Solar Mantra - State Of Joyful Lightness - cover artwork

Band: Solar Mantra 🇮🇹
Titel: State Of Joyful Lightness
Label: Argonauta Records
VÖ: 08.05.2026
Format: Digital / CD
Genre: Stoner Rock / Heavy Psych / Doom Rock

Tracklist

01. Dynamite
02. Avetrana
03. Appaloosa
04. A Brand New Grave
05. Holy Water
06. Lucky Mia
07. Morning Glory
08. Shelter
09. Piñacolada
10. Raging River Of Fear

Besetzung

Tommaso Santillo – Gesang
Francesco Carretti – Gitarre
Federico »Quattro« Lombardi – Bass
Simone Bianchini – Schlagzeug

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Fünf Jahre nach »Away« melden sich Solar Mantra mit »State Of Joyful Lightness« zurück – und wer angesichts des Titels eine schwerelose Hippie-Runde mit Räucherstäbchen und Gruppenumarmung erwartet, darf sich direkt wieder setzen. Die Italiener aus Rom haben ihr Klangbild spürbar verdunkelt, verdichtet und mit mehr Druck ausgestattet. Aus dem warmen Stoner-/Psych-Fundament des Vorgängers ist ein kompakteres, kantigeres und stellenweise deutlich grantigeres Album geworden.

Der Titel ist dabei durchaus clever gewählt, weil er mit Erwartung und Wirklichkeit spielt. Die Musik klingt nicht nach sorgloser Leichtigkeit, sondern nach dem Moment, in dem man sich diese Leichtigkeit hart erkämpfen muss. Solar Mantra verhandeln persönliche Brüche, toxische Dynamiken, Fluchtimpulse, Frust, Begehren und diese unterschwellige Reibung, die gute Rockmusik erst wirklich interessant macht. Das ist Stoner Rock mit breiten Schultern, aber auch mit genügend dunklen Nebenstraßen, um nicht bloß als Riffsport durchzugehen.

(Hört hier »State Of Joyful Lightness« von Solar Mantra)

DAS LICHT BLEIBT AUS, DIE RIFFS BLEIBEN AN

»Dynamite« legt mit breitem Groove, angezogener Fuzz-Kante und einem Refrain los, der direkt klarstellt: Solar Mantra wollen hier nicht schweben, sie wollen anschieben. Der Text kreist um emotionale Manipulation, beschädigtes Vertrauen und den Moment, in dem innerer Druck nicht mehr kontrollierbar bleibt. Das passt zum Sound: Der Song ist griffig, schwer und auf den Punkt gespielt. Kein langer Anlauf, kein Umweg, keine falsche Eleganz. Man merkt sofort, dass die Band ihr Stoner-Fundament behalten, aber die Schrauben fester angezogen hat.

»Avetrana« fällt mit seiner knappen Spielzeit fast punkig aus dem Rahmen. Die Nummer ist direkter, roher und zeigt eine Seite der Band, die nicht nur auf schwere Grooves, sondern auch auf kompakten Zug setzen kann. Inhaltlich geht es um Begehren, Neuanfang und Abschied zugleich – also genau diese Rock’n’Roll-Gemengelage, bei der das Herz noch „ja“ ruft, während der Verstand schon die Haustür sucht. Der Song funktioniert gerade wegen seiner Kürze. Rein, raus, Wirkung hinterlassen.

Mit »Appaloosa« wird das Album deutlich vielschichtiger. Hier treffen gesellschaftlicher Überdruss, innere Wut und das Gefühl von Eingesperrtsein auf schwere, psychedelisch grundierte Stoner-Rock-Passagen. Die Gitarren arbeiten breiter, der Song nimmt sich mehr Raum, und Tommaso Santillo bringt genau die richtige Mischung aus Trotz und angeschlagener Coolness mit. Das ist einer der Tracks, an denen die Platte ihre neue Richtung besonders überzeugend ausspielt: düsterer als früher, aber immer noch melodisch greifbar.

