THE SCEPTER - Shadows In The Tower - cover artwork

Band: THE SCEPTER 🇨🇦 🇺🇸
Titel: Shadows In The Tower
Label: No Remorse Records
VÖ: 24/07/26
Genre: Power/Heavy Metal

Tracklist

01. Riding Out
02. Where Art Thou
03. Protector Of The Skies
04. Drink On
05. Burn Bundy Burn
06. Dunes
07. Taarakian Blood
08. Shadows In The Tower

 

Besetzung

Josh Collins – Guitar
Morgan Walsh – Guitar
JP Abboud – Vocals
Stew Everitt – Bass
John Crawford – Drums

 

Bewertung:

4,5/5

Ottawa in Kanada ist zwar nicht die erste Adresse, die einem beim Thema klassischer Heavy- und Power-Metal in den Sinn kommt, doch genau dort gründeten sich THE SCEPTER im Jahr 2018. Die Band hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen als starke Liveformation erspielt und legt nun mit »Shadows In The Tower« ihr Debütalbum vor. Besonders spannend ist dabei die Verpflichtung von Sänger JP Abboud, der vielen Metal-Fans bereits durch seine Arbeit bei TRAVELER, GATEKEEPER oder BORROWED TIME bekannt sein dürfte. Seine markante Stimme verleiht dem Album genau die Ausdruckskraft, die diese Art von Metal benötigt. Musikalisch orientieren sich THE SCEPTER an Größen wie RIOT, TOKYO BLADE, BLIND GUARDIAN oder den frühen HELLOWEEN, kopieren ihre Vorbilder aber nicht, sondern verbinden klassische Einflüsse mit eigener Handschrift.

Traditioneller Metal mit Leidenschaft

Schon nach wenigen Minuten wird deutlich, dass THE SCEPTER den traditionellen Heavy-Metal mit viel Herzblut leben. Harmonisierte Gitarren, melodische Leads und eingängige Refrains bestimmen das Klangbild. Die Produktion ist druckvoll, ohne den rauen Charakter der Musik zu verlieren. Gitarren stehen angenehm im Vordergrund, während Bass und Schlagzeug ein stabiles Fundament schaffen.

Die beiden Gitarristen Josh Collins und Morgan Walsh harmonieren hervorragend. Ihre zweistimmigen Melodien erinnern immer wieder an die goldenen Achtziger, ohne antiquiert zu wirken. Besonders die zahlreichen Soli sind sauber ausgearbeitet und zeigen technisches Können, ohne sich in Selbstzweck zu verlieren.

Ein Sänger als großer Trumpf

Mit JP Abboud haben THE SCEPTER einen Sänger gefunden, der exzellent zum Material passt. Seine Stimme besitzt Kraft, Reichweite und Charakter. Er wechselt mühelos zwischen melodischen Passagen und kraftvollen Höhen, ohne jemals angestrengt zu wirken.

Gerade bei epischen Nummern entfaltet seine Performance ihre größte Wirkung. Seine Gesangslinien bleiben schnell im Ohr und verleihen den Songs einen hohen Wiedererkennungswert. Gleichzeitig transportiert er die Geschichten der Texte glaubwürdig und sorgt dafür, dass die Fantasy- und Abenteueratmosphäre jederzeit erhalten bleibt.

Ein abwechslungsreicher Streifzug durch das Album

Der Opener »Riding Out« macht sofort klar, wohin die Reise geht. Ein schneller Rhythmus, eingängige Gitarrenmelodien und ein hymnischer Refrain eröffnen das Album äußerst gelungen. Mit »Where Art Thou« folgt ein etwas melodischerer Titel, der besonders durch seine atmosphärischen Gitarren überzeugt. Die Dynamik zwischen ruhigen Momenten und kraftvollen Ausbrüchen funktioniert perfekt. »Protector Of The Skies« gehört zu den stärksten Songs der Platte. Hier treffen packende Riffs auf einen mitreißenden Chorus, der sich problemlos bei Konzerten mitsingen lassen dürfte.

