Band: LORD GRYPHUS 🇺🇸
Titel: Summoning the King of Death
Label: Nespithe
VÖ: 25/09/26
Genre: Death Metal

Tracklist

01. Intro
02. The Grand Spectacle
03. Banished Leper
04. Bloodpath Dominion
05. Sharpening the Guillotine
06. Unholy Mace
07. Summoning the King of Death
08. Troops of Doom (Sepultura Cover)

 

Besetzung

Anonymos Trio

 

Bewertung:

4/5

Death Metal muss nicht immer nach Hochglanzstudio und chirurgisch sauberem Timing klingen. Manchmal braucht es einfach ein paar fiese Riffs, ordentlich Druck auf der Kette und eine Atmosphäre, bei der man das Gefühl bekommt, irgendwo in einem verdreckten Keller sei gerade ein ziemlich schlechtes Ritual aus dem Ruder gelaufen. Genau dort fühlen sich LORD GRYPHUS offensichtlich wohl.

Das anonyme Trio aus Austin, Texas, legt mit „Summoning the King of Death“ sein erstes vollständiges Album vor und macht dabei ziemlich schnell klar, wohin die Reise geht. Früher Neunziger-Death-Metal steht ganz oben auf der Speisekarte. MORBID ANGEL, GOREFEST, GRAVE, AUTOPSY, INCANTATION, SINISTER und natürlich die alte Sepultura-Schule haben ihre Spuren hinterlassen. Das hört man. Aber LORD GRYPHUS versuchen gar nicht erst, diese Einflüsse zu verstecken. Warum auch?

Kein Plastik-Death-Metal

Nach dem kurzen „Intro“ knallt mit „The Grand Spectacle“ bereits die erste Ladung Dreck aus den Boxen. Die Gitarren sind schwer, der Gesang sitzt tief im Keller und die Drums treiben das Ganze mit ordentlich Nachdruck nach vorne. Kein überflüssiges Technik-Gewichse, keine sterile Perfektion. Stattdessen gibt es Riffs, die ordentlich sägen.

„Banished Leper“ bleibt dieser Linie treu und setzt stärker auf die düstere Seite der Platte. Danach wird mit „Bloodpath Dominion“ wieder ordentlich auf die Fresse gegeben. Gerade hier funktioniert die Mischung aus roher Aggression und bedrückender Atmosphäre ziemlich gut. LORD GRYPHUS wollen nicht einfach nur möglichst schnell und brutal klingen. Die Songs sollen nach etwas riechen. Nach Tod, Verfall und alten Ritualen.

Mit „Sharpening the Guillotine“ und „Unholy Mace“ wird das Ganze noch einmal eine Spur ruppiger. Die Band hält sich dabei angenehm zurück, was moderne Produktionsspielereien betrifft. Das Album klingt nicht wie eine klinisch präparierte Death-Metal-Leiche, sondern eher wie etwas, das gerade aus einem viel zu tiefen Grab gekrochen ist.

Hinter den Masken

Das Konzept von LORD GRYPHUS passt dabei erstaunlich gut zur Musik. Das Trio tritt komplett anonym und maskiert auf. Im Mittelpunkt steht Lord Gryphus, eine Figur, die vom ANDENKONDOR VULTUR GRYPHUS inspiriert wurde. Tod, Opfer, Spiritualität und Transzendenz gehören zum Grundgerüst des Konzepts.

Auch textlich geht die Band weiter, als es der nächste gewöhnliche Death-Metal-Schlachtruf vermuten lässt. Koloniale Gewalt, kulturelle Auslöschung, aufgezwungene Religion und vergessene Traditionen werden thematisiert. Der Tod wird nicht nur als Horrorfigur behandelt, sondern als Teil eines rituellen und spirituellen Zusammenhangs.

Das gibt dem Album tatsächlich etwas Eigenes. Die Masken sind dabei nicht bloß Show und die gesamte Geschichte wirkt nicht wie ein nachträglich aufgeklebtes Image. Musik und Konzept passen zusammen.

Wenn die Guillotine fällt

Der Titeltrack „Summoning the King of Death“ bringt die Zutaten noch einmal ziemlich konzentriert zusammen. Schwere Riffs, finstere Stimmung und dieses angenehm alte Gefühl, dass hier nicht versucht wird, jedem modernen Trend hinterherzulaufen.

Produktionstechnisch wurde ebenfalls ordentlich Underground-Arbeit geleistet. Aufgenommen wurde im Red Nova Ranch in Bastrop, Texas, mit Jeff Henson an Tracking, Reamping, Gitarren und Bass. Die Vocals entstanden bei Kike Valderrama im Buziraco’s Lair Studio. Für Mix und Mastering war Andrés Mauricio Gallón von Sound Blast Studios im kolumbianischen Armenia verantwortlich.

Das Ergebnis passt zur Musik. Nicht übertrieben fett, nicht auf Hochglanz poliert, aber druckvoll genug, damit die Riffs auch wirklich einschlagen.

Zum Schluss wird mit „Troops of Doom“ noch ein alter SEPULTURA-Knochen aus dem Keller geholt. Eine ziemlich logische Wahl, wenn man sich die musikalischen Wurzeln von LORD GRYPHUS anhört. Das Cover funktioniert und fügt sich problemlos in den Rest der Platte ein. Unterstützung gibt es dabei von Reese Alavi von CREEPING DEATH am Mikrofon sowie Mike De León von FLESH HOARDER und SOULFLY, der ein Gitarrensolo beisteuert.

„Summoning the King of Death“ ist kein Album, das versucht, den Death Metal neu zu erfinden. Das muss es aber auch gar nicht. LORD GRYPHUS wissen ziemlich genau, welchen Sound sie wollen, und ziehen diesen konsequent durch.

Natürlich gibt es hier und da noch Luft nach oben. Gerade beim Songwriting könnten einzelne Stücke noch etwas mehr hängen bleiben. Trotzdem hat das Album etwas, das vielen glattproduzierten Veröffentlichungen fehlt: Charakter. Kein Plastik-Death-Metal für die Hochglanzabteilung, sondern eine Platte, die lieber mit dreckigen Stiefeln durch den Underground marschiert. Wer mit dem frühen Neunziger-Death-Metal etwas anfangen kann und keinen Bock auf klinische Perfektion hat, sollte hier durchaus einmal genauer hinhören.

Fazit: LORD GRYPHUS klingen auf „Summoning the King of Death“ roh, finster und angenehm unbequem.

Internet

LORD GRYPHUS - Summoning the King of Death - CD Review

Vorheriger ArtikelMETALITE – Discovery
Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.