Dominum - Night Is Calling - cover Artwork

Band: Dominum 🇩🇪
Titel: Night is Calling
Label: Napalm Records
VÖ: 03.07.2026
Format: CD / Vinyl / Digital
Genre: Modern Metal / Power Metal / Melodic Metal

Tracklist

01. The Circus is in Town – 03:25
02. Doctor Doctor – 03:19
03. Children Of The Night – 03:30
04. Nosferatu – 03:14
05. Dark Melodies – 03:45
06. Night is Calling feat. Battle Beast – 03:34
07. Jack The Ripper – 04:10
08. Thriller – 03:09
09. Devil’s Son – 03:23
10. I Don’t Drink Wine – 02:52
11. Endzeit – 04:56
12. Don’t Get Bitten By The Wrong Ones (Acoustic) – 02:52
13. Hey Living People (Acoustic) – 03:35

Besetzung

Dr. Dead – Gesang
Tommy Kemp – Gitarre
Patient 0 – Bass
Victor Hilltop – Schlagzeug

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Drei Alben in weniger als drei Jahren sind selbst für eine untote Belegschaft ein beachtliches Arbeitstempo. Dominum haben sich seit ihrem Debüt »Hey Living People« mit eingängigen Refrains, theatralischer Horrorästhetik und einer sehr publikumsnahen Live-Inszenierung in der europäischen Metal-Landschaft festgesetzt. Beim Blick auf das neue Album stellt sich allerdings zunächst eine andere Frage: Warum greift ein Zombie auf dem Artwork nach dem Mond? Möchte er die Nacht buchstäblich an sich reißen, oder ist der Himmelskörper nur die nächste Trophäe für Dr. Dead und seine stetig wachsende Armee? Eine eindeutige Antwort liefert »Night is Calling« nicht. Das Motiv passt jedoch hervorragend zu einem Album, auf dem Dominum größer, bunter und selbstbewusster auftreten als zuvor. Power Metal, moderne Gitarren, Achtziger-Synthesizer und teilweise beinahe poppige Songstrukturen werden mit Zirkusklängen, Vampiren, Serienmördern und einer gehörigen Portion schwarzem Humor verbunden. Das Ergebnis ist keine tiefschürfende Abhandlung über die Finsternis, sondern eine hervorragend produzierte Horrorshow, die das Publikum zum Mitsingen bringen möchte, bevor es überhaupt bemerkt, dass es bereits gebissen wurde.

Albumstream: Night is Calling

DER ZIRKUS DER UNTOTEN ÖFFNET SEINE TORE

Das dritte Album ist für viele Bands ein entscheidender Punkt. Das Debüt stellt die eigene Idee vor, der Nachfolger muss beweisen, dass diese Idee kein Zufall war, und spätestens beim dritten Werk sollte eine erkennbare Entwicklung einsetzen. Dominum versuchen auf »Night is Calling« deshalb nicht, ihre bisherige Erfolgsformel vollständig umzubauen. Stattdessen wird sie erweitert und stärker auf die großen Bühnen zugeschnitten.

Bereits »The Circus is in Town« setzt diese Absicht konsequent um. Unschuldig wirkende Jahrmarktsklänge öffnen die Manege, bevor verzerrte Gitarren, elektronische Elemente und ein druckvoller Rhythmus das vermeintliche Kindervergnügen in eine makabre Vorstellung verwandeln. Die Strophen arbeiten mit beschwörendem Gesang, während der Refrain weit geöffnet wird und sofort auf gemeinschaftliches Mitsingen zielt.

Der Song gehört zu den härteren Momenten der Platte. Neben dem klaren Gesang setzt Dr. Dead vereinzelt aggressive Stimmen ein, während Gitarren und Synthesizer eine hektische Zirkusatmosphäre erzeugen. Gegen Ende wird das Tempo gebremst und der vermeintliche Horrorclown erhält einen schweren, modernen Breakdown als musikalischen Auftritt.

Diese Verbindung aus Metal, Pop und theatralischer Übertreibung bildet die Grundlage des Albums. Dominum wissen, dass ihre Zombieshow nicht von subtiler Zurückhaltung lebt. Die Melodien werden groß aufgezogen, die Refrains mehrfach wiederholt und jede Wendung so deutlich angekündigt, dass sie auch in der letzten Reihe einer Festivalbühne verstanden werden dürfte.

