Band: Volubilis 🇨🇦
Titel: Theasterion
Label: Eigenveröffentlichung
VÖ: 10.07.2026
Format: Digital
Genre: Technical Death Metal / Progressive Death Metal / Melodic Death Metal
Spielzeit: 32:45 Minuten

Tracklist

01. Le Flamboiement Stellaire
02. Theasterion
03. Homo Cumulus
04. Ashes & Embers
05. The Prism
06. Unukhalai Supernova

Besetzung

Miguel Marcheterre-Pina – Rhythmus-, Lead- und Akustikgitarren, Komposition, Konzept, Texte, Artwork
Shawn Hillman – Fretless Bass, Kontrabass auf Track 06
André Dubien – Gesang, Texte auf Track 03 und 06
Jacob Collins – Schlagzeug

Gäste:
Alexis Rioux – Gitarrensoli auf Track 01, 02 und 03
Michelle Gao – Violine und Viola auf Track 06

Produktion: Miguel Marcheterre-Pina und Mitchi Dimitriadis
Mix und Mastering: Mitchi Dimitriadis
Artwork: Miguel Marcheterre-Pina

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Kanada und Technical Death Metal bleiben eine verlässliche Verbindung. Volubilis aus Montréal ergänzen diese Tradition mit einem Debüt, das höchste instrumentale Anforderungen, melodische Verständlichkeit und eine vollständig ausgearbeitete Science-Fiction-Handlung zusammenführt. »Theasterion« erschien am 10. Juli 2026 im Eigenvertrieb und benötigt für seine sechs Kapitel lediglich 32:45 Minuten. In dieser überschaubaren Spielzeit passiert enorm viel, doch die Songs behalten erkennbare Motive, rhythmische Schwerpunkte und sauber vorbereitete Übergänge.

Hinter dem Projekt steht Gitarrist und Konzeptautor Miguel Marcheterre-Pina. Erste Riffs entstanden bereits 2016 und 2017, Volubilis selbst wurde 2020 zunächst als Soloprojekt gegründet. Für das fertige Album stellte Marcheterre-Pina eine Besetzung zusammen, die seine detaillierten Kompositionen mit beeindruckender Genauigkeit umsetzt. Shawn Hillmans Fretless Bass, Jacob Collins’ variables Schlagzeug und André Dubiens tiefe Growls sowie hohe Schreie arbeiten eng mit den Gitarren zusammen. Gastsoli, Akustikgitarre, Klavier, Orchestrierung, Kontrabass, Violine und Viola erweitern das Sounddesign, ohne den Technical Death Metal zu einem reinen Schaukasten für Studiotechnik zu machen.

Volubilis spielen schnell, komplex und häufig neoklassisch, behalten aber Groove und Melodie als feste Bestandteile. Referenzen zu Obscura, Beyond Creation, First Fragment, Archspire und Allegaeon sind hörbar. »Theasterion« besitzt dennoch eine eigene Ordnung, weil die technische Arbeit konsequent an die Erzählung und an den Verlauf jedes Stücks gebunden bleibt.

Volubilis – Le Flamboiement Stellaire – Official Lyric Video

EIN DEBÜT MIT LANGER ENTSTEHUNGSGESCHICHTE

Zehn Jahre zwischen den frühesten Ideen und dem fertigen Album sind für ein Debüt ungewöhnlich. Diese lange Arbeitsphase ist in der kompositorischen Sorgfalt hörbar. Marcheterre-Pina reiht seine Riffs nicht wahllos aneinander. Wiederkehrende melodische Figuren, akustische Entsprechungen und Übergänge über Klavier oder Orchestrierung verbinden die einzelnen Stücke. Selbst die abrupten Tempowechsel besitzen meistens einen klaren Ausgangspunkt und eine verständliche Folge.

