Band: Sonic Panda feat. Oblique 🇨🇳 🇪🇸
Titel: Silence Is In Vogue
Label: No Where Records
VÖ: 19.06.2026
Format: 12″ Vinyl / CD / Digital
Genre: Electronic Rock / Darkwave / Industrial

Tracklist

01. Silence Is In Vogue
02. Silence Is In Vogue – Matt Pop Edit
03. Silence Is In Vogue – Carlsed Version
04. Silence Is In Vogue – Matt Pop Instrumental

Besetzung und Produktion

Sonic Panda:
Pere Ibañez
Seni Ren

Oblique – Gastgesang, Co-Produktion
Pere Ibañez – Musik und Text
Carlsed – Produktion
Matt Pop – Remix und Instrumentalversion

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Ein Satz verlässt den Mund, verliert unterwegs seinen Zusammenhang und kehrt wenige Minuten später als öffentlicher Anklagepunkt zurück. Genau in diesem Klima setzen Sonic Panda gemeinsam mit Oblique ihre neue Single »Silence Is In Vogue« an. Statt sich darüber in einer schwerfälligen Protesthymne auszulassen, verpackt das sino-spanische Duo die Beobachtung in einen elektronischen Ohrwurm zwischen Darkwave, Industrial und elektronischem Rock

Der erste Vorbote des angekündigten Debütalbums »Neomelodrama« erscheint gleich in vier Fassungen. Neben dem Original stehen ein stärker auf die Tanzfläche ausgerichteter Edit von Matt Pop, eine alternative Version von Produzent Carlsed und ein Instrumental. Damit wird keine stilistische Weltreise unternommen, aber derselbe Song unter verschiedenem Licht betrachtet.

YouTube Art Playlist: Silence Is In Vogue

ZWISCHEN KONTROLLE UND KOMMUNIKATION

»Silence Is In Vogue« beschäftigt sich mit einer Gesellschaft, in der öffentliche Kommunikation zunehmend aus Vorsicht, Selbstzensur und kalkulierten Formulierungen besteht. Die Angst, missverstanden oder auf eine einzelne Aussage reduziert zu werden, hängt über jedem Gespräch wie ein unsichtbarer Redaktionsfilter.

Pere Ibañez formuliert diese Beobachtung nicht als eindeutige politische Abrechnung. Der Song richtet sich vielmehr gegen den Reflex, komplexe Aussagen sofort in vorgefertigte Lager einzuordnen. Wer nicht exakt die erwarteten Begriffe verwendet, wird verdächtig. Wer nachfragt, gilt bereits als Gegner. Wer gar nichts sagt, macht zumindest keinen öffentlich verwertbaren Fehler.

Die Ironie des Titels funktioniert deshalb so gut, weil Schweigen als gesellschaftlicher Modetrend erscheint. Nicht Überzeugung oder Erkenntnis bestimmen das Verhalten, sondern die möglichst risikoarme Außendarstellung. Sonic Panda zeigen damit eine Welt, in der Menschen ständig senden, aber immer seltener tatsächlich miteinander sprechen.

Dass diese Beobachtung ausgerechnet in einen sehr eingängigen Popsong gepackt wird, gehört zu den Stärken der Single. Der Text setzt kleine Widerhaken, während das Arrangement längst den nächsten Refrain vorbereitet. So erreicht die Botschaft ihr Ziel, ohne unter einem Berg aus Erklärungen zusammenzubrechen.

DUNKLE SYNTHESIZER MIT POPPIGEM INSTINKT

Die Originalversion steigt ohne langes Intro ein. Ein elektronischer Puls eröffnet den Song, darüber legen sich dunkle Synthesizer, rhythmische Akzente und eine Melodie, die sofort auf Wiedererkennung aus ist. Die Produktion besitzt genügend Druck, um auch in einem Alternative- oder Gothic-Club zu funktionieren, bleibt jedoch deutlich im Pop verwurzelt.

Carlsed setzt auf klare Strukturen. Strophe, Aufbau und Refrain sind sauber voneinander getrennt, ohne dass der Song steril oder nach musikalischer Fließbandarbeit klingt. Kleine Störgeräusche, kalte Flächen und ein leicht mechanischer Rhythmus verhindern, dass die Nummer zu gefällig wird.

Gitarren spielen keine dominierende Rolle. Die Härte entsteht vielmehr aus der elektronischen Architektur, der kontrollierten Dynamik und dem Kontrast zwischen glänzender Oberfläche und gereiztem Unterton. Das erinnert stellenweise an klassischen Synthpop, nimmt aber zugleich Elemente aus Industrial, Darkwave und elektronischem Alternative Rock auf.