Der Opener besitzt dabei genügend Eigenständigkeit, um nicht lediglich als verlängertes Intro zu funktionieren. Die Zirkusmelodie wird nicht nur dekorativ über ein beliebiges Power-Metal-Gerüst gelegt, sondern bestimmt Rhythmus und Aufbau. Gleichzeitig deutet das Stück an, dass die Band auf ihrem dritten Album stärker mit modernen Klangfarben und elektronischen Elementen arbeitet.

WENN DER DOKTOR SELBST EINEN DOKTOR BRAUCHT

»Doctor Doctor« ist kein Cover des gleichnamigen UFO-Klassikers. Stattdessen liefern Dominum eine kompakte Verbindung aus Melodic Metal, Achtziger-Pop und einem Refrain, der sich nach dem ersten Durchlauf zuverlässig im Kopf festsetzt.

Die Synthesizer stehen deutlich im Vordergrund und treiben den Song gemeinsam mit dem Bass durch die Strophen. Die Gitarren übernehmen weniger die alleinige Führung, sondern setzen rhythmische Akzente und verdichten den Refrain. Dadurch entsteht eine beinahe tanzbare Grundbewegung, die eher an europäischen Arena-Metal als an traditionellen Heavy Metal erinnert.

Inhaltlich beschäftigt sich der Song mit einem Arzt, der anderen helfen kann, aber an den eigenen inneren Problemen scheitert. Die Idee passt zur Figur des Dr. Dead und verleiht dem ansonsten sehr zugänglichen Stück zumindest eine leicht bittere Ebene. Der Doktor kontrolliert seine untoten Kreaturen, besitzt jedoch keine vollständige Kontrolle über sich selbst.

Der Refrain ist bewusst einfach gehalten. Mehrstimmige Gesänge und ein deutlich gesetzter Tonartwechsel verstärken den Eindruck einer für große Hallen geschriebenen Hymne. Wer metallische Musik ausschließlich mit rauer Produktion und komplizierten Riffs verbindet, dürfte hier bereits das Weite suchen. Wer dagegen keine Berührungsängste mit Popstrukturen besitzt, bekommt einen der eingängigsten Titel des Albums.

»Children Of The Night« kehrt anschließend stärker zum europäischen Power Metal zurück. Schnelle Rhythmen, breite Keyboards und ein melodischer Refrain greifen ineinander. Das Stück wirkt vertrauter als der Opener, wird aber durch kleine rhythmische Wechsel und die dramatische Gesangsführung vor völliger Berechenbarkeit bewahrt.

Der Titel ist selbstverständlich nicht neu, und auch die musikalischen Zutaten wurden innerhalb des Genres vielfach verwendet. Entscheidend ist deshalb die Ausführung. Dominum spielen diese Form des Metals mit großer Sicherheit und verzichten darauf, ihren Hang zu Pathos und Eingängigkeit zu verstecken.

Gerade live dürfte »Children Of The Night« funktionieren. Der Rhythmus bietet ausreichend Bewegung, der Refrain kann ohne Textblatt mitgesungen werden und die kurzen instrumentalen Übergänge verhindern, dass der Song vollständig in Richtung Pop abrutscht.

NOSFERATU UND DIE DUNKLEN MELODIEN

Bei »Nosferatu« wird die Atmosphäre bedrohlicher. Tiefer gesetzte Gitarren und ein zunächst zurückhaltender Aufbau geben dem titelgebenden Vampir ausreichend Raum, bevor die Rhythmusgruppe einsetzt und das Stück in einen hymnischen Refrain führt.

Der Song zeigt, dass Dominum nicht jeden Horrortitel mit identischer Geschwindigkeit behandeln. Statt sofort nach vorn zu stürmen, wird zunächst Spannung aufgebaut. Die Strophen besitzen eine schleichende Bewegung, die gut zum Bild eines nächtlichen Verfolgers passt.

Spätestens im Refrain kehrt die Band allerdings zu ihrer wichtigsten Stärke zurück. Die Melodie ist klar, breit und auf sofortige Wiedererkennbarkeit ausgelegt. Ein rhythmisches Einzählen sorgt zusätzlich dafür, dass die Nummer wie für die Bühne geschrieben wirkt.

