Band: Evilean 🇦🇺
Titel: Exhumation Evilean
Label: Independent
VÖ: 03.04.2026
Genre: Death Metal / Groove Metal / Crossover

Tracklist

01. Die Blind
02. Damzel of Death
03. Lost Cause
04. Bitchcntscumfck
05. Killing Fields

Besetzung

Jojo Shaw – Gesang, Gitarre
Jim Ramses – Bass
Robin Stone – Schlagzeug

Troy McCosker – Produktion, Mixing, Mastering

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Beim Lesen des Namens dieser Combo stellt man sich die Frage, ob es sich hierbei um die Zombie-Zwillingsschwester von Eveline handeln könnte? Naja, sämtliche Spekulationen zum Trotz: Evilean kommen nicht mit Samthandschuhen, sondern mit ordentlichen Schwielen. oder vielleicht eher mit Graberde unter den Fingernägeln? Jedenfalls klingt der Titel »Exhumation Evilean« weniger nach Debüt-EP als nach einer Ausgrabung aus einem feuchten Grab, in dem alte Death-Metal-Kassetten, persönliche Dämonen und unaufgeräumte Wut übereinanderliegen. Genau dort setzt diese australische Formation um Jojo Shaw auch an: nicht glatt, nicht modern zurechtpoliert, nicht auf maximale Streaming-Verträglichkeit gebürstet, sondern roh, kantig und stellenweise bewusst unbequem.

Die EP ist kurz, aber sie macht keinen kleinen Eindruck. Fünf Songs, knapp unter zwanzig Minuten, keine überflüssigen Umwege. Evilean werfen Death Metal, Groove Metal und Crossover-Elemente in einen Raum, verriegeln die Tür und lassen die Stücke gegeneinander anlaufen. Das Ergebnis ist nicht immer sauber sortiert, aber gerade diese Unordnung gehört zum Konzept. Hier will nichts elegant gleiten. Hier wird geschoben, gekratzt, gewürgt und gezerrt.

(Hört hier die komplette EP und schaut die Clips)

EXHUMIERTER SOUND MIT QUALITÄT STATT MODERNER GLANZPRODUKTION

Interessant ist an »Exhumation Evilean« vor allem, wie sehr diese EP ihren eigenen Dreck nicht verstecken will. Viele aktuelle Death-Metal-Produktionen klingen wie sterile Präzisionsmaschinen: perfekt ausgeleuchtet, perfekt editiert, perfekt entmenschlicht. Evilean gehen einen anderen Weg. Der Sound bleibt massiv, aber er besitzt Reibung. Die Gitarren haben diesen knorrigen, schweren Zug, der eher nach rostiger Werkbank als nach Hochglanzstudio klingt. Der Bass von Jim Ramses füllt den unteren Bereich mit genügend Druck, ohne sich in technische Angeberei zu verlieren, während Robin Stone am Schlagzeug das Material zusammenhält, wenn es in chaotischere Zonen kippt.

Das ist kein Death Metal, der den Hörer mit chirurgischer Komplexität beeindrucken will. Evilean setzen stärker auf Instinkt, Körperlichkeit und unmittelbare Aggression. Man hört dieser EP an, dass sie aus Spannung, innerem Druck und einer gewissen Lust am Kontrollverlust entstanden ist. Genau dadurch wirkt sie glaubwürdig. Nicht jeder Übergang sitzt elegant, nicht jeder Part ist kompositorisch zwingend ausformuliert, doch die Grundenergie ist echt. Und manchmal ist genau das wichtiger als die perfekte Schnittkante.

DIE BLIND: EIN EINSTIEG WIE EIN SCHLAG IN DEN STAUB

»Die Blind« eröffnet die EP ohne lange Vorwarnung. Das Stück wirkt wie ein Herausbrechen aus einer Erdschicht, in der lange etwas gegärt hat. Die Riffs kommen roh, direkt und mit einer bösartigen Trockenheit, die sofort klarstellt, dass Evilean keine melodische Schonfrist geben wollen. Besonders stark ist hier die Art, wie die Gitarren nicht nur brutal drücken, sondern auch eine gewisse nervöse Unruhe erzeugen. Es geht nicht bloß um Härte, sondern um ein Gefühl von Bedrängnis.