Etwas lockerer präsentiert sich »Drink On«. Der Song besitzt einen augenzwinkernden Charakter und bringt eine Portion traditioneller Heavy-Metal-Partylaune ins Album, ohne albern zu wirken. Mit »Burn Bundy Burn« wird das Tempo wieder angezogen. Aggressive Gitarren und ein treibendes Schlagzeug sorgen für ordentlich Energie. Hier zeigt sich besonders die Vielseitigkeit der Band. »Dunes« setzt anschließend auf Atmosphäre. Orientalisch anmutende Melodien und abwechslungsreiche Arrangements verleihen dem Stück eine ganz eigene Identität. Einer der interessantesten Titel des Albums.

»Taarakian Blood« entwickelt sich zu einem klassischen Power-Metal-Epos. Die epische Stimmung, starke Gitarrenarbeit und Abbouds Gesang bilden eine gelungene Einheit. Den Abschluss bildet der Titeltrack »Shadows In The Tower«. Mit seiner längeren Spielzeit fasst er viele Stärken des Albums zusammen! Abwechslungsreiche Songstrukturen, packende Soli, große Melodien und eine eindrucksvolle Gesangsleistung. Ein würdiger Schlusspunkt.

Handwerklich auf hohem Niveau

Auch technisch gibt es wenig Anlass zur Kritik. Die Aufnahmen unter der Leitung von Mike Poisson, Topon Das und Adam Pell sorgen für Transparenz und Druck. Der Mix von Mike Poisson und Jeff Black lässt jedem Instrument ausreichend Raum, während das Mastering von Jeff Black den Songs den nötigen Feinschliff verpasst.

Besonders erfreulich ist, dass trotz moderner Produktion genügend Dynamik erhalten bleibt. Die Gitarren besitzen Biss, das Schlagzeug klingt natürlich und der Bass ist jederzeit präsent. Dadurch entsteht ein angenehm organischer Gesamteindruck.

Klassischer Metal ohne angestaubt zu wirken

THE SCEPTER verzichten bewusst auf moderne Elemente oder übertriebene Studioeffekte. Stattdessen setzen sie auf ehrliches Songwriting, starke Melodien und klassische Heavy-Metal-Tugenden. Genau darin liegt die größte Stärke von »Shadows In The Tower«.

Natürlich erfindet die Band das Genre nicht neu. Viele Ideen erinnern an bekannte Vorbilder. Doch die Songs wirken niemals wie bloße Kopien. Vielmehr gelingt es THE SCEPTER, ihre Einflüsse geschickt miteinander zu verbinden und daraus ein stimmiges Debüt zu formen. Vor allem Fans von BLIND GUARDIAN, RIOT, TOKYO BLADE, JAG PANZER oder den frühen HELLOWEEN dürften an diesem Album ihre Freude haben.

Mit »Shadows In The Tower« gelingt THE SCEPTER ein bemerkenswert starkes Debüt. Die Band verbindet klassischen Heavy- und Power-Metal mit modernen Produktionsstandards und überzeugt durch exzellente Gitarrenarbeit, abwechslungsreiches Songwriting sowie die herausragende Gesangsleistung von JP Abboud. Jeder Song besitzt seinen eigenen Charakter, während das Album als Ganzes einen roten Faden erkennen lässt.

Wer melodischen Heavy Metal mit epischem Einschlag liebt und Wert auf starke Gitarrenharmonien sowie eingängige Refrains legt, sollte dieses Album unbedingt auf seine Hörliste setzen. THE SCEPTER beweisen eindrucksvoll, dass traditioneller Metal auch heute noch voller Energie, Leidenschaft und Spielfreude klingen kann.

Fazit: THE SCEPTER verbinden auf »Shadows In The Tower« klassische Power-Metal-Elemente mit frischen Ideen und technischer Präzision.

Internet

THE SCEPTER - Shadows In The Tower - CD Review

Vorheriger ArtikelThe Dogs – Politics Find You
Nächster ArtikelÄxe – Autogeddon
Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.