Besonders originell ist die Vampirthematik im Metal selbstverständlich nicht. Dominum gewinnen ihr dennoch ausreichend Unterhaltung ab, weil sie das Thema nicht mit übertriebener Ernsthaftigkeit belasten. »Nosferatu« möchte keine neue Interpretation des Mythos liefern, sondern eine schaurige Hymne mit hohem Mitgrölpotenzial sein.

Deutlich emotionaler fällt »Dark Melodies« aus. Klavier, zurückgenommene Strophen und der warme Klargesang von Dr. Dead bestimmen den Einstieg. Der Pre-Chorus reduziert das Arrangement stellenweise weitgehend auf Stimme und Tasten, bevor der Refrain die gesamte Produktion öffnet.

Der Song wirkt melancholisch, ohne zur klassischen Ballade zu werden. Schlagzeug und Gitarren halten die Komposition in Bewegung, während die Synthesizer eine cineastische Ebene erzeugen. Inhaltlich geht es um Melodien oder Gedanken, die sich im Kopf festsetzen und zunehmend die Kontrolle übernehmen.

Damit beschreibt der Titel zugleich die Arbeitsweise der Band. Dominum schreiben Melodien, die bewusst einfach zugänglich sind und durch Wiederholung immer tiefer ins Gedächtnis dringen. Wo andere Bands technische Komplexität suchen, konzentriert sich Felix Heldt auf die unmittelbare Wirkung einer klaren Gesangslinie.

»Dark Melodies« gehört zu den stärksten Momenten des Albums, weil die Band hier nicht permanent auf maximale Lautstärke setzt. Der zurückgenommene Beginn gibt dem späteren Refrain erheblich mehr Gewicht und sorgt für einen wichtigen dynamischen Gegenpol.

DIE NACHT RUFT MIT ZWEI STIMMEN

Für den Titeltrack haben sich Dominum Unterstützung von Battle Beast geholt. Konkret übernimmt Marina La Torraca zusätzliche Gesangspassagen und bildet mit Dr. Dead ein kraftvolles Duett.

Die Verbindung wirkt naheliegend. Beide Bands arbeiten mit starken Synthesizern, modernen Gitarren, großen Refrains und einer deutlichen Nähe zu melodischem Arena-Metal. »Night is Calling« versucht deshalb gar nicht erst, die jeweiligen Stilwelten voneinander zu trennen.

Ein treibender Bass und ein geradliniger Rhythmus führen durch die Strophen. Die Gitarren setzen kompakte Riffs, während elektronische Flächen die nächtliche Atmosphäre aufbauen. Im Refrain treffen die Stimmen schließlich aufeinander und machen aus dem Song eine klassische Mitsinghymne.

Marina La Torraca besitzt genügend Kraft, um nicht lediglich als dekorativer Gast im Hintergrund zu verschwinden. Ihre Stimme erweitert den Klang und bringt eine andere Energie in die ohnehin stark auf Gesang ausgerichtete Komposition. Gleichzeitig bleibt Dr. Dead klar als Hauptfigur erkennbar.

Textlich behandelt der Song die Anziehung einer Dunkelheit, der man sich trotz besseren Wissens immer wieder hingibt. Die Nacht erscheint nicht ausschließlich als Bedrohung, sondern auch als vertrauter Ort, der lockt, verführt und langsam Besitz von den eigenen Gedanken ergreift.

Diese etwas ernstere Ebene wird musikalisch in eine sehr zugängliche Form gebracht. Der Refrain ist groß, die Laufzeit mit dreieinhalb Minuten radiofreundlich und das Arrangement vermeidet komplizierte Umwege. Das ist kalkuliert, aber ausgesprochen wirkungsvoll.

Der Titeltrack gehört zu jenen Songs, die das Wesen von Dominum besonders gut zusammenfassen. Horrorästhetik und dunklere Texte treffen auf eine Produktion, die eher zum Tanzen und Mitsingen als zum Fürchten einlädt.

JACK THE RIPPER TANZT ZU THRILLER

Mit »Jack The Ripper« rückt eine historische Figur in den Mittelpunkt. Wer eine sorgfältige kriminalhistorische Aufarbeitung erwartet, ist bei einer Zombie-Power-Metal-Band allerdings an der falschen Adresse. Der bekannte Name dient vor allem als Grundlage für eine schnelle und dramatische Horrorgeschichte.

