Tracklist
01. Defy
02. Ruin
03. Eclipse
04. Abyss
05. Monolith
06. Iconoclast
07. Nadir
08. Golgota
Besetzung
Maicon Ristow – All Instruments, vocals
Wendel Siota – Bass and lyricist
Eine Reise ohne Licht am Ende des Tunnels
Es gibt Alben, die man nebenbei hört, und solche, die die volle Aufmerksamkeit verlangen. LITOSTH gehören eindeutig zur zweiten Kategorie. Das brasilianische Duo um Multiinstrumentalist Maicon Ristow und Texter sowie Bassist Wendel Siota hat sich über die vergangenen Jahre einen Namen mit anspruchsvollem Extreme Metal gemacht. Auch auf ihrem vierten Album „Dreaming“ bleiben sie ihrer Linie treu. Melodic Black und Death Metal dienen dabei lediglich als Fundament für ein Werk, das weit über reine Härte hinausgeht.
Nach dem Vorgänger „Cesariana“, der sich kritisch mit gesellschaftlichen Vorstellungen von Glück auseinandersetzte, schlagen LITOSTH nun einen noch düstereren Weg ein. „Dreaming“ beschäftigt sich mit dem Verlust von Glauben, Identität und Sinn. Hoffnung sucht man hier vergeblich. Stattdessen entfaltet sich ein Album, das den Zerfall des Menschen in all seinen Facetten beschreibt.
Düstere Atmosphäre statt einfacher Antworten
Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass dieses Album als Ganzes gedacht ist. Die acht Songs greifen ineinander und erzählen keine klassische Geschichte, sondern zeichnen Stimmungen und innere Zustände nach. Jeder Titel wirkt wie ein weiterer Schritt in einen Abgrund, aus dem es kein Zurück gibt.
Dabei verzichten LITOSTH bewusst auf plakative Effekte. Die Musik lebt von ihrer Spannung und davon, wie sie sich Stück für Stück entfaltet. Zwischen rasenden Passagen, schweren Midtempo-Riffs und atmosphärischen Momenten entsteht ein dichtes Klangbild, das den Hörer förmlich umschließt. Trotz der enormen Härte bleibt immer Platz für feine melodische Akzente, die den Songs zusätzliche Tiefe verleihen.
Beeindruckende Einzelleistung
Besonders bemerkenswert ist die Arbeit von Maicon Ristow. Sämtliche Gitarren, das Schlagzeug und die Vocals stammen aus seiner Hand. Trotzdem wirkt das Album nie wie ein Soloprojekt, sondern erstaunlich geschlossen. Die Gitarren wechseln mühelos zwischen aggressiven Riffsalven und melancholischen Melodien, ohne dabei ihren roten Faden zu verlieren. Die Produktion unterstützt diesen Eindruck. Sie klingt druckvoll und modern, ohne den rauen Charakter der Musik glattzubügeln. Gerade im melodischen Black Metal ist dieser Balanceakt nicht selbstverständlich. Hier gelingt er ausgesprochen gut.
Jeder Song erfüllt seine Aufgabe
Der Opener „Defy“ macht keine Gefangenen. Ohne lange Einleitung entfaltet sich eine Wucht, die den Ton für das gesamte Album vorgibt. „Ruin“ knüpft nahtlos daran an, setzt aber bereits mehr auf Dynamik und feine Tempowechsel.
Mit „Eclipse“ und „Abyss“ gewinnt die Atmosphäre zunehmend an Bedeutung. Die Songs nehmen sich mehr Zeit, lassen Melodien wirken und erzeugen dadurch eine beklemmende Stimmung, die lange nachhallt.
„Monolith“ gehört zu den stärksten Momenten der Platte. Der Song baut einen enormen Druck auf und lebt von seinen schweren Gitarren sowie seiner fast erdrückenden Intensität. Danach bringt „Iconoclast“ wieder mehr Geschwindigkeit ins Spiel und sorgt dafür, dass das Album nicht an Spannung verliert.
Ein weiteres Highlight ist „Nadir“. Der Gastauftritt von Kyp Amandil fügt sich hervorragend in das Gesamtbild ein und verleiht dem Stück zusätzliche Ausdruckskraft. Die unterschiedlichen Gesangsstimmen ergänzen sich, ohne aufgesetzt zu wirken.
Den Schlusspunkt setzt „Golgota“. Der Song beendet das Album nicht mit einem großen Finale, sondern mit einer Stimmung, die perfekt zum Gesamtkonzept passt. Es bleibt ein Gefühl der Leere zurück und genau das scheint von Anfang an beabsichtigt gewesen zu sein.
Musik, die Zeit braucht
„Dreaming“ gehört nicht zu den Alben, die ihre Stärken beim ersten Durchlauf vollständig preisgeben. Viele Details erschließen sich erst nach mehreren Hördurchgängen. Kleine Gitarrenmelodien, rhythmische Feinheiten oder geschickt platzierte Tempowechsel treten erst dann richtig hervor.
Gerade diese Vielschichtigkeit macht den Reiz der Platte aus. LITOSTH setzen nicht auf eingängige Refrains oder offensichtliche Hits, sondern auf Atmosphäre und konsequenten Spannungsaufbau. Das verlangt Geduld, wird aber mit einem intensiven Hörerlebnis belohnt.
Wer melodischen Black und Death Metal mit Tiefgang schätzt, wird an diesem Album seine Freude haben. Die Band versteht es, technische Klasse mit emotionaler Wucht zu verbinden, ohne dabei den Blick für starke Songstrukturen zu verlieren.
Mit „Dreaming“ gelingt LITOSTH ein Album, das sich konsequent jeder Form von Belanglosigkeit verweigert. Die Mischung aus melodischem Black und Death Metal, dichter Atmosphäre und durchdachtem Songwriting funktioniert über die gesamte Spielzeit hinweg. Die musikalische Leistung von Maicon Ristow, die starken Kompositionen und das stimmige Gesamtkonzept machen die Platte zu einem der interessantesten Genrebeiträge des Jahres. Wer Extreme Metal mit Anspruch sucht und sich auf intensive Klangwelten einlassen möchte, sollte diesem Album unbedingt eine Chance geben.
Fazit: Mit „Dreaming“ liefern LITOSTH ein Werk ab, das keine einfachen Antworten bietet.






