Tracklist
01. Skinwalker
02. Kee-Wakw
03. Undead Hunters
04. Enters People’s Bodies
05. In the Morning Dust
06. Like the Plague
07. Flying Heads
08. Mystical Spell Mortification
09. A Little Idea
Besetzung
Ale Moz – Bass
Trevor – Vocals
Giovanni Durst – Drums
Tommy Talamanca – Guitars
CRYSTAL SUN ist eine italienische Death-Metal-Band mit klarem Fokus auf Old-School-Ästhetik und handgemachter Härte. Am Bass steht Ale Moz, die Vocals übernimmt Trevor, an den Drums sitzt Giovanni Durst, und für die Gitarren ist niemand Geringeres als Tommy Talamanca verantwortlich. Letzterer ist in der Szene kein Unbekannter und prägt den Sound der Band deutlich. Mit »The Trace You Left« legt das Quartett nun ein Album vor, das sich stilistisch tief im klassischen Death-Metal verankert sieht und bewusst auf moderne Trends verzichtet.
Old School als Programm
Schon nach den ersten Takten wird klar, wohin die Reise geht. »The Trace You Left« orientiert sich stark am frühen Death-Metal der 90er Jahre. Bands wie DEATH, OBITUARY oder frühe PESTILENCE schimmern immer wieder durch, ohne dass CRYSTAL SUN zur reinen Kopie verkommen. Der Sound ist roh, direkt und weitgehend frei von Spielereien. Keine Trigger-Drums, keine synthetischen Effekte, kein übertriebenes Layering. Stattdessen Gitarrenriffs, die auf Druck und Wiedererkennbarkeit setzen, und ein organisch klingendes Schlagzeug.
Die Produktion ist solide, wenngleich bewusst nicht überpoliert. Alles klingt erdig, manchmal sogar leicht schmutzig, was dem Material eher hilft als schadet. Wer klinisch saubere Metal-Produktionen bevorzugt, wird hier vielleicht die Nase rümpfen, für Fans von klassischem Death-Metal gehört das zum Konzept.
Gitarrenarbeit als Herzstück
Tommy Talamancas Gitarrenarbeit ist eindeutig das Rückgrat des Albums. Die Riffs sind meist simpel strukturiert, hingegen effektiv. Statt technischer Frickelei gibt es eingängige, teilweise angenähert groovige Motive, die sich schnell festsetzen. Besonders stark ist die rhythmische Arbeit. Viele Riffs leben weniger von Komplexität als von ihrem Timing und ihrer Wucht.
Solos tauchen regelmäßig auf, bleiben beständig songdienlich. Sie sind melodisch, teilweise leicht bluesig gefärbt und erinnern an die klassische Death-Schule, ohne sich in endlosen Läufen zu verlieren. Gerade in Songs wie »Like the Plague« oder »Flying Heads« sorgen die Leads für zusätzliche Dynamik und geben den Stücken eine eigene Handschrift.
Vocals und Rhythmussektion
Trevor liefert typische Death-Metal-Growls ab, tief, kehlig und gut verständlich, zumindest im Rahmen dessen, was das Genre hergibt. Seine Stimme wirkt nicht besonders variabel, erfüllt indes zuverlässig ihren Zweck. Große Überraschungen gibt es hier nicht, doch die Performance ist konstant und passt perfekt zum Stil der Band.
Giovanni Durst spielt ein klassisches Death-Metal-Drumming ohne unnötige Show. Viel Doublebass, klare Beats, gelegentlich kurze Blast-Passagen. Das Schlagzeug unterstützt die Riffs, drängt sich gleichwohl nie in den Vordergrund. Ale Moz am Bass bleibt, wie in vielen Genre-Produktionen, eher im Hintergrund, sorgt immerhin für die nötige Tiefe im Soundbild.
Eine kraftvolle Mischung aus Urgewalt und Mystik
Der Opener »Skinwalker« setzt direkt ein Ausrufezeichen. Ein schneller Einstieg, treibende Riffs und ein Refrain, der sofort hängen bleibt. »Kee-Wakw« knüpft daran an, wirkt annähernd düsterer und setzt stärker auf Midtempo-Passagen. Hier zeigt sich bereits die größte Stärke des Albums: die Balance zwischen Geschwindigkeit und Groove.
»Undead Hunters« und »Enters People’s Bodies« gehören zu den klassischsten Tracks. Straightforward, wenig Schnörkel, dafür maximaler Old-School-Charakter. »In the Morning Dust« fällt halbwegs atmosphärischer aus und bringt mehr melodische Elemente ins Spiel, ohne den Grundstil zu verlassen.
»Like the Plague« ist einer der stärksten Songs der Platte. Der Track kombiniert eingängige Riffs mit einem überraschend catchy Refrain und gehört zu den wenigen Momenten, in denen CRYSTAL SUN wirklich aus der Masse herausragen. »Flying Heads« und »Mystical Spell Mortification« bleiben solide, wirken im Gegensatz hierzu etwas formelhafter.
Der Abschluss »A Little Idea« ist vergleichsweise kurz und wirkt fast wie ein Bonus-Track. Kein schlechter Song, dahingegen kein echtes Finale im klassischen Sinne.
Stärken und Schwächen
Die größte Stärke von »The Trace You Left« liegt in seiner Konsequenz. CRYSTAL SUN wissen buchstäblich, was sie machen wollen, und ziehen diesen Stil ohne Kompromisse durch. Das Album klingt authentisch, ehrlich und handgemacht. Fans von klassischem Death-Metal bekommen exakt das, was sie erwarten.
Gleichzeitig ist genau das auch die größte Schwäche. Überraschungen gibt es kaum. Wer nach Innovation, Progressivität oder neuen Ideen sucht, wird hier wenig finden. Viele Songs ähneln sich in Struktur und Tempo, und nach der Hälfte der Spielzeit stellt sich ein leichter Gewöhnungseffekt ein.
»The Trace You Left« ist ein solides Death-Metal-Album mit starkem Old-School-Fokus, guten Riffs und einer stimmigen Gesamtproduktion. CRYSTAL SUN erfinden das Genre nicht neu, liefern aber ein ehrliches, druckvolles Werk ab, das vor allem Fans der klassischen Schule ansprechen dürfte. Ein Album, das man problemlos durchhören kann, ohne dass es nervt, das allerdings nicht lange im Gedächtnis bleibt.
Fazit: Mit »The Trace You Left« gelingt CRYSTAL SUN ein überzeugendes Werk im Todesbleisektor.

