Album des Jahres im Metal Hammer, diverse norwegische Musikpreise, höchste Bewertungen in Fachmagazinen und ein neues Album mit dem Titel Riitiir. Das sind natürlich einige gute Gründe um sich mit Enslaved-Mastermind Ivar Bjørnson zu unterhalten und auch zu erfahren, wie man auf Smartphones Songs schreibt.

Mit Riitiir kommt ja bald euer neues Album auf den Markt, wie sind denn die Erwartungen nach dem doch so erfolgreichen Axioma Ethica Odini?

Naja, wir haben nun ein Album geschaffen, auf das wir wirklich stolz sind, es ist ein Schritt nach vorne, sogar nach Axioma, noch dazu haben wir ja auch ein neues Label. Wir sind ja immer positiv gestimmt, wenn es um eine Veröffentlichung geht. Wir sind aber auch zu alt oder zu erfahren um an Wunder zu glauben, wir werden mit dem Album also nicht die neuen Metallica oder Iron Maiden werden. Ich glaube aber wir werden mehr Leute mit dem Album erreichen und ich glaube auch, dass die Leute, die mit der Musik von Enslaved was anfangen können genau das bekommen, was sie wollen.

Was sind denn für die die größten Unterschiede zwischen Riitiir und Axioma?

Ich glaube Riitiir orientiert sich mehr an dem Album vor Axioma, Axioma war mehr das Metal-Album, ich meine direkt ins Gesicht, also eher ein direktes Album. Riitiir ist eher ein vielseitiges Album, das mehr die ganzen Richtungen in denen wir uns über die Jahre bewegt haben abbildet. Für mich ist also der größte Unterschied, dass Axioma mehr auf eine Richtung spezialisiert war und Riitiir doch eher ein universelles Album ist.

Photocredit by Christian Misje

Als Songwriter wollte ich dieses Mal etwas abstrakter arbeiten, also nicht immer mit der Gitarre irgendwo sitzen und an Riffs arbeiten. Eine Sache war auch, dass ich mich gefragt habe ob ich auf Songlängen Rücksicht nehmen sollte, das war schon immer eine Diskussion bei Enslaved, ich meine wir haben beides gemacht, wir hatten auf den ersten beiden Alben wirklich lange Songs, wir haben aber es auch später mit traditionelleren Strukturen probiert. Diese Mal habe ich entschieden, dass ich gar nicht darüber nachgedacht, es war ein komplettes Tabu irgendwie über Strukturen und Songlängen nachzudenken bevor der Song fertig ist. Es war auch so, dass es dieses Mal nicht so wichtig war, dass sich Songteile wiederholen, wenn ein Song das braucht, dann braucht er es eben. Daher kam es auch, dass alle Songs etwas länger ausgefallen sind und die Strukturen sich auch eher an die älteren Enslaved-Songs orientieren.

Im letzten Metal Hammer steht, dass du Roots Of The Mountain mit deinem Smartphone geschrieben hast. Wie kann man sich das vorstellen?

Ja es stimmt, den Großteil des Songs hab ich wirklich auf meinem Smartphone geschrieben. Es war ein Android-Smartphone und das Ding das ich verwendet hab nennt sich MMPad oder so ähnlich. Es ist sehr einfach, vor allem da ich, bevor ich mich hauptberuflich mit Musik beschäftigt habe, stammte meine ganze musikalische Ausbildung nur vom Programmieren am Computer. Im Grunde geht es nur darum, dass du eine Note platzierst, festlegst wie lang sie ist und wie lang die Pause danach ist. Danach kannst du Instrumente darüber legen und, ja es klingt relativ schräg, so irgendwie wie ein Amiga 500 Spiel oder so. Ich hatte aber keine andere Wahl, wir saßen im Flugzeug nach Portugal, danach noch im Bus, ich hatte einfach Angst, dass ich die Songidee verliere, wenn ich sie nicht sofort irgendwo festhalte. Aber es klingt wirklich grausam, das kannst du mir glauben.

Wie wird eigentlich entschieden, welchen Gesangspart Grutle singt und welchen Herbrand?

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Es sind die beiden Jungs die sich zusammensetzen, wenn ich die Songidee liefere. Sie gehen dann in Herbrands Studio und entscheiden, wenn sie die Songs hören. Manchmal probieren sie mit fremden Texten, manchmal schreiben sie selbst welche, manchmal nehmen sie einfach Demo-Texte und so wird es für sie ein natürlicher Prozess. Ich kann mich noch erinnern, als sie damit angefangen haben habe ich sie gefragt, ob sie da ein System haben, dass sie eine gleiche Menge haben, oder ob sie es demokratisch machen, aber es ist so, dass wenn ich die Songideen liefere machen sie es so wie es am besten für das Album ist. Ich meine heute sind es zwar 50:50 aber wenn sie sagen, dass 70:30 besser für das Album wäre, würden sie es so machen ,ihnen ist es egal wer nun mehr Gesang am Album hat. Ich glaube auch, dass es ein Vorteil ist, dass beide Instrumente spielen und sie dadurch auch gut einschätzen können, wie es funktionieren kann, musikalisch und nicht nur aus der Sicht eines Sängers. Ich glaube aber auch, dass andere Leute ein Problem hätten, wenn sie so arbeiten würden wie die beiden mit so viel Freiraum.

Wie viel Einfluss hatten die anderen in die Musik selbst? Kamen da einige Ideen oder war das alles deine Aufgabe?