Die Gitarren fallen bissiger aus, das Schlagzeug erhöht den Druck und die cineastischen Elemente werden deutlicher. Der Song besitzt mit mehr als vier Minuten etwas mehr Raum als die meisten Stücke des Albums, ohne dadurch überladen zu wirken.

Besonders der Refrain zeigt erneut das sichere Gespür für eingängige Melodien. Selbst eine Geschichte über einen Serienmörder wird bei Dominum zu einer hell leuchtenden Festivalhymne. Genau dieser Widerspruch gehört zum Konzept: Schaurige Themen werden nicht in bedrückende Musik verwandelt, sondern als unterhaltsames Spektakel präsentiert.

Unmittelbar danach wartet mit »Thriller« eine der vorhersehbarsten und zugleich logischsten Coverversionen, die eine Band mit dieser Ästhetik auswählen konnte. Michael Jacksons Original besitzt bereits sämtliche Zutaten, die zu Dominum passen: Horrorfilm-Atmosphäre, Tanzbarkeit, dramatische Spannungswechsel und einen sofort erkennbaren Refrain.

Die Band überträgt den Titel in ein bombastisches Metal-Arrangement. Härtere Gitarren, wuchtige Drums und zusätzliche elektronische Flächen ersetzen jedoch nicht vollständig den charakteristischen Groove des Originals. Statt den Song radikal umzubauen, bleibt die Interpretation nah genug an der bekannten Vorlage, damit jeder zentrale Moment erhalten bleibt.

Ob diese Coverversion tatsächlich notwendig war, bleibt Geschmackssache. Überraschend ist ihre Existenz nicht, und der Neuigkeitswert hält sich in Grenzen. Innerhalb des Albums funktioniert sie dennoch, weil sie nicht wie ein völlig fremder Einschub wirkt. Die gesamte bisherige Inszenierung führt beinahe zwangsläufig zu diesem Titel.

Das Ergebnis ist ausgesprochen unterhaltsam, bewegt sich aber gefährlich nah an einer Überdosis Kitsch. Wer bereits bei den Synthesizern von »Doctor Doctor« die Flucht ergriffen hat, wird hier vermutlich nicht zurückkehren. Für die Zielgruppe dürfte »Thriller« dagegen zu einem festen Bestandteil kommender Liveshows werden.

DER SOHN DES TEUFELS UND DER VERZICHT AUF WEIN

»Devil’s Son« setzt wieder stärker auf europäischen Power Metal. Orchestrale Keyboards, ein stampfender Rhythmus und ein groß angelegter Refrain rücken die Nummer in die Nähe jener Bands, die düstere religiöse Bildwelten mit eingängigen Melodien und sakral wirkenden Chören verbinden.

Die Ähnlichkeit zu bekannten Genrevertretern lässt sich nicht überhören. Das betrifft sowohl die Gesangsführung als auch die Art, wie Strophen und Refrain aufgebaut werden. Handwerklich funktioniert der Song tadellos, doch ausgerechnet hier verliert das Album etwas von seiner eigenen Identität.

Der Refrain ist erneut stark genug, um diesen Einwand zumindest teilweise zu überdecken. Dr. Dead trägt die Melodie mit sicherer Stimme, während Gitarren und Keyboards eine breite Wand errichten. Die Produktion sorgt dafür, dass selbst ein kaum mehr als drei Minuten langer Song nach einer großen Bühnenshow klingt.

Weniger überzeugend fällt »I Don’t Drink Wine« aus. Der Titel spielt offensichtlich mit vampirischen Klischees und setzt auf einen extrem einfachen Refrain. Diese Schlichtheit kann live einen gewissen Charme entwickeln, wirkt auf dem Album aber stärker wie eine humorvolle Zwischenstation als wie ein zwingender Höhepunkt.

Der Song ist kurz, rhythmisch direkt und besitzt erneut eine deutliche elektronische Komponente. Das Problem liegt nicht in mangelnder Eingängigkeit. Im Gegenteil: Die zentrale Zeile bleibt beinahe sofort hängen. Kompositorisch bietet die Nummer jedoch weniger als die stärkeren Titel der Platte.

