Dementis Scars - Born Unbroken - cover Artwork

Band: Demetra’s Scars 🇮🇹
Titel: Born Unbroken
Label: Eigenveröffentlichung
VÖ: 19.06.2026
Format: Digital
Genre: Alternative Metal / Groove Metal / Modern Metal

Tracklist

01. Born Unbroken – 01:31
02. The Voice – 04:52
03. Fake Skin – 05:13
04. The Blasphemer – 04:03
05. Dance Of The Night Beasts – 01:53
06. The Monster I Used To Be – 04:23
07. They Taught Me – 03:51
08. Of Love & Instinct – 04:29
09. About A Man – 04:45

Besetzung

Didi (Denise Pellacani) – Gesang
Samuele Casari – Gitarre
Thomas Bertellini – Bass
Yassir Belfartas – Schlagzeug

Produktion:
Aufnahmen – Marco Malavasi im Sonic Design Studio
Mixing und Mastering – Bruno Stella

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Ungebrochen geboren zu werden bedeutet noch lange nicht, unverwundbar zu sein. Vielmehr beschreibt der Titel »Born Unbroken« den Versuch, unter gesellschaftlichem Druck, fremden Erwartungen und den eigenen Ängsten nicht vollständig auseinanderzubrechen. Demetra’s Scars aus der Nähe von Modena widmen ihr neues Album genau diesem inneren Konflikt. Interessantes Sounddesign trifft auf Alternative und Groove Metal, elektronische Rhythmen, moderne Gitarren und eine ausdrucksstarke Mischung aus Klargesang und aggressiven Shouts. Aufgebaut auf einem bombenfesten Fundament aus Drums und Bass, entwickelt die druckvolle Produktion eine enorme körperliche Wirkung und zieht den Zuhörer bereits nach wenigen Minuten in ihren Bann. Dabei geht es der italienischen Formation nicht allein um maximale Härte. Melodie, Atmosphäre und persönliche Verletzlichkeit stehen gleichberechtigt neben schweren Riffs und rhythmischen Ausbrüchen.

Audioplayer

REBELLION GEGEN DIE PROGRAMMIERUNG

Demetra’s Scars verstehen »Born Unbroken« als innere Rebellion gegen den Versuch, Menschen nach den Vorstellungen ihrer Umgebung zu formen. Identität, Selbstwahrnehmung, Kontrolle, Wut und Angst bilden den thematischen Rahmen eines Albums, das die Suche nach dem eigenen Kern nicht als friedliche Reise darstellt.

Die Band wurde 2015 nahe Mirandola gegründet und veröffentlichte zwei Jahre später mit »Your Only Escape« ihre erste Single. Es folgten Auftritte im Umfeld von Jinjer und Infected Rain sowie 2021 eine selbstbetitelte EP. Die Einflüsse dieser modernen Alternative- und Groove-Metal-Schule sind weiterhin hörbar, werden inzwischen aber selbstbewusster mit elektronischen Beats, atmosphärischen Flächen und teilweise ungewöhnlichen Songstrukturen verbunden.

Das knapp 35-minütige Album funktioniert weniger als Sammlung klassisch aufgebauter Strophe-Refrain-Kompositionen. Mehrere Stücke verändern innerhalb ihrer Laufzeit deutlich die Richtung, reduzieren unvermittelt das Tempo oder wechseln von aggressiven Ausbrüchen in ruhige, beinahe schwebende Passagen.

Diese Experimentierfreude ist zugleich Stärke und Schwäche. Die Band besitzt viele Ideen und scheut sich nicht, gegensätzliche Elemente auf engem Raum miteinander zu verbinden. Gelegentlich geraten die Arrangements dadurch allerdings voller als notwendig. Nicht jeder Übergang wirkt vollkommen selbstverständlich, und manche starke Passage hätte mit etwas mehr Raum noch deutlicher wirken können.