Jojo Shaw klingt dabei nicht wie jemand, der extreme Vocals als Effekt benutzt, sondern wie jemand, der sich durch das Material hindurcharbeitet. Ihre Stimme ist kratzig, giftig und körperlich. Sie muss nicht permanent in den tiefsten Keller growlen, um gefährlich zu wirken. Viel eher lebt sie von ihrer angefressenen Präsenz. »Die Blind« ist damit ein passender Auftakt: nicht der variantenreichste Song der EP, aber ein klares Statement. Hier wird nicht angeklopft. Hier wird die Tür eingetreten.

DAMZEL OF DEATH UND DER SCHMALE GRAT ZWISCHEN TRAUMA UND MYTHOS

Mit »Damzel of Death« wird die EP thematisch noch interessanter. Der Song bewegt sich im Spannungsfeld aus Gewalt, Wahrnehmung, Schuld, Rache und dunkler Faszination. Statt eine einfache Horrorpose aufzubauen, greift das Stück stärker in psychologische und biografisch aufgeladene Räume. Gerade dadurch hebt es sich von vielen reinen Splatter-Texten ab. Es geht nicht nur um Blut, sondern um die Frage, wie Gewalt erzählt, verzerrt und gedeutet wird.

Musikalisch besitzt »Damzel of Death« einen der einprägsameren Grooves der EP. Das Hauptriff ist simpel genug, um sofort zu greifen, aber schwer genug, um nicht billig zu wirken. Die Rhythmussektion setzt darunter einen stabilen Körper, während die Vocals darüber wie ein angezündeter Draht hängen. Der Song zeigt, dass Evilean mehr können als nur stumpf prügeln. Wenn die Band ihre Brutalität mit Atmosphäre verbindet, entsteht tatsächlich eine eigene Handschrift.

LOST CAUSE: DAS ZENTRUM DER EP

»Lost Cause« ist nicht ohne Grund der Song, der die EP nach außen am stärksten repräsentiert. Inhaltlich geht es um ein zerstörerisches Ego, Manipulation, Kontrollwahn und den Moment, in dem Selbstbild und Wirklichkeit endgültig auseinanderbrechen. Das passt hervorragend zum Sound: Der Track wirkt gleichzeitig aggressiv und unheimlich schillernd. Zwischen massiven Riffwänden und düsteren melodischen Einsprengseln entsteht eine Atmosphäre, die nicht einfach nur brutal ist, sondern innerlich vergiftet.

Hier findet Evilean die stärkste Balance zwischen Songwriting und roher Entladung. Die Nummer hat mehr Wiedererkennungswert als der Opener, mehr innere Dramaturgie als mancher der direkteren Abrissmomente und genug Härte, um nicht in atmosphärische Unentschlossenheit abzurutschen. Gerade die Kombination aus wütender Stimme, drückender Gitarre und einer fast fiebrigen Spannung macht »Lost Cause« zum Kernstück der EP. Wenn man nur einen Song antesten will, sollte es dieser sein.

BITCHCNTSCUMFCK: HÄSSLICHKEIT ALS PROGRAMM

Schon der Titel »Bitchcntscumfck« macht klar, dass hier keine gepflegte Abendunterhaltung wartet. Das Stück ist der vielleicht direkteste Wutausbruch der EP. Es klingt wie eine bewusst übersteuerte Konfrontation, wie ein Track, der nicht vermitteln, sondern angreifen will. Die Death-/Groove-Metal-Kante tritt hier besonders deutlich hervor: schleppende Druckmomente, kurze Ausbrüche, wiederkehrende Riffblöcke und eine Stimmung, die eher aus Zorn als aus klassischer Kompositionslogik geboren wird.

Das funktioniert über weite Strecken, weil Evilean diese Hässlichkeit nicht weichzeichnen. Gleichzeitig zeigt der Song auch eine Schwäche der EP: Wenn die Band zu lange auf derselben Angriffshaltung bleibt, verliert die Brutalität ein wenig an Wirkung. Es gibt Momente, in denen aus hypnotischem Nachdruck beinahe Monotonie wird. Trotzdem bleibt »Bitchcntscumfck« wichtig für das Gesamtbild, weil er den kompromisslosen Kern der Band freilegt. Das ist nicht schön. Das soll auch nicht schön sein.

KILLING FIELDS: DER SCHWERSTE SCHLUSS

Mit »Killing Fields« endet »Exhumation Evilean« in einem der stärkeren Momente. Der Song wirkt breiter, schwerer und etwas kontrollierter als die brutaleren Ausbrüche davor. Hier bekommt der Bass mehr Raum, die Drums drücken das Stück nach vorn, und die Gitarren bauen eine Atmosphäre auf, die nicht nur auf Angriff, sondern auch auf Nachhall setzt. Gerade in den langsameren Passagen zeigt sich, dass Evilean nicht ausschließlich von Tempo leben.