Die Beteiligung von Oblique erweitert das Klangbild hörbar. Die Stimmen ergänzen einander, anstatt lediglich dieselbe Melodie zu verdoppeln. Daraus entsteht ein Wechselspiel, das dem Song mehr Persönlichkeit gibt und zugleich das Thema der gestörten Kommunikation musikalisch spiegelt.

Besonders der Refrain trifft schnell. Die zentrale Zeile wird nicht durch ständige Wiederholung erzwungen, sondern melodisch sinnvoll vorbereitet. Nach dem ersten Durchlauf sitzt sie im Gedächtnis, nach dem zweiten dürfte sie dort für einige Zeit eine Wohnung angemietet haben.

MATT POP ÖFFNET DIE CLUBTÜR

Der Matt Pop Edit stellt die zugängliche Seite der Komposition stärker heraus. Die Synthesizer wirken heller, der Rhythmus federnder und die Übergänge deutlicher auf einen klassischen Dance-Pop-Fluss ausgerichtet. Wo das Original gelegentlich mit metallischer Kälte arbeitet, setzt der Edit auf schillernde Flächen und einen unmittelbareren Bewegungsdrang.

Das Ergebnis klingt weniger bedrohlich, aber keineswegs belanglos. Die Melodie funktioniert auch ohne den dunkleren Druck des Originals. Matt Pop erkennt den Popkern des Songs und zieht ihn konsequent nach vorne, ohne daraus eine völlig fremde Nummer zu machen.

Gerade im Refrain gewinnt diese Version an Offenheit. Die Stimmen stehen präsenter im Mix, während die elektronischen Ebenen breiter aufgefächert werden. Damit empfiehlt sich der Edit als zugänglichster Einstieg in die Veröffentlichung.

Gleichzeitig verliert der Text in diesem Umfeld einen Teil seiner Schärfe. Die Kritik an Selbstzensur und öffentlicher Vorsicht klingt nun beinahe euphorisch. Dieser Gegensatz kann durchaus reizvoll sein, nimmt dem Stück aber etwas von der unterschwelligen Spannung, die das Original auszeichnet.

CARLSED ZIEHT DIE SCHRAUBEN AN

Die Carlsed Version zeigt, dass dieselbe Komposition auch mit weniger Glanz und stärkerem elektronischem Druck funktioniert. Der Rhythmus tritt härter hervor, einzelne Klänge wirken rauer und die synthetischen Flächen werden dunkler gestaffelt.

Dadurch rückt die Nummer näher an Industrial Pop und härteren Electro. Die Beats greifen entschlossener zu, während der Gesang stärker gegen das Arrangement arbeiten muss. Diese zusätzliche Reibung steht dem Thema ausgezeichnet. Die Musik klingt kontrolliert, trägt jedoch jederzeit die Möglichkeit eines Ausbruchs in sich.

Carlsed überlädt den Song nicht mit Effekten. Stattdessen werden einzelne Elemente anders gewichtet. Der Bassbereich besitzt mehr Präsenz, die rhythmischen Details erscheinen schärfer und die freundlicheren Synthesizerlinien treten zurück.

Im direkten Vergleich ist diese Fassung weniger sofort eingängig als der Matt Pop Edit, entwickelt dafür eine nachhaltigere Atmosphäre. Wer bei elektronischer Musik einen dunkleren Unterbau und etwas mehr Widerstand bevorzugt, dürfte hier seine favorisierte Version finden.

WAS OHNE STIMMEN ÜBRIG BLEIBT

Das Matt Pop Instrumental legt die Konstruktion des Songs offen. Ohne Text und Gesang treten die melodischen Verbindungen, rhythmischen Übergänge und kleinen Synthesizerfiguren deutlicher hervor. Dabei zeigt sich, dass »Silence Is In Vogue« nicht allein von seiner zentralen Aussage lebt.

Die Instrumentalversion bleibt kompakt und nachvollziehbar aufgebaut. Sie funktioniert als Grundlage für Clubs, alternative Videofassungen oder schlicht als Einblick in die Produktion. Besonders die melodische Führung des Refrains trägt auch ohne Stimme.

Dennoch fehlt naturgemäß ein wesentlicher Teil der Identität. Die gesellschaftliche Satire und das Wechselspiel der Stimmen geben dem Song erst seine besondere Färbung. Ohne sie bleibt ein solides elektronisches Arrangement, das professionell produziert ist, aber weniger Angriffsfläche bietet.