Die Platte stellt ihre Virtuosität offen aus. Sweep-Arpeggien, schnelles Wechselschlagspiel, synkopierte Akkorde und gegenläufige Basslinien gehören zum Grundvokabular. Entscheidend ist jedoch, dass Volubilis regelmäßig Platz schaffen. Ein Akustikteil am Ende von »Homo Cumulus«, das Klavier zwischen »Ashes & Embers« und »The Prism« oder die Streicher im Finale setzen deutliche Kontraste zur hohen Dichte der Metal-Passagen.

Diese Disziplin schützt »Theasterion« vor einem verbreiteten Problem des Genres. Technischer Death Metal kann schnell wie eine Sammlung austauschbarer Übungen wirken, wenn jeder Takt nur den nächsten Schwierigkeitsgrad beweisen soll. Volubilis setzen ihre Fähigkeiten kompositorisch ein. Die Soli entwickeln Themen weiter, Hillmans Bass kommentiert die Gitarren, und Collins nutzt seine Fills zur Vorbereitung neuer Abschnitte. Das fantastische Zusammenspiel ist deshalb mindestens ebenso wichtig wie die Leistung jedes einzelnen Musikers.

DIE HANDLUNG: PROPHEZEIUNG, MACHTKAMPF UND AUSLÖSCHUNG

»Theasterion« erzählt eine durchgängige Zukunftsgeschichte. Die Erde ist unbewohnbar geworden, und ein Teil der Menschheit lebt auf einem Satelliten, der den Planeten Theasterion umkreist. Dort erscheint ein rätselhaftes Prisma. Seine Glyphen enthalten eine Prophezeiung: Unukhalai, der nächstgelegene Stern, wird als Supernova enden.

Die Nachricht spaltet die Kolonie. Politische Interessen, Zweifel und der Kampf um schwindende Ressourcen verschärfen die Lage. Eine Gruppe von Söldnern organisiert einen Staatsstreich und verlässt den Satelliten, um auf Theasterion nach einer Überlebensmöglichkeit zu suchen. Auf dem Planeten begegnet sie dem Homo Cumulus, einer nicht linear existierenden anthropoiden Lebensform, deren Entwicklung außerhalb menschlicher Maßstäbe liegt. Die Entschlüsselung des Prismas bringt keine Rettung. Die Menschheit erreicht ihr Ende, bevor sie dem angekündigten kosmischen Ereignis entkommen kann.

Marcheterre-Pina hat diese Welt nicht allein über Texte entwickelt. Das von ihm gestaltete Cover zeigt das Prisma über den Obsidianebenen von Theasterion. Zeichnung mit Tusche und Kohle, Acrylmalerei und digitale Illustration wurden miteinander kombiniert. Der reduzierte Aufbau lenkt den Blick auf das zentrale Symbol, während die Musik dessen Bedeutung in zunehmend größeren Zusammenhängen erklärt. Ein ergänzendes Comicprojekt soll die Geschichte später fortführen.

Das Konzept ist umfangreich, verlangt jedoch die Lektüre der Texte. Dubiens Growls und Schreie transportieren Dringlichkeit, machen den konkreten Ablauf aber nur selten verständlich. Musikalisch funktioniert das Album auch ohne Kenntnis der Handlung. Für die vollständige Erzählung sind Bandcamp-Texte und Begleitinformationen unverzichtbar.

LE FLAMBOIEMENT STELLAIRE: DIE KOLONIE ZERBRICHT

Der Auftakt ist das einzige Stück mit französischem Text. »Le Flamboiement Stellaire« fasst die Ausgangslage, die Entdeckung der Prophezeiung, den Staatsstreich und den Aufbruch der Söldner zusammen. Musikalisch stellt der Song bereits nahezu alle wesentlichen Eigenschaften des Albums vor.

Collins beginnt mit hohem Tempo und präzisen Doublebass-Figuren. Darüber wechseln die Gitarren zwischen eng gesetzten Rhythmusmustern, melodischen Sweeps und kurzen harmonischen Verschiebungen. Dubien kombiniert ein tiefes, kräftiges Growlen mit höheren, schwarzmetallisch gefärbten Schreien. Beide Stimmlagen werden stellenweise geschichtet, wodurch der Gesang eine größere Breite erhält.

