Witchbound – Interview mit Stefan Kauffmann

 

Bei Witchbound tummeln sich gleich 4 Ex Stormwitch – Musiker, darunter mit Peter Langer und Stefan Kauffmann auch zwei Ur – Mitglieder. Das Debüt, TAROT`S LEGACY beinhaltet die letzten Songideen Harald Spenglers, der unter dem Pseudonym Lee Tarot mit Stormwitch deutsche Metalgeschichte schrieb. Heraus gekommen ist ein toller Einstand, der wirklich begeistert, aber auch einige Fragen aufwirft. Sowohl Stefan als auch El Puerto Records Gründer Bernd Stelzer waren so freundlich, diese Fragen zu beantworten

Bernd, dein Label El Puerto Records hat nur eine Band, nämlich Witchbound. Du hast das Label anscheinend nur gegründet, um Tarots Legacy zu veröffentlichen, oder?

Ohhh – da muss ich von vorne anfangen – wieviel Platz bekomme ich? (lach)
Nein, Harald und ich arbeiteten 30 Jahre zusammen, und unsere Projekte kreuzten sich oft und das war immer sehr spannend und machte Spaß. Zum Beispiel gründeten wir in den 90ern die Agentur „Frontline-Music“ und bookten dort Gigs für Bonfire, Heavens Gate, Mothers Finest uvm. – wir nahmen damals auch die blutjunge Band „Brainstorm“ unter unsere Fittiche.. mit dem Bandleader und Gitarristen Torsten Ihlenfeld…. der ja jetzt mein Partner bei El Puerto Records ist.
Vor ein paar Jahren trafen wir uns wieder, ich erzählte Harald von meinen Plänen ein Label für Metal aufziehen zu wollen, Harald eröffnete mir, er habe die letzten Monate mit den „alten Jungs“ zusammen gejamt hat und paar Songs für ein neues Album bald fertig, Das wollte er in Eigenregie rausbringen, und in Zukunft auch Fremdproduktionen über sein Studio machen, das passte dann einfach perfekt zusammen, und so wurde El Puerto Records gegründet!

Wird es in naher Zukunft noch andere Veröffentlichungen anderer Bands geben?

Wird es! Das war unser Plan von Anfang an. Außerdem wäre es schade die aufgebaute Infrastruktur nicht weiter zu nutzen. Wir wollten Witchbound ein professionelles Umfeld in allen Bereichen stellen und konnten dazu tolle Partner gewinnen.
U.a. haben wir mit Soulfood einen starken internationalen Vertrieb und konnten mit Sandra Eichner von Rosenheim Rocks eine erstklassige Promoterin für unser Release an Board holen. Ja, wir werden definitiv bald nachlegen.

Klingt vielversprechend, da darf man also gespannt sein! Da meine Neugierde diesbezüglich befriedigt ist, richten sich die kommenden Fragen an Stefan:

Stefan, was hast du nach Stormwitch getrieben? In der Szene warst du anscheinend vor Witchbound nicht weiter aktiv. Bist du , bis auf deinen Job bei Witchbound noch aktives Mitglied der Szene?

Ich war tatsächlich nach Stormwitch lange Zeit nicht mehr in der Heavy-Szene aktiv und bin seit 1994 Mitglied einer Coverband namens Quasi Musici. Ich gebe offen zu, dass ich ein Faible für die Musik der 60er wie Beatles und Konsorten habe, die diese Band hauptsächlich spielt. Das heißt aber nicht, dass ich gar kein Rock/Metal mehr gehört habe, mein musikalischer Horizont ist eben sehr breit gefächert, von Klassik bis Gothic ist da vieles vertreten. Entsprechend groß ist meine Platten- und CD-Sammlung.

Einige Stimmen im Internet haben Kritik geäußert, das Stormwitch immer noch existieren und es dreist bzw. respektlos ist, das ihr mit Witchbound in die gleiche Kerbe schlagt. Willkommen in der Anonymität des WorldWideWeb! Meiner Meinung nach sind, aufgrund Eurer Biografie, solche Äußerungen absoluter Käse. Was entgegnest du den Leuten?

Wer behauptet denn sowas (grins)?
Natürlich gibt es immer Leute, die etwas zu meckern und kritisieren haben. Unser Anliegen ist es in erster Linie, Harald Spenglers alias Lee Tarots musikalisches Vermächtnis, an dem wir schon seit einigen Jahren gearbeitet haben, unter die Leute zu bringen. Dass es da Parallelen zu Stormwitch gibt ist völlig logisch, da Harald und ich die Songwriter der ersten 5 Stormwitch-LP’s waren. Sollen die Leute sich doch freuen, dass dieses Material noch ans Licht der Welt gelangt ist. Natürlich können und wollen wir dabei unsere musikalische Vergangenheit auch nicht verleugnen, was im Bandnamen zum Ausdruck kommt..

