Es gibt nicht allzu viele Festivals, die es bis zu einer 26. Ausgabe schaffen. Es gibt sogar noch weniger Festivals die über Jahre hinweg nach wenigen Stunden 75000 Tickets verkaufen. Die Rede ist vom größten Metal Festival der Welt, dem Wacken Open Air, welches alle Jahre wieder am ersten Augustwochenende im kleinen Ort Wacken nördlich von Hamburg stattfindet.

Die Vorzeichen waren für diese Ausgabe nicht sehr gut oder besser gesagt, der Wettergott hatte schon während der Aufbauarbeiten nicht viel übrig für die Wacken-Besucher. Tagelanger, teils starker Regen machte nicht nur den Veranstaltern ein wenig zu schaffen, auch die bereits ab Montag anreisenden Besucher hatten schon mit tiefen Böden und schlammigen Wegen zu kämpfen. Auch an den weiteren Anreisetagen wollte der Himmel seine Schleusen einfach nicht schließen, was am Donnerstag sogar dazu führte, dass keine Anreise nach Wacken mehr möglich wurde. Anreisende mussten bereits in Itzehoe stehen bleiben und von dort aus mit Shuttle-Bussen in Richtung Festival gefahren werden. Dafür wurde sogar eigens ein Parkhaus mit 1000 Stellplätzen angemietet. Bei einem Wert von 145 Liter pro Quadratmeter in wenigen Tagen kann man nur froh sein, dass diese Maßnahme überhaupt ermöglicht wurde. Viele Festivals gibt es nicht, die überhaupt in der Lage sind, so kurzfristig Dinge dieser Größenordnung noch auf die Beine zu stellen. Auch die Tonnen von Hackschnitzeln, die vielen verlegten Straßen und auch die angeforderten Traktoren (auch wenn die 50€ für das Herausziehen von Autos grenzwertig sind) muss man schon positiv erwähnen. Der Veranstalter kann nichts für den Regen und im Vergleich zum Jahr 2007, wo sogar Hubschrauber zur Trocknung der Campingflächen eingesetzt wurden, kam der Regen ja erst, als bereits die ersten Flächen voll waren.
Wie anerkannt das Festival in Wacken und den angrenzenden Gemeinden mittlerweile ist, zeigt auch die Tatsache, dass sogar Einheimische den ankommenden Metalheads Unterkünfte vor Ort angeboten haben. Wenn man sonst so von anderen Veranstaltungsorten liest, wo die Musikrichtung Heavy Metal nicht akzeptiert wird, ist dies doch auch kein alltägliches Angebot.

Das Wacken Open Air bietet ja nicht nur Musik auf den drei großen Bühnen, der Black Stage, der True Metal Stage und auch der Party Stage, nein es gibt auch noch das Wackinger-Village, eine Art Mittelalter-Markt, der auch eine Bühne beheimatet, einen Biergarten, einen Metal-Markt und noch vieles mehr. Wer das Gelände jedoch kennt und auch schon einmal bei Regen vor Ort war wird natürlich keine Vorfreude haben, trotz Drainagen vor den Hauptbühnen wandelt sich das Gelände in kürzester Zeit in ein Meer von Matsch. Genau so war es auch dieses Jahr wieder, nur dass der Matsch nicht nur vor den Bühnen, sondern eigentlich überall zu finden war. Egal ob der Weg vom Busparkplatz in Richtung Metalmarket, vom Bullhead-Zelt (in dem sich übrigens die 2 weitere Bühnen befinden) in Richtung Biergarten oder rund um die Fressmeilen, ein Weiterkommen war nur eingeschränkt möglich, der eine oder andere Schuh verlor sich in den Schlammmassen, die eine oder andere Sohle wurde verloren und noch schlimmer, es gab viele Schnittverletzungen, da viele Besucher ohne festes Schuhwerk unterwegs waren (die Versorgung von Schnittwunden war übrigens neben Unterkühlungen – bei Nachttemperaturen von ca. 8 Grad kein Wunder – die Hauptaufgaben der Rettungskräfte). Wie schon geschrieben, der Veranstalter kann nichts für das Wetter und eine Lösung gegen den Schlamm ist sehr schwierig, dafür ist das Gelände einfach viel zu groß und auch andere Varianten haben nicht nur Vorteile.