In der Mitte reduziert die Band die Verzerrung deutlich. Akustische Gitarren übernehmen das Motiv und führen zu einem längeren Solo. Alexis Rioux fügt sich hier so gut in Marcheterre-Pinas Sprache ein, dass der Wechsel des Leadgitarristen nicht als Fremdkörper auffällt. Der Übergang bringt Ruhe, bewahrt aber die melodische Verbindung zum schnellen Hauptteil.

Der Song ist ein starker Einstieg, offenbart allerdings auch eine Schwäche des Mixes. Das erste Solo könnte weiter vorne stehen. In einer Passage mit gleichzeitig arbeitenden Gitarren, Bass, Schlagzeug und Stimme verschwinden einzelne Leadnoten hinter der Gesamtlautstärke. Die Komposition bleibt verständlich, doch nicht jedes sorgfältig gespielte Detail erhält den passenden Raum.

THEASTERION: ANKUNFT AUF DEM PLANETEN

Der Titeltrack beginnt mit einer orchestralen Einleitung, bevor Riffs und Schlagzeug das harmonische Material übernehmen. Inhaltlich erreichen 24 Söldner die kalte Oberfläche des Planeten. Schwefelwolken, Obsidianfelder und das erste Zusammentreffen mit einer fremden Existenz werden durch eine Mischung aus melodischer Weite und kontrollierter Aggression dargestellt.

Triplet-Riffs treiben den Song voran, während die Leadgitarre mehrere Stimmen gegeneinander setzt. Ein kurzer Rückgriff auf traditionelleren Death Metal gibt dem Stück zusätzliches Gewicht. Anschließend werden die Takte wieder unruhiger: Stop-and-go-Akzente, schnelle Galoppfiguren und polyrhythmische Verschiebungen folgen aufeinander, ohne die zentrale Melodie zu verdrängen.

Hillmans Fretless Bass gehört hier zu den stärksten Elementen. Er verdoppelt die Gitarren nur selten und setzt stattdessen bewegliche Gegenlinien. Besonders unter den längeren Leads entsteht ein produktiver Gegensatz zwischen dem fließenden Bassklang und dem harten Anschlag der Rhythmusgitarren. Collins reagiert darauf mit wechselnden Beckenmustern und Fills, die den Abschnitt strukturieren.

Mit 6:29 Minuten ist »Theasterion« der längste Titel der Platte. Seine Laufzeit fällt nicht negativ auf. Der Song verändert sein Tempo häufig, behält aber genügend Wiedererkennungsmerkmale. Das zeigt, wie sicher Volubilis bereits auf ihrem Debüt mit längeren Formen umgehen.

HOMO CUMULUS: TECHNIK, DISSONANZ UND AKUSTIK

Ein kurzes Bassmotiv eröffnet »Homo Cumulus«. Danach setzt die gesamte Besetzung mit einem vorwärts gerichteten Riff ein. Laut Band handelt es sich um das schnellste Stück des Albums. Der Eindruck entsteht nicht ausschließlich durch Blastbeats. Collins verbindet hohe Geschwindigkeit mit komplexen Fills und Akzentverschiebungen, während die Gitarren ihre Figuren in sehr kurzen Abständen verändern.

Der Homo Cumulus wird als Lebensform beschrieben, die weder menschlichen Körpervorstellungen noch linearer Zeit unterliegt. Diese Fremdheit findet in einem schweren, dissonanten Mittelteil eine musikalische Entsprechung. Die Harmonien werden enger und weniger melodisch, das Schlagzeug betont einzelne Schläge massiver, und Dubiens Stimme wechselt zwischen tiefen und hohen Extremen.

Alexis Rioux übernimmt sein drittes Gastsolo und bleibt erneut dem Song verpflichtet. Statt den Abschnitt mit maximal vielen Noten zu überfüllen, greift er vorhandene Linien auf und führt sie in einer helleren Tonlage weiter. Im letzten Teil kehrt die Geschwindigkeit zurück, bevor eine leidenschaftlich gespielte Akustikgitarre den Song beendet.