STÄRKER, SCHWERER, SCHMUTZIGER

»A Brand New Grave« dreht die Stimmung weiter nach unten. Der Text behandelt Erschöpfung, Orientierungslosigkeit und die Ahnung, dass manches nicht mehr zu reparieren ist. Musikalisch bleibt der Song kompakt, fast klassisch strukturiert, aber mit genügend Schwere im Unterbau. Das Stück hat diese angenehme Härte, die nicht auf Tempo angewiesen ist. Ein gutes Riff, ein klarer Aufbau, eine dunkle Melodie – mehr braucht es manchmal nicht.

»Holy Water« ist einer der offensiveren Songs des Albums. Hier geht es um religiös oder moralisch aufgeladene Bevormundung, um Wut auf Fremdurteile und um das Wehren gegen Erwartungen, die wie Fesseln wirken. Der Refrain sitzt sofort, die Gitarren ziehen kräftig nach vorne, und die Band findet einen starken Mittelweg zwischen Stoner-Wucht und Alternative-Rock-Eingängigkeit. Gerade dieser Song zeigt, dass Solar Mantra ihre Härte nicht gegen Melodie ausspielen müssen.

»Lucky Mia« bringt anschließend eine kältere, melancholischere Farbe ins Album. Der Song behandelt Distanz, Fluchtimpulse und eine Beziehung, in der Nähe und Schaden kaum noch auseinanderzuhalten sind. Musikalisch gehört die Nummer zu den stärkeren Momenten, weil sie nicht nur riffbetont arbeitet, sondern einen deutlichen Spannungsbogen besitzt. Die Band bleibt hier kontrolliert, baut Druck auf und lässt den Song langsam schwerer werden, ohne ihn zu überfrachten.

ZWISCHEN DUNKLER LUST UND FLUCHTREFLEX

»Morning Glory« wirkt zunächst wie der klassische Rock-Moment des Albums, entwickelt aber schnell eine eigene Dunkelheit. Lust, Abhängigkeit, Verwirrung und der Wunsch nach Rettung liegen nah beieinander. Der Song nutzt diese Spannung gut: melodisch genug, um sich festzusetzen, aber nicht glatt genug, um harmlos zu werden. Gerade die Stimme trägt hier viel, weil sie das Material nicht überdramatisiert, sondern mit rauem Selbstbewusstsein führt.

»Shelter« ist einer der Songs, die zeigen, wie gut Solar Mantra Atmosphäre und Groove verbinden können. Der Text sucht nach einem Rückzugsort, lässt aber zugleich eine bizarre, leicht unheimliche Szenerie entstehen. Musikalisch bleibt die Band im schweren Midtempo, setzt auf Druck und eine fast filmische Stimmung. Das ist kein Song, der sofort alles preisgibt, aber einer, der im Albumkontext stark wirkt. Hier hat die Platte ihre beste Balance aus Stoner Rock, Doom-Färbung und psychedelischer Spannung.

Mit »Piñacolada« wird es giftiger und leicht grotesk. Der Text arbeitet mit Bildern von Leere, gesellschaftlicher Orientierungslosigkeit, digitaler Regelreiterei und dem Gefühl, ständig zwischen falschen Versprechen festzuhängen. Musikalisch bekommt der Song dadurch eine kantigere Note, die gut zur zweiten Albumhälfte passt. Ganz so zwingend wie »Appaloosa« oder »Shelter« ist die Nummer nicht, aber sie hält die Platte eigenwillig und verhindert, dass Solar Mantra zu bequem in der eigenen Riffmaschine sitzen bleiben.

DER KLASSIKER AM SCHLUSS

Mit »Raging River Of Fear« schließen Solar Mantra das Album mit einem Captain Beyond-Cover ab. Die Performance ist handwerklich stark, und die Band verpasst dem Song genug eigenen Druck, um ihn nicht bloß brav nachzuspielen. Trotzdem bleibt der Abschluss der Punkt, an dem »State Of Joyful Lightness« etwas an Eigenprofil verliert. Nach neun Songs, die eine klare eigene Richtung verfolgen, wirkt das Cover eher wie ein Bonus am Ende als wie der zwingende Schlussstrich unter dem Album.

