Interview mit Dragony 2018

Ursrprünglich als „Metal-Oper“ nach dem Vorbild der ersten Avantasia-Scheiben geplant, wurde statt dem Dragonslayer Project die österreichische Band Dragony geboren. „Masters Of The Multiverse“ ist nun nach drei Jahren endlich das dritte Album der sympathischen Symphonic Metaller mit einem leichten Faible für 80er-Pop Kultur und nerdige Fantasy Themen, die live noch fast jeden Skeptiker auf ihre Seite ziehen konnten. Ein Interview war also angesagt…

Hallo Dragony! Wie geht´s euch und wie wird das neue Album bisher angenommen von Fans und Kritikern?

Ja vielen Dank, es läuft wunderbar – sind ja gerade frisch von der Tour mit Serenity und Visions of Atlantis zurück, auf der wir das neue Album auch schon live auf diversen Bühnen in Europa präsentieren konnten! Insgesamt ist das Feedback sowohl bei Fans als auch bei Kritikern sehr positiv, das freut uns natürlich. Interessant ist, dass viele Leute sehr unterschiedliche Favoriten unter den Songs zu haben scheinen… das denke ich spricht einerseits für die Vielseitigkeit des Albums, andererseits auch für die Qualität des Songwritings – dass quasi jeder Song das Potenzial zum „Lieblingssong“ hat.

Das Cover-Artwork spiegelt es ja wieder: Auf „Masters Of The Multiverse“ zollt ihr verschiedenen Helden aus der Kindheit und dem Fantasybereich Tribut. Sehr gefreut hat mich die Schwarzenegger-Hommage („If It Bleeds We Can Kill It“) und die Huldigung des guten alten He-Man („Eternia Eternal“). Worum drehen sich bzw. wem huldigen die anderen Stücke?

Genau, wir haben uns mit Inspirationen und Helden unserer Jugend auseinandergesetzt, und neben den von dir genannten „Predator“ und „Masters of the Universe“ haben wir zum Beispiel auch Videogame-Themen wie bei „Fallen Star“, dass von der Diablo-Serie inspiriert ist oder bei „Evermore“, bei dem der Super-Nintendo-Hit „Secret of Evermore“ inhaltlich Pate stand. „Grey Wardens“ widmet sich „Dragon Age“ und „Angels on Neon Wings“ dem Kult-Anime „Neon Genesis Evangelion“, während „Defenders“ eher ein Tribut an die Metalbands unserer Jugend ist, mit denen wir aufgewachsen und zu dem Genre gekommen sind – Bands wie Hammerfall, Blind Guardian, Rhapsody, Stratovarius & Co.

DRAGONY-Masters-Of-The-Multiverse-Band-photo-2018Noch einmal zu „If It Bleeds We Can Kill It”: Gibt´s eine Chance auf eine Fortsetzung – vielleicht „You´re An Ugly Motherfucker“ oder „Dillan, Du gottverdammter Penner“?

Haha wäre mal eine Überlegung! Aber ich glaub solche sehr fokussierten Konzeptalben zu Arnies Schaffen gibt’s schon von Tim Lambesis‘ Austrian Death Machine!

Wenn man sich zum Vergleich euer Debut „Legends“ anhört, merkt man, dass die neuen Songs viel direkter zur Sache kommen. Ist das bei euch eine absichtliche Entwicklung oder der zunehmenden Erfahrung im Songwriting geschuldet?

Das hat denke ich viel mit der Erfahrung im Songwriting zu tun. Speziell auf diesem Album sind alle Songs ziemlich kurz und knackig gehalten, vor allem für Symphonic Power Metal. Die meisten Tracks bewegen sich im Bereich von vier bis fünf Minuten; kein Vergleich zu den opulenteren Sechs- bis Zehnminütern, die wir auf den früheren Alben dabei hatten. Ich denke, diese küzeren Songs passen aber ganz gut zum Konzept des Albums; vielleicht gibt’s dann beim nächsten Longplayer auch wieder längere Epen der Marke „Silent Sun“ oder „The Longest Night“!

Zur Finanzierung des Albums habt ihr eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Wie war eure Erfahrung damit? Und warum habt ihr diesen Schritt gemacht, trotz Label im Rücken?