Dieser Schluss gehört zu den besten Übergängen des Albums. Er liefert keinen zufälligen Ruhepunkt, sondern zeigt dasselbe melodische Denken in einer anderen Klangfarbe. Dadurch wird hörbar, dass die Stücke bereits ohne Verzerrung und extreme Drums kompositorische Substanz besitzen.

ASHES & EMBERS: FEUER AUF DER ALTEN ERDE

»Ashes & Embers« richtet den Blick zeitweise zurück auf die ökologische Vernichtung der Erde. Waldbrände, Hitze, Rauch und völlige Verwüstung bestimmen den Text. Volubilis wählen dafür eine besonders harte Verbindung aus Technical Death Metal und schwarzmetallischer Geschwindigkeit.

Die ersten neunzig Sekunden sind dicht und aggressiv. Ein Riff im Dreiergefühl trifft auf schnelle Blastbeats, danach verändert eine phrygisch gefärbte Passage die Harmonik. Ein kurzes Solo schafft Abstand, bevor ein prägnantes Tapping-Motiv die Gitarrenarbeit übernimmt. Trotz mehrerer Richtungswechsel bleibt der Song mit 4:49 Minuten sehr kompakt.

Collins spielt hier ausgesprochen energisch. Seine unterschiedlich gruppierten Doublebass-Figuren verändern fortlaufend die Betonungen der Gitarren. Hillman hält den unteren Bereich beweglich und gibt den melodischen Teilen einen klaren Gegenpol. Dubien klingt in diesem Stück besonders rau und nutzt hohe Schreie, um die apokalyptische Wirkung des Textes zu verschärfen.

Am Ende erscheint ein barock gefärbtes Klavier. Es beendet den Song nicht vollständig, sondern führt direkt in das folgende Instrumental. Diese Verbindung gehört zu den stärksten dramaturgischen Entscheidungen der Platte. Zwei formal getrennte Titel werden durch ein gemeinsames Motiv zusammengehalten.

THE PRISM: VIER MINUTEN OHNE GESANG

Das Klavier bleibt zu Beginn von »The Prism« präsent. Gitarren und Schlagzeug setzen synkopierte Figuren dagegen, bevor Collins in Blastbeats wechselt. Als einziges Instrumentalstück entlastet der Track die Platte von Dubiens permanent intensiver Stimme und gibt der instrumentalen Erzählung den vollständigen Raum.

Marcheterre-Pina kombiniert neoklassische Leads mit harten Tech-Death-Riffs. Einzelne Passagen erinnern durch ihre Harmonik an symphonischen Death Metal und teilweise sogar an die melodische Direktheit des Power Metal. Das Ergebnis bleibt dennoch fest im Gesamtklang verankert. Klavier und Leadgitarre übernehmen abwechselnd die Führung, während Bass und Schlagzeug die Übergänge mit auffallender Präzision verbinden.

Hillman erhält mehrere deutlich hörbare Momente. Sein Fretless Bass bewegt sich frei zwischen den Gitarren und setzt eigene melodische Aussagen. Gerade hier bestätigt sich, wie wichtig seine Spielweise für Volubilis ist. Sie gibt den vielen scharf artikulierten Gitarrentönen eine weichere, gleitende Gegenbewegung.

»The Prism« ist einer der Höhepunkte von »Theasterion«. Das Stück fasst die technische Seite der Band kompakt zusammen, ohne wie eine Vorführung einzelner Fähigkeiten zu klingen. Jede instrumentale Stimme trägt zum Verlauf bei.

UNUKHALAI SUPERNOVA: DAS VORHERGESAGTE ENDE

Der Abschluss schildert die Supernova und die letzten Augenblicke menschlicher Wahrnehmung. »Unukhalai Supernova« verbindet die höchste kompositorische Dichte des Albums mit seiner umfangreichsten Instrumentierung. Michelle Gao spielt Violine und Viola, Shawn Hillman ergänzt den Fretless Bass um Kontrabass, und die Orchestrierung vergrößert den harmonischen Rahmen.