Gerade diese Unberechenbarkeit verhindert jedoch, dass »Born Unbroken« wie eine weitere standardisierte Modern-Metal-Veröffentlichung klingt. Hinter nahezu jeder rhythmischen Wendung wartet ein neues Detail: eine elektronische Figur, ein veränderter Schlagzeugrhythmus, eine melodische Gesangslinie oder ein Riff, das den zuvor aufgebauten Fluss bewusst unterbricht.

EIN ELEKTRONISCHER PULS ALS EINLEITUNG

Der Titeltrack »Born Unbroken« ist mit rund anderthalb Minuten eher eine Einleitung als ein vollständiger Song. Eine melodische Fläche trifft auf einen elektronischen Tanzrhythmus und führt zunächst bewusst in die falsche Richtung. Von Gitarrenwänden oder aggressivem Groove ist noch wenig zu hören.

Das kurze Intro erfüllt dennoch eine wichtige Funktion. Es etabliert die moderne und elektronische Seite der Band, bevor »The Voice« das vollständige Instrumentarium entfesselt. Der Übergang wirkt beinahe wie das Aufbrechen einer Oberfläche, unter der die eigentliche Aggression bereits gewartet hat.

»The Voice« beginnt mit rauen Riffs, wuchtigem Schlagzeug und aggressiven Shouts. Anschließend nimmt sich die Komposition zurück und gibt Didi Raum für ihre klaren Gesangslinien. Ihre Stimme gehört zu den größten Stärken des Albums. Sie kann innerhalb weniger Augenblicke zwischen kontrollierter Melodik, hohen Tönen, kraftvollem Rockgesang und deutlich härteren Ausbrüchen wechseln.

Das Interessante liegt nicht allein in der Anzahl der verwendeten Stimmfarben. Didi setzt die unterschiedlichen Techniken gezielt ein. Der Klargesang vermittelt Verletzlichkeit und Selbstbeobachtung, während die Shouts wie ein plötzlicher Bruch der inneren Kontrolle wirken.

Unter dem Gesang arbeitet die Rhythmusgruppe mit erheblicher Präzision. Yassir Belfartas beschränkt sich nicht auf einfache Metal-Beats. Tribalartige Figuren, schnelle Doublebass-Passagen und versetzte Akzente geben dem Song ständig neue Bewegungsrichtungen.

Thomas Bertellini bleibt am Bass deutlich hörbar und liefert nicht lediglich eine Verdoppelung der Gitarren. Gerade in den Strophen erhält sein Instrument ausreichend Raum, um den Groove eigenständig voranzutreiben.

Der melodische Schluss von »The Voice« steht im deutlichen Gegensatz zum vorherigen Angriff. Der Wechsel wirkt beim ersten Hören etwas überraschend, unterstreicht aber den grundsätzlichen Ansatz des Albums: Härte und Ruhe sollen nicht sauber voneinander getrennt, sondern unmittelbar miteinander konfrontiert werden.

DIE FALSCHE HAUT WIRD ABGESTREIFT

»Fake Skin« gehört zu den stärksten Kompositionen. Der Song richtet sich gegen Konformität und das Tragen einer gesellschaftlich akzeptierten Maske. Musikalisch wird diese Ablehnung durch einen konstanten Wechsel zwischen Kontrolle und Ausbruch dargestellt.

Zu Beginn stehen Bass und Schlagzeug im Mittelpunkt. Ein massiver Groove schafft Platz für den Gesang, während Samuele Casari seine Gitarre zunächst gezielt zurückhält. Erst nach und nach verdichten sich die Riffs und führen in einen weit geöffneten Refrain.

Das Zusammenspiel besitzt eine nachvollziehbare Dynamik. Statt sofort sämtliche Instrumente übereinanderzuschichten, steigert die Band den Druck schrittweise. Dadurch erhält der Refrain erheblich mehr Wirkung.

Elektronische und beinahe tanzbare Rhythmen tauchen auch hier auf, werden jedoch nicht als Fremdkörper behandelt. Sie verbinden sich mit den verzerrten Gitarren und geben dem Instrumentalteil eine eigene Färbung. Das Sounddesign ist modern, ohne den organischen Kern der Musik vollständig zu verdecken.

