Tracklist
01. Walk of Death
02. Breath of Fire
03. Misery Memento
04. Bitter Story for Humanity
05. Sacred Land
06. The Rite
07. She Sells Sanctuary (THE CULT Cover)
08. False Gods
09. The Machine
10. Sinner
Besetzung
Vana Beara – Vocals
Bruno Mičetić – Guitar
Branimir Habek – Guitar
Zoran Ernoić – Bass
Adam Miler – Drums
Metal ist als Stilrichtung bekannt dafür, nicht die Augen vor schwierigen Themen zu verschließen, sondern sie gezielt anzusprechen und musikalisch aufzubereiten. KEOPS machen auf ihrem neuen Album genau das: Der plakative Name „Bitter Story For Humanity“ lässt unweigerlich den inneren Misanthropen aufhorchen und lädt zum Philosophieren ein. Mit ehrlichen Texten über die Herausforderungen unserer Zeit und einer Bandbreite an spürbaren Emotionen gestaltet sich ihr neues Werk abwechslungsreich und mitreißend.
Kurzer Biografie-Überblick
Die aus Rijeka in Kroatien stammenden KEOPS sind seit 1995 als solche bekannt, jedoch nicht immer für denselben Sound. Ursprünglich klangen sie mehr wie eine Pop-Rock-Band mit kroatischen Lyrics. Der Wechsel zu englischen Texten und einem härteren Sound wurde auf dem letzten Album, „Road to Perdition“ (2022), vollzogen. Diese Entscheidung enthüllte sich bald als goldrichtig, denn in den letzten vier Jahren teilten sie mit Größen wie OVERKILL, THERION, ALESTORM und RAGE die Bühne. Sogar gemeinsame Konzerte mit dem legendären Sänger Bruce Dickinson dürfen KEOPS in ihrer Band-Biografie aufzählen.
Besetzungswechsel am Mikrofon
Mit dem Ausstieg ihres Sängers Zvonimir Špacapan, dessen einzigartige Stimme ein wichtiger DNA-Baustein der Band war, standen KEOPS nach diesem gewaltigen Aufschwung sogleich vor der großen Herausforderung, diese Stimme zu ersetzen. Wenige Monate nach der Hiobsbotschaft verkündete die Band Vana Beara als neue Sängerin. Vocal-Covers von Singles des Vorgänger-Albums auf ihren Social-Media-Plattformen ließen uns wissen, dass diese Frau eine unglaubliche Power hat. Diese Power durfte sie bald schon live unter Beweis stellen. Nun sind wir mittendrin in der neuen Ära einer jungen Band und nehmen das Zusammenspiel mit dem neuen Mitglied auf „Bitter Story For Humanity“ genauer unter die Lupe!
Erste Eindrücke
Den Album-Auftakt macht „Walk of Death“, ein Titel mit dezenten progressiven Ansätzen und dem vom Vorgänger bekannten Mix aus Melodie und Groove. Die Gitarren spielen in den Strophen abgehackt und erzeugen einen Marschartigen Rhythmus in gemäßigtem Tempo. Der Refrain ist im Gegensatz dazu sehr melodisch und feinfühlig. „Breath of Fire“ hat da schon eine gänzlich andere Wirkung. Die heftige Einbettung der Keyboards bauscht das Lied stimmungsvoll auf und setzt schöne Akzente. Es hat eine stärkere Intensität und einen besseren Flow als der erste Titel, obwohl beide geradlinig aufgebaut sind. Die mittig platzierte Synthesizer-Sequenz weckt Erinnerungen an das Vorgängeralbum, das diese Klangelemente bereits aufgriff. Im weiteren Verlauf des Albums kommen sie immer wieder zum Einsatz – insbesondere präsent bei „Misery Memento“ und „Sacred Land“.
Die neue Stimme von KEOPS
Vana sorgt über das Album hinweg immer wieder für Überraschungen. Im Refrain von „Breath of Fire“ erstaunt sie uns mit einem tiefen, kehlig gegrölten „hear the roar“, das einmal mehr die Bandbreite ihres Gesangs demonstriert. Ihre Stimme ist von Natur aus eher tief. Durch den gezielten Einsatz von Belting, Vibrato und Stimmverzerrung verleiht sie den Texten zusätzliche Ausdruckskraft. Zudem beherrscht sie es, ihrer Stimme einen rauen und frechen Klang zu geben, was die musikalische Atmosphäre wirkungsvoll unterstützt. Egal, welche Technik in Einsatz kommt, Vana singt immer mit unglaublicher Kraft.
