Tracklist
01. Advent of Suffering – 05:52
02. Poverty of Thought
03. Apophis
04. Tears in Bethlehem
05. Cruentis Omega
06. Khlyst
07. Beneath the Cairn
08. Madness and the Void
09. The Tenth Circle
10. Curse of Haserot
Besetzung und Produktion
Justin McKittrick – Gesang
Maurice Eggenschwiler – Leadgitarre und Akustikgitarren
Brandon Johnson – Rhythmusgitarre
Garrick Smith – Bass
Cryptos Grimm – Schlagzeug
Keegan Kelly – Live-Bass
Gäste:
Marc Grewe – zusätzlicher Gesang bei »Tears in Bethlehem«
James Murphy – zusätzliche Gitarrensoli bei »Curse of Haserot«
Andy LaRocque – zusätzliches Gitarrensolo bei »Curse of Haserot«
Aufnahme: Ricardo Contreras, Lucky Run Studio, Dezember 2023
Mix und Mastering: Dan Swanö, Unisound Studios, August und September 2024
Artwork: Juanjo Castellano
Bandfotos: Rick Custer
Logo: Diablo Macabre
Layout: Thulio Franco
Houston besitzt weder skandinavische Temperaturen noch den Stockholmer HM-2-Mythos. Haserot benötigen beides nicht, um auf »Advent of Suffering« schwedische Melodieführung mit amerikanischer Rhythmushärte zu verbinden. Das Quintett aus Texas hat sich tief mit dem Death Metal der Neunziger beschäftigt, behandelt die Vergangenheit aber nicht wie eine Sammlung unantastbarer Reliquien. Die zehn Stücke klingen wach, kraftvoll und bemerkenswert griffig. Morbid Angel, Entombed, Carcass, Death und Bloodbath bilden erkennbare Koordinaten, doch Haserot schreiben daraus ein geschlossenes Debütalbum mit eigener Handschrift.
Am 10. Juli 2026 erscheint »Advent of Suffering« über Redefining Darkness Records. Seit der Gründung um das Jahr 2020 haben Haserot ihre Vorstellung von Death Metal bereits auf der EP »Throne of Malice« abgesteckt. Das erste Album erweitert diesen Ansatz um melodischere Leads, klarer geführte Songstrukturen und eine Produktion, die jedes Detail mit Nachdruck freilegt. Wer alte Schwedentod-Gitarren, amerikanische Riffdisziplin und ausdrucksstarke Soli gern gemeinsam hört, bekommt hier 38 Minuten und 52 Sekunden sehr ordentliches Futter.
Der Bandname verweist auf die sogenannte Haserot Angel, die bronzene Grabskulptur »The Angel of Death Victorious« auf dem Lake View Cemetery in Cleveland. Ihre dunklen Oxidationsspuren wirken wie Tränen und passen zu einer Platte, die Tod, Mythologie, Blasphemie und menschliches Leid nicht als lose Dekoration verwendet. Schon Juanjo Castellanos klassisches Death-Metal-Artwork macht klar, in welchem kulturellen Umfeld sich diese Musik bewegt. Haserot denken dabei musikalisch deutlich beweglicher, als es die bewusst traditionsverbundene Verpackung zunächst vermuten lässt.
SCHWEDISCHE MELODIE UND AMERIKANISCHER DRUCK
Der Kern von »Advent of Suffering« liegt in der Verbindung zweier Death-Metal-Traditionen. Brandon Johnson liefert ein festes rhythmisches Gerüst, während Maurice Eggenschwiler melodische Linien und Soli darüberlegt. Manche Gitarrentöne besitzen das sägende Timbre des schwedischen Death Metal, andere Riffs arbeiten mit der präziseren Schlagkraft amerikanischer Bands. Die Melodien sorgen nicht für Freundlichkeit. Sie verschärfen die bedrohliche Stimmung und geben den Stücken zugleich einen hohen Wiedererkennungswert.
