Band: AUTUMNFALL 🇫🇮
Titel: The Archaic Sins
Label: Ardua Music
VÖ: 25/09/26
Genre: Melodic Black Metal

Tracklist

01. Halo In Utopia
02. Lightless Depths
03. Dark Goddess
04. Mists of Eternity
05. Crystal Skies
06. Pulse
07. The Blind Brother
08. The Timeless Kin

 

Besetzung

Olli Pirkkanen – Drums
Jussi Hänninen – Bass, Guitars
Ter Ruohonen – Vocals

 

Bewertung:

4/5

Es gibt Bands, die ihre Vergangenheit möglichst schnell abschütteln wollen. Und dann gibt es AUTUMNFALL. Die Finnen buddeln auf „The Archaic Sins“ tief in den eigenen Archiven und holen Material hervor, das teilweise schon Ende der Neunziger entstanden ist. Klingt im ersten Moment nach Kellerfund mit Staubschicht. Ist es aber erfreulicherweise nicht.

Hinter AUTUMNFALL steht Jussi Hänninen, der zwischen 1996 und 2007 als Hauptsongwriter von Fall of the Leafe tätig war. 2019 gründete er AUTUMNFALL, gemeinsam mit Sänger Tero Ruohonen und Drummer Olli Pirkkanen. Nach „Ghosts of Light“, „Bleak“ und „The Archaic Shadows“ folgt nun der nächste Blick zurück. Der Großteil der acht Songs wurde zwischen 1998 und 2001 geschrieben, lediglich ein Stück ist komplett neu. Und verdammt, diese alten Nummern haben noch immer Zähne.

Kein Hochglanz-Black-Metal

„Halo In Utopia“ eröffnet die Platte und macht sofort klar, dass AUTUMNFALL keinen Bock auf überproduziertes Black-Metal-Theater haben. Die Gitarren übernehmen das Kommando, werfen Melodien durch den Raum und lassen dabei genügend Platz für Atmosphäre. Das Ganze klingt dunkel, manchmal melancholisch, manchmal fast verträumt. Aber niemals kitschig.

„Lightless Depths“ zieht die Schraube etwas fester. Die Nummer arbeitet stärker mit dieser frostigen, leicht bitteren Stimmung, die man bei den Finnen gerne hört. Hier wird nicht sinnlos geprügelt. Die Rhythmen sitzen, die Gitarren wechseln ihre Linien und trotzdem wirkt nichts verkopft.

Genau darin liegt eine der Stärken des Albums. AUTUMNFALL müssen niemandem beweisen, dass sie ihre Instrumente beherrschen. Die Songs sind nicht mit hundert Ideen pro Minute zugeschissen. Stattdessen bekommen die Melodien Raum. Und das tut der Platte verdammt gut.

„Dark Goddess“ und „Mists of Eternity“ setzen diesen Kurs fort. Besonders die Gitarrenarbeit bleibt hängen. Mal sägt sie, mal schwebt sie beinahe über dem Rhythmus. Dazu kommt Tero Ruohonens rauer Gesang, der den Kompositionen genügend Dreck verpasst, damit das Ganze nicht irgendwann in gepflegter Melancholie ersäuft.

Alte Songs, aber keine Museumsstücke

Natürlich hört man „The Archaic Sins“ an, dass hier Material aus einer anderen Zeit ausgegraben wurde. Und genau das ist gut so. Die Songs besitzen eine gewisse Eigenwilligkeit, die vielen aktuellen Produktionen fehlt. Sie wollen nicht ständig den nächsten großen Moment erzwingen.

„Crystal Skies“ zeigt die atmosphärische Seite von AUTUMNFALL besonders deutlich. Die Nummer nimmt sich Zeit und lässt die Melodien wirken. „Pulse“ packt danach wieder etwas mehr an und sorgt dafür, dass die Platte nicht komplett in dunklen Nebelschwaden verschwindet.

Das funktioniert vor allem deshalb, weil Hänninen ein Händchen für Arrangements besitzt. Die einzelnen Melodien werden nicht einfach übereinandergestapelt, bis der Hörer irgendwann den Überblick verliert. Sie greifen ineinander, kommen zurück, verschwinden wieder und tauchen an anderer Stelle erneut auf.

„The Blind Brother“ und „The Timeless Kin“ führen das Album schließlich zu Ende. Keine künstliche Schlussnummer, die plötzlich alles über den Haufen wirft. Stattdessen bleibt AUTUMNFALL bei dem, was sie über die gesamte Spielzeit machen, dunkle, melodische und angenehm eigenbrötlerische Musik.

Hier steckt Erfahrung drin

Man merkt dieser Platte an, dass ihre Songs nicht gestern Nachmittag im Proberaum entstanden sind. Hänninen weiß offenbar ziemlich genau, wann ein Song noch eine weitere Gitarrenlinie braucht und wann man besser einfach die Fresse hält und eine Melodie stehen lässt. Das klingt banal, ist aber eine Kunst.

Gerade im melodischen Black Metal kann man sich schnell in Atmosphäre und Effekten verlieren. AUTUMNFALL gehen diesen Weg nicht. „The Archaic Sins“ bleibt relativ bodenständig und lebt von den Kompositionen. Die Vergangenheit ist dabei ständig präsent, wird aber nicht zum Selbstzweck.

Mastering durch Jasse Kesti im Kesthouse Studio sorgt für einen klaren, druckvollen Rahmen, ohne den Charakter der Songs plattzubügeln. Die Gitarren bekommen ihren Platz, der Bass bleibt hörbar und auch das Schlagzeug arbeitet sauber im Hintergrund.

Was bleibt, ist eine Platte, die vielleicht nicht jedem sofort ins Gesicht springt, dafür aber mit jedem Durchlauf interessanter wird. „The Archaic Sins“ ist kein Album für den schnellen Konsum und schon gar kein modernes Black-Metal-Feuerwerk mit eingebautem Gänsehautknopf.

Es ist eher eine verdammt gut erhaltene Zeitkapsel, die jemand aus dem finnischen Keller geholt, einmal kräftig vom Staub befreit und wieder unter Strom gesetzt hat.

Nicht alles zündet gleich stark, und an manchen Stellen hätte etwas mehr Biss durchaus gutgetan. Aber wenn die Gitarren ihre melodischen Kreise ziehen und diese alten Kompositionen plötzlich wieder Leben bekommen, funktioniert AUTUMNFALL richtig gut.

Fazit: Insgesamt präsentiert sich „The Archaic Sins“ als ein durchdachtes, atmosphärisch dichtes Album, das die Essenz des Melodic Black Metal einfängt und in zeitloser Weise neu interpretiert.

Internet

AUTUMNFALL - The Archaic Sins - CD Review

Vorheriger ArtikelSLAUGHTERCULT – Devoured By Perversion
Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.