Makkmat - Syke Fantasier - cover artwork

Band: Makkmat 🇳🇴
Titel: Syke Fantasier
Label: Self released / DIY
Herkunft: Norwegen
VÖ: 15.05.2026
Genre: Grindcore / Extreme Punk / Powerviolence / Crust
Format: LP / CD / MC / Digital

Tracklist

01. Kjeften Renner
02. VX
03. Arna Verdenskrieg
04. Belgisk Kongo
05. År Null
06. Makaber Kontrast
07. Ensom Ulv
08. Shahed-136
09. Ser Rødt
10. Dødelig Våpen
11. Svindler I Guds Navn
12. Smiths Uvenner
13. Nuestro Futuro (Denak)
14. Cock of the Troll
15. Lalla I Bensin
16. Nedi Bunkeren
17. Ghetto Stress
18. Skinn Bein Gamleheim
19. Kløyva Tunge
20. Ytterste Nød
21. Vanntett Alibi
22. Etsende Skinnlag

Besetzung / Produktion

Besetzung: öffentlich nicht belastbar angegeben
Final Sound: William Blackmon (Gadget)

Hinweis:
Makkmat werden als norwegische Extreme-Punk-/Grindcore-Formation geführt.

Bewertung:

2 von 5 Punkten

Grindcore bzw. Extreme Punk der dir so richtig die Prügel Naußschmaßt und dir das Hirn zerdeppert: Genau damit kommen Makkmat auf »Syke Fantasier« um die Ecke. 22 Songs in etwas über 23 Minuten, das ist keine ausgedehnte Klangreise, das ist eher ein musikalischer Kurzstreckenlauf mit brennenden Schuhen. Die norwegische Truppe setzt auf Geschwindigkeit, Wahnsinn, politische Giftigkeit, Punk-Wut und Grindcore-Geballer, das nicht höflich fragt, ob man bereit ist. Man ist es. Oder eben nicht. Das Album interessiert sich dafür ungefähr so sehr wie ein Blastbeat für Wellness.

Makkmat - Syke Fantasier - YouTube Playlist

Nach dem 2019er Werk »Beina Brenner« melden sich Makkmat mit einem Album zurück, das sich anfühlt, als hätte jemand Crust, Fastcore, Powerviolence, Grindcore und eine Ladung gereizten Straßendreck in einen Betonmischer geworfen und anschließend auf „Schreddern“ gestellt. Dabei ist »Syke Fantasier« kein stumpfer Krachklumpen. So viel Chaos hier auch regiert, die Songs haben ihre kurzen Pointen, ihre abrupten Wendungen, ihre kleinen Widerhaken und immer wieder diesen dreckigen Humor, der die Sache trotz aller Aggression erstaunlich unterhaltsam macht.

22 Songs, 23 Minuten und kein Platz für höfliche Begrüßung

Schon »Kjeften Renner« macht klar, dass Makkmat nicht lange herumfackeln. Der Titel lässt sich grob als „das Maul läuft“ oder „die Klappe rennt“ verstehen, und genau so fühlt sich der Einstieg an: verbale Überhitzung, musikalische Ungeduld und eine Band, die sofort losprügelt. Hier geht es nicht um elegante Songarchitektur, sondern um komprimierte Aggression. Der Song wirkt wie ein Kommentar auf Leute, die viel reden, aber wenig Substanz liefern. Also quasi ein perfekter Soundtrack für Kommentarspalten, Stammtische und politische Luftblasen.

»VX« und »Arna Verdenskrieg« schieben danach direkt nach. Musikalisch bleibt das Tempo hoch, die Songs sind kurz, hektisch und effektiv. »Arna Verdenskrieg« klingt vom Titel her wie eine absurde lokale Apokalypse, als würde ein Weltkrieg plötzlich nicht mehr global, sondern in einer konkreten, fast lächerlich kleinen Szenerie ausbrechen. Genau dieser Kontrast passt gut zu Makkmat: große Gewaltfantasien, politischer Irrsinn und schwarzer Humor werden in winzige Grindcore-Explosionen gepresst.

