Out Of The Well – “ALETHEIA” Album-Releaseparty mit
WILDHUNT, KÜENRING, DIAMOND FALCON
13.02.2026, Arena Wien
Ein Abend ganz im Zeichen des Heavy Metal in der Arena Wien, zugleich die offizielle Release-Show zum neuen Album „Aletheia“ von WILDHUNT. Ein starkes, vielschichtiges Album, dessen komplexe Musik geradezu dafür prädestiniert ist, live noch intensiver zu wirken als auf der Platte. Die Möglichkeit, dieses Material erstmals vollständig live zu erleben, haben viele Fans ohne Zögern wahrgenommen. Neben WILDHUNT standen mit KÜENRING und DIAMOND FALCON weitere Vertreter der Austrian Heavy Metal Alliance auf dem Programm, die ebenfalls aktuelles Material präsentierten.
DIAMOND FALCON
DIAMOND FALCON eröffnen den Abend mit einer dynamischen, stark rhythmusbetonten Form von Heavy Metal, tief verwurzelt im klassischen Old-School-Sound, zugleich getragen von einer deutlichen Nostalgie für jene Zeit, als Heavy Metal noch als das wildeste und ungebremsteste musikalische Ausdrucksmittel galt.

Die Band bringt von Beginn an eine angenehme Energie auf die Bühne. Einfacher, direkter Heavy Metal, der live jedoch deutlich kraftvoller und beweglicher wirkt als auf Tonträger. In der Arena klingt das Material spürbar schwerer, als hätte die Band für den Live-Auftritt einen Gang höher geschaltet. Die Songs sind eingängig, melodisch und lassen den einzelnen Musikern ausreichend Raum, sich zu entfalten.
Auffällig ist das Fehlen eines Schlagzeugers auf der Bühne, während das Schlagzeug klar zu hören ist – offenbar vom Band oder programmiert. Ob hinter dem Schlagzeug der aktuellen Studioaufnahmen ein realer Musiker steht, bleibt offen, ist aber an dieser Stelle nebensächlich. Auch akustische Gitarrenpassagen werden vom Band eingespielt, was selbst bei größeren Namen längst üblich ist, hier aber dennoch erwähnt werden sollte.
DIAMOND FALCON nutzen ihre Spielzeit vor allem für Songs des aktuellen Albums „Gates of Hell“ aus dem Jahr 2024. Live wirkt das Material jedoch deutlich interessanter als in der Studiofassung, der Sound ist klar überlegen. Starke Einflüsse von Iron Maiden und Judas Priest sind unüberhörbar, dennoch hat die Band einen eigenen Charakter entwickelt. Die hohen, genretypischen Screams kommen sauber und sicher, ohne Zögern. Frontmann Vin Weazzel überzeugt nicht nur stimmlich, sondern auch als äußerst aktiver Entertainer, mit vielen Ansagen, Witzen und direktem Kontakt zum Publikum. Die Reaktionen reichen von Gelächter bis zu lautem Applaus.
Das Publikum zeigt sich insgesamt sehr angetan, und auch die Band wirkt sichtbar spielfreudig. Bassist Ferdl hinterlässt ebenfalls Eindruck, nicht nur durch gut platzierte Bass-Solos, sondern auch durch seine durchgehend präsente Basslinie. Mit kurzen a-cappella-Gesangseinlagen zwischen den Songs gewinnt er zusätzlich Sympathien. Ein überzeugender, unterhaltsamer Auftritt und ein sehr gelungener Start in den Abend.
KÜENRING
Mit den ersten Tönen von KÜENRING wird klar, dass nun eine andere musikalische Richtung eingeschlagen wird. Die Band aus Großschönau bewegt sich stärker zwischen Heavy Metal, Speed Metal und Hard Rock, technisch versierter und insgesamt kontrollierter. Die Energie wirkt konzentrierter, kühler, weniger ausufernd als beim Opener.

Die Musik ist weniger melodiebetont, dafür rhythmisch prägnant und durchzogen von Solos und technischen Details. Insgesamt langsamer, aber auch ausgefeilter. Mit „In Search of Paradise“ haben KÜENRING im vergangenen Jahr ein neues Album veröffentlicht, und erneut zeigt sich live ein deutlicher Unterschied zur Studiofassung. Der Sound auf der Bühne ist druckvoller, direkter und wirkt insgesamt überzeugender.
Stilistisch rücken sie live näher an Van Halen heran, was vor allem durch das Gitarrenspiel von Florian Gutenthaler unterstrichen wird, der mit seiner Performance nachhaltig beeindruckt. Auch Stefan Gutenthaler an Bass und Gesang liefert eine starke Leistung ab. Deutlich zurückhaltender als Diamond Falcon, aber musikalisch sehr präzise und in ihrer Wirkung stellenweise sogar schwerer.
Neben den Hard-Rock-Elementen lassen sich auch Iron-Maiden-Anklänge sowie progressive Passagen ausmachen. Ein echter Schlagzeuger steht ebenfalls auf der Bühne und sorgt mit einem soliden, effektiven Spiel für zusätzliche Durchschlagskraft. Die Riffs sind klar strukturiert, die Melodien nicht überladen, aber wirkungsvoll. Trotz guter Energie gelingt es der Band nicht durchgehend, diese vollständig ins Publikum zu transportieren. Dennoch zeigen sowohl Band als auch Zuschauer deutliche Wertschätzung füreinander.
Zum Ende des Sets drängt das Publikum nach vorne, um seine Anerkennung zu zeigen. Nach lautstarken Zugabe-Rufen kehrt die Band tatsächlich noch einmal auf die Bühne zurück. Der letzte Song bringt noch einmal frische, rohe Energie, der Auftritt endet stimmungsvoll und wird vom Publikum entsprechend honoriert.
WILDHUNT
Schließlich betreten die Hauptakteure des Abends die Bühne. Bereits in unserer Albumrezension zu „Aletheia“ war klar, wie stark dieses Material ist, und in den Wochen seit der Veröffentlichung hat sich dieser Eindruck weiter gefestigt. Dass dieser Abend vollständig dem neuen Album gewidmet ist, verleiht dem Konzert zusätzlichen Charakter.