Besonders überzeugend ist erneut Didis Gesang. Sie bewegt sich mühelos zwischen tieferen melodischen Passagen und kraftvollen Höhen. Die aggressive Seite wird sparsam genug eingesetzt, um ihre Wirkung nicht durch permanente Wiederholung zu verlieren.

Ein langsamerer Abschnitt schafft anschließend einen Gegenpol zum dominierenden Groove. Die Band beweist damit, dass sie einen Song nicht zwangsläufig mit dem härtesten verfügbaren Riff beenden muss.

»The Blasphemer« fällt unruhiger und sperriger aus. Stop-and-go-Riffs, hektische Schlagzeugwechsel und bewusst unterbrochene Bewegungen erzeugen eine nervöse Grundstimmung. Der Song wirkt, als würde er sich mehrfach gegen seine eigene Ordnung auflehnen.

Das Schlagzeug hält die verschiedenen Abschnitte zusammen. Selbst wenn Gitarren und Gesang scheinbar in unterschiedliche Richtungen drängen, bleibt der rhythmische Kern stabil. Genau hier zeigt sich das bombenfeste Fundament aus Bass und Drums besonders deutlich.

Die Vielzahl der Ideen sorgt allerdings dafür, dass »The Blasphemer« weniger unmittelbar hängen bleibt als »Fake Skin«. Der Song verlangt mehrere Durchläufe, bevor sich seine Struktur vollständig erschließt.

NÄCHTLICHE BESTIEN UND VERGANGENE MONSTER

»Dance Of The Night Beasts« ist ein knapp zweiminütiges Instrumentalstück und funktioniert als kurze Unterbrechung. Rhythmische Figuren, Gitarrenläufe und kontrolliertes Chaos vermitteln den Eindruck einer spontanen nächtlichen Session.

Ob das Zwischenspiel für die Dramaturgie zwingend notwendig ist, lässt sich diskutieren. Es besitzt nicht dieselbe inhaltliche Bedeutung wie die regulären Songs und wirkt eher wie eine Gelegenheit für die Instrumentalisten, ihre Spielfreude auszuleben.

Gerade deshalb lockert es die Platte auf. Nach mehreren dicht arrangierten Kompositionen bietet der kurze instrumentale Ausflug einen Moment, in dem weder Gesang noch große melodische Aussagen im Vordergrund stehen.

Mit »The Monster I Used To Be« folgt einer der deutlichsten Höhepunkte. Bass, Gitarre und Schlagzeug greifen bereits im Einstieg eng ineinander und erzeugen einen massiven Groove, der den gesamten Song trägt.

Hier zeigt sich die Stärke der Band besonders unmittelbar. Der Groove ist schwer, aber beweglich. Die Drums setzen präzise Akzente, der Bass besitzt erhebliches Gewicht und die Gitarren ergänzen das Fundament mit kompakten Riffs.

Didi konzentriert sich über weite Strecken auf Klargesang. Ihre Stimme legt sich nicht einfach über das Instrumental, sondern bewegt sich rhythmisch mit dem Groove. Dadurch entsteht ein eingängiger Song, ohne dass die Band ihre härtere Grundhaltung aufgeben muss.

Der Titel lässt sich als Rückblick auf eine frühere, destruktive Version des eigenen Selbst verstehen. Musikalisch klingt die Nummer jedoch nicht resigniert. Sie vermittelt eher das Gefühl, diese Vergangenheit erkannt und unter Kontrolle gebracht zu haben.

Die Produktion gibt jedem Bestandteil ausreichend Druck. Die Bassdrum schlägt präzise durch den Mix, der Bass bleibt greifbar und die Gitarren behalten trotz ihrer Dichte genügend Kontur. Der Song zieht den Zuhörer unmittelbar in seinen Bann und dürfte auch live zu den stärksten Momenten gehören.

