Band: Sinsid 🇳🇴
Titel: All That Remains
Label: Pitch Black Records
VÖ: 03.07.2026
Format: CD / Vinyl / Digital
Genre: Heavy Metal / Power Metal

Tracklist

01. All That Remains
02. Sarcophagus
03. Running
04. Templars Of Metal
05. Pioneers
06. Lawless Hunter
07. Azad Hind
08. The Horror (I Know)
09. Breaking All The Rules
10. Somewhere In The Dark
11. Lords Of The Northern Land
12. In The Eyes Of The Reaper (CD-Bonustrack)
13. Time Is Ticking (CD-Bonustrack)

Besetzung

Terje Singh Sidhu – Gesang
Erik Westerlund – Gitarre
Jostein Marø – Leadgitarre
Grzegorz Urbanski – Bass
Trygve Andre Tvedt – Schlagzeug

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Guter Alter Heavy Metal der amtlichen art – genau das liefern Sinsid auf ihrem vierten Studioalbum »All That Remains«. Die 2012 im norwegischen Haugesund gegründete Formation um Sänger Terje Singh Sidhu bekennt sich auch diesmal ohne Einschränkung zu druckvollen Riffs, zweistimmigen Gitarren, mächtigen Refrains und jenem kämpferischen Grundton, der den klassischen Heavy Metal seit Jahrzehnten trägt. Nach »Mission From Hell«, »Enter The Gates« und »In Victory« klingt die Band auf ihrem neuen, erneut über Pitch Black Records veröffentlichten Werk geschlossener und selbstbewusster. Revolutionäre Neuerungen stehen nicht auf dem Programm. Stattdessen konzentrieren sich Sinsid darauf, bekannte Stilmittel mit ehrlicher Begeisterung, handwerklicher Präzision und einer deutlich erkennbaren eigenen Stimme umzusetzen.

Albumplaylist: Sinsid – All That Remains

Produktionstechnisch wurde die passende Balance gefunden. Tom Poole-Kerr hat das Album im Green Engine Recording gemischt und gemastert, ohne die traditionelle Ausrichtung mit sterilem Hochglanz zu überziehen. Gitarren und Gesang stehen weit vorne, während Bass und Schlagzeug ausreichend Raum erhalten, um den Songs körperlichen Schub zu verleihen. Besonders die Leadgitarren profitieren von diesem offenen Klangbild: Soli und Harmonien können sich entfalten, ohne den Rhythmusgitarren ihre Wirkung zu nehmen.

DER TITELTRACK GIBT DIE MARSCHRICHTUNG VOR

Der eröffnende Titelsong »All That Remains« verzichtet auf langes Vorgeplänkel. Ein treibender Rhythmus, griffige Gitarren und Terje Singh Sidhus tiefer, rauer Gesang führen direkt in einen Refrain, der offensichtlich für erhobene Fäuste und gemeinsame Rufe geschrieben wurde. Die Nummer besitzt genügend Härte, bleibt aber aber jederzeit melodisch. Schon hier wird deutlich, dass Sinsid ihre größte Wirkung nicht über technische Kunststücke erzielen, sondern über sauber gesetzte Riffs, verständliche Strukturen und einen überzeugenden Spannungsaufbau.

Mit »Sarcophagus« ziehen die Norweger das Tempo deutlich an. Das schärfere Riffing reicht bis an klassischen Achtziger-Thrash heran, während die Rhythmusgruppe mit schnellen Galopps und variablen Übergängen für Bewegung sorgt. Sidhu zeigt hier eine größere stimmliche Bandbreite als im Opener und klingt in den aggressiveren Passagen besonders überzeugend. Der ausgedehnte Instrumentalteil und das energische Solo machen den Titel zu einem der frühen Höhepunkte.

»Running« schaltet anschließend in einen kontrollierten Midtempo-Gang. Der Song lebt von seinem schweren Stampfrhythmus und einer Melodie, die bereits nach dem ersten Durchlauf hängen bleibt. Bei »Templars Of Metal« folgt das unvermeidliche Bekenntnis zur eigenen musikalischen Heimat. Solche Metal-über-Metal-Hymnen können schnell zur unfreiwilligen Karikatur geraten, doch Sinsid retten die Nummer mit ehrlichem Enthusiasmus, einem starken Wechselspiel aus Haupt- und Gruppengesang sowie ausreichend instrumentaler Härte. »Pioneers« führt diese Linie fort, wirkt dank der melodischen Gitarren und des besonders gelungenen Refrains jedoch noch geschlossener.