Schon während des Aufbaus wird deutlich, dass hier auf einem anderen professionellen Niveau gearbeitet wird. Die Liebe zum Detail zeigt sich später auch musikalisch. Das Konzert folgt exakt der Albumreihenfolge, beginnend mit „Touching the Ground“, das sich erneut als hervorragender Opener erweist, sowohl auf Platte als auch live. Rhythmusgitarrist Julian Malkmus, der zuvor bereits bei Küenring auf der Bühne stand, ist auch hier präsent.
WILDHUNT machen unmissverständlich klar, dass sie sich musikalisch auf einem anderen Level bewegen. Die Kompositionen sind deutlich komplexer, der Sound stark im progressiven Metal verankert, auch wenn die Band ihr Schaffen selbst als Heavy- beziehungsweise Thrash Metal einordnet. Natürlich finden sich entsprechende Elemente wie kraftvolle Riffs und epische Strukturen, doch der Kern der Musik liegt in polyrhythmischen Konstruktionen und vielschichtigen Melodien, die eine dichte, anspruchsvolle Klanglandschaft formen. Live wirkt das Material noch voller, aggressiver und direkter als auf dem Album.
Wolfgang Elwitschger überzeugt als Leadgitarrist, Sänger und Frontmann. Während der Songs hochkonzentriert auf seine technisch anspruchsvollen Gitarrenlinien fokussiert, zeigt er sich zwischen den Stücken deutlich entspannter und kommunikativ. Das Publikum ist von Beginn an auf seiner Seite, seine Ansagen verstärken diese Verbindung zusätzlich. Ein erster besonderer Moment entsteht, als er den Geburtstag von Bassist Robbie Nöbauer erwähnt und der gesamte Saal spontan „Happy Birthday“ anstimmt.
Weniger heiter, dafür umso eindringlicher ist eine spätere Ansage: Der frühere Bassist der Band, Benjÿi Breeg (Benjamin Meisterl), der auf dem Album „Descending“ zu hören ist, ist wenige Tage zuvor verstorben. Das Publikum reagiert mit spürbarem Respekt und stiller Anteilnahme. Ein schwerer, aber würdevoller Moment. Ruhe in Frieden, Benjamin.
Mit fortschreitendem Set werden die Songs komplexer und zugleich beeindruckender umgesetzt. WILDHUNT gehören zu jenen Bands, die es verstehen, ihr Publikum auf eine musikalische Reise mitzunehmen, und genau das gelingt auch live. Dichte Gitarrenarbeit, ein massiver, präsenter Bass und ein sensibles, zugleich kraftvolles Schlagzeugspiel prägen den gesamten Auftritt. Die Band agiert durchgehend auf sehr hohem technischem Niveau.
Schlagzeuger Lukas Lobnig überzeugt mit präzisem, ideenreichem Spiel und setzt zahlreiche markante Akzente. Dennoch bleibt Wolfgang das Zentrum des Geschehens. Seine Gesangslinien wirken live natürlicher und wärmer als auf dem Album, mit einer spürbar anderen emotionalen Tiefe. Besonders deutlich wird das im Titelsong „Aletheia“, der live noch komplexer und emotionaler wirkt. Die ineinandergreifenden Gitarren in den abschließenden Solopassagen sind beeindruckend und setzen sich im gleichen Geist im letzten Albumtrack „Sole Voyage“ fort.
Eigentlich als Abschluss gedacht, verlässt die Band kurz die Bühne, hat jedoch gegen die anhaltenden Ovationen keine Chance und kehrt für eine Zugabe zurück. Diese besteht aus älterem Material und zeigt eine etwas andere Seite der Band: schwerer, direkter, weniger offen als die Songs des aktuellen Albums. Stücke wie „The Wild Hunt“ oder „Age of Torment“ setzen stärker auf Rhythmus und Druck, ohne den Anspruch zu verlieren.
Das Konzert endet auf einem klaren Höhepunkt. Eine Band mit eigener Identität und nachhaltiger musikalischer Substanz, getragen von einem nicht riesigen, aber äußerst enthusiastischen Publikum, das den Abend mit langanhaltendem Applaus beschließt.
Setlist
01. Touching the Ground
02. The Holy Pale
03. Made Man
04. Kanashibari
05. In Frozen Dreams
06. Aletheia
07. Sole Voyage
08. The Wild Hunt
09. Thrill to Kill
10. Age of Torment