Als Ergänzung ergibt das Instrumental Sinn. Als gleichwertige vierte Interpretation besitzt es allerdings weniger Gewicht als die drei gesungenen Versionen.

MEHR ALS EIN DIGITALER DATEIANHANG

Sonic Panda beschränken die Veröffentlichung nicht auf einen einzelnen Stream mit drei technischen Variationen. Die verschiedenen Fassungen wurden mit eigenen visuellen Umsetzungen verbunden, die von einer ähnlichen Ausgangslage zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.

Dieses Prinzip greift den Inhalt des Songs geschickt auf. Eine Situation kann abhängig von Blickwinkel, Vorwissen und persönlicher Erwartung völlig unterschiedlich interpretiert werden. Objektive Beobachtung wird durch subjektive Wahrnehmung ersetzt – und schon beginnt der nächste Streit darüber, welche Version der Realität als verbindlich gelten soll.

Für die physischen Editionen wurde außerdem ein Comic von Pere Ibañez angekündigt. Damit erhalten CD und Vinyl einen eigenständigen Sammlerwert. Das visuelle Konzept wird nicht als Dekoration behandelt, sondern als zusätzliche Ebene der Veröffentlichung.

Gerade bei einer Single mit vier Fassungen desselben Stücks ist dieser Aufwand sinnvoll. Statt lediglich mehrere Audiodateien nebeneinanderzustellen, entsteht ein kleines Gesamtwerk aus Musik, Illustration und Bewegtbild.

KLEINER UMFANG, KLARE HANDSCHRIFT

Natürlich bleibt die Veröffentlichung in ihrem musikalischen Umfang begrenzt. Vier Versionen einer Komposition bieten weniger Abwechslung als vier eigenständige Stücke. Wer mit dem zentralen Refrain nichts anfangen kann, wird in den folgenden Bearbeitungen kaum eine vollständige Kehrtwende erleben.

Dafür unterscheiden sich die drei Hauptversionen deutlich genug, um ihre Existenz zu rechtfertigen. Das Original verbindet alle Elemente am ausgewogensten. Matt Pop setzt stärker auf Leichtigkeit und Tanzbarkeit, während Carlsed den elektronischen Druck und die dunklere Stimmung hervorhebt.

Die Produktion ist sauber, ohne übermäßig glatt zu erscheinen. Stimmen, Rhythmus und Synthesizer besitzen jeweils genügend Raum. Kein Element wird im Mix zerdrückt, und selbst in den dichteren Passagen bleibt die zentrale Melodie verständlich.

Sonic Panda beweisen mit »Silence Is In Vogue« vor allem ein gutes Gespür für pointierte Popmusik. Der Song besitzt eine klare Idee, einen wiedererkennbaren Refrain und genügend stilistische Eigenheiten, um nicht zwischen zahllosen Retro-Synthpop-Veröffentlichungen zu verschwinden.

Ob »Neomelodrama« dieses Niveau über eine vollständige Albumlänge halten kann, muss sich noch zeigen. Als Auftakt erfüllt die Single ihre Aufgabe jedoch überzeugend.

FAZIT:

»Silence Is In Vogue« ist eine kompakte, intelligent aufgebaute Single zwischen Industrial, Darkwave und eingängigem Synthrock. Sonic Panda und Oblique verbinden gesellschaftliche Beobachtung mit einem starken Refrain, während Carlsed und Matt Pop unterschiedliche Seiten der Komposition freilegen.

Das Original bleibt aufgrund seiner Balance aus Kälte, Melodie und unterschwelliger Spannung die stärkste Fassung. Der Matt Pop Edit liefert die offenere Clubvariante, während die Carlsed Version den Song dunkler und druckvoller erscheinen lässt. Das Instrumental ist ein sinnvoller Bonus, besitzt ohne Text jedoch weniger Eigenständigkeit.

Vier Versionen eines Songs sind naturgemäß kein üppiges Menü. Weil Musik, Videos und Comic jedoch konsequent miteinander verbunden werden, entsteht eine durchdachte Veröffentlichung, die neugierig auf das kommende Album macht. Sonic Panda bringen ihre Kritik nicht mit dem Vorschlaghammer vor, sondern verstecken sie in einem Refrain, zu dem sich erstaunlich gut tanzen lässt.

Official Music Video: Silence Is In Vogue

Internet

Sonic Panda feat. Oblique - Silence Is In Vogue - Single Review

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