Sound und Produktion
Bei „Misery Memento“ rückt neben dem catchy Refrain der Sound in den Fokus, denn dieser weicht hier von den beiden anderen Liedern ab. Mit Kopfhörern klingt es, als würden das rechte und linke Ohr nicht gleich beschallt werden. Im Gegensatz dazu klingt „Sacred Land“ fast überproduziert. Hier hat man die Symphonic-Power-Metal-Schraube ohnehin einen Hauch zu fest angezogen, denn die Keyboards und orchestralen Arrangements kämpfen beharrlich gegen die Gitarren an. Obwohl das Album in Summe gut klingt, lenken diese feinen Nuancen ab. Schöner wäre es, wenn alle Lieder wie aus einem Guss klingen würden.
Stil und Songaufbau
Stilistisch bedienen sich KEOPS – wie zuvor bei „Road to Perdition“ – vorwiegend klassischen Stilelementen des Rock und Heavy Metal. Als Hommage an ihre musikalischen Einflüssen hat das Quintett ein Cover der Rockband THE CULT eingebaut, welches extrem von dem aufpolierten Sound profitiert und sich schön in die Tracklist des Albums einfügt. Die Gitarren sind tief gestimmt, was besonders den düsteren Liedern („The Rite“, „False Gods“, „The Machine“, „Sinner“) in die Karten spielt. Beim Songaufbau wird wenig experimentiert. Ein mitreißender Refrain stellt häufig das Herzstück des Songs dar. Dank Synthesizer und verschiedener Gesangstechniken haben die Lieder trotzdem genug Charakter, um nicht eintönig und langweilig zu klingen. Am ehesten weichen „The Rite“ und „False Gods“ von einem 0815-Aufbau ab.
Stilistische Abweichungen, die neue Wege offenbaren
Apropos Abweichungen – die letzten drei Lieder auf „Bitter Story For Humanity“ weichen aus verschiedenen Gründen noch einmal vom Status Quo ab: „False Gods“ wird von einer orientalischen Note begleitet, die sich vorwiegend in den Synthesizern und dem Gesang manifestiert. Mit „The Machine“ bekommen wir eindeutig die aggressivste Version von KEOPS zu hören. Das durchgehende Double-Bass-Kommando von Adam Miler treibt die Strophen grandios voran. Die Gitarristen Bruno Mičetić und Branimir Habek spielen währenddessen progressive, heftig groovende Riffs und Hooks, die mich an experimentelle Songs von AVATAR erinnern. Abgerundet wird der Song durch Vanas kurze Growl-Momente, die der Band neue kreative Möglichkeiten eröffnen.
Gesamteindruck
„Bitter Story For Humanity“ weist durchaus einige Schwächen auf: Die Einbindung von Synthesizern und orchestralen Arrangements wird nicht konsequent verfolgt, sodass stellenweise der Eindruck entsteht, die Band befinde sich noch in einer kreativen Erprobungsphase. Dabei ist weniger problematisch, dass die Synthesizer von Song zu Song unterschiedlich stark in Erscheinung treten, sondern vielmehr die Art ihres Einsatzes. Besonders in „Sacred Land“ wirken sie überbetont und verleihen dem Stück einen symphonischen Power-Metal-Charakter, der im Gesamtgefüge des Albums deplatziert erscheint. Andere Experimente hingegen erweisen sich als deutlich gelungener. Als Paradebeispiel kann hier „The Machine“ gelten: Die verzerrten, tiefen Gesangspassagen, kombiniert mit einer treibenden Double-Bass und markanten, eigenwilligen Gitarrenriffs, eröffnen der Band spannende neue Perspektiven, die künftig weiter ausgelotet werden sollten.
Fazit: „Bitter Story For Humanity“ von KEOPS präsentiert sich als solide Veröffentlichung und würdiger Nachfolger seines Vorgängers. Es bewahrt jene mitreißende Energie, die bereits das vorherige Werk auszeichnete, und sorgt dafür, dass man immer wieder gerne zu den Songs zurückkehrt, ohne dass sich Ermüdungserscheinungen einstellen.