Der offizielle Anreisetag des Wacken Open Air ist immer der Mittwoch. Dies ist auch der Tag an dem im Bullhead-Zelt bereits zwei Bühnen bespielt werden, die W.E.T.-Stage und die Headbangers-Stage. Normalerweise beschränken sich die Auftritte hier an diesem Tag hauptsächlich auf Bands, die am Metal Battle teilnehmen (Sieger in diesem Jahr: Vesperia aus Kanada), so war der Aufschrei groß, als die Running Order an diesem Tag den Auftritt von Europe anzeigt. Wacken beginnt doch erst Donnerstag, wieso muss Europe am Anreisetag spielen und so weiter. Fakt ist: der Mittwoch ist seit Jahren fixer Bestandteil des Programmes, die Leute sollen doch froh sein, dass ein großer Act wie Europe an diesem Tag auftritt (die Schweden waren an keinem der anderen Tage verfügbar). Natürlich, wer Wacken noch nie erlebt hat wird sich natürlich über das Mittwochs-Programm wundern, mit ein wenig Recherche hätte man jedoch bei der Planung auch durchaus den Tag auch beachten können.

Große Änderungen im Vergleich zum Vorjahr gab es in diesem Jahr kaum. Die Wackinger Bühne wurde ein wenig verschoben, die Party Stage ein wenig vergrößert sowie Movie Field und Soccer Field an einen anderen Platz verschoben. Ansonsten bleibt alles ziemlich beim Alten. Viele Essensstände (großartige Auswahl, teilweise gute Qualität, generell sehr überteuert), einige Merchandise-Stände (wie immer mit riesigen Schlangen beim offiziellen Wacken-Merch) und natürlich der obligatorische Biergarten, wie immer eine ideale Sitzmöglichkeit, wobei in diesem Jahr nicht als Schattenspender wie letztes Jahr, sind immer noch an ihren Plätzen und weiterhin Teil der Wacken-Infrastruktur.

Für den Start auf den Hauptbühnen ist wie jedes Jahr die Band zuständig, wegen der das Wacken Open Air eigentlich gegründet wurde: Skyline. Die Cover-Band, in der früher Wacken-Chef Thomas Jensen am Bass dabei war, ist zwar immer nett anzuhören und gehört einfach seit ein paar Jahren wie Mambo Kurt oder die Wacken Fire Fighters zum Inventar, ob man jedoch diesen Slot nicht für eine weitere hochkarätige Band (wenn man die langen Spielzeiten der nachfolgenden Bands kürzt wäre hier locker eine Stunde Programm möglich) nutzen soll, wäre eine andere Idee.

Udo Dirkschneider ist ja auch gefühlt jedes Jahr in Wacken vertreten. Sei es als Gastsänger (zum Beispiel bei Auftritten von Doro oder auch bei Skyline) oder eben mit seiner eigenen Band U.D.O., mit der auch schon einige spezielle Shows auf der Bühne zu erleben waren. Auch im Jahr 2015 hat er sich wieder etwas einfallen lassen: eine Show mit dem Musikkorps der deutschen Bundeswehr. Natürlich folgt er damit dem Trend, dass mindestens eine Band mit Orchester am Wacken Open Air dabei sein soll (zum Beispiel Dimmu Borgir, Rage oder Apocalyptica um nur ein paar zu erwähnen). Natürlich ist U.D.O etwas ganz eigenes, mit der Stimme der Legende muss man schon klarkommen, da nützt auch eine starke Band und eine Orchester relativ wenig. Die Songauswahl passt, man konzentriert sich eher auf ein Best Of, natürlich inklusive der typischen Accept-Songs Metal Heart und Princess Of The Dawn, es bleibt jedoch dabei: man muss Udo Dirkschneiders Stimme mögen, um mit der Musik klarzukommen.