Die erste Hälfte arbeitet erneut mit sehr schnellen Sweep-Figuren, harten rhythmischen Unterbrechungen und einzelnen Einflüssen aus modernem Deathcore. Kurz vor der Mitte stoppt die Metal-Besetzung. Orchestrale Klänge bleiben zurück, anschließend kehren Bass, Gitarren und Schlagzeug schrittweise wieder. Ein schweres, bassgeführtes Riff gibt dem zweiten Abschnitt eine andere körperliche Wirkung.

In diesem Teil taucht der einzige kurze Clean-Gesang des Albums auf. Er bleibt weit im Hintergrund und wird bald wieder von Growls überlagert. Eine etwas mutigere Platzierung hätte den emotionalen Kontrast verstärkt. Dasselbe gilt für die Streicher. Ihre Linien sind vorhanden und lassen sich mit Aufmerksamkeit verfolgen, werden in den dichtesten Momenten aber teilweise von Gitarren und Stimme verdeckt.

Das Finale reduziert zunächst das Tempo, damit Orchestrierung und Gesang größer wirken können. Danach beschleunigt die Band ein letztes Mal. Inhalt und Musik erreichen gemeinsam ihren Endpunkt. Trotz der kleinen Probleme in der Gewichtung einzelner Spuren ist »Unukhalai Supernova« ein überzeugender Abschluss, weil alle zuvor eingeführten Klangfarben noch einmal sinnvoll zusammengeführt werden.

VIER MUSIKER, DIE KOMPLEXITÄT GEMEINSAM TRAGEN

Miguel Marcheterre-Pina ist Komponist und konzeptioneller Leiter, doch »Theasterion« klingt nicht nach isoliert aufgenommenen Beiträgen. Jacob Collins reagiert sehr genau auf die Gitarren. Seine Doublebass-Figuren verstärken die schnelle Artikulation, während Fills und Beckenwechsel die zahlreichen Übergänge kenntlich machen. Er spielt technisch anspruchsvoll, ohne den Takt mit permanenten Verzierungen zu überfrachten.

Shawn Hillman nutzt den Fretless Bass als eigenständige Stimme. In den dichten Abschnitten verbindet er Rhythmus und Harmonie, in ruhigeren Momenten tritt sein melodisches Spiel deutlicher hervor. Seine Gegenlinien im Titeltrack und seine Beiträge zu »The Prism« gehören zu den Details, die bei wiederholtem Hören weiter an Bedeutung gewinnen.

André Dubien hält seine Vokalsprache bewusst eng. Tiefe Growls dominieren, hohe Schreie sorgen für Abwechslung und werden gelegentlich geschichtet. Für die emotionale Bandbreite der komplexen Handlung wären weitere Farben denkbar. Die seltenen Clean Vocals im Finale zeigen eine Möglichkeit, die auf kommenden Veröffentlichungen stärker genutzt werden könnte. Innerhalb des aggressiven Grundtons arbeitet Dubien jedoch kraftvoll und rhythmisch präzise.

Alexis Rioux und Michelle Gao wurden nicht als auffällige Zusatznamen eingesetzt. Rioux führt die melodische Sprache der Hauptgitarre weiter, Gao erweitert das Finale um echte Streicherfarben. Beide Beiträge bestätigen den gemeinschaftlichen Charakter dieser Produktion. Gerade bei einem Album, dessen Ursprung in einem Soloprojekt liegt, ist dieses homogene Zusammenspiel bemerkenswert.

PRODUKTION: KLARER GRUNDKLANG MIT ENGEN STELLEN

Miguel Marcheterre-Pina und Mitchi Dimitriadis produzierten das Album gemeinsam; Dimitriadis verantwortete außerdem Mix und Mastering. Der Grundklang ist modern, fest und ausreichend transparent für das hohe Spieltempo. Gitarrenanschläge bleiben deutlich, Collins’ Schlagzeug besitzt Druck, und Dubiens Stimme setzt sich jederzeit durch. Die Produktion klingt sauber, aber nicht steril.

