Wirtz, Milliarden 04.09.15 Capitol, Hannover

Written by Totti. Posted in Live Berichte 2015, Live-Berichte

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Published on September 21, 2015 with No Comments

Bands: Wirtz, Milliarden Date: 04.09.15 Venue: Capitol, Hannover

Am 04.09.2015 hielt einer der besten Sänger und Songwriter Deutschlands wieder Einzug in Hannover um wie angekündigt, mit alten und neuen Freunden 2 Stunden lang voll im Saft zu rocken, denn ohne Strom und akustisch gab es jetzt lang genug.

Mit dem neuen Album „Auf die Plätze, fertig, los!“ im Gepäck, kleinen Veränderungen im Bandgefüge, einer Menge „neuer“ Anhänger im Schlepptau die man sich in der TV Serie „Sing meinen Song“ mühelos erspielt hat und einer nicht wirklich ins musikalische Bild des Abends passende Vorband, MILLIARDEN genannt, die trotzdem interessant und unterhaltsam ihren gekonnten Mix aus TON, STEINE, SCHERBEN und Neue Deutsche Welle wohl komplett zum Besten geben konnte und theatralisch, künstlerisch gediegen ihre Songs und Klassiker in einem guten Licht und nachhaltig präsentieren durfte. Das wurde nicht nur mit Höflichkeitsbeifall vom sehr gemischten Publikum bedacht.

Zum Publikum: Es war diesmal wirklich ein weit mehr gemischtes Publikum in der bereits größeren und ausverkauften Location. So wie es WIRTZ in seinem Song beschreibt: alte und neue Freunde!

Warum das Thema „neue Freunde“ von den alten Freunden immer so aufgeblasen wird, ist schon etwas nervig, doch einige Unterschiede sind wirklich auszumachen…aber: keine ellenlange Threads, Posts, etc., wert.
Es gab immer neue Besucher und Freunde auf Konzerten, egal in welchem Genre. Es gab schon immer Konzertbesucher, die nach IHREM Lieblingssong gegangen sind…es gab schon immer die Sektschlürfer-Fraktion….
Kommt halt auch immer drauf an, wo man steht.

Wir standen anfangs definitiv in einer „Eltern-, Erzieher- und Lehrergruppe“, dementsprechend verhalten war die Stimmung; Von Beginn an hat sich dieses Grüppchen nur unterhalten und kübelweise Sekt eingefahren, bis sie endlich IHR Lied hörte…laut und falsch mitsang und sich danach verabschiedete! Das waren eindeutig verirrte PUR Fans…aber ich greife vor!

Nachdem MILLIARDEN aus Berlin ihre schweißtreibende Performance beendeten, hörten wir aus unserer „VOX Zuschauer-Ecke“ bereits Gemurmel und Getuschel ob er denn dieses und / oder jenes Lied spielen würde, wohlgemerkt: nur neue und Unplugged-Songs nennend. Ich nenne das „schlecht informiert“ denn es hieß doch bereits im Vorfeld, dass gerockt wird…

Aber egal, auch diese Menschen waren schon immer auf Konzerten anzutreffen…

Ziemlich überpünktlich legten WIRTZ natürlich mit so ziemlich den besten Einsteiger los, den man sich aktuell denken kann:
„Auf die Plätze, fertig, los!“ eröffnete das Wiedersehensfest mit dem sympathischen Alternative-rocker und seiner Mannschaft, in der Chris Adameit am Bass von Alex Henke vertreten wird, weil musikalische Verpflichtungen mit Radio Doria (mit u.a. Jan-Josef Liefers) zu erfüllen sind.

Mit viel Lichtspielereien, Beamern und Projektionen geht es Schlag auf Schlag weiter mit neuem Songmaterial bei dem viele der „neuen Freunde“ meist artig mitwippten bis „Frei“ die alten Freunde beglückt und endlich zum Hüpfen bringt, die mit dem neuen Songs bis dato nicht warm wurden…“Pech“ für die Meckergemeinde: bis auf „Sehnsucht“ wurde das aktuelle Album komplett gezockt, gepaart mit einigen Klassikern wobei mich persönlich etwas nervte, doch akustisches Gedudel zu hören.