Also wenn es um das Komponieren selbst geht, da kommt alles von mir, aber wenn es dann zu den Arrangements kommt, da hat doch jeder sein Stimmrecht. Ich werde auch immer besser darin, dass ich auch die anderen frage, wenn ich noch Verbesserungen in den Strukturen und Arrangements sehe. Es ist auch so, dass ich mir beim Komponieren schon immer vorstelle, wie es für eine Band mit 5 Leuten klingen soll. Nehmen wir zum Beispiel das Schlagzeug, ich stelle es mir doch vor, wie es Cato am besten spielen wird.

Riitiir kommt ja auch als limited Edition mit einer Bonus-DVD. Was kannst du mir über den Inhalt der DVD erzählen?

Ja es sind 50 Minuten in denen es um das Making-Of von Riitiir geht. Es ist aber etwas unterschiedlich zum Album, da es einfach nicht so professionell wie das Album ist. Es enthält aber sehr viel Information. Wir haben sehr viel privates Material von der Band gesammelt aus dem Jahr in dem wir das Album gemacht haben, haben Interviews untereinander gemacht und dadurch einen homemade Look auf Enslaved gemacht. Wir haben auch den Künstler besucht, der unser Frontcover gezeichnet hat. Wir haben die Leute drauf mit denen wir das Album aufgenommen haben. Es soll einfach ein privater Blick auf das Entstehen des Albums dargestellt werden und mit privat meine ich jetzt nicht wie jemand von der Band zu Hause sein Geschirr abwäscht oder langweilige Dinge wie das.

Es ist ja das erste Album mit Nuclear Blast auch in Europa, ihr habt ja schon in den USA mit ihnen zusammen gearbeitet. Wieso habt ihr euch nun für einen weltweiten Deal entschieden?

Ja wie du schon gesagt hast, wir arbeiten schon länger mit ihnen in den USA zusammen und kennen auch die Leute hier in Europa. Ja und es ist heute einfach das größte Metal-Label und da haben wir uns gedacht, es funktioniert in den USA und wir kennen die Firma Nuclear Blast einfach schon gut. Da sind Leute am Werk, egal ob in der Promotion oder im Lager, die einfach mit riesigem Einsatz an der Arbeit sind. Es ist für mich aber nicht so wichtig, dass wir vielleicht dank Nuclear Blast mehr Alben verkaufen, sondern durch mehr, dass wir viele Leute außerhalb Norwegens dadurch erreichen, auch außerhalb Europas und der USA, so Märkte wie Australien oder Asien.

Ihr habt ja bisher nur ein paar Tourdaten für Norwegen und den Auftritt am Barge To Hell veröffentlicht, kommt da noch mehr für den Rest Europas?

Ja, wir werden die Termine bald veröffentlichten. Wir werden über Weihnachten noch zu Hause bleiben und dann Anfang 2013 durchstarten. So ungefähr im März werden wir dann Europa erreichen. Der Fokus wird dann eher auf Mitteleuropa und Osteuropa fallen, sehr viel in Deutschland und hoffentlich auch in Österreich, wo wir ja schon wirklich lange nicht mehr waren.

Viele Festivals finden ja nächstes Jahr auf Schiffen statt, das 70000 Tons Of Metal, Barge To Hell oder auch die Full Metal Cruise. Was denkst du darüber?

Als ich das das erste Mal gesehen hab, hab ich mir nur gedacht, dass da irgendeiner eine wirklich schräge Idee hatte, aber scheinbar funktioniert das recht gut. Es gab das ganze ja auch schon zwischen Schweden und Finnland und hat dort gut funktioniert. Es ist einfach eine schöne Vorstellung ein Bier auf dem Ozean zu trinken. Außerdem ist es schon schön, wenn man weiß, dass man nur gleichgesinnte um sich herum hat. Dann kommt noch dazu, dass der große Unterschied zwischen einem Festival auf einem Schiff und einem Wochenende in Wacken einfach ist, dass deine Schuhe nachher nicht voller Matsch sind.

Du hast ja deine Karriere sehr früh begonnen, welche Tipps würdest du nach all den Jahren einem jungen Musiker geben?

Ich würde sagen dass es einfach wichtig ist seinen eigenen Stil zu finden und man sollte einfach nicht zu viel darüber nachdenken ob man der beste oder der schnellste wird. Man soll einfach schauen wie es sich beim Üben entwickelt. Ich zum Beispiel habe auch angefangen mit den ganzen Lead-Guitar Übungen habe aber gemerkt, dass es doch nicht so das richtige für mich ist. Daher bin ich zu Rhythmusgitarre gewechselt mit den ganzen Akkorden und der musikalischen Theorie hinter den Akkorden und auch dem Songwriting. Dann habe ich angefangen Cover-Songs zu spielen und dadurch zu entdecken, wie diese berühmten Bands die Songs schreiben was mir dann geholfen eigene Songs zu schreiben und jetzt stehen wir hier mit Enslaved wo wir stehen. Wenn du Leadgitarrist werden willst, musst du irgendwie auch das Gefühl dafür haben, das gilt auch wenn du Bassist oder sonst was werden willst. Ich glaube gerade im Metal ist es sehr stark von all dem Youtube-Zeug wo es nur darum geht, der Schnellste zu sein, beeinflusst. In der Musik soll es aber um Persönlichkeit gehen und nicht um schräge Sounds zu produzieren oder sonst was. Mans oll seiner Musik einfach seine persönliche Note geben.

Dann wären wir schon am Ende angekommen, die letzten Worte überlasse ich dir.

Danke an alle die uns bei der Entstehung des Albums geholfen haben und auch danke an alle, die für die guten Resonanzen auf den bereits veröffentlichten Song sorgten. Wie gesagt, die ersten Tourdaten werden bald veröffentlicht die auch hoffentlich Österreich dabei haben werden. Ja kommt zu unseren Live-Konzerten, ich verspreche euch, dass die Songs live noch besser klingen werden.

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