Haserot setzen bevorzugt auf mittlere bis schnelle Tempi. Blastbeats kommen vor, bestimmen das Album aber nicht allein. Cryptos Grimm wechselt zwischen zügigem Vortrieb, doppelter Bassdrum, klar gesetzten Beckenakzenten und schweren Grooves. Dadurch behalten die Songs selbst bei hoher Geschwindigkeit eine erkennbare Kontur. Wenn das Tempo absinkt, wird die Musik nicht passiv. Die Band bündelt ihre Energie in kurzen, massiven Figuren, bevor der nächste Richtungswechsel folgt.
Justin McKittrick passt seinen Gesang diesen Bewegungen an. Seine tieferen Growls besitzen Druck, während die höheren, heiseren Attacken stellenweise an Jeff Walkers bissige Artikulation erinnern. Der Wechsel ist wichtig, weil viele Riffs ohnehin zwischen melodischer Schärfe und schwerem Groove pendeln. McKittrick setzt unterschiedliche Farben ein, ohne jeden Abschnitt demonstrativ markieren zu müssen. Seine Stimme bleibt aggressiv und verständlich im Mix positioniert, bekommt aber genug raue Oberfläche, um nicht steril zu wirken.
ADVENT OF SUFFERING: FÜNF MINUTEN ALS PROGRAMM
Der Titeltrack beginnt atmosphärisch und nimmt sich Zeit, bevor die volle Band ihre Kraft entfaltet. Schon hier zeigt sich Haserots Sinn für Dramaturgie. Eine düstere melodische Figur stellt die Grundstimmung her, dann verschiebt das Schlagzeug den Schwerpunkt in Richtung Angriff. Die Gitarren wechseln zwischen schnellen Riffs, scharf formulierten Leads und kurzen Solopassagen. Trotz einer Spielzeit von beinahe sechs Minuten bleibt der Song konzentriert.
Die Melodieführung erinnert an den frühen melodischen Death Metal und besitzt in manchen Wendungen eine leicht schwarzmetallische Kälte. Gleichzeitig verhindert die Rhythmusgruppe, dass der Titeltrack in schön klingender Gitarrenarbeit stecken bleibt. Garrick Smith und Cryptos Grimm setzen ein schweres Fundament, auf dem die beiden Gitarren ihre unterschiedlichen Aufgaben sauber verteilen können. Wenn ein Lead nach oben zieht, bleibt das Riff darunter stabil und der Song behält seine Körperlichkeit.
Als Auftakt funktioniert »Advent of Suffering« ausgezeichnet, weil das Stück nahezu alle Bausteine des Albums vorstellt: düstere Melodie, zügige Riffarbeit, kontrollierte Tempowechsel, tiefe und hohe Vocals sowie ein Solo, das den Verlauf erweitert. Haserot formulieren ihre Absichten klar und verzichten auf eine unnötig lange Einleitung.
POVERTY OF THOUGHT: SÄGEZAHN UND GROOVE
»Poverty of Thought« beginnt direkter. Die Gitarren erhalten eine besonders bissige Kontur, und der schwedische Einfluss tritt deutlich hervor. Das Stück beschleunigt zunächst energisch, kippt dann in einen knirschenden Groove und lässt McKittricks tiefere Growls stärker nach vorn treten. Seine höhere Stimme bringt einen Carcass-nahen Widerhaken in den Song, ohne zur bloßen Verbeugung vor Jeff Walker zu werden.
Die Wirkung entsteht durch die genaue Abstimmung der Musiker. Das Schlagzeug folgt nicht einfach den Gitarrenanschlägen, sondern setzt eigene Akzente und bereitet den Tempowechsel vor. Johnson hält die Rhythmusfigur fest, Eggenschwiler setzt melodische Spitzen, und der Bass verdichtet den unteren Bereich. In weniger als vier Minuten liefert die Band einen der unmittelbarsten Songs des Albums. »Poverty of Thought« besitzt Geschwindigkeit, einen klaren Refraincharakter und genug rhythmische Abwechslung, um auch nach mehreren Durchläufen interessant zu bleiben.
APOPHIS: KOMPAKT UND GIFTIG
Mit 2:47 Minuten ist »Apophis« der kürzeste vollständige Death-Metal-Song der Platte. Haserot packen viele Ideen in diese begrenzte Zeit, überfrachten das Stück aber nicht. Das Anfangsriff arbeitet schnell und präzise, die Vocals schneiden in kurzen Phrasen durch den Mix, und nach dem Solo verändert eine dunklere, beinahe schwarzmetallische Gitarrenfigur die Farbe.