Das ist kein echter Ausfall, aber der kleinste Schwachpunkt der Platte. Gerade weil Solar Mantra zuvor so überzeugend zeigen, dass sie ihr eigenes Material stärker, düsterer und prägnanter formen können, hätte ein selbstgeschriebener Abschluss vermutlich mehr Wirkung gehabt. Der Song ist gut gespielt, keine Frage. Aber er lässt einen nicht mit dem stärksten Eindruck aus dem Album gehen.

KLANG UND WIRKUNG

Produktionstechnisch macht »State Of Joyful Lightness« einen deutlichen Schritt nach vorne. Die Songs wirken massiver, der Bass hat Substanz, die Gitarren stehen breit im Raum, und das Schlagzeug klingt lebendig genug, um nicht in steriler Studiohärte zu verschwinden. Die Zusammenarbeit mit Danilo Silvestri hat hörbar dazu beigetragen, den Sound moderner und druckvoller zu gestalten, ohne die warme Stoner-Rock-Basis zu verlieren.

Was das Album besonders trägt, ist die Mischung aus Eingängigkeit und dunklerem Grundton. Solar Mantra liefern keine reine Desert-Rock-Übung, sondern ziehen Grunge-, Doom-, Psych- und Alternative-Rock-Elemente in ihre Songs hinein. Dadurch wirkt die Platte abwechslungsreicher als viele Genreveröffentlichungen, die sich ausschließlich auf ein gutes Riff und viel Wiederholung verlassen. Hier gibt es Riffs, ja. Aber es gibt auch Songs.

Nicht alles ist perfekt. Die zweite Hälfte ist etwas weniger zwingend als der starke Mittelteil, und das Cover am Ende fühlt sich eher ergänzend als notwendig an. Dennoch bleibt »State Of Joyful Lightness« ein starkes zweites Album, das die Band spürbar weiterbringt. Solar Mantra klingen fokussierter, dunkler und entschlossener als auf dem Debüt. Genau diesen Schritt will man bei einer zweiten Platte hören.

FAZIT:

»State Of Joyful Lightness« ist ein überzeugendes, schweres und angenehm kantiges Stoner-Rock-Album, das seinen Titel nicht wörtlich nimmt, sondern als Kontrastfläche nutzt. Solar Mantra haben ihren Sound erweitert, verdichtet und emotional stärker aufgeladen. Statt sonniger Psychedelic-Ausflüge gibt es mehr Druck, mehr Schatten, mehr Grunge-Kante und eine Reihe starker Songs, die sich nicht hinter Genrefloskeln verstecken müssen.

Besonders »Dynamite«, »Appaloosa«, »Holy Water«, »Lucky Mia«, »Morning Glory« und »Shelter« zeigen, wie gut diese neue Ausrichtung funktioniert. Die Band bleibt im Stoner-Rock verwurzelt, legt aber genug emotionale Schärfe und stilistische Variation nach, um nicht wie eine weitere Kyuss-Erbverwaltung zu klingen. Das Album hat Kante, Groove und eine starke innere Spannung.

Wer auf Kyuss, Queens Of The Stone Age, Clutch, Dozer, Greenleaf oder Danzig steht, sollte hier definitiv reinhören. Solar Mantra liefern kein makelloses Meisterwerk, aber eine sehr starke zweite Platte mit Charakter, Druck und mehreren Songs, die im Kopf bleiben. Der Zustand freudiger Leichtigkeit mag hier ziemlich angeschlagen sein – die Musik selbst steht dafür umso fester.

State Of Joyful Lightness Album Stream:

Internet

Solar Mantra - State Of Joyful Lightness - CD Review

Vorheriger ArtikelORACLE OF WORMS – Cult of Suffering