Die Besetzung von Witchbound besteht zu 4/5 aus ehemaligen Stormwitch Mitgliedern. Hinter dem Mikro allerdings steht mit Thorsten der ehemalige Black Abyss – Gitarrist. Sein Gesangsstil erinnert mich an Shadowbanes Steve Harder, der zuvor bei Gothic Fate die Gitarre bediente.
Wie seid Ihr darauf gekommen, einen Gitarristen als Sänger anzuheuern? Thorstens Stimme
passt perfekt zu den Songs und hat erheblichen Anteil an der Magie des Werkes!

Als Harald mit seiner Projektidee ca. 2006 ankam, spielte Thorsten Gitarre bei der Coverband ONE, bei der Harald oft am Mischpult saß. Thorsten übernahm dort auch die Vocals bei einigen Songs. Harald hatte ihn schon damals für einige Songs seines Projekts vorgesehen wobei ursprünglich ein Album mit mehreren Sängern geplant war. Vor den endültigen Aufnahmen haben wir Thorsten dann nochmals gefragt, er hat ein Stück probegesungen und wir wussten relativ schnell, dass er optimal reinpasst.

Kommen wir zu Tarot`s Legacy, dass die letzten Werke Harald Spenglers beinhaltet. Wenn ich es richtig verstanden habe, war eine Veröffentlichung des Materials, mit den jetzt bei Witchbound befindlichen Ex – Hexen ohnehin geplant. Leider kam es durch die Tragödie vorerst nicht dazu. Wer gab später den Auslöser, die teilweise unfertigen Songs wieder anzupacken?

Richtig. Eigentlich sollte das Album bereits 2007 an den Start gehen. Leider gab es aus mehreren Gründen Verzögerungen, so dass sich das Ganze mehr und mehr hinausschob. Mit Haralds überraschendem Tod im April 2013 stand das Projekt vor dem Aus. Anlässlich des Tributekonzerts für ihn kamen wir alle zusammen und entschieden, das Werk in seinem Sinne fertigzustellen. Einen wichtigen Part spielten dabei auch die Jungs des jetzt gegründeten Labels El Puerto Records, mit denen Harald die Platte veröffentlichen wollte.

Das Album ist wunderbar geworden, die Magie der Frühwerke Eurer ehemaligen Band kommt wieder zum Vorschein, das Besondere, was Stormwitch einst ausmachte ist auf Tarot`s Legacy allgegenwärtig! Dies liegt sicher an dem Umstand, das Harald Spengler eine eigene Herangehensweise an das Komponieren hatte. Wie waren die Studioaufnahmen, konntet Ihr bei den Aufnahmesessions dieses Feeling wahrnehmen?

Danke für das Lob! Natürlich war Harald während den Aufnahmen zumindest im Geiste allgegenwärtig. Sein Stil, Songs zu schreiben, war schon einzigartig, wobei wir natürlich an einigen Songs noch etwas gebastelt haben. Wenn man sich etwas mit den Lyrics beschäftigt, merkt man, dass er sich wirklich intensiv mit den Songthemen auseinandersetzte. Dennoch möchte ich mein Licht nicht unter den Scheffel stellen, da wir wie früher die meisten Songs gemeinsam schrieben und somit nicht weniger musikalisches Input von mir in dem Album steckt.

Songs wie Keep The Pyre Burning oder Trail Of Stars entstanden doch sicher zu einem anderen Zeitpunkt als beispielsweise Dance Into The Fire oder Die Sword In Hand? Über welchem Zeitraum wurde an den Tracks gearbeitet?

Bei unserem ersten gemeinam Treffen mit Harald, Peter Langer und Ronny Gleisberg im Sommer 2006 stellte Harald sein Projekt vor und brachte ein paar Ideen mit wie z.B. Parts von Keep The Pyre Burning. Die anderen Songs sind dann tatsächlich innerhalb eines guten Jahres entstanden. Harald und ich trafen uns mehrmals und versuchten aus unseren Ideen Songs zu basteln. Ich war überrascht, wie wir nach der langen Zeit beim Songwriting wieder auf Anhieb harmonierten. Die Stücke haben wir dann mit Ronny und Peter eingeprobt, so dass das Grundgerüst des Albums bereits stand. Allerdings war da noch kein Sänger mit an Bord.
Einige Lyrics waren bis zu Haralds Tod nicht fertig, z.B. habe ich den Text von Dance Into The Fire später ergänzt. Immerhin 9 Songs aus dieser Zeit kamen letztendlich aufs Album, ergänzt durch „Stranded“ von Martin Winkler, den Intros und der Ballade Trail Of Stars, die ich erst vor etwa zwei Jahren geschrieben habe. Martin hat übrigens nicht nur als Gitarrist, sondern auch als als Produzent mit seinen Arrangementideen wesentlich zum Gelingen des Albums beigetragen.

Wie kam es zum Kontakt mit Hammerfalls Oscar Dronjak, der auf Keep The Pyre Burning ein Solo beisteuerte? Die Schweden sind ja bekanntlich große Verehrer der alten Stormwitch – Alben!