Der Titel bezieht sich auf die altägyptische Verkörperung von Chaos und Finsternis. Musikalisch herrscht allerdings kein ungeordneter Zustand. Jede Beschleunigung und jeder Einschnitt sitzt an der vorgesehenen Stelle. Gerade diese Kontrolle verleiht »Apophis« seine Aggressivität. Carcass und früher skandinavischer Death Metal sind in der Riffgebung erkennbar, während die straffe Form deutlich Haserots eigener Songdisziplin folgt.
TEARS IN BETHLEHEM: MARC GREWE VERSTÄRKT DIE STIMMEN
»Tears in Bethlehem« drosselt das Tempo und setzt stärker auf einen schweren Groove. Einige Gitarrenwendungen erinnern an den Death Metal der späten Achtziger, als technische Entwicklung, Thrash-Wurzeln und unheilvolle Harmonik eng miteinander verbunden waren. Cryptos Grimm gestaltet die Übergänge mit kurzen Fills und präzisen Wechseln, sodass der Song trotz seiner geradlinigeren Bewegung lebendig bleibt.
Besondere Aufmerksamkeit verdient der Gastbeitrag von Marc Grewe. Der ehemalige Morgoth-Sänger teilt sich die Vocals mit McKittrick und bringt eine eigene, markante Färbung ein. Seine Stimme wurde von Marc Wüstenhagen in Berlin aufgenommen. Der Wechsel zwischen beiden Sängern wirkt nicht nachträglich angeklebt. Grewes rauer Ton passt zur tiefen Spannung des Stücks, während McKittrick die Verbindung zum restlichen Album hält.
Der Song ist ein gutes Beispiel für Haserots Gespür für Kontrast. Nach dem schnellen »Apophis« genügt ein niedrigeres Tempo, um das Gewicht der Gitarren neu wahrzunehmen. Die Band muss die Verzerrung nicht weiter aufdrehen, weil Rhythmus, Gesang und Riff bereits gemeinsam für den nötigen Druck sorgen.
CRUENTIS OMEGA: AKUSTISCHE ZÄSUR
Nach vier dicht instrumentierten Stücken setzt »Cruentis Omega« einen sinnvollen Ruhepunkt. Maurice Eggenschwiler spielt ein 90 Sekunden langes akustisches Zwischenstück mit klassischer Färbung. Die Passage ist kurz genug, um den Fluss nicht zu unterbrechen, und deutlich genug ausgearbeitet, um nicht als bedeutungsloses Intro für die zweite Albumhälfte zu enden.
Diese Zäsur verbessert die Dramaturgie erheblich. Das Ohr bekommt Abstand von verzerrten Gitarren und Growls, bevor »Khlyst« erneut ansetzt. Gleichzeitig zeigt Eggenschwiler, dass die vielen melodischen Leads nicht zufällig zwischen die Riffs geraten. Hinter ihnen steht ein klares Verständnis von Harmonie und Aufbau. »Cruentis Omega« bleibt eine kleine Komposition, erfüllt aber eine große Aufgabe innerhalb der Reihenfolge.
KHLYST UND BENEATH THE CAIRN: DIE ZWEITE HÄLFTE BLEIBT BISSIG
»Khlyst« nimmt die dunkle Atmosphäre des Akustikstücks auf und übersetzt sie wieder in verzerrte Riffs. Der Song bewegt sich kompakt durch groovende und schnellere Abschnitte. Sein Titel erinnert an die russische religiöse Sekte der Chlysten, deren Name immer wieder mit Ekstase und radikaler Askese verbunden wird. Haserot entwickeln daraus keine folkloristische Episode. Sie nutzen das finstere Thema als Grundlage für einen konzentrierten Death-Metal-Song.
