Tracklist
01. Divination Whispers
02. Coursing Between Worlds
03. Neophyte
04. Reality Shaper
05. Phenomena
06. Perversion Of Survival
07. Ascension
08. False Prophet
09. Spiritual Atrophy
Besetzung
Vanessa Grossberndt – Vocals/Bass
Betzi Poitras – Guitar/Vocals
Jim Petigo – Drums/Vocals
CULTIST ist kein Projekt, das auf Hochglanzproduktion oder modische Extreme setzt. Das Trio bewegt sich bewusst in der rauen Tradition des klassischen Death Metal, ohne dabei in bloßer Nostalgie zu verharren. Hinter dem Namen stehen Vanessa Grossberndt an Bass und Gesang, Gitarristin Betzi Poitras, der ebenfalls vokale Akzente setzt, sowie Schlagzeuger Jim Petigo, der zusätzlich Backing-Vocals beisteuert. Für das Solo auf »Ascension« wurde Scott Oliphant als Gastgitarrist verpflichtet.
Das Album »Spiritual Atrophy« entstand unter Oliphants Regie, der auch Aufnahme und Mix übernahm. Das Mastering stammt von Rolando Rodas, dessen Arbeit bereits zahlreichen Underground-Produktionen Tiefe und Druck verliehen hat. Schon diese Personalie deutet an, in welche Richtung die Platte geht. Kompromisslos, roh und klar auf das Fundament des Genres fokussiert.
Ein düsterer Auftakt
Der Einstieg erfolgt mit »Divination Whispers«. Das Intro arbeitet mit unheilvollen Klangflächen und einer langsam aufbauenden Spannung. Es wirkt eher wie ein Ritualbeginn als wie ein klassischer Opener und schafft die passende Atmosphäre für das, was folgt.
Mit »Coursing Between Worlds« bricht das Album dann endgültig los. Rasende Drums und sägende Gitarren bestimmen das Bild, während Vanessa Grossberndts Growls tief und trocken im Mix liegen. Besonders auffällig ist hier das Zusammenspiel der Vocals. Mehrere Stimmen überlagern sich und erzeugen einen fast beschwörenden Effekt.
Klassischer Death-Metal mit Charakter
»Neophyte« zeigt eine der größten Stärken der Platte, klare, präzise Riffs, die sich sofort festsetzen. CULTIST verlassen sich nicht auf chaotische Dauerattacken. Stattdessen bauen sie ihre Songs auf markanten Strukturen auf. Gerade dadurch behalten die Stücke auch bei hohem Tempo eine gewisse Klarheit.
»Reality Shaper« legt anschließend einen Gang zu. Jim Petigos Schlagzeugspiel wirkt hier besonders dynamisch. Blastbeats wechseln mit schweren Midtempo-Passagen, wodurch der Song deutlich mehr Spannung entwickelt als viele Genrevertreter, die permanent im roten Bereich spielen.
Die Produktion unterstützt diese Wirkung. Die Gitarren haben genug Schärfe, ohne den Bass zu überdecken. Gerade im Death-Metal passiert das schnell. Hier bleibt das Fundament stets präsent.
Atmosphärische Schwere
Mit »Phenomena« verschiebt sich die Stimmung leicht. Der Song wirkt dunkler und etwas langsamer, fast schon bedrohlich. Die Gitarrenlinien ziehen sich wie kalter Nebel durch das Stück. Dazu kommen kurze melodische Ansätze, die den Song vom restlichen Material abheben.
Noch konsequenter funktioniert dieser Ansatz bei »Perversion Of Survival«. Hier verbinden CULTIST schwere Grooves mit abrupten Tempowechseln. Besonders die Gitarrenarbeit von Betzi Poitras sorgt für Spannung. Seine Riffs sind kantig, aber nie überladen.
Der zentrale Moment
»Ascension« bildet einen der Höhepunkte der Platte. Der Song beginnt mit einem schweren, beinahe doomigen Riff und entwickelt sich dann zu einem intensiven Death-Metal-Track mit mehreren Wendungen.
Der Gastbeitrag von Scott Oliphant fügt sich überraschend organisch ein. Sein Solo wirkt nicht wie ein Fremdkörper, sondern erweitert den Song um eine zusätzliche emotionale Ebene. Statt bloßer Technik setzt er auf eine düstere, leicht melancholische Melodieführung. Gerade dieser Moment zeigt, dass CULTIST mehr im Blick haben als bloße Aggression.
Rückkehr zur Härte
Nach diesem Höhepunkt zieht »False Prophet« die Zügel wieder an. Der Song gehört zu den aggressivsten Momenten des Albums. Kurze, messerscharfe Riffs und ein fast punkiges Tempo treiben das Stück voran. Die Vocals klingen hier besonders bissig. Trotz der Geschwindigkeit bleibt das Arrangement klar strukturiert. Man hört jede Instrumentenspur deutlich heraus, was nicht zuletzt dem Mix zugutekommt.
Passender Abschluss
Der Titeltrack »Spiritual Atrophy« beendet das Album mit einer düsteren Note. Das Stück wirkt etwas epischer als die vorherigen Songs und lässt den einzelnen Instrumenten mehr Raum. Gerade der Bass tritt hier stärker hervor und sorgt für zusätzliche Tiefe.
Die Atmosphäre erinnert an klassische Death-Metal-Produktionen der frühen Neunzigerjahre, ohne altmodisch zu wirken. CULTIST gelingt es, den Geist dieser Ära einzufangen und gleichzeitig eine eigene Handschrift zu zeigen.
Produktion und Gesamtbild
Die Arbeit von Scott Oliphant hinter den Reglern prägt den Klang deutlich. Die Produktion bleibt rau und direkt, verzichtet aber auf die übertriebene Lo-Fi-Ästhetik, die viele Underground-Bands verfolgen. Stattdessen wirkt alles kraftvoll und transparent.
Rolando Rodas sorgt im Mastering für den nötigen Druck. Besonders bei höheren Lautstärken entfaltet »Spiritual Atrophy« seine volle Wirkung. Die Platte klingt massiv, ohne matschig zu werden.
»Spiritual Atrophy« ist ein überzeugendes Death-Metal-Album, das seine Wurzeln kennt und sie bewusst nutzt. CULTIST liefern keine überkomplizierten Arrangements, sondern konzentrieren sich auf starke Riffs, intensive Atmosphäre und eine klare Songstruktur.
Gerade die Mischung aus roher Energie und gezielten melodischen Momenten verleiht der Platte ihren eigenen Charakter. Die drei Musiker wirken eingespielt, und auch der Gastbeitrag fügt sich nahtlos ein. Wer traditionellen Death-Metal schätzt, der zugleich frisch und lebendig klingt, findet hier eine starke Veröffentlichung.
Fazit: »Spiritual Atrophy« von CULTIST ist ein kraftvolles Statement im Death-Metal.

