Virgin Steele – Seven Devils Moonshine

Virgin-Steele-Seven-Devils-Moonshine-album-cover

Band: Virgin Steele
Titel: Seven Devils Moonshine
Label: SPV
VÖ: 23/11/2018
Genre: Obskures Tastengeklimper
Bewertung: 0/5

Meine ersten Eindrücke von „Seven Devils Moonshine“ teilte ich gegenüber den Redaktionskollegen etwas desillusioniert folgendermaßen mit: Es ist wirklich ääh… mutig. Sehr Keyboard-lastig (selbst im Vergleich zu „Visions Of Eden“. Und DeFeis versucht wohl so eine Art Weltrekord in Sachen Stimmlagenwechsel aufzustellen. Klingt bisher weniger Nach Virgin Steele, vielmehr nach DeFeis allein daheim mit Rotwein und Aufnahmegerät.
Trotzdem habe ich noch hoffnungsvoll verkündet, dass sich mir das Werk ja vielleicht noch irgendwie erschließt. Die Antwort von Kollege Daniel kam prompt: „Wenn Du Dir das erschließen kannst, gehörst Du weggesperrt.

Ich gehöre durchaus zu der Garde, die auch an allseits verschmähten Werken wie „The Black Light Bacchanalia“ noch das ein oder andere gute Korn findet („By The Hammer Of Zeus…“ und „Bread Of Wickedness“ finde ich sogar klasse). Insofern machte ich mir trotz einzelner vernichtender Kritiken im Netz durchaus Hoffnungen, eines der ersten positiven Reviews schreiben zu dürfen. Leider ist „Seven Devils Moonshine“ tatsächlich eine totale kreative und musikalische Bankrotterklärung, wie sie vernichtender nicht sein könnte.

Aber erst mal ein paar Fakten zum vorliegenden Boxset: „Hymns To Victory“ und „The Book Of Burning“ sind die letzten Bausteine der kompletten Re-Release-Reihe der einst großartigen Virgin Steele, die von den 80ern bis in die frühen 2000er mit Alben wie „Noble Savage“, „Age Of Consent“, „The Marriage Of Heaven and Hell“, „Invictus“ und „The House Of Atreus“ Werke für die Ewigkeit geschaffen haben, auf denen ein Ohrwurm den nächsten jagte. „Hymns To Victory“ und „The Book Of Burning“ sind allerdings zum allergrößten Teil nur Zusammenstelllungen bereits veröffentlichter Tracks. Diese in „Seven Devils Moonshine“ auf CD 4 und CD 5 enthaltenen Compilations sind der einzige Grund, sich dieses Schandmal von Box ins Regal zu stellen. Schandmal? Jawohl, denn jetzt kommen wir zu…

Ghost Harvest (The Spectral Vintage Sessions) Vintage 1- Black Wine For Mourning”:
Seven Dead Within“, das noch eines der vielversprechendsten Songfragmente darstellt, legt bereits die Marschrichtung dessen fest, was nun fast vier Stunden lang über drei Cds den erbarmungswürdigen Käufer und Hörer erwartet: David DeFeis, der am Piano oder Keyboard sitzt, und gesanglich eine Karikatur seiner selbst abgibt. Die hohen Stimmlagen, Quietscher und Faucher – freilich Markenzeichen des (ehemals?) überragenden Sängers – sind hier endgültig zum Selbstzweck mutiert. Man kann schon froh sein, wenn irgendwoher kurz eine E-Gitarre auf ein paar schüchterne Riffs vorbeischaut. Von Heavy Metal oder Hardrock kann gar keine Rede sein. Packende Songs und Melodien wie früher? Vergiss es, hier atmet man schon erleichtert auf, wenn zwischendurch einmal der Ansatz einer Songstruktur durchblitzt. „Feral“ und der erwähnte Eröffnungs-Track „Seven Dead Within“ geben am ehesten so etwas wie einen vollständigen Song ab. Ansonsten ordnet sich subtanzloses Geklimper der selbstzweckartigen Vokalakrobatik unter, die DeFeis mit dem Schatten seiner Stimme anstellt. Das gilt auch für die Cover-Version von „Wicked Game“, die bis zur Unkenntlichkeit vergewaltigt und verstümmelt wird.

Ghost Harvest (The Spectral Vintage Sessions) Vintage 2 – Red Wine
For Warning“ setzt auf CD2 die Schändung des Namens Virgin Steele fort. Die Piano-Version von „The Evil In Her Eyes“ (Klassiker aus „Noble Savage“) ist unfreiwillig komisch. Und zusammen mit den Akkustik-Versionen von „Twilight Of The Gods“ und „Transfiguration“ das einzige, was auf dieser CD an Virgin Steele (wenn auch in übler Verfassung) erinnert. Der Rest gehört auf dieselbe Müllhalde der Musikgeschichte, wo auch die Songs von Daniel Küblböck ruhen.

