Es gibt sie immer noch, und es wird sie hoffentlich immer geben: Neue Bands, zusammengesetzt aus bislang unbeschriebenen Blättern, die einfach nur gute Musik machen wollen und notfalls auch mal ein paar hundert Meilen für einen schweißtreibenden Auftritt in Kauf nehmen. Der Titeltrack des Debuts „No Quarter“ ist ein Ohrwurm, der mich auch jetzt noch regelmäßig heimsucht. Wer Traditionsmetaller ist, läuft an dieser Stelle Gefahr, wieder einmal eine neue Band zu entdecken, für die man Geld ausgeben kann. Grund genug für ein Interview mit Rich Rutter, seines Zeichens der Mann am Mikro der aufstrebenden UK-Bande.

Hallo wie geht’s dir? „No Quarter war in meinen Augen ein wirklich sehr gut gelungenes Debut – wie wurde es bisher von Fans und Presse aufgenommen?
Hallo! Mir geht´s gut und ich bin froh, dass dir das Album gefällt. Bisher war die Presse durch die Bank positiv, und das Feedback der Hörer war ebenfalls gut. Einige wirklich überragende Kritiken waren dabei, und auch die weniger überschwänglichen Reviews beinhalteten einige lobende Aussagen. Man kann nicht jeden begeistern, aber die Mehrheit haben wir wohl in jedem Fall zumindest in Teilen überzeugt.

Seit einigen Jahren gibt es wieder einen klaren Anstieg an traditionellen Metalbands. Viele davon klingen original nach ihren Vorbildern Saxon/Priest/Maiden usw. Toledo Steel hingegen scheinen ihren eigenen Sound gefunden zu haben (oder ich kenne euer Vorbild aus den Achtzigern nicht). Wie habt ihr es geschafft, eure eigene Achtziger-Metal-Marke zu kreieren?
Ich bin froh, dass du das so siehst. Wir wurden auch schon als Kopien von Maiden oder Priest bezeichnet, waren da aber immer anderer Meinung. Der Einfluss der damaligen Bands ist eindeutig, aber wir achten sehr darauf andere Bands nicht zu kopieren, wenn wir unsere Songs schreiben. Wir haben in der Vergangenheit sogar bereits geschriebene Songs verworfen, weil die Ähnlichkeiten zu bereits existierenden Tracks von anderen Bands zu groß waren. Es gibt einige neuere Bands da draußen, die von den früheren großen Bands klauen. Eine Hommage ist ja eine Sache, und ganz klar von dreistem Klau zu unterscheiden.
Wenn wir Songs schreiben, legen wir jedenfalls nicht alte Songs auseinander, um Details zu verändern und das Ergebnis dann als unser Werk zu verkaufen. Die Einflüsse kommen also aus dem Unbewussten heraus zum Tragen, aber die Kreativität kommt aus uns selbst – nicht aus bereits veröffentlichten Alben. Die Metalhörer würden so etwas schnell erkennen – Riffs oder Melodien schamlos zu stehlen, würde uns daher schnell unglaubwürdig machen. Wir schreiben also einfach, wie es für uns gut klingt, ohne uns dabei unnötig zu verkopfen.

Euch gibt es jetzt schon seit 2011, erzählt doch etwas über euren „blutigen Aufsteig“.
Wir haben für jeden Rückschlag immer gleich zwei Schritte wieder vorwärts gemacht. Wir wollten niemals diese Band sein, die zweimal im Monat im örtlichen Pub aufspielt, haben immer versucht so viele Shows wie irgend möglich zu spielen. Dabei haben wir immer 110 % gegeben, und sind nicht davor zurückgeschreckt, hunderte von Meilen zusammengepfercht in einem kleinen Wagen für einen einzigen Auftritt auf uns zu nehmen. Unsere zwei in Eigenregie veröffentlichten EPs haben der Band dann einen Popularitätsschub und Konzerte außerhalb des UK beschert. Der Vertrag mit Dissonance Productions ist nun wiederum ein großer Schritt vorwärts, über den wir uns sehr freuen.