ERLERNTES LEID UND KONTROLLIERTE ÜBERFORDERUNG

»They Taught Me« arbeitet technischer als die vorherige Nummer. Verschobene Rhythmen, kantige Gitarren und schnelle Schlagzeugfiguren bilden die Grundlage für eine Gesangsleistung, die zwischen großen melodischen Linien und aggressiven Ausbrüchen wechselt.

Inhaltlich richtet sich der Song gegen erlernte Vorstellungen, nach denen Leid, Anpassung und permanente Selbstaufgabe notwendig seien, um Anerkennung zu verdienen. Damit fügt sich die Nummer unmittelbar in das übergeordnete Thema des Albums ein.

Musikalisch besitzt »They Taught Me« viele beeindruckende Einzelmomente. Das Schlagzeug reagiert detailliert auf Gitarren und Gesang, während der Bass die ungeraden Bewegungen zusammenhält. In den schnellsten Passagen entwickelt die Band eine beinahe hektische Energie.

Gleichzeitig zeigt sich hier am deutlichsten, dass die eigene Ambition gelegentlich gegen die Songs arbeitet. Die Komposition enthält so viele Richtungswechsel, technische Akzente und Gesangsvariationen, dass ein klarer zentraler Haken nur schwer zu greifen ist.

Das Ergebnis ist keineswegs schwach. Es fordert lediglich mehr Aufmerksamkeit als die direkteren Stücke. Einige Hörer werden gerade diese Fülle schätzen, andere dürften sich eine stärkere Konzentration auf ein oder zwei tragende Motive wünschen.

Trotz der dichten Arrangements bleibt die Produktion druckvoll und vergleichsweise transparent. Mixing und Mastering vermeiden eine vollständig sterile Glättung, setzen die modernen Elemente aber deutlich in Szene.

Gelegentlich wirkt der Gesang leicht vom instrumentalen Fundament abgehoben. Dieser Eindruck fällt vor allem in den volleren Passagen auf, in denen zahlreiche Frequenzen gleichzeitig um Aufmerksamkeit kämpfen. Zum ernsthaften Problem wird dies jedoch nicht.

LIEBE, INSTINKT UND EIN MENSCHLICHER ABSCHLUSS

»Of Love & Instinct« folgt einem geradlinigeren Aufbau und profitiert davon. Melodische Gitarren, ein energischer Rhythmus und klar voneinander abgegrenzte Abschnitte machen die Nummer zu einem der zugänglichsten Songs.

Didi übernimmt eindeutig das Zentrum. Besonders in den langsameren Passagen zeigt sie, wie viel Ausdruck ihre klare Stimme besitzt. Später öffnet sie den Gesang in höhere Lagen und verleiht dem Song eine beinahe hymnische Dimension.

Die Instrumente bleiben dennoch mehr als bloße Begleitung. Wechselnde Schlagzeugmuster und melodische Gitarrenfiguren sorgen dafür, dass die Komposition trotz ihrer größeren Zugänglichkeit nicht statisch wirkt.

Nach der kontrollierten Überfülle von »They Taught Me« fühlt sich die klarere Struktur beinahe befreiend an. Die einzelnen Ideen erhalten Raum und können ihre Wirkung entfalten, bevor die nächste Veränderung einsetzt.

Das abschließende »About A Man« bewegt sich zwischen Ballade, Alternative Rock und Groove Metal. Ruhige Gesangspassagen und zurückgenommene Instrumente eröffnen den Song, bevor schwere Gitarren und kraftvolle Drums die Intensität erhöhen.

Dieser Wechsel aus Nähe und Distanz prägt die gesamte Komposition. Der Song bleibt nie lange in einer einzigen Stimmung. Sanfte Melodik kippt in rhythmische Härte, aggressive Stimmen treffen auf kontrollierten Klargesang und ein ausgedehnter Instrumentalabschnitt führt schließlich zurück zum melodischen Ausgangspunkt.

Als Abschluss funktioniert »About A Man« überzeugend, weil die Band nicht versucht, das Album mit dem schnellsten oder härtesten Stück zu beenden. Stattdessen werden viele der zuvor verwendeten Gegensätze noch einmal zusammengeführt.