Kolonialgeschichte, Nullpunkt und makabre Gegensätze

Mit »Belgisk Kongo« wird es thematisch deutlich historischer und bitterer. Der Titel verweist unmissverständlich auf koloniale Gewalt, Ausbeutung und europäische Brutalität. Dass Makkmat so ein Thema in unter zwei Minuten abhandeln, passt zum Grindcore: keine Vorlesung, keine sanfte Einordnung, sondern ein kurzer Schlag auf den Tisch. Musikalisch wird hier keine Trauerfeier veranstaltet, sondern Wut destilliert.

»År Null« wirkt wie ein Reset-Moment. Jahr Null, alles zurück auf Anfang, aber nicht im hoffnungsvollen Sinn. Eher als Bild für gesellschaftlichen Zusammenbruch, radikale Neusortierung oder den Wunsch, alte Strukturen so lange zu zertrümmern, bis nur noch Trümmer als Ausgangspunkt bleiben. »Makaber Kontrast« setzt diesen Gedanken weiter fort: Zwischen bitterer Realität und groteskem Humor liegt hier oft nur ein Blastbeat Abstand.

Gerade diese frühen Songs zeigen, warum »Syke Fantasier« besser funktioniert, als man bei 22 Miniaturen erwarten könnte. Die Stücke sind kurz, aber nicht leer. Sie wirken wie angezündete Zettel mit Parolen, die dir jemand ins Gesicht wirft, bevor du überhaupt fragen kannst, ob das jetzt Kunst, Wut oder beides ist.

Einsame Wölfe, Drohnen und rotes Sehen

»Ensom Ulv« nimmt sich vermutlich den Typus des einsamen Wolfs vor: isolierte Radikalisierung, gekränkte Männlichkeit, Gewaltfantasie und das gefährliche Selbstbild des Einzelnen gegen alle. Im Grindcore-Format wird daraus kein psychologisches Drama, sondern ein kurzer Abriss. Makkmat müssen hier keine Figur ausleuchten. Sie werfen sie auf den Boden und lassen den Sound darüberfahren.

»Shahed-136« ist einer der deutlichsten aktuellen Bezugspunkte des Albums. Der Titel verweist auf die gleichnamige Kamikaze-Drohne, und damit geht es um moderne Kriegsführung, technische Entmenschlichung und Tod auf Distanz. Musikalisch passt diese Kälte erstaunlich gut zur hektischen Gewalt der Band. Wo andere über Dystopie singen, klingt Makkmat so, als wäre die Dystopie längst im Proberaum angekommen und hätte den Verstärker voll aufgedreht.

»Ser Rødt« bedeutet sinngemäß „sieht rot“ oder „rot sehen“. Inhaltlich lässt sich das als Moment blinder Wut lesen. Der Song wirkt wie ein kurzer Kontrollverlust, ein Zustand, in dem Sprache, Moral und Vernunft durch Raserei ersetzt werden. Und ja, musikalisch wird hier entsprechend die Prügel rausgeschmissen. Feinfühlig ist anders, aber bei Makkmat erwartet man auch keinen musikalischen Yogakurs.

Waffen, falsche Frömmigkeit und Feindbilder

»Dødelig Våpen« ist vom Titel her eindeutig: tödliche Waffe. Das kann man als direkte Gewaltkritik verstehen, aber auch als Kommentar auf eine Welt, in der Gewaltmittel, Sprache und Ideologien selbst zu Waffen werden. Bei Makkmat ist das nie sauber getrennt. Der Lärm selbst wird zum Werkzeug, mit dem gegen den ganzen Irrsinn gehämmert wird.

Sehr stark ist auch »Svindler I Guds Navn«. Der Titel lässt sich als „Betrüger im Namen Gottes“ verstehen und nimmt religiöse Heuchelei, Machtmissbrauch und spirituellen Betrug ins Visier. Das ist genau jene Art Thema, die im Extreme Punk bestens aufgehoben ist: keine höfliche Kirchenkritik im Sonntagsanzug, sondern ein kurzer, wütender Tritt gegen Scheinheiligkeit.