Um endgültig klar zu machen, dass es vielleicht nie wieder ein gutes Album von Virgin Steele geben wird, legt man noch die „Gothic Voodoo Anthems“ drauf (CD 3). Auf diesem sogenannten „neuen Album“ beweist DeFeis, dass er mit seinem neugefundenen Stil selbst unverwundbar erscheinende Klassiker wie „I Will Come For You“ und „Kingdom Of The Fearless“ problemlos verhunzen kann. Mal ohne Zuckerguss: Diese werden im neuen Gewand geradezu zurückge****t und abgetrieben.

Seven Devils Moonshine“ hat, abgesehen von den Re-Releases der Compilations, nichts mit Heavy Metal oder Virgin Steele zu tun. Selbst wenn man ein eigenes Genre für die enthaltenen Ergüsse definieren würde, hätte es immer noch nichts mit Musik zu tun. Es gibt Plastikpop- und Gangstarap-Alben, die mehr musikalische Klasse haben. Sich das hier schönzuhören, wäre wie in Kacke nach Nährstoffen zu stochern. Ich kann nur hoffen, dass sich „Seven Devils Moonshine“ später als der tiefe Fall für DeFeis herausstellt, den der Mann jetzt vielleicht braucht, um zur Vernunft zu kommen. Also: Helft Meister Dave – und lasst diese Box im Regal.

Tracklist

Cd 1 “Ghost Harvest (The Spectral Vintage Sessions)” Vintage 1 – Black Wine
For Mourning (Neues Album)
01. Seven Dead Within
02. Green Dusk Blues
03. Psychic Slaughter
04. Bonedust (Orchestral Version)
05. Hearts On Fire
06. Child Of The Morning Star
07. Murder In High-Gloss Relief
08. Feral
09. Justine
10. Princess Amy
11. Wicked Game
12. Little Wing
13. The Gods Don’t Remember…

Cd 3 “Gothic Voodoo Anthems” (Neues Album)
01. I Will Come For You (Orchestral Version)
02. Queen Of The Dead (Orchestral Version)
03. The Orpheus Taboo (Orchestral Version)
04. Kingdom Of The Fearless (The Destruction Of Troy) (Orchestral Version)
05. The Black Light Bacchanalia (Orchestral Version)
06. Zeus Ascendant
07. By The Hammer Of Zeus (And The Wrecking Ball Of Thor) (Orchestral
Version)
08. Rumanian Folk Dance No. 3 “Pe Loc”
09. Delirium “Excerpt”
10. Snakeskin Voodoo Man (Orchestral Version)
11. The Enchanter
12. Bone China
13. No Quarter
14. Bone China “Reprise”
15. Chloe Dancer
16. Gentle Groove
17. Darkness-Darkness
18. Death Letter Blues
19. Spoonful

Cd 5 “The Book Of Burning” (Re-Release)
01. Conjurtion Of The Watcher
02. Don’t Say Goodbye (Tonight)
03. Rain Of Fire
04. Annihilation
05. Hellfire Woman
06. Children Of The Storm
07. The Chosen Ones
08. The Succubus
09. Minuet In G Minor
10. The Redeemer
11. I Am The One
12. Hot And Wild
13. Birth Through Fire
14. Guardians Of The Flame
15. The Final Days
16. A Cry In The Night
17. Queen Of The Dead (Nordic Twilight Version) – Bonus Track

Cd 2 “Ghost Harvest (The Spectral Vintage Sessions)” Vintage 2 – Red Wine
For Warning (Neues Album)
01. The Evil In Her Eyes (Piano & Vocal Version)
02. Feelin’ Alright
03. Sister Moon
04. Sweating Into Dawn
05. Summertime
06. Black Leaves Swirl Down My Street
07. Rip Off
08. The Gods Are Hungry Poem
09. The Poisoned Wound
10. The Birth Of Beauty
11. Profession Of Violence…
12. Rock Steady
13. Nutshell
14. Slow & Easy “Intro”
15. Jesus Just Left Chicago
16. Soul Kitchen
17.When The Music’s Over
18. Crawling King Snake
19. When The Music’s Over “Reprise”
20. Imhullu
21. After Dark
22. Wake The Dead
23. The Graveyard Dance
24. The Triple Goddess
25.Twilight Of The Gods (Live Acoustic Rehearsal Version)
26. Transfiguration (Live Acoustic Rehearsal Version)

Cd 4 “Hymns To Victory” (Re-Release)
01. Flames Of Thy Power (From Blood They Rise)
02. Through The Ring Of Fire
03. Invictus
04. Crown Of Glory (Unscarred) (In Fury Mix)
05. Kingdom Of The Fearless (The Destruction Of Troy)
06. The Spirit Of Steele (Acoustic Version)
07. A Symphony Of Steele (Battle Mix)
08. The Burning Of Rome (Cry For Pompeii)
09. I Will Come For You
10. Dust From The Burning & Amaranth (Orchestral Versions)
11. Noble Savage (Long Lost Early Mix)
12. Mists Of Avalon
13. Emalaith

Besetzung

David DeFeis (Vocals)

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Wenn mir irgendwas von Manowar nicht gefällt, konsumiere ich es solange, bis ich endlich nach mehreren Durchläufen erkenne, welche Großtat die New Yorker wieder geleistet haben. Leider habe ich diese Geduld nicht bei anderen Bands, tut mir leid für euch.

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