Band: Tarask 🇫🇷
Titel: Sitra Ahra
Label: Antiq Records
VÖ: 07.04.2026
Genre: Black Metal

Tracklist

01. Evocation I
02. Evocation II
03. Evocation III
04. Evocation IV
05. Evocation V
06. Evocation VI

Besetzung

H.P.K. – Gesang, Gitarren, Bass
Florian – Schlagzeug

Maéna – Artwork
Borie de la Combe Noire – Logo, Layout
Florian – Drum Recording

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Black Metal Ist Krieg! Und doch ist »Sitra Ahra« von Tarask kein stumpfer Angriff, sondern ein finsteres Konzeptalbum über innere Zersetzung, gesellschaftliche Gleichschaltung und den Griff nach okkulter Selbstbefreiung. Der Titel verweist auf die „andere Seite“, auf eine Gegenwelt, in der der Mensch nicht erlöst, sondern mit seinen Dämonen konfrontiert wird. Die Konzeption zeichnet eine klare Linie: Nach dem Entkommen aus einer korrumpierenden Stadt bleibt der Protagonist allein zurück und sucht Antworten in Satanismus, Goetia und qliphothischer Symbolik.

(Hört hier das komplette Album)

»Evocation I« öffnet dieses Ritual breit und wuchtig. Die Nummer wirkt wie ein Eintritt in einen geistigen Schacht: lange Spannungsbögen, kalte Melodik, eruptive Ausbrüche. H.P.K. trägt das Album fast vollständig auf seinen Schultern. Seine Gitarrenarbeit ist nicht nur rasend, sondern auch erzählerisch. Die Riffs ziehen Kreise, brechen aus, fallen zurück und erzeugen dadurch ein Gefühl von Verlorenheit. Der Gesang wirkt wie ein permanentes Ringen mit sich selbst: mehr Beschwörung als klassische Frontmann-Leistung.

Ein amtlich ausgearbeitetes Composing trifft auf einen kompromisslosen Sound

Aufgebaut auf einem Fundament aus Schlagzeug und Bass entwickelt »Sitra Ahra« seine eigentliche Körperlichkeit. Florian spielt nicht bloß Begleitung, sondern gibt den langen Stücken Richtung. Blastbeats, Midtempo-Walzen und zurückgenommene Passagen wirken sauber dosiert. Der Bass bleibt meist im Untergrund, aber genau dort ist er wichtig: Er gibt dem Material Druck, ohne die morbide Atmosphäre zu überladen.

»Evocation II« und »Evocation III« zeigen die melodisch stärkere Seite des Albums. Hier wird die lyrische Idee des Konformitätszwangs musikalisch greifbar: Die Songs kreisen wie Gedanken, die sich nicht abschütteln lassen. Besonders »Evocation III« besitzt eine zwingende Architektur, weil Aggression und Reflexion nicht gegeneinander arbeiten, sondern sich gegenseitig verschärfen.

Abwechslungsreichtum im düsteren Kerkerstudio

Der Bruch kommt mit »Evocation IV«. Akustische Dunkelheit und geisterhafte weibliche Stimmen öffnen kurz einen fragilen Raum. Textlich lässt sich das als Moment deuten, in dem die okkulte Suche nicht Macht, sondern Verwundbarkeit offenlegt. Danach zieht »Evocation V« das Album wieder tiefer hinab: dichter, schwerer, introspektiver.

»Evocation VI« bündelt schließlich alles: spiritueller Absturz, Selbstprüfung, Erlösungssehnsucht und die bittere Erkenntnis, dass die Flucht nach innen ebenfalls ein Gefängnis sein kann. Musikalisch ist das stark, weil Tarask Atmosphäre nicht als Dekoration versteht, sondern als tragende Substanz.

FAZIT:

»Sitra Ahra« ist ein intensives, geschlossenes Black-Metal-Werk mit depressiver Schwere, okkulter Symbolik und überraschend klarer Dramaturgie. Nicht jeder lange Abschnitt sitzt gleich zwingend, doch die Leistung von H.P.K. und Florian überzeugt durch Vision, Ausdauer und emotionale Konsequenz. Ein Album für Hörer, die Black Metal nicht nur als Raserei, sondern als Abstieg begreifen.

Tarask - Sitra Ahra Full Album:

Internet

TARASK - Sitra Ahra

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