Ein gern gesehener Stammgast sind auch die Mittelalter-Metaller In Extremo. Nachdem die Band bereits am Nova Rock und im Vorprogramm der Böhsen Onkelz am Hockenheimring überzeugen konnte, war es natürlich klar, dass hier keine großen Überraschungen auf einen zukommen. Die Band hat mittlerweile eine große Anzahl an Hits, die zu einer starken Setlist geformt wurden und einfach sehr Live-tauglich sind. Egal ob Vollmond, Spielmannsfluch, Liam, Sängerkrieg oder Küss mich, die Stimmung ist von Beginn an großartig und trotz Schlamm hat das Publikum seine Freude mit Sänger Michael Rhein und seiner Band.

Rob Zombie ist ja ein vielbeschäftigter Mann, so ist er unter anderem als Regisseur, Comicautor, Coverdesigner und natürlich als Musiker unterwegs. Mit seiner großartigen Band rund um Ausnahmegitarristen John 5 – ehemals auch bei Marilyn Manson, durfte er nun auch zum ersten Mal am Wacken Open Air auftreten. Neben eigenen Songs, zahlreichen Soli, einigen Covers (zum Beispiel Ramones-Hit Blitzkrieg Bop) durften auch Songs seiner ehemaligen Band White Zombie nicht fehlen. Für Fans des Amerikaners sicher kein schlechter Auftritt, für Leute die mit dem Material nicht so vertraut sind sind es jedoch durchaus lange 1,5 Stunden.

Zu einem denkwürdigen Auftritt kam es anschließend: erstmals in der Geschichte des Wacken Open Airs wurden sowohl die True Metal Stage als auch die Black Stage gleichzeitig bespielt, eine Idee die man sich eigentlich kaum vorstellen kann. Wer dies umsetzen will? Savatage und das Trans-Siberian Orchestra, die einen das erste Mal seit vielen Jahren, die anderen das erste Mal überhaupt auf einem Festival. Da die kreativen Köpfe hinter den beiden Bands dieselben sind, bietet sich das natürlich auch an. Gerade das Trans-Siberian Orchestra ist ja durch seine spektakulären Shows mit Pyros, Laser- und Videoshows bekannt, daher war natürlich die Spannung umso größer. Hierfür wurden zusätzlich zu den Videoleinwänden auch an den Seitenflächen der Bühne Videowalls installiert. Bei einem Blick hinter die Kulissen versteht man aber erst, wie aufwändig diese Show ist (hier verweise ich kurz auf einen Bericht bei 3sat).
Was soll man nun von einer Reunion von Savatage halten? Natürlich sind durchaus einige Songs bekannt, man nehme nur Gutter Ballet, Believe oder auch Hall Of The Mountain King, so richtig vertraut mit dem restlichen Material sind aber wohl viele der jungen Besucher auch nicht. Leider spielt auch das Wetter bei diesem Doppelauftritt nicht so ganz mit, so regnet es mitten im Set doch ziemlich stark. Den Bands ist hier jedoch nichts anzumerken und so überzeugen sowohl Savatage rund um Jon Oliva und Chris Caffery als auch TSO mit Al Pitrelli und Angus Clark. Überzeugend sind jedoch vor allem die Sänger, die hier auf der Bühne stehen. Egal ob der herausragende Savatage-Fronter Zakk Stevens, der starke Andrew Ross oder auch die sehr überzeugende Kayla Reeves, hier sind wirklich Leute am Start, um die viele andere Bands diese Doppelshow beneiden. Wenn man es sich dann sogar leisten kann, Top-Männer wie Jeff Scott Soto und Symphony X Frontmann Russel Allen (für Another Way sogar Lead-Sänger) als Background-Sänger dabei zu haben, dann sagt das sowieso einiges über TSO aus. Natürlich muss man sagen, dass die Songs jetzt nicht die ultimativen Stimmungsmacher sind, trotzdem kann man mit dem Experiment durchaus zufrieden sein. Es wird zwar nicht viele Projekte geben, die im Stande sind 2 Bühnen gleichzeitig zu bespielen, aber vielleicht wird sich die Chance wieder ergeben.

