MISOTHEIST – De Pinte

MISOTHEIST - De Pinte - album cover

Band: MISOTHEIST 🇳🇴
Titel: De Pinte
Label: Terratur Possessions
VÖ: 20/02/26
Genre: Black Metal

Tracklist

01. Unanswered Thrice
02. Blinded and Revealed
03. Kjetterdom
04. De Pinte

 

Besetzung

B. Kråbøl – Vocals

 

Bewertung:

3,5/5

MISOTHEIST ist ein aufstrebendes Black-Metal-Projekt, das sich durch seine düstere Atmosphäre und rohe Klangästhetik auszeichnet. Die Band, die in »De Pinte« beheimatet ist, präsentiert mit ihrem neuesten Werk eine aggressive und zugleich atmosphärische Klanglandschaft. B. Kråbøl, der einzige bekannte Name im Line-up, sorgt für die treibende Kraft hinter den Songs. Mit einer klaren Ausrichtung auf das dunkle Genre zielt MISOTHEIST auf Hörer ab, die die dunkleren Seiten des Metals suchen.

Zwischen Orthodoxie und moderner Kälte

»De Pinte« ist ein Album, das sich sofort als Black Metal zu erkennen gibt, hierbei nicht versucht, den Hörer mit roher Aggression zu überwältigen. Stattdessen dominiert eine kontrollierte, beinahe sterile Atmosphäre. Die Gitarren sind scharf, im Kontrast hierzu nicht chaotisch, das Schlagzeug präzise und wenig verspielt, der Gesang kalt und distanziert. MISOTHEIST setzen klar auf Struktur statt Raserei.

Der Opener »Unanswered Thrice« macht diese Ausrichtung direkt deutlich. Das Stück arbeitet mit repetitiven Riffs, die sich langsam entwickeln, ohne jemals in klassische Blastbeat-Eruptionen auszubrechen. Vielmehr entsteht Spannung durch minimale Variationen und durch das Wechselspiel von Tremolo-Gitarren und schleppenderen Passagen. Der Song wirkt weniger wie ein Angriff, sondern eher wie ein langsamer, unerbittlicher Druck.

Atmosphäre statt Eskalation

»Blinded and Revealed« folgt diesem Konzept. Die Musik bleibt durchgehend kontrolliert, approximativ kühl. Statt emotionaler Extreme setzen MISOTHEIST auf eine nüchterne, philosophische Dunkelheit. Die Produktion unterstützt diesen Eindruck: Alles ist klar voneinander getrennt, nichts verschwimmt, nichts klingt zufällig. Das sorgt für Transparenz, nimmt dem Album aber stellenweise auch die Unberechenbarkeit, die viele mit Black-Metal verbinden.

Hier zeigt sich eine der zentralen Eigenschaften von »De Pinte«: Das Album wirkt mehr wie ein durchdachtes Statement als ein spontaner Ausbruch. Die Songs sind sauber komponiert, die Strukturen logisch, annähernd akademisch. Das kann faszinieren, vor allem für Hörer, die Black-Metal eher als atmosphärische Kunstform verstehen. Wer jedoch rohe Emotionen oder chaotische Energie sucht, könnte die Musik als zu kontrolliert empfinden.

Norwegische Kälte mit klarer Handschrift

Mit »Kjetterdom« kommt erstmals mehr Dynamik ins Spiel. Hier zeigen sich stärkere rhythmische Akzente, das Schlagzeug tritt präsenter hervor, und die Gitarrenarbeit wirkt etwas aggressiver. Trotzdem bleibt der Grundton sachlich und distanziert. Selbst in den schnelleren Momenten schwingt keine echte Raserei mit, sondern eher eine kalte Entschlossenheit.

Textlich bewegt sich das Album, soweit aus dem Booklet ersichtlich, im klassischen Themenfeld des Genres: Anti-Religiosität, Nihilismus, existenzielle Ablehnung. Das wird allerdings ohne plakative Provokation präsentiert. Statt offensiver Parolen wirkt vieles eher reflektierend, fast introvertiert. Der Titeltrack »De Pinte« bringt das gut auf den Punkt. Das Stück ist langsam, getragen, und baut seine Wirkung weniger über Lautstärke als über monotone Wiederholung auf.

Stärken und Grenzen des Konzepts

Die größte Stärke von »De Pinte« liegt eindeutig in der Atmosphäre. Das Album erzeugt eine dichte, kalte Stimmung, die durchgehend konsistent bleibt. Es gibt keinen Bruch, keinen stilistischen Ausreißer, keine überflüssigen Experimente. Alles wirkt wie aus einem Guss. Das spricht für eine klare künstlerische Vision.

Gleichzeitig ist genau das die größte Schwäche. Die Songs ähneln sich strukturell stark. Tempo, Sound und Stimmung variieren nur minimal. Nach mehreren Durchläufen stellt sich eine gewisse Monotonie ein. Nicht im Sinne von Langeweile, sondern eher im Sinne von Gleichförmigkeit. Man erkennt die einzelnen Stücke, dagegen hinterlassen sie keine besonders markanten Momente, die sich dauerhaft im Gedächtnis festsetzen.

Gerade im Vergleich zu anderen modernen Black-Metal-Acts fehlt MISOTHEIST noch einigermaßen Eigenständigkeit. Die Band beherrscht das Handwerk, keine Frage, demgegenüber definiert sie es nicht neu. »De Pinte« klingt professionell, durchdacht und ernsthaft, wirkt gleichwohl mehr wie ein solides Genre-Statement als wie ein wirklich herausragendes Album.

»De Pinte« ist ein atmosphärisch starkes, technisch sauberes Black-Metal-Album, das vor allem durch seine kontrollierte Kälte und konsequente Umsetzung überzeugt. MISOTHEIST zeigen hier eine klare Linie, verzichten auf übertriebene Extreme und setzen stattdessen auf Struktur, Wiederholung und Stimmung.

Wer modernen, nüchternen Black-Metal mag und Wert auf dichte Atmosphäre legt, wird an diesem Album Gefallen finden. Wer hingegen rohe Energie, emotionale Eskalation oder stilistische Überraschungen sucht, könnte das Material als zu zurückhaltend empfinden.

Fazit: MISOTHEIST gelingt es auf »De Pinte«, eine düstere, intensive Atmosphäre zu schaffen, die vor allem durch rohe Produktion und kraftvolle Riffs besticht.

Internet

MISOTHEIST - De Pinte - CD Review

Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Robert
Roberthttps://www.metalunderground.at
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.

Related Articles

- Advertisement -spot_img

Latest Articles