Das Sounddesign gehört zu den großen Stärken. Akustikgitarren, Klavier, orchestrale Ebenen und Streicher erscheinen an kompositorisch sinnvollen Positionen. Sie wurden nicht nachträglich als Dekoration verteilt, sondern verändern Rhythmus, Harmonie oder Atmosphäre. Besonders die Verbindung von »Ashes & Embers« und »The Prism« zeigt, wie sorgfältig diese Elemente geplant wurden.

Vollständig ausgewogen ist der Mix nicht. Dubiens Gesang steht an mehreren Stellen zu weit vorne. Bei hoher Geschwindigkeit konkurrieren Rhythmusgitarren, Leads, Bass, Schlagzeug und Stimme um denselben begrenzten Raum. Das erste Solo des Openers und die Streicher im Finale verlieren dabei an Präsenz. Hillmans Bass ist in freien Passagen ausgezeichnet hörbar, wird unter dichtem Palm-Muting und Doublebass aber gelegentlich schmaler, als es sein Spiel verdient.

Diese Kritik betrifft einzelne Momente, nicht die grundsätzliche Qualität der Produktion. Die sechs Songs bleiben selbst bei großer Geschwindigkeit nachvollziehbar. Ein etwas tiefer platzierter Gesang und mehr Raum für Bass, Soli und Streicher hätten aus dem guten Mix einen ausgezeichneten gemacht.

KURZE SPIELZEIT, HOHE WIEDERHÖRBARKEIT

32:45 Minuten sind für ein Konzeptalbum knapp. Volubilis treffen damit eine kluge Entscheidung. Die hohe Zahl an Riffs, Soli und rhythmischen Veränderungen erzeugt keine Ermüdung, weil das Album endet, bevor seine Mittel an Wirkung verlieren. Kein Stück wirkt wie eine Verlängerung des vorherigen, und das Instrumental an fünfter Position verändert rechtzeitig den Ablauf.

Einige Songenden fallen sehr abrupt aus. Der folgende Track greift zwar häufig eine Stimmung oder Klangfarbe auf, dennoch könnten einzelne Pausen oder weichere Ausblendungen den Gesamtfluss verbessern. Am deutlichsten kompensiert die direkte Klavierverbindung zwischen Track vier und fünf dieses Problem.

Die kompakte Form lädt zu weiteren Durchläufen ein. Beim ersten Hören dominieren Geschwindigkeit, Growls und Leadgitarren. Später treten Bassgegenlinien, orchestrale Details, akustische Rückbezüge und kleine rhythmische Variationen deutlicher hervor. »Theasterion« gewinnt durch diese zweite und dritte Ebene, statt seinen gesamten Reiz sofort preiszugeben.

FAZIT:

Volubilis legen mit »Theasterion« ein starkes und erstaunlich reifes Debüt vor. Miguel Marcheterre-Pinas Gitarren und Kompositionen liefern die Grundlage, doch erst das präzise Zusammenspiel mit Shawn Hillman, André Dubien und Jacob Collins gibt den sechs Stücken ihre vollständige Wirkung. Gastsoli, Akustikgitarre, Klavier, Fretless Bass, Kontrabass und Streicher erweitern das Sounddesign, ohne die technische Death-Metal-Basis aufzuweichen. Die Science-Fiction-Handlung ist detailliert ausgearbeitet, erschließt sich wegen der extremen Vocals allerdings erst mit den Texten. Kleine Schwächen im Mix verdecken zeitweise Bass, Soli und Streicher; auch Dubiens Stimme könnte etwas tiefer sitzen. Dem gegenüber stehen ausgezeichnetes Songwriting, hohe Wiederhörbarkeit und mehrere Höhepunkte mit »Theasterion«, »Homo Cumulus«, »The Prism« und »Unukhalai Supernova«. Ein eigenständiger Einstand, der sich seine 4 von 5 Punkte durch musikalische Substanz und ein fantastisches Zusammenspiel verdient.

Volubilis – Ashes & Embers (Remastered) – Official Visualizer

Internet

VOLUBILIS - THEASTERION - Album Review

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