Ich habe es auch befürchtet, das der PUR-Song „Tango“ intoniert wird, sind doch die meisten der neuen Fans sichtlich wg. der Nummer ins Capitol getigert! „Scherben“ hätte mir in der rockenden Version nach den Unplugged-Gigs auch besser gefallen und den „Overkill“ überhaupt nicht zu bringen, hat mich etwas verdutzt!

Auch die Tatsache, das nicht ein einziger Song vom „härtesten“ und „düstersten“ Album „Akustik Voodoo“ den Weg ins Live-Programm geschafft hat, fand ich doch sehr erstaunlich…oder traut man den neuen Freunden diese Härte nicht zu? Meine beiden verWIRTZten Begleiterinnen fanden den Abend etwas weichgespült und zu leise!

Ich war glücklich, die neuen Songs alle mal Live aufzusaugen, auch wenn der übliche Rock´n´Roll darunter etwas litt. Das lag aber sichtbar an den beiden Fanlagern die miteinander nicht wirklich warm wurden und an allen Ecken und Enden gelästert und gemeckert wurde.

Vorn, bei den Frontlinern war noch Stimmung wobei auch dort auffällig viele, einfach nur rumstehende Menschen wie Falschgeld durch die Gegend geschubst wurden, als die Band endlich „LMAA“ in die Massen „rotzte“ und endlich auch mal wieder ein bissl Pogo ins Spiel kam.

Setlist:

01. Auf die Plätze, fertig, los!
02. Regentropfen
03. Siehst Du mich
04. Dunkeln
05. Freitag Abend
06. Wir
07. Frei
08. Ich weiß es nicht
09. Aus Versehen
10. Ne Weile her
11. Viel Glück
12. Sag es
13. Tango
14. Scherben
15. Wenn Du willst
16. LMAA
17. Wo ich steh
18. Meinem Namen
19. Andrer Stern
20. Mantra
21. Das nächste Mal
22. Keine Angst
23. Mon Amour
24. Nada Brahma

Mein Fazit: Ein schöner Konzert-Event eines wahren Ausnahmekünstlers, dem jahrelang nicht die verdiente Beachtung zuteil wurde und nun endlich die fetten Lorbeeren seiner Mühen einsammeln kann. Der Preis dafür:
Mosernde „Altfans“ und mosernde „neue Freunde“.

Nun wird sich zeigen, wie sich WIRTZ trotz dieser Tatsachen weiterentwickeln wird, um seiner Linie treu bleiben zu können, ohne sich selbst verbiegen zu müssen. Und auch in den Fanlagern wird sich hoffentlich die Spreu vom Weizen trennen, denn dieses „elitäre Altfan-Gelaber und Gehabe“ nervt total und vergiftet die Stimmung unter den Fans.

Von Toleranz war nicht wirklich viel zu erkennen oder zu erleben, und da mache ich allen dauernörgelnden Fans den Vorwurf, sich für irgendwas besseres zu halten, weil man den WIRTZ seit „MySpace-Zeiten“ oder sogar aus SUB7EVEN Zeiten kennt! Aber dieses elendig nervende „True-Heimer-Verhalten“ kennt man auch aus dem Metalbereich…

Doch letztendlich müssen sich alle WIRTZ Fans eingestehen das kein Album in seiner Vita dem vorigen glich. Die Lautstärke kann auch eine örtliche Bestimmung gewesen sein und ich bin doch mit einem einvernehmlichen Grinsen im Gesicht nach Hause gegangen.

Auf meine Frage, wie sie das Konzert fand, antwortete meine Partnerin mit einer „Wirtz´schen“ Textzeile: „…der Tiger miaut…“! Aber irgendwie war es doch schön. Auch wenn man sichtlich gemerkt hat, das unglaublich viel neues Publikum an Bord war, worunter die Stimmung doch etwas gelitten hat.

Menschen mit „Selfi-Sticks“, sog. Idiotenzeptern, sollten auf ewig Hausverbot bekommen.

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