McKittricks unterschiedliche Stimmlagen greifen hier besonders sauber ineinander. Die höheren Schreie betonen die nervösen Stellen, die Growls geben den langsameren Passagen Masse. Johnson und Eggenschwiler arbeiten eng zusammen, ohne ihre Rollen aufzugeben. Die Rhythmusgitarre hält das Zentrum, während melodische Antworten und kurze Leadbewegungen den Song gliedern.
»Beneath the Cairn« setzt anschließend stärker auf den alten Death-Metal-Reflex. Das Stück kommt zügig auf den Punkt, besitzt ein gut fassbares Hauptriff und profitiert erneut von den Wechseln im Gesang. Die Nähe zu Carcass wird hier besonders in McKittricks heiserer Stimmlage deutlich. Haserot behalten dennoch ihre schwerere amerikanische Basis. Die Gitarrenlinien sind melodisch, das Schlagzeug reagiert energisch, und der Song verliert nie seinen druckvollen Mittelpunkt.
MADNESS AND THE VOID: RHYTHMUS VOR TECHNIK
»Madness and the Void« gehört zu den stärksten Stücken der zweiten Albumhälfte. Hier konzentrieren sich Haserot auf einen mittleren Tempobereich, in dem die Rhythmusgruppe besonders gut zur Geltung kommt. Cryptos Grimm setzt die Schläge mit viel Gefühl für den Abstand zwischen den Riffs. Garrick Smith folgt nicht mechanisch der Rhythmusgitarre, sondern verstärkt die Bewegung mit einem tieferen Puls.
Die Gitarren lassen dem Groove genügend Platz und setzen ihre melodischen Details gezielter ein. Dadurch prägt sich der Song schneller ein als manche technisch dichter gepackte Passage der Platte. »Madness and the Void« beweist, dass Haserot nicht auf möglichst viele Noten angewiesen sind. Wenn die fünf Musiker eine gemeinsame Figur konsequent ausspielen, entsteht eine ebenso starke Wirkung wie bei den schnellsten Angriffen.
THE TENTH CIRCLE: KLASSISCHE EINFLÜSSE, MODERNER ZUGRIFF
In »The Tenth Circle« treffen schwedische Gitarrenfarben und amerikanische Riffarchitektur besonders direkt aufeinander. Entombed und Morbid Angel lassen sich als entfernte Bezugspunkte hören, doch die Produktion stellt das Material deutlich präziser dar als viele Aufnahmen der frühen Neunziger. Das Stück wechselt zwischen treibenden Abschnitten, melodischen Schneisen und schweren Akzenten, ohne seine zentrale Linie zu verlieren.
Der imaginäre zehnte Höllenkreis passt zur übersteigerten, apokalyptischen Sprache des Albums. Haserot bleiben auch hier musikalisch nachvollziehbar. Das Riffing ist komplex genug für genaue Hörer, besitzt aber wiederkehrende Motive, an denen man sich orientieren kann. Eggenschwilers Leads sorgen für zusätzliche Dramatik, während Johnson, Smith und Grimm jede melodische Bewegung mit fester rhythmischer Arbeit absichern.
CURSE OF HASEROT: DREI LEADGITARRISTEN IM FINALE
Das abschließende »Curse of Haserot« beginnt langsamer und bewegt sich stellenweise in Richtung Doom Death. Die Riffs erhalten mehr Raum, einzelne Schläge wirken schwerer und McKittricks Growls bekommen eine besonders tiefe Umgebung. Nach der vorangegangenen Geschwindigkeit ist diese Entscheidung richtig. Haserot beenden ihr Debüt nicht mit einer bloßen Zusammenfassung, sondern verändern Tempo und Gewicht.
Für die Soli stehen zwei prominente Gäste bereit. James Murphy, bekannt durch seine Arbeit unter anderem mit Death, Obituary und Testament, steuert zusätzliche Leads bei. Andy LaRocque von King Diamond nimmt seinen Beitrag im Sonic Train Studio auf. Zusammen mit Maurice Eggenschwiler entsteht ein ausgedehnter Gitarrenteil, in dem drei sehr erfahrene Handschriften aufeinandertreffen.