Innerhalb eines Albums voller großer Melodien fällt ein lediglich funktionierender Refrain stärker auf. »I Don’t Drink Wine« ist keineswegs misslungen, hinterlässt aber den Eindruck, dass die Idee des Titels vor dem eigentlichen Song vorhanden war.

DIE ENDZEIT ALS GROSSES FINALE

Mit knapp fünf Minuten ist »Endzeit« der längste Titel und der eigentliche Abschluss des regulären Albums. Die Band nutzt den zusätzlichen Raum für einen dramatischeren Aufbau und eine stärker ausgeprägte Schlusswirkung.

Der Song beginnt kontrollierter und steigert sich schrittweise. Gitarren, Synthesizer und Schlagzeug werden nicht sofort vollständig übereinandergeschichtet, sondern nacheinander erweitert. Dadurch entsteht eine Spannung, die vielen der kompakteren Stücke bewusst fehlt.

Der deutsche Titel wirkt innerhalb der überwiegend englischsprachigen Trackliste wie ein deutlich gesetzter Schlusspunkt. Inhaltlich und musikalisch geht es um das Ende, den Zusammenbruch und die finale Eskalation der bisher aufgebauten Horrorshow.

Besonders der Rhythmus entwickelt eine schwere, stampfende Wirkung. Die großen Chöre und orchestralen Elemente verleihen dem Song eine apokalyptische Breite, ohne die melodische Zugänglichkeit aufzugeben. Dominum lassen die Welt nicht in trostloser Stille untergehen, sondern mit erhobener Faust und einem Refrain für die gesamte Living Dead Squad.

Als Finale funktioniert »Endzeit« hervorragend. Die längere Spielzeit erlaubt stärkere Kontraste, und die Produktion erreicht noch einmal ihre größte Breite. Während einige frühere Songs schnell auf ihren zentralen Refrain zusteuern, nimmt sich diese Nummer ausreichend Zeit für eine tatsächliche Entwicklung.

Danach folgen zwei akustische Neubearbeitungen älterer Titel. »Don’t Get Bitten By The Wrong Ones« und »Hey Living People« zeigen, dass die Melodien der Band auch ohne massive Gitarren und bombastische Synthesizer funktionieren.

Gerade »Don’t Get Bitten By The Wrong Ones« gewinnt durch die reduzierte Instrumentierung eine beinahe klassische Rockballadenwirkung. Der Gesang rückt in den Vordergrund, während akustische Gitarren und zurückhaltende Arrangements eine neue Perspektive auf das Material ermöglichen.

Auch »Hey Living People« übersteht die Entkleidung problemlos. Die Version besitzt einen leicht morbiden Lagerfeuercharakter und beendet die Platte auf ruhigere Weise.

Trotzdem wirken beide Titel eher wie Bonusmaterial als wie ein notwendiger Bestandteil der Dramaturgie. Der eigentliche Schluss ist »Endzeit«. Die akustischen Stücke sind eine angenehme Zugabe, nehmen dem großen Finale aber etwas von seiner Endgültigkeit.

KURZE SONGS FÜR GROSSE BÜHNEN

Ein auffälliges Merkmal von »Night is Calling« ist die kompakte Gestaltung. Die meisten Songs bewegen sich um die Marke von drei bis dreieinhalb Minuten. Lange instrumentale Einleitungen, ausgedehnte Soli und progressive Umwege werden weitgehend vermieden.

Diese Konzentration ist kein Zufall. Dominum schreiben Musik für direkte Wirkung. Ein Song soll innerhalb kurzer Zeit seine Atmosphäre aufbauen, den Refrain platzieren und sich im Gedächtnis festsetzen. Die Stücke funktionieren deshalb sowohl im Albumkontext als auch in Playlists und auf großen Festivalbühnen.

Die Kehrseite liegt in einer gewissen Vorhersehbarkeit. Viele Titel folgen einem ähnlichen Spannungsbogen aus kurzer Einleitung, Strophe, ansteigendem Pre-Chorus und möglichst großem Refrain. Solange die Melodie stark genug ist, fällt das kaum ins Gewicht. Bei schwächeren Nummern wird die Formel jedoch deutlich sichtbar.

Die Reihenfolge ist dennoch sinnvoll gewählt. Der härtere Zirkusauftakt wird von den poppigeren »Doctor Doctor« und »Children Of The Night« abgelöst. »Dark Melodies« reduziert das Tempo, bevor der Titeltrack und »Jack The Ripper« die Energie wieder erhöhen.

