Band: AD FINEM OMNIA 🇨🇱
Titel: Senectus Viae
Label: Purity Through Fire
VÖ: 06/07/26
Genre: Black Metal

Tracklist

01. Intro
02. The Hermit and the Wind
03. Inner Decay
04. Anguish and Revelation
05. The Leaf That Refused the Light
06. Where Existence Fails
07. Abolish God
08. Senectus Viae

 

Besetzung

Pablo Vera – vocals & all Instruments

 

Bewertung:

3,5/5

Ein-Mann-Projekt zwischen Verzweiflung und Erkenntnis

Hinter AD FINEM OMNIA verbirgt sich das Soloprojekt des chilenischen Musikers Pablo Vera, der auf »Senectus Viae« sämtliche Instrumente sowie den Gesang selbst übernimmt. Lediglich die Schlagzeugaufnahmen entstanden mit Unterstützung von Carlos Fuentes im Sonido Origen Studio, während Ricardo Araya in den Aphelion Studios für Mix und Master verantwortlich zeichnete. Das Ergebnis ist ein Black-Metal-Album, das weniger auf kompromisslose Raserei als vielmehr auf Atmosphäre, Melancholie und philosophische Schwere setzt. Die acht Stücke entfalten sich über gut 47 Minuten und beschäftigen sich mit Vergänglichkeit, innerem Verfall und der Suche nach Sinn in einer zunehmend trostlosen Welt.

Düster, nachdenklich und bewusst entschleunigt

Bereits das kurze Intro bereitet den Boden für die Reise, die anschließend mit »The Hermit and the Wind« ihren eigentlichen Anfang nimmt. Der über sieben Minuten lange Opener macht deutlich, wohin die musikalische Richtung führt. Kalte Gitarrenmelodien treffen auf klassische Black-Metal-Riffs, während immer wieder ruhige Passagen für Kontraste sorgen. Pablo Vera bevorzugt ein eher gemächliches Tempo und verzichtet weitgehend auf permanente Hochgeschwindigkeit. Dadurch gewinnen die Songs an Tiefe und entwickeln eine bedrückende Atmosphäre, die sich konsequent durch das gesamte Album zieht.

Besonders auffällig ist die Fähigkeit, melodische Gitarrenlinien mit harschen Klanglandschaften zu verbinden. Dabei erinnert manches an skandinavischen Black-Metal der zweiten Generation, ohne sich dabei in bloßer Nachahmung zu verlieren. Stattdessen schimmern immer wieder eigene Ideen durch, die dem Album einen eigenständigen Charakter verleihen.

Emotionen stehen über technischer Demonstration

Mit »Inner Decay« folgt einer der kompakteren Titel des Albums. Hier rücken intensive Riffs und ein wirkungsvoll eingesetztes Wechselspiel zwischen aggressiven und ruhigen Momenten in den Mittelpunkt. Der Gesang bleibt dabei klassisch schwarzmetallisch, bewegt sich jedoch nie ausschließlich in einer Tonlage. Immer wieder variieren Intensität und Ausdruck, wodurch die emotionalen Inhalte glaubwürdig transportiert werden.

»Anguish and Revelation« baut diesen Ansatz weiter aus. Die Komposition entwickelt sich langsam, fast meditativ, ehe sich das Stück mehrfach steigert und wieder zurücknimmt. Gerade diese Dynamik verhindert, dass die langen Spielzeiten monoton wirken. Vielmehr entsteht das Gefühl einer musikalischen Erzählung, die sich Stück für Stück entfaltet.

Auch »The Leaf That Refused the Light« überzeugt mit fein ausgearbeiteten Gitarrenharmonien. Hier zeigt sich, dass Pablo Vera großen Wert auf Melodie legt. Trotz aller Dunkelheit bleiben viele Themen im Gedächtnis und verleihen dem Album eine angenehme Wiedererkennbarkeit.

Zwischen Hoffnungslosigkeit und Aufbegehren

Im letzten Drittel gewinnt »Senectus Viae« noch einmal an Intensität. »Where Existence Fails« präsentiert sich schwer und bedrückend, während »Abolish God« mit seinem provokanten Titel auch musikalisch zu den kompromissloseren Momenten gehört. Blastbeats und aggressive Riffs erhalten hier deutlich mehr Raum, ohne jedoch die melodische Grundausrichtung vollständig zu verdrängen.

Der abschließende Titeltrack fasst die unterschiedlichen Facetten des Albums gelungen zusammen. Melancholische Gitarren, dichte Atmosphäre und kraftvolle Ausbrüche wechseln sich ab und sorgen für einen würdigen Abschluss. Gerade hier wird deutlich, dass AD FINEM OMNIA weniger auf einzelne Hits als auf das Gesamterlebnis setzt. Das Album wirkt wie eine zusammenhängende Reise durch verschiedene emotionale Zustände.

Produktion mit viel Atmosphäre

Klanglich präsentiert sich »Senectus Viae« ausgewogen. Der Mix lässt sämtlichen Instrumenten genügend Raum, ohne die gewünschte Rauheit des Genres einzubüßen. Besonders die Gitarren besitzen eine angenehme Tiefe und wirken weder überproduziert noch künstlich geglättet. Die Drums fügen sich organisch ins Gesamtbild ein und liefern eine solide Grundlage für die häufig komplex aufgebauten Arrangements.

Auch das Mastering überzeugt mit ausreichend Dynamik. Gerade die ruhigeren Passagen profitieren davon, da sie den folgenden Ausbrüchen mehr Wirkung verleihen. Die Produktion bewegt sich damit genau auf dem schmalen Grat zwischen moderner Transparenz und traditioneller Black-Metal-Ästhetik.

Stärken mit kleinen Schwächen

So stimmungsvoll das Album insgesamt ausfällt, ganz ohne Kritik bleibt es nicht. Einige Kompositionen ähneln sich im Aufbau, wodurch gegen Ende gelegentlich leichte Längen entstehen. Wer abwechslungsreiche Tempowechsel oder besonders spektakuläre Instrumentalpassagen erwartet, könnte sich etwas mehr Mut zur Variation wünschen. Zudem verlangt die überwiegend melancholische Grundstimmung dem Hörer Aufmerksamkeit ab und eignet sich weniger für den beiläufigen Konsum.

Dennoch überwiegen eindeutig die positiven Eindrücke. Pablo Vera beweist als Songwriter ein gutes Gespür für Atmosphäre und emotionale Spannung. Seine Musik lebt nicht von extremer Geschwindigkeit oder technischer Selbstdarstellung, sondern von sorgfältig aufgebauten Klanglandschaften und einer konsequent durchgezogenen Stimmung.

Mit »Senectus Viae« legt das Soloprojekt AD FINEM OMNIA ein solides und atmosphärisch dichtes Black-Metal-Album vor, das vor allem Liebhaber melodischer und nachdenklicher Ausprägungen des Genres ansprechen dürfte. Die Mischung aus klassischen Black-Metal-Elementen, melancholischen Gitarrenmelodien und einer stimmigen Produktion sorgt für ein rundes Gesamtbild. Zwar hätten etwas mehr Abwechslung und einige mutigere Akzente dem Album zusätzlich gutgetan, doch die starke Atmosphäre und die überzeugenden Kompositionen machen diese kleineren Schwächen weitgehend wett.

Fazit: Insgesamt zeigt »Senectus Viae« die Vielseitigkeit und Tiefe, die im Black-Metal möglich ist, wenn musikalische Aggression mit philosophischer Reflexion verbunden wird.

Internet

AD FINEM OMNIA - Senectus Viae - CD Review

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Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.