Tracklist
01. Confined
02. Oxygen
03. Pig
04. Pick Your Fighter
05. Un Bon Souvenir
06. Deathstalker
07. Le Déni
08. Exuvia
09. The Hammer Crush
10. IHYG (I Hate Your Guts)
11. Élégie
Besetzung
Rachel Aspe – Gesang
James Monteith – Gitarre
Will Horsman – Bass
Nick Plews – Schlagzeug
Oh Mein Gott Wie Geil ist das denn! Dies muss man einfach bei »Exuvia« dem neuen Album von Cage Fight ausstoßen. Ein Werk das vom ersten Moment an klarmacht: Hier wird nicht einfach nur geprügelt, hier wird gehäutet, verwandelt und mit voller Wucht neu geboren. Der Titel passt wie die Faust aufs Auge, denn »Exuvia« steht für das Abstreifen einer alten Haut – und genau so klingt diese Platte. Cage Fight behalten ihren rohen Hardcore-Kern, erweitern ihn aber um mehr Atmosphäre, mehr Melodie, mehr Dynamik und eine kompositorische Reife, die das Album deutlich größer wirken lässt als den Vorgänger.
(Hört in dieser Playlist die Songs und schaut die Clips)
Epischer female fronted Metalcore bzw. Extreme Metal
Direkt mit dem Opener »Confined« wird der Hörer in eine beklemmende Welt hineingesogen. Das Stück wirkt wie ein dunkler Vorraum, in dem sich Druck, innere Enge und eine unterschwellige Bedrohung aufbauen, bevor »Oxygen« endgültig zur Sache kommt. Inhaltlich kreist der Song um Überforderung, Atemnot im übertragenen Sinn und das Gefühl, im eigenen Kopf festzusitzen. Musikalisch übersetzen Cage Fight diese mentale Beklemmung in pure körperliche Gewalt: massive Riffs aus Bass und Gitarren, erbarmungslos treibende Drums und ein Groove, der nicht anklopft, sondern direkt mit dem Kopf durch die Wand geht.
RACHEL ASPE: Die unglaubliche Frontfrau im Fokus
Rachel Aspe ist dabei schlicht eine Naturgewalt. Sie growlt, faucht, keift, brüllt und zerreißt die Songs mit einer Intensität, bei der man wirklich zweimal hinhören muss. Rachel zeigt der männlichen Konkurrenz hier ganz klar, wie es geht, und man kann gar nicht glauben, dass es eine Frau ist, die da singt – nicht, weil Frauen das nicht könnten, sondern weil diese Stimme so abartig wuchtig, tief und kompromisslos klingt, dass sie sämtliche Erwartungshaltungen pulverisiert. Gleichzeitig ist gerade ihre Bandbreite der große Trumpf: In den melodischeren Momenten, etwa bei »Un Bon Souvenir«, im Titeltrack »Exuvia« oder später in »Élégie«, beweist sie, dass sie nicht nur zerstören, sondern auch tragen, formen und emotional öffnen kann.
WUT, EKEL UND REINE ENERGIE
»Pig« ist einer der widerlichsten und zugleich effektivsten Wutbrocken der Platte. Textlich richtet sich der Song gegen Männer, die Frauen online belästigen, bedrängen und Grenzen überschreiten. Cage Fight machen daraus keinen moralischen Zeigefinger, sondern einen akustischen Vorschlaghammer. Das Stück schnaubt, trampelt und grunzt sich durch seine Laufzeit, während Rachel den Ekel in eine Performance gießt, die so scharfkantig ist, dass man sich daran schneiden könnte.
Mit »Pick Your Fighter« folgt einer der großen Abrissmomente des Albums. Der Song setzt auf Kampfgeist, Durchhaltewillen und diese Jetzt-erst-recht-Mentalität, die live garantiert jede Halle in Bewegung bringt. Dass Julien Truchan von Benighted hier zusätzlich auftaucht, ist kein netter Bonus, sondern der endgültige Wahnsinnsschalter. Seine brutale Präsenz treibt den Track noch tiefer in Death- und Grind-Gefilde, während James Monteith an der Gitarre das Ganze mit chirurgischer Präzision zusammenhält. Die Riffs sitzen nicht einfach nur hart, sie sind sauber gebaut, messerscharf produziert und grooven mit einer Selbstverständlichkeit, die sofort ins Genick fährt.
Einfach nur Stumpfe Brutalität? von wegen!
»Un Bon Souvenir« ist dann der Moment, in dem »Exuvia« endgültig zeigt, dass Cage Fight mehr sind als nur ein brutaler Hardcore-Panzer. Textlich geht es um toxische Manipulation, verletzende Erfahrungen und darum, sich nicht kleinmachen zu lassen. Die französische Note verleiht dem Stück eine zusätzliche persönliche Ebene, während die Band musikalisch zwischen Wut, Melodie und fast hymnischer Größe pendelt. Besonders stark ist, wie Rachel hier klare Gesangspassagen einbindet, ohne dass die Härte verwässert. Im Gegenteil: Die melodischen Elemente lassen die Ausbrüche danach nur noch brutaler wirken.