Die Komposition klingt menschlich, verletzlich und gleichzeitig widerstandsfähig. Damit schließt sie den thematischen Kreis. Ungebrochen zu sein bedeutet auf diesem Album nicht, niemals verletzt worden zu sein. Es bedeutet, die eigenen Brüche anzuerkennen, ohne sich vollständig von ihnen bestimmen zu lassen.

DIE RHYTHMUSGRUPPE ALS TRAGENDE KRAFT

Das herausragende Merkmal von »Born Unbroken« ist das Zusammenspiel von Thomas Bertellini und Yassir Belfartas. Bass und Schlagzeug bilden nicht lediglich den Hintergrund für Gitarre und Gesang, sondern bestimmen die Bewegungsform nahezu jedes Songs.

Bertellinis Bass besitzt einen körperlichen, teilweise beinahe knurrenden Klang. In den ruhigeren Strophen tritt er deutlich hervor, während er in den härteren Abschnitten gemeinsam mit der Gitarre für zusätzliches Gewicht sorgt.

Belfartas arbeitet variabel und vermeidet es, jeden Song mit denselben Schlagzeugmustern zu versehen. Tribalartige Rhythmen, elektronische Anmutungen, schnelle Metal-Passagen und präzise gesetzte Pausen wechseln einander ab.

Selbst in den überfüllteren Momenten hält sein Spiel die Arrangements zusammen. Wo Gitarren, Samples und mehrere Gesangsebenen gleichzeitig aktiv werden, bleibt das Schlagzeug der verlässliche Orientierungspunkt.

Samuele Casari ordnet seine Gitarre häufig diesem Rhythmus unter. Statt permanent mit Soli oder auffälligen Leads in den Vordergrund zu drängen, konzentriert er sich auf Groove, Klangflächen und gezielt gesetzte melodische Linien.

Diese Zurückhaltung ist sinnvoll. Didis Gesang beansprucht bereits viel Raum, und eine dauerhaft dominante Leadgitarre könnte die Songs endgültig überfrachten. Wenn Casari melodisch hervortritt, geschieht dies deshalb meist an wirkungsvollen Stellen.

EINE STIMME MIT VIELEN GESICHTERN

Didi trägt einen erheblichen Teil der Identität von Demetra’s Scars. Ihre Stimme besitzt genügend Kraft, um sich gegen die massive Rhythmusgruppe durchzusetzen, ohne permanent in aggressive Techniken ausweichen zu müssen.

Der Klargesang reicht von ruhigen, kontrollierten Linien bis zu hohen, weit geöffneten Tönen. Shouts und rauere Stimmen werden nicht als Standardlösung verwendet, sondern markieren emotionale Höhepunkte.

Besonders »The Voice«, »Fake Skin« und »Of Love & Instinct« zeigen ihre Bandbreite. Innerhalb einzelner Phrasen kann sich die Stimme deutlich verändern, ohne dass die Übergänge gezwungen wirken.

Nur gelegentlich versucht die Produktion, zu viele Gesangsschichten gleichzeitig unterzubringen. In diesen Momenten verliert die natürliche Ausdrucksstärke etwas an Wirkung. Didi benötigt keine permanente Verdoppelung, um präsent zu sein.

Die stärksten Passagen entstehen deshalb häufig dort, wo die Instrumentierung zurücktritt und ihrer Stimme mehr Raum überlässt. Gerade die ruhigeren Momente beweisen, dass Demetra’s Scars nicht allein von Härte und modernem Druck abhängig sind.

MODERN, DRUCKVOLL UND NICHT IMMER ZURÜCKHALTEND

Die Aufnahmen von Marco Malavasi sowie Mixing und Mastering von Bruno Stella geben dem Album einen modernen, kräftigen Klang. Gitarren und Bass besitzen Gewicht, das Schlagzeug setzt sich klar durch und elektronische Bestandteile werden hörbar in die Arrangements integriert.

Die Produktion ist sauber, wirkt aber nicht vollkommen leblos. Gerade das Schlagzeug behält ausreichend natürliche Bewegung. Auch der Bass wird nicht unter einer tief gestimmten Gitarrenwand begraben.