Die Soli besitzen unterschiedliche Phrasierungen und steigern das Finale, ohne den eigentlichen Song zu verdrängen. Darunter arbeitet die Band geschlossen weiter. Johnson hält das Riff stabil, Smith sichert den tiefen Bereich und Grimm verändert die Intensität mit gezielten Akzenten. Gerade hier zeigt sich das fantastische Zusammenspiel von Haserot. Die prominenten Namen erhalten ihren Raum, bleiben aber Teil einer funktionierenden Komposition.
DAN SWANÖ GIBT JEDEM RIFF KLARE KONTUREN
Aufgenommen wurde »Advent of Suffering« bereits im Dezember 2023 mit Ricardo Contreras im Lucky Run Studio. Mix und Mastering entstanden im August und September 2024 bei Dan Swanö in den Unisound Studios. Swanö ist für diese Verbindung aus schwedischer Death-Metal-Tradition und moderner Lesbarkeit eine naheliegende Wahl. Er gibt den Gitarren eine scharfe, leicht sägende Oberfläche, ohne den gesamten Frequenzraum in undurchsichtige Verzerrung zu verwandeln.
Die Produktion gehört zu den großen Stärken des Albums. Johnsons Rhythmusgitarre steht breit und stabil, Eggenschwilers Leads schneiden klar hindurch, und die Soli behalten selbst bei hoher Geschwindigkeit ihre Artikulation. McKittricks Stimme sitzt deutlich vor den Instrumenten, ist aber klanglich eng mit ihnen verbunden. Das Schlagzeug wirkt kraftvoll und sauber, ohne den Eindruck einer leblosen Studioapparatur zu erzeugen. Besonders Snare, Bassdrum und Becken lassen sich auch in dichten Passagen unterscheiden.
Ebenso überzeugend ist das Sounddesign. Die Gitarren haben in den schnellen Stücken genug Höhen für Angriff, die langsameren Abschnitte erhalten ausreichend Tiefe, und »Cruentis Omega« setzt mit seinen Akustikgitarren einen natürlichen Gegenklang. Gaststimmen und Gastsoli werden nicht lauter als nötig präsentiert. Sie besitzen eine eigene Klangfarbe, bleiben jedoch im Gesamtbild verankert. Die Platte klingt poliert, aber nicht harmlos; aggressiv, aber auch bei hoher Lautstärke nicht unnötig schmerzhaft.
Ein kleiner Schwachpunkt liegt in der Bassdarstellung. Garrick Smith spielt als Teil der Rhythmusgruppe wirkungsvoll, ist im gitarrenbetonten Mix jedoch nicht immer so deutlich zu verfolgen, wie es seine Leistung verdient hätte. Man spürt seine Arbeit häufig stärker, als man einzelne Basslinien hört. Ein wenig zusätzlicher Raum in den Mitten hätte dem Album an dieser Stelle noch mehr Tiefe gegeben.
FÜNF MUSIKER MIT EINEM GEMEINSAMEN ZIEL
Die technische Qualität der einzelnen Instrumentalisten fällt sofort auf, doch die Band setzt sie in den Dienst der Songs. Cryptos Grimm reagiert auf die Riffs, anstatt jeden freien Moment mit Schlagzeugfiguren auszufüllen. Brandon Johnson bildet die verlässliche rhythmische Achse. Maurice Eggenschwiler kann deshalb melodisch und solistisch arbeiten, ohne dass die Stücke ihren Halt verlieren. Garrick Smith verbindet Gitarren und Schlagzeug im unteren Bereich, während Justin McKittrick die wechselnden Tempi mit verschiedenen Stimmfarben zusammenhält.
Dieses Zusammenspiel ist besonders bei den Übergängen hörbar. Wenn »Poverty of Thought« aus der Raserei in den Groove wechselt oder »Tears in Bethlehem« den Gastgesang integriert, geschieht das ohne hörbaren Bruch. In »Madness and the Void« reicht eine gemeinsame rhythmische Figur, um Spannung zu erzeugen. »Curse of Haserot« beweist schließlich, dass selbst mehrere Leadgitarristen die Balance der Band nicht stören.
