Band: Venom 🇬🇧
Titel: Into Oblivion
Label: Noise / BMG
VÖ: 01/05/26
Genre: Heavy Metal/Thrash Metal/Black Metal

Tracklist

01. Into Oblivion
02. Lay Down Your Soul
03. Nevermore
04. Man & Beast
05. Death The Leveller
06. As Above So Below
07. Kicked Outta Hell
08. Legend
09. Live Loud
10. Metal Bloody Metal
11. Dogs Of War
12. Deathwitch
13. Unholy Mother

Besetzung

Cronos / Conrad Lant – Vocals, Bass
Rage / Stuart Dixon – Guitar
Dante / Danny Needham – Drums

Bewertung:

4,5/5

Wenn Venom ein neues Album veröffentlichen, dann steht automatisch mehr im Raum als nur eine weitere Metal-Platte. Diese Band hat mit »Welcome To Hell« und »Black Metal« nicht nur Klassiker geschaffen, sondern gleich ganze Kellergewölbe, Proberäume und spätere Extreme-Metal-Baustellen mit angezündet. Mit »Into Oblivion« melden sich Cronos, Rage und Dante nun zurück und zeigen, dass der alte Höllenkessel noch immer nicht ausgebrannt ist.

Natürlich muss man bei Venom keine fein ziselierte Hochglanz-Oper erwarten. Hier geht es um Schmutz, Haltung, Leder, Nieten, Teufelsgrinsen und Riffs, die nicht um Erlaubnis bitten. Trotzdem klingt »Into Oblivion« nicht wie ein staubiger Museumsrundgang durch die eigene Vergangenheit. Das Album verbindet den klassischen Geist der frühen Jahre mit einer moderneren Produktion und ordentlich Druck im Klangbild.

DER TITELTRACK REISST DAS TOR AUF

Der Opener »Into Oblivion« startet mit melodischer Gitarrenführung, bevor die Band das Tor zur Unterwelt aufstößt. Aufgebaut auf einem Fundament aus treibenden Drums und satten Bässen schieben sich die Gitarren nach vorne, als würde eine rostige Kriegsmaschine wieder zum Leben erwachen. Cronos klingt dabei rau, kantig und dennoch erstaunlich griffig in der Führung.

Der Song ist einer der stärkeren Momente der Platte. Er wirkt thrashig, direkt und besitzt genug Eingängigkeit, um sich nicht nur auf Nostalgie zu verlassen. Hier steht nicht die Frage im Raum, ob Venom noch wie früher klingen. Viel wichtiger ist: Sie klingen immer noch nach Venom, nur mit etwas mehr Stahl der aufblitzt.

ALTE RITUALE, NEUER DRUCK

Mit »Lay Down Your Soul« geht es deutlicher zurück zu den alten Ritualen. Das Stück kommt simpel, dreckig und mitsingbar aus den Boxen. Kein unnötiger Zierrat, keine große Verbeugung vor moderner Erwartungshaltung. Riff, Refrain, Dreck, fertig. Das kann man altbacken nennen, oder man nimmt es als das, was es ist: eine rohe Verbeugung vor dem eigenen Mythos.

»Nevermore« schlägt anschließend eine düstere, erzählerischere Richtung ein. Der Song trägt einen gotischen Schattenwurf in sich und wirkt weniger wie stumpfer Angriff, sondern mehr wie ein morbides Theaterstück im Venom-Gewand. Nicht alles daran ist elegant, aber genau dieses leicht Überzeichnete gehört bei Venom eben zur DNA.

WUCHT, GROOVE UND SCHWARZER STAUB

»Man & Beast« arbeitet stärker mit schwerem Midtempo. Die Nummer stampft, anstatt zu rasen, und wirkt dadurch wie ein massiver Block aus altem Eisen. Die Gitarren haben genug Fleisch auf den Rippen, der Bass knurrt darunter, und Dante hält das Ganze mit druckvollem Schlagzeugspiel zusammen.

Mit »Death The Leveller« zieht das Album wieder mehr Zähne. Hier kommen die alten Speed- und Heavy-Metal-Wurzeln stärker durch. Als hätte man Motörhead-Dreck, Judas Priest-Kante und schwarzen Venom-Schwefel in denselben Kessel geworfen. Der Song ist nicht filigran, aber er wirkt. Und genau darum geht es.