Interessant ist vor allem das Sounddesign. Elektronische Beats und atmosphärische Flächen werden nicht bloß als Einleitungen eingesetzt, sondern beeinflussen auch die rhythmische Gestaltung der Songs.

Die Übergänge zwischen digitalen und organischen Elementen funktionieren größtenteils überzeugend. »Born Unbroken« und »Fake Skin« zeigen besonders deutlich, wie Dance-Rhythmen und schwere Gitarren miteinander verbunden werden können.

Bei den dichtesten Arrangements stößt die Produktion allerdings an ihre Grenzen. Sobald mehrere Gesangsebenen, schnelle Drums, Bass, Gitarren und elektronische Spuren gleichzeitig aktiv sind, entsteht eine kompakte Klangmasse.

Dieser Druck ist teilweise gewollt und passt zur emotionalen Unruhe der Texte. Dennoch hätte eine etwas strengere Auswahl einzelner Ebenen manchen Song unmittelbbar klarer wirken lassen.

Das Album klingt dadurch niemals dünn oder kraftlos. Eher besteht die Gefahr, dass die Band zu viel ihrer vorhandenen Energie gleichzeitig freisetzt.

ZWISCHEN JINJER, INFECTED RAIN UND EIGENER IDENTITÄT

Vergleiche mit Jinjer, Infected Rain, Lacuna Coil, Korn oder den atmosphärischeren Seiten von Deftones liegen nahe. Tiefe Grooves, moderne Produktion und der Wechsel zwischen klarem und aggressivem Gesang gehören längst zum etablierten Vokabular des Alternative Metal.

Demetra’s Scars verlassen sich jedoch nicht ausschließlich auf diese Vorbilder. Elektronische Rhythmen, ungewöhnliche Übergänge und der teilweise beinahe progressive Umgang mit Songstrukturen geben dem Material einen eigenen Charakter.

Noch funktioniert nicht jede Idee gleich gut. »They Taught Me« und »The Blasphemer« geraten stellenweise zu voll, während das Instrumental »Dance Of The Night Beasts« eher als interessante Zwischenstation denn als unverzichtbarer Bestandteil erscheint.

Dem stehen mit »Fake Skin«, »The Monster I Used To Be«, »Of Love & Instinct« und »About A Man« mehrere überzeugende Stücke gegenüber. Hier finden Groove, Melodie, Atmosphäre und technische Fähigkeiten zu einem ausgewogenen Verhältnis.

Die kompakte Spielzeit ist ebenfalls ein Vorteil. Nach knapp 35 Minuten endet das Album, bevor die intensive Klanggestaltung ermüden kann. Die neun Titel zeigen ausreichend unterschiedliche Seiten, ohne den thematischen Zusammenhang zu verlieren.

FAZIT:

»Born Unbroken« ist ein ambitioniertes und eigenständiges Alternative-Metal-Album, auf dem Demetra’s Scars massive Grooves, elektronische Rhythmen, melodische Passagen und emotionalen Gesang miteinander verbinden. Ein interessantes Sounddesign, die druckvolle Produktion und das bombenfeste Fundament aus Bass und Schlagzeug gehören zu den größten Stärken. Besonders »Fake Skin«, »The Monster I Used To Be«, »Of Love & Instinct« und das abschließende »About A Man« ziehen den Zuhörer in ihren Bann. Gelegentlich möchte die Band allerdings zu viele Ideen gleichzeitig verwirklichen, wodurch einige Arrangements überladen wirken und starke Motive nicht immer den notwendigen Raum erhalten. Dennoch zeigt »Born Unbroken« eine Formation mit klarer Identität, hoher musikalischer Qualität und dem Mut, moderne Härte nicht auf vorhersehbare Standardstrukturen zu reduzieren.

Demetra’s Scars – Fake Skin – Official Lyric Video

Internet

Demetra’s Scars - Born Unbroken - CD Review

Vorheriger ArtikelSOLACE – Fading Failing Ruin