Wenn jemand zu dir sagt: „Komm schon Mann, der traditionelle Metal ist tot, in dem Bereich ist doch schon alles bereits dagewesen und gesagt.“ – Was sagst du dann?
Ich würde ihm sagen, dass er sich schleichen soll, haha! Aber im Ernst, ich würde diesen Leuten sagen, dass sie ihre Augen aufmachen sollen. Dann wird ihnen schnell klar, dass es tonnenweise vielsversprechende neue Bands im klassischen Metalbereich gibt, und diese Szene sehr lebendig ist. Wir leben vielleicht nicht mehr in den 70ern oder 80ern, aber gut geschriebene Songs und aufregende Live-Shows von neueren Bands sind heute genauso wichtig wie irgendwann zuvor. Die Leute wollen immer noch gute Musik hören, auch in einem Genre in dem Mann nicht mehr von Grund auf bahnbrechend sein kann. Neue traditionelle Metalbands werden vielleicht so schnell keine Arenen mehr füllen, aber es gibt definitiv eine durchweg lebendige Szene und Hörerschaft dafür.

Welcher Song des neuen Albums ist dein absoluter Favorit?
Das hängt immer von meiner Laune ab, aber wahrscheinlich wäre das „When The Night Draws In“. Zusammen mit „Visions In The Fire“ ist es einer der am meisten kommerziell klingenden Tracks auf dem Album. Der Song dreht sich hauptsächlich um wiederkehrende, schlechte Träume und wie Sorgen nachts so viel quälender sein können. Wahrscheinlich können die meisten Leute sich darin wiederfinden. Damit steht der Song auch im Kontrast zu anderen Stücken des Albums wie etwa „No Quarter“, das sich um die Besetzung einer Burg dreht.

Gibt es neuere traditionelle Bands, die dich in letzter Zeit beeindruckt haben?
Es gibt massig neue und gut Bands in dem Bereich, besonders hier im UK. Seven Sisters und Eliminator sind zwei davon. Nennenswert sind auch die Schotten von Midnight Force. Steelwing aus Schweden waren ebenfalls großartig, haben es aber leider vor nicht allzu langer Zeit nach ihrem dritten Album gelassen.

Ihr habt ja auf der UK-Edition des Frost And Fire in Camden mit Cirith Ungol gespielt – wie war´s?
Das war super! Das Event war total ausverkauft, und wir haben auf der offiziellen After Show Party gespielt, die mit unserem Albumrelease zusammenfiel. Es war schon echt cool, für einige Tage Camden so überschwemmt von Metalfans zu sehen. Für uns war es einer unserer bisher denkwürdigsten AUftritte, und auch temperaturmäßig der heißeste. Wir sahen danach aus, als wären wir grad unter einer Dusche gestanden.

Wie sehen eure Zukunftspläne hinsichtlich Auftritten und weiteren Alben aus?
Wir wollen an so vielen Orten im UK und Europa auftreten wie irgend möglich. Für den Rest des Jahres haben wir schon einige feststehende Termine, unter anderem mit Seven Sisters. Im August gibt es 7 Auftritte mit den Iren von Rabid Bitch Of The North. Wir werden auch recht bald am neuen Album arbeiten.

Die letzten Worte gehören euch, vielen Dank fürs Interview.
Wir grüßen alle, die uns bereits angehört haben. Alle anderen – hört mal in unser Album rein: Ihr könnt es euch auf Spotify reinziehen und ist über die üblichen Online-Stores erhältlich. Vielen Dank, und hoffentlich sieht man sich irgendwann!

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Wenn mir irgendwas von Manowar nicht gefällt, konsumiere ich es solange, bis ich endlich nach mehreren Durchläufen erkenne, welche Großtat die New Yorker wieder geleistet haben. Leider habe ich diese Geduld nicht bei anderen Bands, tut mir leid für euch.