Auch die Position des Covers ist nachvollziehbar. »Thriller« steht im hinteren Mittelfeld und übernimmt dort die Rolle eines zusätzlichen Publikumsmagneten, ohne den Einstieg des Albums zu dominieren. »Endzeit« erhält schließlich genügend Abstand, um als großes Finale zu wirken.

Diese Dramaturgie verhindert, dass die starke Orientierung an eingängigen Refrains vollständig ermüdet. Die Unterschiede zwischen den Songs sind nicht gewaltig, aber ausreichend, um den Fluss über 45 Minuten aufrechtzuerhalten.

DR. DEAD UND SEINE PRODUKTIONSMASCHINE

Hinter der Figur Dr. Dead steht Produzent und Sänger Felix Heldt. Seine Erfahrung in der Studioarbeit ist auf dem gesamten Album deutlich zu hören. Jedes Instrument besitzt einen klar bestimmten Platz, die Refrains öffnen sich zuverlässig und die elektronischen Elemente werden eng mit den Gitarren verbunden.

Das Album klingt groß, sauber und ausgesprochen modern. Die Gitarren von Tommy Kemp verfügen über ausreichend Gewicht, ohne die Melodien zu überdecken. Patient 0 sorgt am Bass für das Fundament, während die Schlagzeugspuren den Songs eine gleichmäßige Vorwärtsbewegung geben.

Neben Victor Hilltop ist auf einem Großteil des Albums Simon Michael am Schlagzeug beteiligt. Programmierungen von Constantin Krieg, Corvin Bahn und Jan Lammert erweitern den elektronischen und cineastischen Anteil.

Das Mixing von Jacob Hansen erfüllt sämtliche Erwartungen an eine moderne Napalm-Records-Produktion. Die Drums besitzen Druck, die Stimmen stehen klar im Zentrum und die Synthesizer erhalten genügend Breite. Selbst in den dichtesten Refrains bleibt die Musik übersichtlich.

Allerdings verliert das Album durch diese Kontrolle etwas an Gefahr. Die Horrorthemen wirken selten tatsächlich bedrohlich, weil selbst der letzte Schrei sauber in das Gesamtbild eingefügt wird. Der Klang ist stärker auf maximale Wirkung als auf rohe Atmosphäre ausgerichtet.

Für die Musik von Dominum ist diese Entscheidung grundsätzlich richtig. Eine schmutzige Underground-Produktion würde den großen Refrains und elektronischen Arrangements kaum gerecht. Dennoch hätten einzelne Gitarrenpassagen etwas mehr Rauheit vertragen können.

Gesanglich präsentiert sich Dr. Dead vielseitiger als zu Beginn des Projekts. Tiefe, warme Klargesangspassagen wechseln mit kraftvollen Rockstimmen und sparsam eingesetzten aggressiven Ausbrüchen. Besonders »Dark Melodies« zeigt, dass seine Stimme auch ohne permanente Überhöhung trägt.

HORROR, HUMOR UND EINE MENGE POP

Das Zombie-Konzept könnte leicht zur Belastung werden. Bands mit stark ausgeprägten Figuren, Kostümen und fortlaufenden Geschichten laufen immer Gefahr, dass die äußere Inszenierung interessanter wird als die Musik.

Bei Dominum steht das Konzept jedoch im Dienst der Songs. Die Horrorgeschichten liefern Titel, Bilder und Bühnensituationen, während die Musik bewusst zugänglich bleibt. Niemand muss die vollständige Hintergrundgeschichte der Living Dead Squad kennen, um einen Refrain mitzusingen.

Dabei nimmt sich die Band erfreulicherweise nicht zu ernst. »I Don’t Drink Wine«, die offensichtliche Auswahl von »Thriller« und der gesamte Zirkusrahmen zeigen, dass Humor ein fester Bestandteil des Projekts ist.

Diese Leichtigkeit unterscheidet Dominum von Formationen, die ähnliche Themen mit großer sakraler oder mythologischer Schwere behandeln. Hier darf die Apokalypse Spaß machen, der Vampir tanzen und der untote Arzt an einer eingängigen Popmelodie verzweifeln.

