Tracklist
01. De Célestes Cavalcades – 04:37
02. Assiégé pour l’Éternité – 09:01
03. Le Sang Respire Encore – 08:21
04. En Quête du Graal – 08:53
05. Chant d’Honneur – 08:27
06. Par Sombres Forêts et Vastes Plaines – 02:44
Besetzung
Hyvermor – Gesang, Chöre, irische Flöte, Psalter
Tulzcha – Gitarren, Keyboards, Querpfeife
KK – Bass
Thomas Leitner – Schlagzeug
Gastmusiker:
Geoffroy Dell’Aria – Flöte
Léa Bingöllü – Violine
Pierrick Valence – Nyckelharpa
Colin Miraglio – Schwertgeräusche
Produktion:
Mixing und Mastering – Stefan Traunmüller
Artwork – Claudine Vrac
Artwork-Technik – Ölgemälde
Physische Ausgaben:
A5-Digibook mit zwölfseitigem, vollständig illustriertem Booklet
Limitierte 12″-Vinyl-Ausgabe
Schon das Artwork von »Assiégé pour l’Éternité« ist absolut kunstvoll und im Black Metal einfach mal etwas anderes: Statt der üblichen Schwarz-Weiß-Finsternis, verwischter Waldsilhouetten oder dämonischer Fratzen zeigt Claudine Vracs Ölgemälde eine farbenprächtige mittelalterliche Szenerie, die eher an eine historische Buchillustration erinnert. Genau dieser Ansatz führt direkt in die Musik von Véhémence. Das vierte Album der Franzosen ist keine gewöhnliche Fortsetzung von »Ordalies«, sondern eine vollständige Neueinspielung und Überarbeitung des 2014 veröffentlichten Debüts »Assiégé«. Über Antiq Records erscheint das Material nun mit verändertem Titel, neuer Besetzung, kräftigerer Produktion und deutlich ausgereifteren Arrangements. Epischer und melodischer Black Metal trifft auf französische Texte, Flöten, Psalter, Violine, Nyckelharpa und eine Atmosphäre, die mittelalterliche Schlachten nicht als billige Fantasykulisse, sondern als tragendes erzählerisches Fundament nutzt.
DE CÉLESTES CAVALCADES ÖFFNET DAS BURGTOR
»De Célestes Cavalcades« beginnt mit einer geradezu feierlichen Bewegung, bevor Tremolo-Gitarren, Blastbeats und Hyvermors heiserer Gesang das Schlachtfeld übernehmen. Véhémence arbeiten nicht mit bloß aufgesetzten Folk-Passagen. Flöten, Chöre und altertümliche Instrumente sind in das Riffing eingebunden und erweitern die Melodien, statt sie lediglich zu verzieren.
Das neunminütige Titelstück zeigt diese Stärke besonders deutlich. Rasende Black-Metal-Passagen wechseln mit heroischen Leads, getragenem Klargesang und ruhigeren Einschüben. Die Neuaufnahme klingt wesentlich druckvoller und klarer als das Debüt, bewahrt aber genügend Rauheit. Selbst bei dichter Instrumentierung bleiben Gitarren, Bass und traditionelle Klangfarben voneinander unterscheidbar.
ZWISCHEN GRAALSSUCHE UND EHRENLIED
»Le Sang Respire Encore« verbindet aggressive Strophen mit einer melancholischen Melodieführung. Die Band erzeugt Größe nicht durch permanente Lautstärke, sondern durch Spannungswechsel. Thomas Leitners Schlagzeug hält die langen Kompositionen beweglich, während Tulzchas Gitarren zwischen frostigem Tremolo, Heavy-Metal-Harmonien und akustischen Übergängen wechseln.
»En Quête du Graal« ist der kompositorische Mittelpunkt. Der Song wirkt wie eine vollständige mittelalterliche Erzählung, in der Aufbruch, Zweifel, Kampf und Erhabenheit aufeinanderfolgen. Violine, Nyckelharpa und Flöte verstärken die historische Färbung, ohne den Black Metal zu verdrängen.
»Chant d’Honneur« setzt anschließend stärker auf einen hymnischen Charakter und besitzt einen Refrain, der trotz französischer Sprache unmittelbar hängen bleibt. Die Melodien wirken siegreich, doch unter der Oberfläche bleiben Kälte und Bedrohung erhalten. Genau diese Verbindung trennt Véhémence von gewöhnlichem Folk Metal.
NEUAUFNAHME MIT EIGENEM WERT
Eine Neueinspielung ist nur dann sinnvoll, wenn sie mehr leistet als eine modernere Klangqualität. Véhémence ordnen die Stücke neu, straffen einzelne Entwicklungen und spielen wesentlich differenzierter. Das frühere Material bleibt erkennbar, wirkt aber wie aus jener Perspektive erzählt, welche die Band nach »Par le Sang Versé« und »Ordalies« erreicht hat.
Hyvermors Gesang wechselt zwischen heiseren Schreien, Chören und getragenen Passagen. Tulzcha liefert gleichzeitig schneidende Black-Metal-Riffs und melodische Gitarrenlinien, die häufig stärker an traditionellen Heavy Metal als an rohe Untergrundkost erinnern. Die Folk-Instrumente erhalten genügend Raum, ohne die elektrische Härte zu überlagern.
Das instrumentale »Par Sombres Forêts et Vastes Plaines« beendet das Album zurückhaltend. Nach mehr als vierzig Minuten voller Schlachten und himmlischer Reiterei bleibt eine akustische Landschaft zurück, die den erzählerischen Bogen überzeugend schließt.
FAZIT:
»Assiégé pour l’Éternité« ist weit mehr als eine kosmetisch aufpolierte Wiederholung des Debüts: Véhémence verwandeln ihre frühen Kompositionen in ein geschlossenes, detailreiches Werk zwischen epischem Black Metal und mittelalterlicher Klangkunst. Das kunstvolle Artwork, die starke Produktion und die organisch eingebundenen Folk-Instrumente machen diese Neueinspielung zu einer Veröffentlichung mit eigenem Wert.