Das war für uns eine sehr gute Erfahrung und auch eine Erfolgreiche Kampagne, die uns die Produktion stark erleichtert und auch einige Dinge möglich gemacht hat, die wir sonst in der Form wohl nicht hätten liefern können, wie beispielsweise das doch eher aufwändig produzierte Video zu „If It Bleeds We Can Kill It“. Ein Label hilft natürlich vor allem beim Vertrieb und bei der Promo, aber in der heutigen Zeit wo viel Musiknutzung Online passiert und einfach nicht mehr so viele physische Tonträger verkauft werden können, da können auch Labels keine massiven Vorschusszahlungen mehr leisten; um unsere Visionen daher wirklich vollumfänglich umsetzen zu können waren wir eben nicht nur auf Eigenmittelzuschüsse, sondern eben auch die Unterstützung der Fans angewiesen, die diese aber wirklich sehr großzügig geliefert haben, wofür wir uns auch nochmal ausdrücklich bedanken möchten!

Ich habe euch live als Band erlebt, die auch ein reserviertes Publikum nach ein paar Songs in der Tasche hat. Wie schafft ihr das?

Das liegt denke ich einerseits natürlich an der Qualität der Songs – wenn das Material nicht passt, kannst du auch drei Stunden spielen und es wird dir letztlich nichts bringen. Und zum Andere gehört natürlich die Spielfreude dazu – wir sind jetzt vielleicht nicht die technisch beste Metal-Band der Welt (oder auch nur Österreichs, haha) und haun live sicher mal den einen oder anderen schiefen Ton rein und greifen daneben – aber dafür passiert auf der Bühne halt was, wir haben Spaß an der Sache und das nimmt dann das Publikum auch mit. Besser so, als nur stoisch auf der Bühne zu stehen ohne Reaktion – das ist doch langweilig, da brauch ich nicht auf ein Live-Konzert zu gehen dafür. Außer vielleicht Dream Theater, die dürfen das, haha.

Siegfried Samer gibt seinen Gesangsposten bei Visions Of Atlantis ja auf. Könnte sich das so auswirken, dass Dragony jetzt mehr Live-Shows spielen und die Zweiten zwischen den Releases kleiner werden?

Das wäre natürlich wünschenswert, aber erstmal müssen wir sehen, wie es jetzt mit den Gig-Angeboten fürs nächste Jahr aussieht. Natürlich würden wir gerne mehr spielen, vor allem auch außerhalb von Wien bzw. im Ausland, aber Touren sind natürlich immer zeit- und kostenintensiv, was dann für ein „Hobby“ irgendwann auch schwierig wird. Jedenfalls verkürzen möchten wir die Zeit zwischen den Releases, das auf jeden Fall – auch wenn wir diesmal zwischen „Shadowplay“ und „Masters of the Multiverse“ immerhin die „Lords of the Hunt“-EP einwerfen konnten.

DRAGONY-Masters-Of-The-Multiverse-album-coverNoch ein Griff ins Standard-Fragen-Repertoire: Gibt es schon Pläne für Album Nr. 4?

Noch keine konkreten Pläne, nachdem das neue Album ja gerade erst vor einem Monat erschienen ist. Aber nach der kommenden Album-Präsentation am 8. Dezember in der Szene Wien werden wir ein bisschen Zeit zum Durchschnaufen haben und mal die Pläne für die nächsten ein, zwei Jahre schmieden… und ich denke, da ist ein Album jedenfalls dabei!

Welche neueren Bands, gerade aus dem Power Metal Bereich, sollte man eurer Ansicht nach im Auge behalten?

Derzeit auf jeden Fall Battle Beast und Beast In Black – kommen ja beide aus demselben Eck, dem eher leichtfüßigen „Disco Metal“, wenn man so will, aber haben beide hervorragende Frontleute und starkes Songwriting, die find ich aktuell die wohl spannendsten Bands aus dem Power Metal-Bereich. Natürlich erwarte ich auch die neuen Alben von Twilight Force mit Alessandro Conti jetzt am Gesang, und von Gloryhammer mit Spannung.

Die letzten Worte gehören euch:

Wir hoffen, dass unsere Fans viel Freude mit unserem neuen Album haben, und dass wir auch 2019 zahlreiche Live-Shows verbuchen und so das neue Material auch über die Wiener Landesgrenzen hinaus präsentieren können! Stay glorious!

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Wenn mir irgendwas von Manowar nicht gefällt, konsumiere ich es solange, bis ich endlich nach mehreren Durchläufen erkenne, welche Großtat die New Yorker wieder geleistet haben. Leider habe ich diese Geduld nicht bei anderen Bands, tut mir leid für euch.

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