Tracklist
01. Invocation To The Muse
02. Vindicate
03. Certainty
04. Bleeders
05. Hallelujah
06. Cut
07. Alive
08. Purgatory
09. Revenger (feat. MACHINE HEAD’s Robb Fynn)
10. Sorrow
11. Grace
12. Ave Maria
13. Woe & Pain
14. Eschaton
Besetzung
Andy Biersack – Vocals
Jacob „Jake“ Pitts – Lead Guitar
Jeremy „Jinxx“ Ferguson – Rhythm Guitar
Christian „CC“ Coma – Drums
Lonny Eagleton – Bass
BLACK VEIL BRIDES melden sich mit ihrem siebten Studioalbum »Vindicate« zurück. Die Band um Andy Biersack bleibt ihrem charakteristischen Mix aus theatralischer Größe und emotionaler Direktheit treu, verschiebt die Balance diesmal jedoch stärker in Richtung Verdichtung. Die Platte wirkt weniger verspielt als frühere Arbeiten, dafür fokussierter und konsequenter in ihrer Aussage. Zwischen Alternative Metal und Metalcore spannt sich ein Werk auf, das sich klar mit Glauben, Vergeltung und inneren Bruchstellen auseinandersetzt.
Das Line-up bleibt mit Andy Biersack am Gesang, Jake Pitts an der Leadgitarre, Jinxx an der Rhythmusgitarre, Christian “CC” Coma am Schlagzeug und Lonny Eagleton am Bass stabil. Diese Konstellation trägt den Sound mit einer eingespielten Selbstverständlichkeit, die man über Jahre gewachsen hört.
Klangbild zwischen Pathos und Kontrolle
»Vindicate« lebt von einer klaren Produktion, die große Refrains nicht überlädt, sondern ihnen Raum gibt. Gitarrenriffs sind scharf gezeichnet, aber nie überfrachtet. Die Drums wirken druckvoll, ohne die Dynamik zu ersticken. Gerade in ruhigeren Momenten zeigt sich, dass die Band gelernt hat, Spannung auch über Reduktion aufzubauen.
Auffällig ist die durchgängige Stimmung, düster, aber nicht hoffnungslos. Die Songs tragen eine Mischung aus Wut und Reflexion, die sich selten in reiner Aggression entlädt. Stattdessen entsteht ein Spannungsfeld, das sich durch das gesamte Album zieht.
Songs als Kapitel einer Erzählung
Der Einstieg über »Invocation To The Muse« setzt einen sakralen Ton als musikalische Intro-Einleitung. Es ist weniger ein klassisches Intro als eine atmosphärische Schwelle, die in den Titeltrack überleitet. »Vindicate« selbst zeigt sofort die Stoßrichtung, große Refrains, klare Gitarrenlinien, ein Refrain, der sich schnell festsetzt.
»Certainty« und »Bleeders« treiben das Tempo an und bewegen sich stärker im Metalcore-Spektrum. Hier arbeiten die Riffs kantiger, die Vocals wechseln zwischen kontrollierter Melodie und schärferem Ausdruck. »Hallelujah« überrascht mit einem hymnischen Ansatz, der fast schon bewusst gegen die Härte der Vorgänger arbeitet.
Mit »Cut« und »Alive« verschiebt sich das Album in emotional dichtere Regionen. Die Stücke wirken persönlicher, weniger auf große Gesten ausgerichtet. Besonders »Alive« baut eine Atmosphäre auf, die lange nachhallt, ohne sich in Überdramatisierung zu verlieren.
Dunkle Mitte und kollaborative Schärfe
»Purgatory« markiert einen der zentralen Punkte der Platte. Hier wird das Konzept von Schuld und Reinigung musikalisch greifbar. Die Gitarren wirken schwerer, die Struktur repetitiver, was dem Song eine fast tranceartige Wirkung gibt.
Ein Höhepunkt folgt mit »Revenger (feat. Robb Flynn von MACHINE HEAD)«. Dieser Track bringt eine zusätzliche Schärfe ins Album. Die Kombination aus Biersacks klarer Melodieführung und Flynns rauer Präsenz erzeugt einen Kontrast, der dem Stück eine besondere Energie verleiht. Es ist einer der direktesten und aggressivsten Momente der Platte.
»Sorrow« und »Grace« bremsen das Tempo wieder etwas herunter. Hier zeigt sich die melodische Stärke der Band besonders deutlich. Beide Songs wirken wie Reflexionspunkte nach der Härte der Mitte.
Finale und konzeptioneller Bogen
Mit »Ave Maria« und »Woe & Pain« bewegt sich das Album stärker in symbolische und fast liturgische Bereiche. Die religiösen Bezüge sind nicht dekorativ, sondern Teil der thematischen Linie, die sich durch das gesamte Werk zieht. »Eschaton« schließt das Album mit einer apokalyptischen Note ab, die weniger auf Explosion als auf Auflösung setzt.
Der Aufbau wirkt bewusst zyklisch gedacht. Viele Motive kehren wieder, werden aber in veränderter Form gespiegelt. Dadurch entsteht ein Gefühl von Geschlossenheit, das dem Album trotz seiner Länge Struktur gibt.
Eindruck und Bewertung
»Vindicate« ist kein radikaler Bruch im Schaffen von BLACK VEIL BRIDES, aber eine deutliche Reifung in der Art, wie die Band ihre Stärken bündelt. Die Mischung aus hymnischem Metal und moderner Härte funktioniert besonders dann, wenn sie sich nicht zu sehr in überladene Arrangements verliert.
Nicht jeder Song erreicht die gleiche Tiefe, einige Passagen wirken formelhaft und folgen bekannten Mustern der Bandgeschichte. Dennoch überzeugt das Album durch Konsequenz und einen klaren roten Faden.
Mit 4 von 5 Punkten bleibt ein Werk, das sowohl Fans der frühen Phase als auch Hörer der neueren Ausrichtung abholt. »Vindicate« zeigt eine Band, die ihre Sprache kennt und sie gezielt einsetzt, ohne sich selbst zu wiederholen.
Fazit: »Vindicate« ist ein Album, das sowohl alte Fans als auch Neue von BLACK VEIL BRIDES begeistert.