»As Above So Below« gehört zu den spannenderen Stücken, weil es mit finsterer Atmosphäre beginnt und dann in ein starkes Hauptriff kippt. Hier zeigen Venom, dass sie nicht nur alte Parolen wiederaufwärmen, sondern durchaus noch wissen, wie man eine Nummer mit Stimmung auflädt.

HÖLLENPÖBEL MIT BREITEM GRINSEN

»Kicked Outta Hell« ist ein klassischer Venom-Titel, wie er im Buche steht. Allein der Name trägt schon diese Mischung aus Humor, Teufelsimage und Straßenschlägerei in sich. Musikalisch fetzt die Nummer ordentlich los, mit thrashiger Kante und Riffing, das mehr Tempo ins Album bringt.

Hier sind Venom am stärksten, wenn sie nicht zu viel wollen. Keine unnötige Verkopfung, kein Versuch, sich künstlich zeitgemäß zu verbiegen. Einfach ein Song, der mit dreckigem Grinsen die Tür eintritt. Gerade solche Momente sorgen dafür, dass »Into Oblivion« nicht nur als Alterswerk funktioniert, sondern auch als tatsächlich unterhaltsame Heavy-Metal-Platte.

»Legend« und »Live Loud« setzen stärker auf die hymnische Seite der Band. Das funktioniert mal besser, mal weniger zwingend. Besonders dort, wo die Refrains zu sehr auf Selbstvergewisserung setzen, wirkt das Material etwas vorhersehbar. Andererseits: Wer bei Venom nach Understatement sucht, hat ohnehin die falsche Gruft betreten.

METAL BLOODY METAL UND DIE EIGENE MYTHOLOGIE

Mit »Metal Bloody Metal« wird es endgültig selbstreferenziell. Der Titel klingt wie eine Parole auf einer Kutte, die seit 1983 nicht mehr gewaschen wurde. Doch genau darin liegt auch der Reiz. Venom waren nie eine Band der feinen Zwischentöne. Sie waren immer größer als die saubere Idee von Geschmack, immer lauter als erlaubt und immer ein bisschen albern in ihrer eigenen Bosheit.

»Dogs Of War«, »Deathwitch« und »Unholy Mother« führen diesen Geist weiter. Nicht jeder Song setzt neue Akzente, und gerade im hinteren Drittel macht sich bemerkbar, dass dreizehn Tracks für diese Art von Riff-Gewitter nicht ohne Risiko sind. Manches hätte gestrafft noch stärker getroffen. Doch selbst wenn die Platte etwas ausfranst, bleibt genug Energie im Tank.

PRODUKTION UND WIRKUNG

Der Sound von »Into Oblivion« ist deutlich kräftiger und transparenter als das alte Scheppern der Frühphase. Das wird Puristen vielleicht stören, tut dem Album aber gut. Die Gitarren haben Druck, der Bass steht präsent im Raum, und das Schlagzeug klingt wuchtig genug, um die Songs nach vorne zu peitschen. Gleichzeitig bleibt genug Dreck hängen, damit Venom nicht plötzlich nach klinischer Studioproduktion riechen.

Gerade diese Balance ist wichtig. Venom dürfen nicht zu sauber klingen, sonst verlieren sie ihren Gestank. Sie dürfen aber auch nicht nur rumpeln, sonst bleibt von den Songs wenig hängen. »Into Oblivion« trifft diesen Mittelweg über weite Strecken ordentlich.

FAZIT

»Into Oblivion« von Venom ist kein zweites »Black Metal«, kein neues »Welcome To Hell« und auch kein Versuch, die Uhr gewaltsam zurückzudrehen. Das Album ist vielmehr ein spätes, vitales Lebenszeichen einer Band, die ihr eigenes Erbe kennt und es mit modernem Druck noch einmal durch den Fleischwolf dreht.

Nicht jeder Song ist zwingend. Im hinteren Bereich gibt es Längen, manche Refrains wirken etwas vorhersehbar, und wer mit Venom grundsätzlich nichts anfangen kann, wird auch hier nicht plötzlich zum bekehrten Höllenjünger. Doch für Fans der Band und Liebhaber von räudigem Heavy-, Thrash- und Proto-Black-Metal bietet »Into Oblivion« genug Feuer, Dreck und Spielfreude.

Venom liefern keine makellose Platte, aber eine, die lebt, beißt und nach Schwefel riecht. Und manchmal ist genau das mehr wert als perfekte Hochglanzware.

Internet

VENOM - Into Oblivion

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