Eine Rhythmussektion mit satter Klangfülle:
»Deathstalker« und »The Hammer Crush« zeigen, wie wichtig Will Horsman für diese neue Phase der Band ist. Sein Bass ist nicht bloß Fundament, sondern ein eigener Druckkörper im Sound. Gemeinsam mit Nick Plews an den Drums bildet er eine Rhythmussektion, die nicht wackelt, nicht schwimmt und nicht nachgibt. »Deathstalker« schlägt direkt zu, giftig, kompakt und gefährlich, während »The Hammer Crush« seinem Titel alle Ehre macht: Das Ding hämmert, walzt und zerquetscht mit einem Groove, der zwischen Hardcore-Schlagseite und modernem Death-Metal-Druck pendelt.
Räumlichkeit und emotionale Schwere beherrschen das Ambiente
»Le Déni« sorgt als düsteres, atmosphärisches Zwischenspiel für einen notwendigen Schattenraum. Hier geht es weniger um den direkten Schlag als um Spannung, Verdrängung und das Unbehagen vor dem nächsten Ausbruch. Gerade solche Momente zeigen, wie sehr Cage Fight an ihrem Songwriting gearbeitet haben. Die Band weiß inzwischen sehr genau, wann sie alles niederreißen muss und wann ein kontrollierter Spannungsaufbau noch wirkungsvoller ist als der nächste sofortige Gewaltausbruch.
Danach öffnet der Titeltrack »Exuvia« die emotionalste Ebene des Albums. Der Song trägt eine besondere Schwere in sich und wirkt wie das Zentrum der Platte. Hier verbinden Cage Fight brachiale Härte mit fast verletzlicher Weite. Das ist nicht einfach nur laut, das hat Gewicht. Man spürt, dass hinter den Schreien echte Erfahrung, Angst, Liebe, Verlust und Überlebenswille stehen. Rachel agiert hier nicht nur als Frontfrau, sondern als emotionaler Brennpunkt, während James Monteith, Nick Plews und Will Horsman den Song mit einer enormen Geschlossenheit nach vorne treiben.
Wenn Hass zum Befreiungsschlag wird
»IHYG (I Hate Your Guts)« ist danach ein weiterer Schlag in die Magengrube. Der Song verarbeitet Hass, Abscheu und persönliche Verletzung, klingt dabei aber nie wie bloßes Gepolter. Rachel schreit hier nicht aus Pose, sondern aus Notwendigkeit. Gerade deshalb funktioniert das Stück so stark: Es kanalisiert Schmerz, Ekel und Befreiung in einen Track, der sich anfühlt wie ein endgültiger Schnitt mit etwas, das zu lange Macht über einen hatte.
Ein Abschluss der zum Repeat-Drücken fast schon zwingt:
Am Ende steht »Élégie«, und hier beweisen Cage Fight endgültig Klasse. Das Stück handelt von Trauer, Verlust und den unausgesprochenen Dingen, die nach einem Abschied bleiben. Statt das Album stumpf mit einem letzten Blastbeat-Gewitter zu beenden, gehen Cage Fight in die Tiefe. Die Atmosphäre wird größer, die Melancholie deutlicher, Rachel zeigt mehr Verletzlichkeit, und doch bleibt diese gefährliche Schwere im Raum. Das ist ein Abschluss, der nachhallt und ein Garant dafür, dass man die Scheibe direkt nochmal hören möchte!
Zurecht eine instrumentale Machtdemonstration
Instrumental ist »Exuvia« eine Machtdemonstration. James Monteith liefert Riffs, die zwischen Thrash-Schärfe, Hardcore-Groove und moderner Metal-Präzision pendeln. Er spielt nicht überladen, sondern effektiv, zielgerichtet und immer songdienlich. Nick Plews trommelt mit enormer Durchsetzungskraft, ohne die Songs zu überfrachten. Jeder Schlag sitzt, jedes Break hat Wirkung, jede Tempoverschärfung fühlt sich an wie ein Tritt in den Brustkorb. Will Horsman bringt als neuer Bassist spürbar frisches Blut in die Band und sorgt dafür, dass die tiefen Frequenzen nicht nur drücken, sondern wirklich leben.
Auch die Produktion ist ein echter Gewinn. Sam Bloor und Jim Pinder geben Cage Fight einen Sound, der fett, transparent und gnadenlos klingt. Die Gitarrenwände haben Kontur, der Bass frisst sich durch den Boden, die Drums knallen trocken und brutal, und Rachel Aspe steht genau dort, wo sie hingehört: mitten im Zentrum dieses Sturms.
Fazit:
»Exuvia« ist kein bloßer Nachfolger, sondern ein gewaltiger Schritt nach vorne. Cage Fight klingen brutaler, mutiger, persönlicher und musikalisch geschlossener als je zuvor. Die Band verbindet rohe Gewalt mit emotionaler Substanz, brutale Grooves mit echten Songideen und pure Aggression mit spürbarer Entwicklung. Dieses Album tritt Türen ein, reißt alte Haut ab und steht danach stärker da als vorher.
Cage Fight haben mit »Exuvia« ein echtes Brett abgeliefert. Kompromisslos, wütend, emotional und verdammt mächtig. Genau so muss moderner Hardcore-Metal klingen.






