Tracklist
01. C2O
02. Offense
03. The Doomsayers Are Right
04. In the End
05. Grey Ignorance
06. A New Ego in Nihilism
07. Misanthropic Freedom
08. Unnatural Selection in the Age of Crisis
09. Nostalgic Anxiety
Besetzung
Doc – Vocals
Seb – Bass
Frank – Drums
Nobbe – Guitars
Vier alte Hasen aus der Nürnberger Metal- und Hardcore-Szene, eine gemeinsame Vorliebe für schwere Riffs und offensichtlich wenig Interesse daran, musikalisch irgendwelche Kompromisse einzugehen. Das sind SAUROS. Doc am Mikro, Nobbe an der Gitarre, Seb am Bass und Frank hinter dem Schlagzeug haben sich 2020 zusammengefunden und machen seitdem genau das, was der Bandname und die Musik versprechen. Doom Metal, reduziert auf seine wesentlichen Bestandteile: langsam, schwer, dreckig und mit ordentlich Wut im Bauch.
CELTIC FROST und CROWBAR gehören zu den offensichtlichen Bezugspunkten, ohne dass SAUROS daraus eine reine Kopie ihrer Vorbilder machen. Nach dem ersten Auftritt 2022 im Vorprogramm von THRONEHAMMER folgte Ende desselben Jahres die Mini-CD „Retreat“, die für einige positive Reaktionen sorgte. Sogar das Deaf Forever nahm die Band damals in die Liste der „Newcomer des Jahres“ auf. Danach ging es regelmäßig auf die Bühne, unter anderem mit NAEVUS, PETRIFIED, SHEVER und erneut THRONEHAMMER. Ein besonderer Moment dürfte der Auftritt beim Hammer Of Doom Festival 2023 in Würzburg gewesen sein. 2024 kamen weitere Konzerte mit Bands wie MAGMA RISE, HAUNTED und ENDONOMOS dazu. Nun liegt mit „Offense“ endlich das erste vollständige Album vor.
Schwere Kost, bewusst einfach gehalten
Wer bei Doom Metal automatisch an ausufernde Songs und endlose Gitarrenflächen denkt, wird bei SAUROS zunächst überrascht sein. „Offense“ ist erstaunlich direkt. Die Band braucht keine komplizierten Strukturen, um Druck aufzubauen. Ein ordentliches Riff, ein zäher Groove und ein Schlagzeug, das die Nummer mit Nachdruck vor sich hertreibt, reichen hier völlig aus.
Schon der Opener „C2O“ gibt die Richtung vor. Die Gitarren walzen sich durch den Song, während Doc seine Vocals mit einer angenehmen Portion Aggression darüberlegt. Das klingt roh und ungeschönt. Genau diese Eigenschaft steht SAUROS gut, denn eine Hochglanzproduktion würde zu dieser Musik vermutlich ohnehin nicht passen.
Der Titelsong „Offense“ bleibt dieser Linie treu. Das Riffing ist simpel, aber effektiv, und gerade dadurch entwickelt der Song seinen Reiz. SAUROS versuchen nicht, aus jedem Stück eine musikalische Lehrstunde zu machen. Stattdessen konzentrieren sie sich auf das, was Doom und Sludge seit jeher ausmacht: Gewicht.
„The Doomsayers Are Right“ bringt dann auch inhaltlich ziemlich genau das auf den Punkt, was sich durch das gesamte Album zieht. SAUROS beschäftigen sich mit gesellschaftlichem Zerfall, fehlender Moral und einer Welt, in der man sich durchaus fragen darf, ob die Schwarzseher nicht manchmal näher an der Realität liegen als die ewigen Optimisten.
Dreck, Frust und innere Abgründe
Das funktioniert besonders dann gut, wenn die Texte nicht nach künstlich aufgeblasener Weltuntergangspoesie klingen. „In the End“ und „Grey Ignorance“ gehören zu diesen Momenten. Die Songs vermitteln Frustration, ohne dabei ständig mit dem Holzhammer zuzuschlagen. Musikalisch bleibt die Band schwer und geradlinig, während die Texte eine deutlich düsterere Ebene eröffnen.
„A New Ego in Nihilism“ richtet den Blick stärker nach innen. Es geht nicht mehr nur um den Zustand der Gesellschaft, sondern auch um persönliche Abgründe. Genau diese Mischung macht „Offense“ interessanter, als es die zunächst recht überschaubare musikalische Formel vermuten lässt. SAUROS erzählen nicht nur von einer kaputten Welt, sondern auch davon, was diese Welt mit dem Einzelnen macht.
Bei „Misanthropic Freedom“ darf es dann wieder ordentlich krachen. Hier kommen die Celtic-Frost- und CROWBAR-Einflüsse besonders deutlich zum Vorschein. Das Riffing besitzt diesen klassischen Doom-Groove, der nicht schnell sein muss, um Wirkung zu erzielen. „Unnatural Selection in the Age of Crisis“ setzt anschließend noch einen drauf und verbindet die musikalische Schwere mit einer ziemlich bitteren Betrachtung der Gegenwart.
Kein Album, das um Erlaubnis fragt
Zum Schluss wartet mit „Nostalgic Anxiety“ ein Stück, das die Platte etwas nachdenklicher ausklingen lässt. Der Song passt gut ans Ende, weil er nicht einfach noch einmal dieselbe Keule schwingt, sondern eine melancholischere Seite der Band zeigt.
Produziert wurde das Album erneut von Gitarrist Nobbe, für Mix und Mastering konnte Ron Rauscher als Co-Produzent gewonnen werden. Das Ergebnis passt zum Material. „Offense“ klingt druckvoll, rau und vor allem nicht überproduziert. Bass und Schlagzeug sorgen für das nötige Fundament, während die Gitarren genügend Raum bekommen, ihre Riffs entsprechend schwer wirken zu lassen. Docs Stimme sitzt irgendwo zwischen Wut, Verzweiflung und angepisster Resignation. Genau dort gehört sie hin.
Natürlich hat die bewusst reduzierte Herangehensweise auch ihre Grenzen. Über die komplette Spielzeit verändert sich das Grundrezept nur wenig. Wer auf große stilistische Überraschungen oder ständig neue musikalische Ideen wartet, könnte „Offense“ deshalb stellenweise als etwas gleichförmig empfinden. Für Freunde des klassischen Doom- und Sludge-Sounds ist diese Konsequenz dagegen eher ein Pluspunkt.
SAUROS machen auf ihrem Full Length Debüt keine Gefangenen. Die Nürnberger spielen ihre Songs mit einer angenehm altmodischen Konsequenz und verzichten auf alles, was nicht unbedingt gebraucht wird. Keine überflüssigen Spielereien, keine künstliche Härte und kein Versuch, plötzlich für irgendeinen Trend relevant zu werden. Stattdessen gibt es neun Tracks voller schwerer Riffs, dreckigem Groove und einer gehörigen Portion Gesellschaftsfrust.
„Offense“ ist damit kein Album für nebenbei. Dafür ist die Musik zu massiv und die Grundstimmung zu finster. Wer allerdings genau diese Mischung aus Oldschool Doom, Sludge und einer ordentlichen Portion Rotz sucht, sollte SAUROS durchaus auf dem Zettel haben.
Fazit: „Offense“ von SAUROS überzeugt durch seinen rohen, ungeschliffenen Stil, der Fans des klassischen Doom und Sludge anspricht.