Haserot beherrschen zudem die Kunst, melodisch zu spielen, ohne den Death Metal weichzuzeichnen. Die Leads verstärken den finsteren Charakter und helfen bei der Orientierung. Das macht »Advent of Suffering« vergleichsweise zugänglich, ohne seine Härte zu reduzieren. Viele Riffs bleiben schon nach dem ersten Durchlauf hängen, und bei weiteren Durchgängen treten Schlagzeugdetails, zweite Gitarrenstimmen und kleine vokale Unterschiede hervor.
VIELE SOLI, NICHT IMMER GENUG UNTERSCHIED
Völlig frei von Schwächen ist das Debüt nicht. Haserot setzen sehr häufig auf Gitarrensoli und melodische Leads. Die hohe Spielqualität steht außer Frage, doch einige dieser Passagen verwenden ähnliche Klangfarben und Phrasierungen. Wenn fast jeder Song eine weitere Solospitze erhält, verliert das einzelne Ereignis etwas von seiner Besonderheit. Ein oder zwei bewusst schlichter gehaltene Stücke hätten den Kontrast noch verstärken können.
Nicht jedes Riff erreicht zudem die Prägnanz von »Poverty of Thought«, »Madness and the Void« oder dem Finale. In einzelnen Abschnitten verlässt sich die Band auf die Wirkung eines Leads, obwohl ein stärkeres Rhythmusmotiv nachhaltiger gewesen wäre. Die erste Albumhälfte setzt ihre Höhepunkte sehr eng, weshalb »Khlyst« und »Beneath the Cairn« zunächst etwas weniger auffällig erscheinen.
Diese Einwände betreffen die Gewichtung, nicht die handwerkliche Ausführung. Die Songs bleiben kompakt, die Reihenfolge funktioniert und das akustische Zwischenstück verhindert Ermüdung zur richtigen Zeit. Mit knapp 39 Minuten besitzt das Album eine sinnvolle Länge. Haserot beenden ihre Arbeit, bevor die vertrauten Stilmittel ihren Reiz verlieren.
EIN DEBÜT MIT KLARER HANDSCHRIFT
»Advent of Suffering« lebt von seiner gut austarierten Mischung. Die schwedischen Einflüsse liefern melodische Schärfe und Gitarrenklang, die amerikanische Seite sorgt für Riffgewicht und strukturelle Disziplin. Haserot imitieren keine einzelne Band. Sie kennen die Sprachen von Entombed, Carcass, Morbid Angel, Death und Bloodbath und sprechen daraus in einem eigenen, zeitgemäßen Ton.
Die Gäste werden klug eingesetzt. Marc Grewe verleiht »Tears in Bethlehem« zusätzliche vokale Tiefe. James Murphy und Andy LaRocque machen »Curse of Haserot« zu einem würdigen Abschluss. Trotzdem bleibt der Eindruck einer Bandplatte erhalten. Die fünf Hauptmusiker tragen alle zehn Titel und benötigen keine bekannten Namen, um ihre Qualität zu beweisen.
Auch die Produktion versteht den Charakter dieser Musik. Dan Swanö bewahrt das aggressive Timbre, trennt die Instrumente sauber und gibt den melodischen Details genügend Raum. Der etwas verdeckte Bass und die wiederkehrende Solodichte verhindern eine Höchstwertung. Dem starken Gesamteindruck schaden sie nur geringfügig.
FAZIT:
Haserot legen mit »Advent of Suffering« ein sehr starkes Death-Metal-Debüt vor. Die Texaner verbinden schwedische Gitarrenmelodien, amerikanische Riffhärte, variable Vocals und eine bewegliche Rhythmusgruppe zu zehn kompakten Stücken. Dan Swanös hervorragender Mix macht Riffs, Leads, Schlagzeug und Gastbeiträge klar hörbar, ohne die notwendige Aggressivität zu glätten. Besonders »Poverty of Thought«, »Tears in Bethlehem«, »Madness and the Void« und »Curse of Haserot« zeigen, wie fantastisch diese Band zusammenspielt. Einige ähnlich gefärbte Soli und der zu weit nach hinten geratene Bass kosten die letzte Wertungsstufe. Wer klassischen Death Metal mit griffigen Melodien und zeitgemäßer Produktion schätzt, sollte dieses Album trotzdem fest einplanen. Vier von fünf Punkten.






