Tracklist
01. The Grand Design
02. Welcome to Terra Corp
03. Initiation Day
04. Hyperconverter
05. Anything for Love
06. Rain / Solar Winds
07. Ivory Tower
08. Renew
Besetzung
Chad Bernatchez – Gesang, Gitarre
Jici Lord-Gauthier – Gitarre, Bass
Colin MacAndrew – Schlagzeug
SCI-FI-PROG MIT PHILOSOPHISCHEM KERN
Voidchaser greifen auf »Interstellar I« nach den Sternen – und haben dabei erfreulich wenig Interesse an bloßer Hochglanz-Kulisse. Das Album erzählt von Konzernmacht, technologischem Größenwahn, emotionaler Entfremdung und der Frage, was vom Menschen übrigbleibt, wenn Systeme wichtiger werden als Seelen. Terra Corp ist dabei nicht nur ein erzählerischer Gegner, sondern Sinnbild für eine Welt, in der Kontrolle als Fortschritt verkauft wird.
(Hört hier das komplette Album)
Angefangen bei dem Opener »The Grand Design« merkt der Phantasie-affine Zuhörer, dass hier filmisch gedacht wird. Die eröffnende Narration zieht stimmt den Konsumenten auf das, was ihm bevorsteht ein, bevor »Welcome to Terra Corp« mit schwerem Riffing, proggigen Verschiebungen und großem Refrain den eigentlichen Konflikt startet. Textlich wirkt der Song wie ein Werbevideo aus einem autoritären Zukunftskonzern: freundlich im Ton, bedrohlich in der Konsequenz. Genau in dieser Doppelbödigkeit liegt der Reiz des Albums.
DIE MASCHINE GROOVT
Musikalisch liefern Voidchaser ein dichtes Paket, das zwischen moderner Prog-Metal-Wucht, hymnischer Melodik und cineastischer Breite pendelt. Colin MacAndrew trommelt präzise, aber nicht steril. Seine Parts haben Druck, Dynamik und genug Variabilität, um die langen Kompositionen lebendig zu halten. Jici Lord-Gauthier verankert die Songs mit Bass und Gitarrenarbeit im unteren Frequenzbereich und sorgt gleichzeitig dafür, dass die Arrangements nicht auseinanderfallen.
Chad Bernatchez steht als Sänger und Gitarrist im Zentrum dieser Reise. Seine Stimme trägt die großen Refrains, ohne den härteren Passagen die Zähne zu ziehen. Gerade in »Initiation Day« funktioniert das stark: Der Song beschreibt den Eintritt in ein System, das Zugehörigkeit verspricht, aber Identität verschlingt. Zwischen melodischem Aufschwung und unterschwelliger Beklemmung treffen Voidchaser hier ihren stärksten dramaturgischen Nerv.
KOSMISCHE GRÖSSE, MENSCHLICHER KERN
»Hyperconverter« ist der technische Brennpunkt der Platte. Die Nummer wirkt hektischer, härter und dunkler, als würde die Maschine endgültig heißlaufen. Das Gastsolo von Charlie Griffiths fügt sich dabei organisch ein und setzt einen prägnanten Akzent, statt sich als Fremdkörper aufzudrängen. »Anything for Love« schlägt anschließend emotionalere Töne an und zeigt, dass das Konzept nicht nur aus Weltraum, Konzernlogik und Stahl besteht, sondern auch aus Verletzlichkeit.
Mit »Rain / Solar Winds« und »Ivory Tower« ziehen Voidchaser die Dramaturgie weiter auseinander. Mal dominieren breite Melodiebögen, mal kantige Riffs, mal diese typische Prog-Metal-Lust am Wechselspiel. Nicht jeder Abschnitt sitzt gleich zwingend; an einigen Stellen ist das Album so detailreich geschichtet, dass einzelne Ideen im Gesamtbild etwas an Kontur verlieren. Doch selbst dann bleibt die Ambition spürbar.
»Renew« setzt den Schlusspunkt mit deutlich erhobenerem Blick. Der Gastgesang von Michael Eriksen gibt dem Finale zusätzliche Größe und lässt die Geschichte nicht in völliger Dunkelheit enden. Nach all der Kontrolle, Kälte und Übermacht klingt hier zumindest die Möglichkeit eines Neubeginns an.
FAZIT:
»Interstellar I« ist ein ambitioniertes Progressive-Metal-Album mit starkem Konzept, überzeugender Musikalität und viel Sinn für große Szenen. Die Band denkt cineastisch, spielt technisch souverän und verliert den emotionalen Kern nur selten aus dem Blick. Kleine Abzüge gibt es für die stellenweise sehr dichte Produktion und einige Passagen, die etwas kompakter noch stärker gewirkt hätten. Trotzdem: Wer modernen Prog Metal mit Science-Fiction-Narrativ, massiven Refrains und erzählerischem Anspruch sucht, findet hier ein starkes Album mit eigener Umlaufbahn.






