LOMOR – Sabouk Rouge

LOMOR – Sabouk Rouge

Band: LOMOR 🇫🇷
Titel: Sabouk Rouge
Label: Rockshots Records
VÖ: 06/02/26
Genre: Thrash Metal

Tracklist

01. Sabouk Rouge
02. Tantine Lo Clou
03. Meet Your Meat
04. Sanctuary
05. A Shiny Day For A Vampire
06. La Haine
07. La Pouss’
08. Panzram
09. The Ugly, The Bad & The Bastard
10. Kit’ Ta Mère
11. Nevroz (feat. S. Camhi)

 

Besetzung

Eric Castelnau (aka Babouk) – Guitars & Vocals
Gurvan Cambrai (aka Typhvs) – Drums
Mathieu Michalina (aka Micha) – Bass Guitar

 

Bewertung:

4,5/5

LOMOR sind eine Thrash-Metal-Band aus Réunion, einer Insel im Indischen Ozean – eine Herkunft, die den Blick auf die Band sofort in ungewohnte Richtungen lenkt. Während Extreme Metal aus Skandinavien längst als selbstverständlich gilt, wird einem bei einer Band aus dieser Region erst bewusst, wie wenig Aufmerksamkeit Metal-Szenen an abgelegenen Orten erhalten. Einer der größeren Auftritte von LOMOR fand in Port Louis, der Hauptstadt von Mauritius, statt – einem Ort, den viele eher mit Luxusurlaub, Stränden und Palmen verbinden. Dass dort mit „Maytal“ ein Rock- und Metalfestival existiert, auf dem ausschließlich Bands der umliegenden Inseln, darunter natürlich Réunion, auftreten, dürfte den meisten bislang kaum bekannt sein.

Thrash der alten Schule

Aber genug zur geographischen Geschichte von LOMOR! Stilistisch sind sie eindeutig im Thrash verankert. Inspiriert von Bands wie TESTAMENT, SLAYER und KREATOR orientieren sie sich dabei eher an den Anfängen des Genres. Entsprechend Riff-orientiert und roh fällt daher „Sabouk Rouge“ aus. Es hat einen satten Sound, der an hochwertig produzierte Thrash-Alben der 90er erinnert. Jedes Instrument sowie der Gesang wurde akustisch fein herausgearbeitet. Das Schlagzeug übertönt z. B. nie die beiden Gitarren oder den Sänger. Die Snare Drum hat einen dumpferen Sound, was mir persönlich sehr gefällt, denn wenn die Snare in Thrash Metal zu blechern klingt, kann die Musik schnell zermürbend werden.

Wegweisender Start

Auf „Sabouk Rouge“ eröffnet der gleichnamige Song das akustische Gemetzel. Der Fokus auf knackigen Riffs und druckvollen Drums offenbart sich sofort. Die Stimme von Babouk ist rotzig und erinnert mich wegen des Akzents an Nick von SUICIDAL ANGELS. Es schwingt aber auch ein bisschen was von Chuck Billys aggressiveren Vocal Parts mit, wie man es z. B. von TESTAMENTs härteren Nummern kennt. Anstatt mit Vollgas auf der klassischen Shank-Beat-Schiene zu fahren, setzen LOMOR auf abwechslungsreiche Songstrukturen. In der Mitte von „Sabouk Rouge“ wird die Geschwindigkeit gedrosselt. Es folgt eine schwerfällige Passage, die schrittweise wieder an Tempo gewinnt, ohne jemals die Brutalität zu verlieren. Es macht einfach Spaß, obwohl man wegen der Lyrics in Kreolsprache keine Ahnung hat, worum es geht.