Manche Hörer werden genau darin die größte Schwäche sehen. Wer Power Metal bereits grundsätzlich für zu glatt, zu fröhlich oder zu kitschig hält, wird durch »Night is Calling« kaum bekehrt. Die Band reduziert keines dieser Elemente, sondern stellt sie selbstbewusst ins Zentrum.

Der hohe Synthesizeranteil verstärkt diesen Eindruck. Mehrere Songs bewegen sich nah an Achtziger-Pop, Euro-Disco und modernem elektronischem Rock. Traditionelle Heavy-Metal-Puristen dürften sich daran stören.

Die entscheidende Frage lautet jedoch nicht, ob das Album kitschig ist. Das ist es zweifellos. Entscheidend ist, ob der Kitsch kontrolliert und mit guten Songs verbunden wird. Über weite Strecken gelingt genau das.

EIGENSTÄNDIGKEIT ZWISCHEN BEKANNTEN VORBILDERN

Vergleiche mit Powerwolf, Battle Beast, Beast In Black, Lordi oder Ghost lassen sich kaum vermeiden. Die Mischung aus Kostümen, Horrorästhetik, elektronischen Elementen und großen Refrains bewegt sich in einem inzwischen gut erschlossenen Bereich.

Auch einzelne Songs erinnern deutlich an bekannte Vorbilder. »Devil’s Son« verwendet vertraute sakrale Power-Metal-Bausteine, während »Doctor Doctor« seine Achtziger-Einflüsse offen ausstellt. Der Titeltrack könnte musikalisch problemlos in einem gemeinsamen Konzertprogramm mit Battle Beast stehen.

Trotzdem entwickeln Dominum zunehmend eine eigene Handschrift. Das liegt weniger an einzelnen Riffs als an der konsequenten Verbindung sämtlicher Bestandteile. Felix Heldt schreibt nicht einfach Power Metal und setzt anschließend Zombietexte darüber. Figuren, Videos, Melodien und Produktion werden als geschlossenes Unterhaltungskonzept gedacht.

Diese Geschlossenheit erklärt den schnellen Aufstieg der Band. Dominum liefern ein sofort verständliches Bild und Songs, die sich bereits beim ersten Kontakt erschließen. Gleichzeitig ist die musikalische Ausführung professionell genug, um nicht ausschließlich von der Optik abhängig zu sein.

Das dritte Album erweitert diese Identität vor allem durch stärkere Synthesizer, größere stilistische Unterschiede und eine noch deutlichere Orientierung an Popstrukturen. Die Band ist musikalisch nicht grundlegend härter geworden, wirkt aber selbstsicherer.

Nicht jede Idee besitzt dieselbe Qualität. »I Don’t Drink Wine« bleibt hinter den stärkeren Refrains zurück, »Thriller« ist eine naheliegende statt überraschende Coverwahl und einige bekannte Genrebausteine werden kaum verändert.

Dem stehen mit »The Circus is in Town«, »Doctor Doctor«, »Dark Melodies«, »Night is Calling« und »Endzeit« mehrere Titel gegenüber, die den bisherigen Katalog der Band sinnvoll erweitern.

FAZIT:

»Night is Calling« ist das bislang geschlossenste und abwechslungsreichste Album von Dominum. Die Band verbindet modernen Power Metal mit Achtziger-Synthesizern, poppiger Eingängigkeit und einer konsequent durchgezogenen Horrorshow. Besonders »The Circus is in Town«, »Dark Melodies«, der gemeinsam mit Marina La Torraca aufgenommene Titeltrack und das wuchtige »Endzeit« überzeugen. Die extrem saubere Produktion, einige bekannte Genrebausteine und der nicht immer treffsichere Humor verhindern eine höhere Wertung. Auch die beiden akustischen Zugaben wirken eher wie Bonusmaterial als wie Bestandteile des eigentlichen Albums. Wer mit theatralischem Metal, großen Keyboards und einer bewusst großzügig aufgetragenen Portion Kitsch leben kann, erhält dennoch eine hervorragend produzierte Sammlung eingängiger Songs. Warum der Zombie auf dem Artwork nach dem Mond greift, bleibt zwar ungeklärt – nach diesen 45 Minuten würde man ihm allerdings durchaus zutrauen, dass er ihn auch erreicht.

Dominum feat. Battle Beast – Night is Calling – Official Video

Internet

Dominum - Night is Calling - CD Review

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