GESCHICHTE, DUNKELHEIT UND NORWEGISCHER STAHL

Im Mittelteil erweitert »All That Remains« sein thematisches und musikalisches Spektrum. »Lawless Hunter« arbeitet mit einer dunkleren Atmosphäre und einem zurückhaltenderen Spannungsaufbau, bevor »Azad Hind« ein realgeschichtliches Thema aufgreift. Schlagzeug, Bass und Gitarren treten nacheinander in die Komposition ein und entwickeln gemeinsam einen marschartigen, zunehmend epischen Rhythmus. Der erzählerische Ansatz erinnert an klassische Geschichtsstunden des Heavy Metal, bleibt aber kompakt und musikalisch zielgerichtet.

Einen weiteren Höhepunkt markiert »The Horror (I Know)«. Das langsamere Tempo, bedrohliche Melodien und geflüsterte Gesangspassagen erzeugen eine finstere Grundstimmung. Spätestens wenn die harmonisierten Leadgitarren übernehmen, zeigt sich die Stärke der aktuellen Besetzung. Erik Westerlund und Jostein Marø setzen ihre Soli nicht als bloße Zurschaustellung technischer Fähigkeiten ein, sondern als Erweiterung der jeweiligen Songdramaturgie.

»Breaking All The Rules« beschleunigt wieder und setzt auf einen wuchtigen Gruppenrefrain, der live bestens funktionieren dürfte. Das folgende »Somewhere In The Dark« ist mit über fünf Minuten die längste reguläre Nummer des Albums und nutzt diesen Raum für einen der abwechslungsreichsten Spannungsbögen. Akustische Gitarren leiten einen emotionalen Soloteil ein, ehe der Song kontrolliert in seine schwere Hauptstruktur zurückkehrt. Der reguläre Albumabschluss »Lords Of The Northern Land« marschiert langsamer, besitzt dafür besonders viel Gewicht. Der stampfende Groove und der breit angelegte Refrain sorgen für ein angemessen monumentales Finale.

MARKANTE STIMME, STARKE GITARREN

Der entscheidende Wiedererkennungswert von Sinsid liegt weiterhin in Terje Singh Sidhus Stimme. Sein dunkler, leicht angerauter Bariton unterscheidet sich deutlich vom häufig dominierenden Hochgesang des traditionellen Heavy und Power Metal. In den mittleren Tonlagen verleiht er den Songs Autorität und eine fast erzählerische Präsenz. Sobald die Melodien höher steigen oder länger gehaltene Töne verlangen, wirkt die Darbietung stellenweise hörbar angestrengt. Das ist kein grundlegendes Problem, führt aber dazu, dass nicht jeder Refrain dieselbe Durchschlagskraft entwickelt.

Instrumental gibt sich die Band kaum eine Blöße. Grzegorz Urbanski liefert einen deutlich hörbaren, druckvollen Bass, während Trygve Andre Tvedt mit kraftvollem und erfreulich natürlichem Schlagzeugspiel für Dynamik sorgt. Die Hauptrolle gehört dennoch den Gitarren. Prägnante Riffs, klassische Harmonien und zahlreiche sorgfältig aufgebaute Soli ziehen sich als roter Faden durch das Album. Gerade diese Leadarbeit hebt »All That Remains« über den Durchschnitt vieler Veröffentlichungen der aktuellen Retro-Metal-Welle.

Allerdings bleibt die Band bewusst innerhalb vertrauter Grenzen. Die wiederholten Gruppenrefrains, Galopprhythmen und Metal-Bekenntnisse sorgen für Geschlossenheit, lassen einzelne Songs aber auch vorhersehbar erscheinen. Eine stärkere kompositorische Überraschung hätte dem Album zusätzliche Tiefe verliehen. Dafür gibt es keine wirklichen Ausfälle, und die kompakte Länge der elf regulären Titel hält den Spannungsbogen stabil. Die CD-Bonustracks »In The Eyes Of The Reaper« und »Time Is Ticking« fügen sich schlüssig ein, ohne für das Verständnis des Hauptalbums unverzichtbar zu sein.

FAZIT:

»All That Remains« ist ehrlicher, kraftvoll produzierter Heavy Metal, der seine traditionellen Einflüsse mit starken Gitarren, einer markanten Stimme und zahlreichen bühnentauglichen Refrains verbindet. Sinsid erfinden das Genre nicht neu und treffen gesanglich nicht in jeder Passage vollständig ins Schwarze, liefern dafür aber ein bemerkenswert geschlossenes Album ohne ernsthaften Schwachpunkt. Besonders »Sarcophagus«, »Pioneers«, »The Horror (I Know)« und »Somewhere In The Dark« empfehlen sich als Anspieltipps.

Sinsid – All That Remains

Internet

SINSID - ALL THAT REMAINS - CD Review

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