Spaß ohne Stumpfsinn

Stichwort Spaß: Thrash Metal ist zwar im Kern ernst, aber die Musik hat definitiv eine Spaß-Komponente. Der schnelle Polka-Beat macht das Genre zu einem Banger, der die Metalheads ins Schwitzen bringt. Gerade deshalb läuft Thrash Metal Gefahr, eintönig zu wirken, wenn keine neuen Elemente eingebracht werden. LOMOR haben hierfür einen überzeugenden Mittelweg gefunden, den sie bereits im Opener andeuten und konsequent über das restliche Album hinweg fortführen. Die nächsten beiden Lieder „Tantine Le Clou“ und „Meet Your Meat“ starten ohne Umschweife in klassischer Thrash-Manier mit eingängigen Riffs, treibenden Beats und starken Refrains. Beide Lieder würden live perfekt funktionieren – die Leute wären nur am Moshen und Headbangen. Kurze Verschnaufpausen für die glühenden Fußsohlen gibt es jeweils in der Mitte bzw. im letzten Drittel, wo die Beats langsamer werden.

Abwechslung und Überraschungen

„Sabouk Rouge“ hat aber noch mehr als Thrash der alten Schule zu bieten: „Sanctuary“ startet düster mit feinen Akzenten auf den Becken und hallenden Gitarren. Das Tempo steigert sich, aber die Höchstgeschwindigkeit bleibt vergleichsweise niedrig. Der Fokus liegt hier mehr auf Groove. Ähnlich gestaltet sich „La Haine”, das mit kräftigen Double-Bass-Passagen das Lied nach vorne treibt. Davon abgesehen ist der Titel aber sicherlich der trägste und unheilvollste. Das Outro erinnert latent an „Raining Blood“ von SLAYER, was vermutlich an dem Gitarrensound liegt. Was man auf diesem Album vielleicht auch nicht erwarten würde, ist ein instrumentaler Song: The Ugly, The Bad & The Bastard“ dauert nur drei Minuten, aber in dieser kurzen Zeit präsentieren uns LOMOR eine umfangreiche Palette an groovigen Beats, Riffs, Tempowechseln und eingängigen Gitarrenmelodien.

Neuinterpretationen und -aufnahmen am Ende

Bei den letzten beiden Liedern handelt es sich um Neuaufnahmen bzw. Neuinterpretationen. „Kit Ta Mère“ ist ein Cover von BLACK BABOUK, der Band, in der LOMORs Sänger zuvor Mitglied war. In den Strophen ist die Nummer etwas stumpf, fast schon punkig. Der Refrain ist dafür extrem eingängig und hat einen guten Groove. Das Lied ist mir bereits nach dem ersten Hören im Gedächtnis geblieben. Es endet mit einem sehr kehlig gesungenen Part, der überraschend melodisch ausfällt. „Nevroz“ basiert auf der Idee von Sébastien Camhi (der, denke ich, das Album produziert hat) LOMORs Single „Psykoz“ vom vorherigen Album „Perseverance of Sickness“ (2022) neu aufzunehmen – aber rückwärts! Diese Information erklärt wohl, warum die Gitarren und der Bass im Refrain derartig verzerrt klingen. Er killt meiner Meinung nach jedoch den Flow des Liedes. Er tut fast in den Ohren weh, weil die Verzerrung wirklich extrem ist. Der übrige Song klingt dafür weitaus weniger dissonant als man erwarten würde.

Die Highlights

„Sabouk Rouge“ überzeugt mit einer breit gefächerten Auswahl an Riffs, der schieren Power, die das Album bringt und dem beeindruckenden Maß an Abwechslung. Wie gesagt, Thrash kann schnell langweilig werden, wenn man nichts anderes mehr hört als den ewig gleichen Schlagzeug-Beat im selben Tempo. LOMOR bieten viele Rhythmen, Beats, Patterns etc. an und das Album klingt trotzdem kohärent. Der Akzent in Babouks Stimme und die vereinzelten Lieder in Kreolsprache verleihen „Sabouk Rouge“ automatisch etwas Interessantes. Thrash ist ja eher die Domäne der Amerikaner und Deutschen. Wenig überraschend also, von wo bzw. wem LOMORs Inspiration herkommt.

Fazit: „Sabouk Rouge“ ist ein gefundenes Fressen für alle Fans von abwechslungsreichem, authentischem Thrash. LOMOR präsentieren uns eine breite Riffpalette mit kreativer Schlagzeugarbeit und rotzigen Vocals, die live jedes Publikum mitreißen wird.

Internet

LOMOR – Sabouk Rouge

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