Der Freitag beginnt für mich mit der schwedischen Death Metal Legende At The Gates. Mit ihrem starken Album At War With Reality im Gepäck setzen die Urgesteine von Beginn an ein starkes Ausrufezeichen. Vor 25 Jahren gegründet und zu einer Kultband aufgestiegen, konnte der Band auch eine lange Pause nichts anhaben. Mit viel Spielfreude und einem agilen Tomas Lindberg zeigen At The Gates wieder, warum sie es in den 90ern zu einer der wichtigsten Death Metal Bands geschafft haben. Natürlich ist jetzt der Gesang von Tomas ein wenig gewöhnungsbedürftig, der Sound wird aber sowieso vom Gitarrenduo Anders Björler und Martin Larsson getragen. Ein gelungener Auftritt der Schweden, der für eine wahre Prog-Welle eröffnete.

Den Beginn dafür machen Queensryche. Ohne ihren Ausnahmesänger Geoff Tate, der nach Streitigkeiten durch Todd La Torre ersetzt wurde, zeigen die Amerikaner eine durchaus durchwachsene Performance. Ja, es handelt sich um großartige Musiker, gerade das Gitarrenduo Michael Wilton und Parker Lundgren ist sehr überzeugend, aber so richtig zünden will das Programm nicht. Sänger Todd mag zwar auch ein guter Sänger sein, umsonst wäre er nicht der Nachfolger von Geoff Tate, so richtig passt es hier einfach nicht.

Als wohl schwierigste Band des Tages folgen Opeth. Mikael Akerfeldt und seine Jungs sind zwar auch herausragende Musiker, eine Festival-Band werden sie jedoch nie werden. Hierfür ist das Material einfach zu kompliziert. Auch wenn Heir Apparent, The Devil’s Orchard oder auch The Grand Conjuration starke Songs sind und auch wenn Mikael ein großartiger Sänger und Growler ist, so richtig Stimmung kann bei einem solchen Konzert nicht aufkommen. Musikalisch ist es zwar herausragend was hier Gitarrist Fredrik Akesson, Bassist Martin Mendez und Drummer Martin Axenrot machen und auch Mikael versucht immer wieder mit seinen Ansagen ein wenig Stimmung zu verbreiten, so richtig klappen will es jedoch nicht.

Zum ersten Mal in Wacken sind mit Dream Theter die nächsten Prog-Legenden. Bei John Petrucci und seinen Mannen ist es relativ schwierig: es würde genügend eingängiges Material für ein Festival-Konzert geben, es würde genügend hartes Material für ein Metal-Festival geben, es würde jedoch auch genügend Material geben, das den Auftritt in Richtung Opeth und in ein viel zu schwieriges Set drehen würde. Die Amerikaner schaffen es jedoch gekonnt eine gute Mischung zu finden und können neben dem Uralt-Hit Afterlife, dem drückenden Panic Attack, dem Klassiker Metropolis auch die Band-Ballade The Spirit Carries On, auch wenn nicht gerade perfekt platziert, in ihr Set einbauen. Bei der großen Anzahl an Songs die Dream Theater in ihren 30 Jahren angesammelt haben ist es einfach schwierig für jeden die perfekte Setlist zu finden, weshalb man auch froh sein kann, dass auch Songs wie Constant Motion eingebaut wurden. Instrumental passt hier wie immer alles, egal ob Jordan Rudess am Keyboard, Mike Mangini an den Drums oder auch Bass-Meister John Myung oder natürlich Gitarren-Gott John Petrucci, hier ist einfach eine perfekte Band am Start. Schwächen zeigt jedoch wie immer James LaBrie am Gesang, gerade bei den hohen Tönen wie bei The Spirit Carries On, zeigt er doch so manche Schwäche. Alles in allem bleibt jedoch eine sehr gelungene Wacken-Premiere.

