metal-Sprache kein bloßes Nachbeten alter Formeln, sondern ein sauber gezogener Schnitt durch die Dunkelheit.
GLORY OHNE GLANZ
»Glory« ist interessant, weil der Titel beinahe eine falsche Fährte legt. Ruhm wird hier nicht mit erhobener Fahne und heroischer Brust serviert, sondern als bitterer Rest in einem zerfetzten Mantel. Der Song arbeitet mit jener grimmigen Vorwärtsbewegung, die das Album insgesamt trägt. Dabei klingt nichts triumphal. Eher so, als hätte jemand das Wort Ehre auf eine Mauer geschrieben, kurz bevor diese von Artillerie zerbröselt wird.
Gerade dieser Widerspruch macht den Track stark. Iselder verklären den Krieg nicht, sondern zeigen ihn als Kriegsmaschnie, die Menschen verschlingt und Geschichten in Schlamm verwandelt. Die Produktion bleibt rau, manchmal fast störrisch, aber sie passt zum Thema. Ein zu sauberer Klang hätte dieser Platte vermutlich mehr geschadet als genutzt.
GESCHICHTE UNTER SCHWARZEM HIMMEL
Mit »Llywelyn The Last« rückt der walisische Geschichtsbezug deutlicher in den Vordergrund. Der Song ist kürzer, aber atmosphärisch wichtig. Hier geht es weniger um reines Durchprügeln als um Identität, Verlust und historische Erinnerung. Der Track wirkt wie eine verwitterte Steininschrift auf einem Hügel, über den der Wind seit Jahrhunderten dieselbe Drohung trägt.
Musikalisch bleibt Iselder auch hier kompromisslos im Black Metal verwurzelt. Keine folkige Ausmalung, keine kitschige Mittelalter-Fanfare, kein Lagerfeuer mit Corpsepaint. Stattdessen bekommt man knochigen, schroffen Metal, der seine historische Komponente nicht mit Zucker überzieht. Das ist angenehm konsequent.
SCHÜTZENGRABEN STATT POSTKARTE
»Trench Warfare« ist vom Titel her beinahe die programmatische Mitte des Albums. Hier riecht man den Schlamm, hier spürt man die Enge. Der Song wirkt wie ein Marsch durch einen Gang, dessen Decke jederzeit einstürzen kann. Drums und Gitarren schieben mit rauer Gewalt, während die Stimme wie eine rostige Säge durch das Material fährt.
Das Schalgzeug treibt die Nummer mit trockenem Druck nach vorne, ohne sich in unnötigen Spielereien zu verlieren. Besonders stark ist hier die physische Direktheit. »Trench Warfare« will nicht schön sein. Der Song will Druck aufbauen, den Hörer festnageln und dann mit kalter Miene weiterziehen. In solchen Momenten funktioniert das Album am besten: wenn es nicht erklären will, sondern einfach die Erde über einem zusammenklappen lässt.
DAS ENDE ALS LETZTER BEFEHL
»Embrace The End« beschließt die Platte mit der längsten Laufzeit und einem etwas breiteren Atem. Der Song fasst vieles zusammen, was »The 38th Division« ausmacht: frostiges Riffing, heisere Wut, martialische Atmosphäre und diesen sturen Blick nach vorne. Gleichzeitig zeigt sich auch hier, dass Iselder nicht immer aus den bekannten Koordinaten des Genres ausbrechen.
Das muss man fair einordnen. Wer radikale Innovation sucht, wird hier nicht mit offenem Mund vor der Anlage sitzen. »The 38th Division« ist kein Black-Metal-Labor, sondern eine Frontstellung. Die Frage ist also nicht, ob Iselder das Genre neu vermessen, sondern ob sie innerhalb ihrer gewählten Grenzen genug Druck, Atmosphäre und Glaubwürdigkeit erzeugen. Die Antwort lautet: meistens ja.
ZWISCHEN STÄRKE UND STURHEIT
Die größte Stärke dieses Albums ist seine Konsequenz. Iselder wissen, welche Welt sie bauen wollen: kalt, kriegerisch, walisisch geprägt, roh und ohne versöhnliche Fenster. Diese Welt steht. Man hört keine Band, die sich an Trends anbiedert oder im modernen Black-Metal-Nebel nach Post-Irgendwas greift. Hier regiert der alte Stahl: Riff, Tempo, Stimme, Wut.
Die Schwäche liegt genau daneben. Manche Songs könnten mehr Überraschung, mehr Strukturbruch, mehr eigenes Profil vertragen. Es gibt Passagen, die stark beginnen, dann aber etwas zu erwartbar weiterrollen. Das Album ist in seiner Haltung überzeugender als in jeder einzelnen kompositorischen Entscheidung. Anders gesagt: Der Schlachtplan ist gut, aber nicht jeder Angriff trifft mit derselben Wucht.
SOUND WIE KALTER DRAHT
Produktionstechnisch bleibt »The 38th Division« roh, direkt und kantig. Das wird manche abschrecken. Wer Black Metal nur dann akzeptiert, wenn jedes Becken glänzt und jede Gitarrenspur wie frisch poliertes Edelstahlbesteck wirkt, wird hier vermutlich den Rückzug antreten. Doch für dieses Material ist der raue Klang durchaus stimmig. Er gibt dem Album Schmutz, Druck und eine gewisse historische Patina.
Trotzdem: An manchen Stellen hätte etwas mehr Transparenz den Songs gutgetan. Nicht, um sie glattzubügeln, sondern um einzelne Details schärfer herauszuarbeiten. Gerade weil Neidr in den Riffs und Leads durchaus gute Momente setzt, wäre gelegentlich mehr Luft im Mix hilfreich gewesen. So bleibt die Platte oft eher Rammbock als Klinge. Das passt, aber es limitiert auch.
FAZIT:
»The 38th Division« ist ein grimmiges, rohes und thematisch geschlossenes Black-Metal-Album, das Krieg nicht als Heldengemälde, sondern als kalten Mahlstrom aus Schlamm, Tod und Erinnerung versteht. Iselder liefern hier keine Revolution, aber eine überzeugende Front aus frostigen Riffs, bitterer Atmosphäre und kompromissloser Wut.
Die stärksten Momente sind »Bayonet«, »Impending War«, »Trench Warfare« und »Embrace The End«. Dort klingt die Platte am zwingendsten, am bissigsten und am wenigsten wie bloß vertrautes Genre-Handwerk. Kleinere Abzüge gibt es für einige vorhersehbare Strukturen und dafür, dass nicht jeder Song seine starke Grundidee konsequent genug weiterbohrt.
Für Fans von rohem Black Metal, walisischer Historienfärbung, kalter Kriegsatmosphäre und Bands wie Marduk, 1349, Immortal oder Negator ist »The 38th Division« dennoch eine klare Empfehlung. Kein Album für die feine Abendgarderobe, sondern eine schwarze Feldflasche voll Rost, Frost und verbranntem Pulver. Man trinkt nicht gern daraus, aber man versteht danach sehr genau, warum sie mitgeschleppt wurde.