»Smiths Uvenner« bleibt etwas offener, könnte aber als Abrechnung mit kulturellen Feindbildern, Szenecodes oder persönlicher Abgrenzung funktionieren. Der Song steht im Albumkontext weniger für eine große These als für den nächsten kurzen Stich in eine Sammlung aus politischer Wut, Humor und sozialem Ekel.

Unser Zukunftslärm und Troll-Hähne im Sturzflug

Mit »Nuestro Futuro (Denak)« öffnen Makkmat sprachlich kurz den Horizont. Der Titel bedeutet „unsere Zukunft“, ergänzt durch einen Begriff, der im Baskischen als „alle“ gelesen werden kann. Inhaltlich wirkt das wie ein kollektiver Gedanke: Zukunft nicht als sauber geplanter Fortschritt, sondern als Frage, wem diese Zukunft überhaupt gehört. Im Kontext der Platte klingt das nicht optimistisch, sondern eher wie ein Aufschrei aus der Prekariatswaschmaschine.

»Cock of the Troll« bringt dann den absurderen Humor hinein. Ob man das jetzt als Troll-Karikatur, Internet-Aggression oder schlicht als dreckige Grindcore-Pointe liest: Der Song macht genau das, was solche Titel tun müssen. Er dauert nicht lange, er ist unangenehm, und er lässt einen kurz überlegen, ob man lachen oder den Kopf gegen die Wand bewegen soll. Idealerweise beides, aber bitte mit Maß.

»Lalla I Bensin« klingt wie ein Bild von kompletter Orientierungslosigkeit im brennbaren Zustand. Lallen im Benzin, taumeln in einer Umgebung, die jederzeit hochgehen kann. Das passt hervorragend zur gesamten Platte: »Syke Fantasier« wirkt oft, als wäre die Welt nicht nur kaputt, sondern auch noch mit Brandbeschleuniger eingerieben worden.

Bunker, Ghetto-Stress und das Altenheim aus Haut und Knochen

»Nedi Bunkeren« führt hinunter in den Bunker. Das kann Schutzraum sein, aber auch Rückzug, Isolation und Angstfantasie. Im Kontext einer Platte, die sich durch Krieg, Gewalt, politische Abgründe und gesellschaftliche Spaltung fräst, wirkt dieser Bunker weniger rettend als beklemmend. Man versteckt sich nicht vor der Welt, man wird mit ihrem Echo eingesperrt.

»Ghetto Stress« klingt direkter und sozialer. Hier geht es um Druck von unten, urbane Enge, Überforderung und vermutlich jene Form von Stress, die nicht aus ein paar unbeantworteten E-Mails entsteht, sondern aus echten Lebensbedingungen. Makkmat nehmen das nicht sentimental, sondern pressen es in einen kurzen Grindcore-Ausbruch.

»Skinn Bein Gamleheim« gehört schon vom Titel her zu den stärkeren Bildern des Albums. Haut, Knochen, Altersheim: Das klingt nach körperlichem Verfall, institutioneller Kälte und einer sehr unromantischen Sicht auf das Altern. Der Song könnte als bitterer Kommentar auf Pflege, Würdeverlust und das Wegsortieren alter Menschen gelesen werden. Musikalisch bleibt auch hier keine Zeit für Trauerpathos. Es wird abgerissen, bevor jemand Kerzen aufstellen kann.

Gespaltene Zungen und die letzten Reserven

»Kløyva Tunge« bedeutet gespaltene Zunge und deutet stark auf Lüge, Doppelzüngigkeit und Manipulation hin. Der Song passt damit sauber in die politische Schlagrichtung der Platte. Bei Makkmat geht es oft darum, falsche Autoritäten, aufgeblasene Redner, Betrüger und aggressive Ideologien zu entlarven. Nur eben nicht mit Fußnoten, sondern mit Blastbeats.

»Ytterste Nød« steht für äußerste Not. Hier wird der Ton existenzieller. Der Songtitel ruft Bilder von letzter Grenze, Ausnahmezustand und Überlebensmodus hervor. In der Abfolge des Albums fühlt sich das an wie der Moment, an dem die Raserei nicht mehr nur wütend, sondern erschöpft wird. Das Tempo bleibt, aber darunter liegt eine andere Farbe: nicht weniger brutal, aber stärker von Endzeitgefühl durchzogen.