Auf einen Gitarrenhelden folgt sogleich der Nächste. Zakk Wylde und Black Label Society geben ihre Premiere am Wacken Open Air. Der bärtige Virtuose, vor allem bekannt aus seiner Zeit an der Seite von Ozzy Osbourne, zeigt sich von seiner besten Seite, nicht nur was das Gitarrenspiel oder den Gesang angeht, der Herr ist auch ein Meister am Klavier, was er in der genialen Dimebag-Huldigung In This River zeigt. Hits der Marke Suicide Messiah und auch Stillborn zeigen eine bestens eingespielte Band, die mit John DeServio am Bass und Chad Szeliga an den Drums einen richtigen Groove entwickelt und auch mit Dario Lorina einen starken zweiten Gitarristen in ihren Reihen hat. Natürlich dreht sich der Großteil der Show um Zakk selbst, der das eine oder andere großartige Solo aus dem Ärmel schüttelt und auch zeigt, warum er schon in jungen Jahren von Ozzy in seine Band aufgenommen wurde. Es bleibt nur zu hoffen, dass Mr. Wylde nicht zum letzten Mal dem Wacken Open Air einen Besuch abstattete.

In Flames sind ja in diesem Jahr eher vom Pech verfolgt. Sturm vor dem Auftritt am Nova Rock und daher eine Show vor wenig Publikum, Sturm am With Full Force und überhaupt eine Absage des Auftrittes, umso glücklicher können sich die Schweden schätzen, dass sie bei ihrer Rückkehr nach Wacken mehr Glück mit dem Wetter haben. Mit Only For The Weak setzen die Schweden um Frontmann Anders Friden von Beginn an zu einem Triumphzug an. Die Best-Of Setlist, abgerundet mit Songs vom aktuellen Album Siren Charms sitzt, die Lichtshow ist sowieso überragend und auch der Sound ist glasklar, wenn auch ein wenig leise im Vergleich zur einen oder anderen Band zuvor. Anders Friden sorgt mit seinen chaotischen Ansagen das eine oder andere Mal zwar für Verwirrung, gesanglich ist er jedoch ziemlich gut drauf, was aber rein musikalisch auch von seinen Bandkollegen zu behaupten ist. Egal ob aktuelle Songs wie Rusted Nail oder Paralyzed, Klassiker wie Alias, Could Connected oder The Quiet Place oder auch das ruhige The Chosen Pessimist, die Songauswahl passt zu dieser Show. Auch wenn man schon großzügiger mit Pyros umgegangen ist, gerade das Feuerwerk zu My Sweet Shadow entschädigt dann doch noch ein wenig. In Flames und Wacken, diese Kombination passt einfach.

Eine Band wie Within Temptation auf die Party Stage zu verfrachten ist schon ein gewagter Schritt, gerade gegen Running Wild, die aus meiner Sicht für den Headliner-Posten auf der Black Stage nicht wirklich geeignet sind. Wenn dann noch dazu kommt, dass der Sound der Party Stage bei ruhigeren Parts so stark von den beiden Hauptbühnen übertönt wird, dann ist das noch enttäuschender. Aufgrund der großen Anzahl an Besuchern beim Auftritt der Niederländer war ein Durchkommen in die Mitte, wo der Sound vermutlich um einiges besser war, einfach nicht möglich. Da ist ein Song wie Fire and Ice mit Running Wild im anderen Ohr einfach unerträglich, da auch kaum zu erkennen. Die Band hat von diesem Problem wohl auch kaum was mitbekommen und so zeigen sich Sharon den Adel und ihre Jungs von ihrer besten Seite. Egal ob Paradise, Faster oder auch ältere Hits wie Stand My Ground oder Angels, hier sitzt alles. Schade wiederrum nur, dass die Duett-Partner wieder nur vom Band kommen. Mina Caputo oder Tarja Turunen hätten Live sicher noch ein wenig mehr dargestellt. Ein starker Auftritt, eine gute Setlist, jedoch einfach mit dem Problem, dass die Party Stage sehr unter den beiden großen Bühnen zu leiden hat. Vielleicht schaffen es ja die Toningenieure einmal, dass beim Bespielen der Black Stage vielleicht der Sound der True Metal Stage ein wenig zurückgefahren wird, dies würde der Party Stage wirklich nicht schaden.

