Tracklist
01. Be Not Dismayed
02. Weeping To The World
03. The Spirit, Alive
04. Setting Fire To The Sky
05. The Ancient Horizon
06. Towards The Harmony Hall
07. Harken The Waves (feat. Troy Sanders)
08. Breathe (feat. Jo Quail)
09. Nocturnal Forms (CD and Digital ONLY bonus track)
Besetzung
Joe Nally – Vocals/Bass
Angus Neyra – Lead Guitar
James Cook – Drums
Mit „Setting Fire To The Sky“ legen URNE ein Album vor, das weiterhin an ihren Sludge- bzw. Doom-Wurzeln festhält, diese aber konsequent mit Groove, technischer Finesse und eingängigen Strukturen verbindet. Die düstere Grundstimmung zieht sich wie ein roter Faden durch die Platte, ohne sie träge wirken zu lassen – im Gegenteil: Vor allem Gitarren und Schlagzeug treiben die Songs mit Nachdruck und verleihen ihnen eine beeindruckende Durchschlagskraft.
Musikalische Entwicklung der Londoner
URNE machten bereits mit ihrer EP „The Mountain of Gold“ (2018) deutlich, welches Potenzial in der Band steckt: eine wuchtige Mischung aus Sludge und progressiven Ansätzen, die eher nach unten drückte als nach oben strebte. Mit dem Debütalbum „Serpent & Spirit“ (2021) veröffentlichten sie inmitten der Pandemie ein Werk, das durch lange, ambitionierte Songs und die prägnante Gitarrenarbeit von Angus Neyra Aufmerksamkeit erregte. „A Feast on Sorrow“ (2023), produziert von GOJIRAs Joe Duplantier, schärfte ihren Sound weiter und verarbeitete Verlust, Trauer und Identitätszerfall in roher, emotionaler Form. Das Album verschaffte URNE große Aufmerksamkeit und führte zu Tourneen mit Bands wie AVATAR, ALIEN WEAPONRY und KVELERTAK sowie zahlreichen Festivalauftritten.
Dröhnender Einstieg und starke Einzeltracks
Der Opener ihres jüngsten Werkes gibt die Richtung klar vor: Ein catchy Riff bestimmt das Tempo, während sich melodische, groovige und stellenweise starke Doom-Elemente zu einem kraftvollen Gesamtbild zusammenfügen. „Be Not Dismayed“ etabliert souverän die Atmosphäre des Albums und endet in einem lässigen Outro, das Lust auf mehr macht. Mit „Weeping To The World“ wird es nachdenklicher. Tief gestimmte Gitarren treffen auf einen leichten Funk-Beat, während der Gesang – passend zum Text – klagend und verzweifelt wirkt. Das abrupte Ende verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. „The Spirit, Alive“ setzt auf eingängige, groovige Riffs und einen wiedererkennbaren Refrain. Double-Bass-Kicks sorgen für zusätzliche Wucht.
Härte, Technik und überraschende Kontraste
Der Titeltrack „Setting Fire To The Sky“ zählt zu den aggressivsten Momenten des Albums. Ein mächtiger Einstieg mit heftigen Bass-Kicks und palm-muted Riffs mündet in einen technisch anspruchsvollen Song, dessen Refrain durch einen plötzlichen Thrash-Beat überrascht und die melodische Stimme kontrastiert. Tiefe Growls und ein erneuter Thrash-Ausbruch im letzten Drittel pressen das Lied kompromisslos nach vorne. Mit „The Ancient Horizon“ schlagen URNE ruhigere Töne an. Die Hauptmelodie wird gleich zu Beginn vorgestellt und bleibt im Gedächtnis. Trotz der sanften, langsamen Grundausrichtung fehlen kraftvolle Momente nicht, was den Song besonders schön ausbalanciert wirken lässt.
Atmosphäre und Experimente
„Towards The Harmony Hall“ taucht beinahe in eine Black-Metal-artige Stimmung ab. Die Gitarrenarbeit ist technisch anspruchsvoll, der Refrain polarisiert jedoch durch eine ungewöhnliche, tiefe Gesangsmelodie. Dennoch wirkt der Song – einer der längsten des Albums – nie unnötig gestreckt, vor allem das starke Schlusssegment bleibt nachhaltig hängen. Ein weiterer Ausreißer ist „Harken The Waves“, das durch seinen untypischen Aufbau und deutliche Doom-Einflüsse auffällt. Die abgehackten Rhythmen und lässigen Gesangspassagen – inklusive Feature von Troy Sanders (MASTODON) – entfalten ihre Wirkung erst nach mehreren Durchläufen. Ohne klassisches Hoch baut der Song dennoch Spannung auf und fügt seine vielen Elemente stimmig zusammen, auch wenn das Outro noch etwas mehr Zuspitzung hätte vertragen können.
Melancholischer Ausklang
Mit „Breathe“ endet „Setting Fire To The Sky“ überraschend melancholisch. Streichinstrumente verleihen dem Song eine bittersüße Note und zeigen den Sänger von einer weiteren, ungewohnten Seite. Als Abschluss eines ansonsten sehr kraftvollen Albums wirkt der Track etwas eigenwillig, ist textlich jedoch durchaus passend. Der Bonustrack „Nocturnal Forms“ schlägt noch einmal eine schwerfällige Doom-Richtung ein. Lässige Tom-Beats und enorme Wucht machen ihn zu einem soliden Zusatz, auch wenn er als Gesamtes etwas eintönig gerät.
Fazit: URNE verbinden auf „Setting Fire To The Sky“ ihre Doom-Wurzeln mit Groove, Technik und starken Riffs zu einem düsteren, aber erstaunlich dynamischen Album. Gitarren und Schlagzeug stehen klar im Vordergrund, während der kehlige, verzweifelte Gesang zwar gewöhnungsbedürftig ist, jedoch mit seiner Bandbreite und Emotionalität hervorragend zur Atmosphäre passt.