»Vanntett Alibi« bringt wieder diese typische Makkmat-Giftigkeit: wasserdichtes Alibi. Das klingt nach Ausrede, nach Schuldabwehr, nach jemandem, der sich aus Verantwortung herauswindet. Der Song kann als Seitenhieb auf politische Täter, gesellschaftliche Wegducker oder private Feiglinge gelesen werden. Kurz gesagt: Alle, die mit sauberem Hemd aus dem Dreck kommen wollen, bekommen hier musikalisch eins auf die Finger.

Wenn die Haut ätzt und der Rausch endet

Mit »Etsende Skinnlag« endet »Syke Fantasier« passend unangenehm. Der Titel lässt an ätzende Hautschichten, körperliche Zersetzung und ein Bild denken, das mehr nach Wundverband als nach Happy End klingt. Als Abschluss funktioniert das hervorragend, weil die Platte ohnehin keinen versöhnlichen Bogen schlägt. Sie kommt schreiend rein, verwüstet die Bude und geht wieder, bevor jemand die Polizei oder wenigstens einen Akustiker rufen kann.

Musikalisch fasst der Schluss noch einmal alles zusammen, was das Album ausmacht: kurze Songs, hohe Schlagzahl, kreischende Vocals, metallische Gitarren, Crust-Einschübe, Fastcore-Nervosität und diese völlig überdrehte Energie, die zwar anstrengend ist, aber nicht leblos. Hier lebt etwas. Es ist nur sehr wahrscheinlich schlecht gelaunt und hat eine rostige Gabel in der Hand.

Fazit

»Syke Fantasier« ist ein herrlich kaputter Grindcore-/Extreme-Punk-Klumpen, der seine 22 Songs ohne unnötiges Fett durch den Fleischwolf jagt. Makkmat liefern ein Album, das brutal, schnell, politisch giftig, humorvoll überdreht und angenehm ungehobelt wirkt. Dabei geht trotz aller Raserei nicht alles im Einheitslärm unter. Gerade die Mischung aus Crust, Powerviolence, Fastcore, Death-Metal-Riffing und kurzen Sample-Einschüben sorgt dafür, dass die Platte lebendiger ist, als man nach dem ersten Schlag ins Gesicht vielleicht vermuten würde.

Natürlich ist das hier nichts für Leute, die beim Musikhören erst einmal gemütlich die Klanglandschaft betrachten möchten. »Syke Fantasier« ist kurz, heftig und manchmal so verdichtet, dass einzelne Ideen kaum Luft bekommen. Aber genau diese Überladung gehört zum Konzept. Die Platte will nicht bequem sein. Sie will dich anbrüllen, durchschütteln und nach 23 Minuten mit leicht schiefem Blick wieder ausspucken.

Stark sind vor allem »Kjeften Renner«, »Belgisk Kongo«, »Shahed-136«, »Svindler I Guds Navn«, »Ghetto Stress«, »Kløyva Tunge« und »Etsende Skinnlag«. Nicht jeder Song bleibt für sich allein dauerhaft hängen, doch als Gesamtpaket funktioniert diese extreme Kurzstreckenattacke verdammt gut.

Schlusswort

Makkmat beweisen mit »Syke Fantasier«, dass Grindcore auch dann noch frisch wirken kann, wenn er seine alten Werkzeuge benutzt: Tempo, Wut, Lärm, Sarkasmus und gesellschaftliche Frustration. Die Band macht daraus keinen glattgezogenen Studio-Hochglanz, sondern ein DIY-Geschoss mit Punk-Herz und Grindcore-Zähnen.

Wer mit Napalm Death, Magrudergrind, Brutal Truth, Rotten Sound, Afgrund oder crustiger Powerviolence etwas anfangen kann, sollte hier unbedingt reinhören. »Syke Fantasier« ist kein Album für den gemütlichen Sonntagmorgen mit Kräutertee. Es ist eher der Moment, in dem jemand den Tisch umtritt, die Anlage aufdreht und ruft: „So, jetzt wird’s ungemütlich.“ Und ja, manchmal braucht man genau das.

Internet

Makkmat - Syke Fantasier - CD Review

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