Der Samstag beginnt bereits zu sehr früher Zeit mit Powerwolf. Die Power Metaller haben ja bereits am Nova Rock sehr überzeugt und in der Zwischenzeit auch ihr neues Album Blessed & Possesed veröffentlicht. So durften auch mit Army Of The Night und Armata Strigoi auch Songs von diesem Album ebenso wenig fehlen wie die Klassiker Resurrection By Erection oder We Drink Your Blood. Sänger Attila Dorn hat sein Publikum von Beginn an im Griff und sorgt auch immer wieder mit seinen Ansagen für Lacher. Die Band zeigt sich wie immer hochmotiviert und beweist auch zu früher Stunde, dass man einfach die geborene Live-Band ist. Auch wenn die Songs mit der Zeit doch alle relativ ähnlich sind, der Spaß geht bei einem Powerwolf-Konzert einfach nie verloren.

Anders stellt sich die Situation bei den folgenden Amorphis dar. Man hat ja angekündigt, das gesamte Album Tales Form A Thousand Lakes zu spielen, irgendwie wollte das Material aber nicht so ganz zünden. Sänger Tomi Joutsen ist zwar ein guter Sänger, jedoch will hier einfach nicht der Funke rüber springen. Nach dem Party-Sound von Powerwolf senkt sich die Stimmung doch relativ schnell, da nützen auch Hits wie Black Winter Day oder My Kantele nicht.

Was man von Rock Meets Classic auf einem Festival halten soll ist natürlich eine große Frage. Zwar klingt das Projekt rund um Primal Fear Bassist Mat Sinner aufgrund des Orchesters und einiger angekündigter Gastsänger durchaus interessant, wenn jedoch ein Auftritt mit einer schrägen Version von Thunderstruck beginnt ist das Fragezeichen umso größer. Es dauert jedoch nicht allzu lang bis mit Beyond The Black Frontlady Jennifer Haben der erste Gast für In The Shadows auf die Bühne kommt. Eine durchaus beeindruckende Performance der jungen Dame, wobei man auch dazu sagen kann, dass der Song mit Orchester auch sehr gut funktioniert. Rainbow-Sänger Joe Lynn Turner darf sich als nächster in die Reihe der Gäste einfügen. Bei Songs wie I Surrender oder Stargazer zeigt er zwar durchaus, dass er ein guter Sänger ist, so wirklich passen tut dies jedoch auch nicht. Besser macht es schon Michael Kiske, der für ein paar Helloween Cover-Songs auf die Bühne kommt. Gerade bei I Want Out steigt die Stimmung, was zeigt, dass es im Publikum doch den einen oder anderen Helloween-Fan gibt. Für das Highlight des Tages sorgt jedoch Twisted Sister Frontmann Dee Snider, der zeigt, wie sich ein Frontmann zu verhalten hat. Von Beginn an hat er das Publikum im Griff, bewegt sich im „kürzesten Set seines Lebens“ als wäre er gerade mal 20 und zeigt bei  We’re Not Gonna Take It, dem verstorbenen Twistet Sister Drummer AJ Pero gewidmeten The Price und auch I Wanna Rock, dass er wirklich für Party sorgen kann. Dies führt sogar so weit, dass die Band ihr Set überzieht, eine Tatsache, die ich in Wacken bisher noch nicht oft erlebt habe. Das abschließende Highway To Hell gehört wie schon der erste Song nicht zum besten Teil des Sets, jedoch bleibt nur zu sagen: starker Auftritt, sowohl von Band als auch dem Bohemian Symphony Orchestra Prag und natürlich den Sängern, allen voran Dee Snider.