»Killing Fields« ist kein versöhnlicher Abschluss. Eher wirkt der Song wie der letzte Blick auf ein Schlachtfeld, nachdem der unmittelbare Lärm abgeklungen ist. Die Vocals klingen hier besonders zerrissen, fast gehetzt, während die Instrumente darunter eine massive, erdige Schwere erzeugen. Als Finale funktioniert das gut, weil es die EP nicht einfach abrupt auslaufen lässt, sondern den vorher aufgebauten Druck in eine dunklere, schleppendere Form überführt.

ZWISCHEN KATHARSIS UND CHAOS

Die große Stärke dieser EP liegt in ihrer Glaubwürdigkeit. Evilean klingen nicht wie eine Band, die sich einen extremen Stil ausgesucht hat, weil er gerade passt. »Exhumation Evilean« wirkt eher wie ein Ventil. Die Songs sind rau, aggressiv und in ihrer besten Form unangenehm nah. Besonders dann, wenn persönliche Dunkelheit, Death-Metal-Schwere und Groove ineinandergreifen, entwickelt das Material eine starke Wirkung.

Die Kehrseite: Die EP ist nicht immer sauber fokussiert. Manche Übergänge wirken eher impulsiv als zwingend. Einige Parts leben stark von Energie, aber weniger von kompositorischer Raffinesse. Wer Death Metal vor allem technisch, präzise und strukturell ausgefeilt erwartet, könnte sich an der rohen, stellenweise chaotischen Anlage reiben. Doch gerade diese Unordnung ist auch Teil des Reizes. Evilean sind auf diesem Debüt noch nicht die perfekt austarierte Maschine, sondern eher ein frisch ausgegrabenes Monster, das noch Erde spuckt.

SOUND: ROH, FETT UND PASSEND UNKOMFORTABEL

Die Produktion von Troy McCosker trifft den Charakter der EP gut. Der Sound ist schwer und kräftig genug, um professionell zu wirken, bleibt aber rau genug, um die Musik nicht zu entschärfen. Besonders die Gitarren profitieren von dieser Entscheidung. Sie klingen nicht steril, sondern körnig und bissig. Auch die Drums haben genügend Punch, ohne das Material in eine klinische Plastikproduktion zu drücken.

Das passt zu den Themen der EP. »Exhumation Evilean« handelt nicht von klaren, sauber sortierten Erzählungen. Es geht um verzerrte Erinnerung, innere Unruhe, Macht, Gewalt, Ego, Schmerz und das, was man lieber nicht vollständig erklärt. Ein zu glatter Sound hätte dieser Musik die Zähne gezogen. So bleibt sie kantig, manchmal unberechenbar und oft unangenehm körperlich.

FAZIT:

»Exhumation Evilean« ist ein starkes, roh belassenes Debüt, das seine Wirkung nicht aus Perfektion zieht, sondern aus Druck, Atmosphäre und emotionaler Direktheit. Evilean liefern keine EP für Hörer, die ihren Death Metal fein sortiert, elegant produziert und makellos durcharrangiert brauchen. Hier regiert der Schmutz. Hier kratzt die Stimme. Hier rumpelt und schiebt es. Genau das macht den Reiz aus.

Am besten funktionieren Evilean, wenn sie ihre Brutalität mit psychologischer Spannung verbinden. »Lost Cause«, »Damzel of Death« und »Killing Fields« zeigen besonders deutlich, wohin diese Band wachsen kann: in Richtung eines extremen, persönlichen, groovenden Death-Metal-Sounds, der nicht nur zuschlägt, sondern nachwirkt. Schwächer wird es dort, wo Chaos und Wiederholung den Songs etwas Struktur nehmen.

Trotzdem bleibt am Ende ein Debüt, das sich behauptet. »Exhumation Evilean« ist keine glattgeschliffene Visitenkarte, sondern ein schmutziger Ausbruch. Nicht jeder Knochen sitzt schon an der richtigen Stelle, aber das Skelett steht. Und wenn Evilean diesen Weg weitergehen, die stärksten atmosphärischen Ansätze vertiefen und das Songwriting noch etwas schärfen, könnte aus dieser Exhumierung mehr werden als nur ein kurzer Aufstieg aus dem Grab.

Lost Cause Video:

Internet

EVILEAN - Exhumation Evilean

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