Ja, es ist kein Geheimnis, dass Oscar und Hammerfall Stormwitch-Fans sind, da sie ja bereits Ravenlord gecovert haben. Wir haben Oscar einfach gefragt und er hat spontan zugesagt. Ich traf ihn vor Kurzem bei einem Festival. Ihm scheint unser Album zu gefallen, hoffentlich nicht nur weil er ein Solo beisteuerte (smile).

Ebenfalls gelungen ist das Cover, welches eine wunderschöne Hexe ziert. Diese taucht auch im offiziellen Video zu Dance Into The Fire auf. Um wen handelt es sich und wie kam es zur Zusammenarbeit?

Vanessa ist Sängerin in Thorsten´s zweiter Band PULL, die sich in der Cover Szene bewegt. Dadurch war der Kontakt klar und einfach. Die Idee eine „Hexe“ im Clip unterzubringen kam erst kurz vor Drehbeginn. Angedacht waren ein paar ganz kurze Szenen. Am Endergebnis kann man allerdings sicherlich erkennen, dass „ihre Rolle“ perfekt zu uns passt.

Mittlerweile habt Ihr verlautbaren lassen, dass Ihr aus dem Projekt Witchbound eine Band gemacht habt. Das ist Öl im Feuer der Kritiker, die Euch sicherlich vorwerfen werden, das Ihr Euch, in welcher Form auch immer, bereichern wollt. Daher:
Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Klar, wir wollen alle endlich stinkreich und berühmt werden, hahaha! Im Ernst: Wir sind inzwischen als Band zusammengewachsen und haben soviel Zeit und Aufwand in dieses Album gesteckt, dass es viel zu schade wäre, daran nicht anzuknüfen und nachzulegen.

Sind weitere Alben geplant? Wenn ja:
Gibt es noch weitere, unvollendete Arbeiten, an denen Harald Spengler bis zu seinem Ableben gearbeitet hat, oder wird das nächste Album komplett neuen Stoff enthalten?

Wir möchten auf jeden Fall ein weiteres Album veröffentlichen. Es sind noch ein paar Songfragmente von Harald vorhanden. Wir wissen jetzt aber noch nicht, ob wir diese verwenden werden oder nur neues Material. Ich selbst habe schon verschiedene Ideen und ich gehe davon aus, dass die anderen Bandkollegen auch einiges beitragen werden.

In welche Richtung gehen eventuell schon entstandene Songideen?

Da sind wir noch offen, wobei meine bisherigen Ideen nicht zuweit von unserem jetzigen Album entfernt sind. Ist ja kein Wunder, da ich mit Harald zusammen den Großteil von „Tarot’s Legacy“ komponiert habe. Ich bin aber auch gespannt auf die Beiträge der anderen.

Wenn Witchbound schon eine richtige Band sind, dann darf die Frage, wann man Euch demnächst wo Live sehen kann natürlich nicht fehlen. Also, ähem:
Wann und wo kann man Euch demnächst Live erleben?

Mit Liveterminen sind wir seit der CD-Releaseshow am 30.04. noch etwas im Verzug. Wir haben aber jetzt eine Bookingagentur mit im Boot und denken, bald Livetemine verkünden zu können. Klar sind wir heiß darauf, das Album auch live zu präsentieren.

Habt Ihr eigentlich noch Kontakt zu Andy Mück oder einem anderen Mitglied von Stormwitch? 

Ich hatte seit meinem Ausstieg bei Stormwitch hin und wieder Kontakt zu Andy und beim Summerbreeze 2002 hatte ich einen kurzen Gastauftrit. Da war übrigens gerade Martin Winkler Gitarrist bei den Jungs. Anlässlich des Tribute-Konzerts 2013 standen Ronny Gleisberg und ich dann mit der aktuellen Stormwitchbesetzung auf der Bühne. Peter war da ja noch Mitglied der Band.

Was hältst Du von den letzten Alben? Die wurden ja in den Medien und Fans eher gespalten aufgenommen.

Die letzten Stormwitch-Alben möchte ich nicht bewerten, das überlasse ich lieber den Fans. Ich denke aber, dass Stormwitch und Witchbound nur bedingt miteinander verglichen werden können. Allein schon Thorstens Gesang unterscheidet sich meilenweit von Andys Stimme.

Abschließend noch eine Frage, die ich Helden meiner Jugend immer stelle:
Wie siehst du in der heutigen Zeit die Metalszene im Vergleich zu früher?

Nach meinem Ausstieg 1992 dachte ich eigentlich, es tut sich nicht mehr so viel in der Metalszene, Umso mehr bin ich überrascht, dass die Szene heute lebendiger ist denn je und auch die Musik und Bands der 80er wieder sehr gefragt sind. Die Metal-Fans sind wohl die treuesten in der ganzen Musikszene!

Vielen Dank für das Interview, und ein besseres Schlußwort kann man sich nicht wünschen!
Wie mir Bernd nachträglich mitteilte, werden weitere Gigtermine im Hebst veröffentlicht. Bis dahin wird Tarot`s Legacy sicher noch einige Runden über den Plattenteller bzw. im CD Player drehen. Ein Review könnt Ihr hier lesen.

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