Mit Bloodbath folgt das genaue Gegenstück zur Partylaune, die Dee Snider noch kurz zuvor verbreitet hat. Unter extremer Lautstärke setzt die Allstar-Band zu einer Lehrstunde in Sachen Death Metal an. Angeführt von Paradise Lost Sänger Nick Holmes (ich hätte dem Mann nie solche Death Metal Growls zugetraut) zerlegen die Mannen, die sonst aus Bands wie Katatonia und auch Opeth (Drummer Martin Axenrot war ja bereits am Vortag im Einsatz) stammen, die Gehörgänge der Zuhörer. Mit einer beindruckenden Präzision spielen die mit Blut verschmierten Herren ihr Set herunter. Als dann auch noch Gründungsmitglied Dan Swanö für Lead Vocals zu Eaten auf die Bühne kommt, ist das Spektakel jedoch auch schon wieder zu Ende. Der Kontrast zu Rock Meets Classic war zwar echt groß, die Leistung jedoch umso beeindruckender.

Apropos beeindruckend. Was Sabaton auf der Bühne aufbauen ist genau mit diesem Wort zu beschreiben. Zwei Panzer auf der Bühne, auf einem die Drums aufgebaut, das macht ihnen nicht so schnell jemand nach. Bei den ersten Tönen von Ghost Division steigt die Stimmung sehr schnell, jedoch passt hier einfach der Sound nicht. Was Bloodbath zuvor zu laut waren, sind nun Sabaton viel zu leise. Auch die „lauter, lauter“ Rufe des Publikums zeigen hier keine Wirkung, die Band um den wie immer bestens aufgelegten Joakim Broden dürfte hier wohl wie immer „Noch ein Bier“ verstanden haben oder einfach aufgrund der DVD-Aufnahme den Ablauf so einstudiert haben, dass man sich nichts anmerken ließ. Hauptsächlich auf das aktuelle Album Heroes konzentriert und mit vielen Blödeleien im Set wird jedoch mit der Zeit auch der Sound besser und so kann auch eine musikalisch starke Show der Schweden steigen. Mit großzügigem Pyro-Einsatz, einigen Bieren und Hits wie Carolus Rex, The Art of War und das auf Noch ein Bier umgetaufte Gott mit uns wird dieser Auftritt im Nachhinein auch dem einen oder anderen Fan vor dem Fernseher überzeugen. Auch wenn die Dialoge auf der Bühne doch ein wenig künstlich gewirkt haben, lustig war es allemal. Die Schweden haben es innerhalb weniger Jahre geschafft, von einem Nachmittags-Act zu einem der Headliner zu werden, dass muss man einmal schaffen.

Judas Priest sind ja eine Legende und Rob Halford wird von vielen als Metalgott bezeichnet. Ich kann jedoch auch weiterhin nichts mit dem Material der Briten anfangen. Ja, es sind gute Musiker, gerade der neue Gitarrist Richie Faulkner frischt die Altherren-Truppe doch ordentlich auf, gerade doch dieser Gesang von Rob Halford ist so wirklich nichts für mich. Nach einigen Songs hängt einen dieses hohe Geschrei doch zum Hals raus, weshalb dann auch für mich das Ende des Wacken Open Air 2015 gekommen ist.

Daher bleibt zum Schluss nur noch zu sagen: Danke Thomas Jensen und Holger Hübner für ein weiteres großartiges Wacken Open Air, für das Wetter könnt ihr ja nichts, ihr habt aber euer Bestes gegeben, damit das Festival überhaupt über die Bühne gehen konnte. Man kann nur hoffen, dass zu den bisherigen veröffentlichten Bands für 2016 wie Blind Guardian, Ministry oder Steel Panther noch der eine oder andere hochkarätige Act folgen wird.

 

Zum Schluss noch die obligatorischen Pros und Contras:

+)           Essens- und Getränkeauswahl
+)           Gratis Trinkwasser
+)           gespülte Toiletten am Infield
+)           Reaktion auf Regenfälle

-)            Essens- und Getränkepreise
-)            weiterhin Bier in 0.3l Bechern

 

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