Tracklist
01. Apex
02. No Angels Weep
03. Afterlife
04. Swing Myself To Sleep
05. Critical Mass
06. Heretical Supremacy
07. Cyclops
08. Eye For An Eye
09. No Hope For Humanity
10. No Hope For Sanctuary
Besetzung
Dan Greigsy – Gesang
Shannon Zivkovic – Gitarre
Gavin Bradley – Gitarre
Chris Tuckley – Bass
Sebastian Su – Schlagzeug
Joey Marsh – Gesangsaufnahmen
Shannon Zivkovic – Gitarren- und Bassaufnahmen
Christian Donaldson – Mix und Mastering
Matt Priso – Artwork
Ein Debütalbum trägt stets den Anspruch in sich, eine Band nicht nur vorzustellen, sondern ihre gesamte bisherige Entwicklung auf einen entscheidenden Punkt zu verdichten. Complexant wählen für diesen Punkt den Titel »Apex« – den Gipfel, auf den alle Linien zulaufen. Bescheiden klingt das nicht, doch die Australier treten auch musikalisch nicht mit zurückhaltenden Absichten an. Zehn Stücke und knapp 35 Minuten lang verbinden sie Blackened Death Metal, Deathcore und technische Präzision zu einem konzentrierten Angriff, dessen Kälte an Emperor und Behemoth, dessen körperliche Wucht an Suffocation und dessen komplexere Riffarbeit an Nile erinnert. Hinter der massiven Oberfläche stehen Texte über Rache, Suizidgedanken, soziale Ausweglosigkeit, Gewalt und die Folgen einer zerstörten Kindheit. »Apex« ist deshalb keine bloße Vorführung instrumentaler Härte, sondern ein ausgesprochen finsteres Album über Menschen, die den Halt an sich selbst und ihrer Umgebung verloren haben.
VOM AUSTRALISCHEN UNTERGRUND AUF DEN GIPFEL
Complexant wurden 2017 in Wollongong im australischen Bundesstaat New South Wales gegründet. Nach einer frühen Unterbrechung kehrte die Band 2021 zurück und begann ab 2022, sich durch Konzerte und Tourneen im eigenen Land einen Namen aufzubauen. Dabei teilte sie die Bühne unter anderem mit Cryptopsy, Fleshgod Apocalypse, Defeated Sanity, Unearth, Signs Of The Swarm, Within Destruction und Disentomb.
Die 2023 veröffentlichte EP »A Rite Of Passage« zeigte bereits, wie selbstverständlich Complexant Death Metal, Black Metal und Deathcore miteinander verbinden. Mehrere Singles hielten die Entwicklung anschließend in Bewegung. Mit Sänger Dan Greigsy fand die Gruppe schließlich jene Stimme, die auf »Apex« den extremen Charakter der Musik vollständig trägt. Seine tiefen Growls und schneidenden Schreie bilden gemeinsam mit den Gitarren von Shannon Zivkovic und Gavin Bradley, dem Bass von Chris Tuckley und Sebastian Sus Schlagzeug das heutige Zentrum der Band.
Der Albumtitel bezeichnet nicht zwingend einen bereits erreichten künstlerischen Endpunkt. Vielmehr wirkt er wie eine Absichtserklärung. Complexant bündeln die Erfahrungen der vergangenen Jahre, schärfen ihre technischen Fähigkeiten und wollen sich aus dem australischen Untergrund heraus international bemerkbar machen. Dass das Debüt über Bleeding Art Collective in Partnerschaft mit Blood Blast Distribution erscheint, gibt diesem Anspruch die passende Reichweite.
APEX: EIN KURZER AUFSTIEG IN DIE DUNKELHEIT
Das einleitende Titelstück benötigt lediglich 84 Sekunden, um die klangliche Architektur des Albums zu errichten. Kalte Gitarrenlinien wachsen über einem tiefen Fundament, bevor Sebastian Su das Tempo mit Blastbeats beschleunigt. Die Band nutzt das kurze Instrumental nicht als gewöhnliches Vorspiel, sondern als komprimierte Zusammenfassung dessen, was folgen wird: dissonante Spannung, technische Bewegung und unmittelbare körperliche Gewalt.
Bemerkenswert ist die Kontrolle unterhalb der vermeintlichen Raserei. Die Instrumente stürzen nicht ungeordnet aufeinander, sondern greifen präzise ineinander. Zivkovic und Bradley lassen schwarze Akkordflächen in schnelle Death-Metal-Riffs übergehen, während Bass und Schlagzeug jede Verschiebung eng begleiten. Schon hier zeigt sich, dass Complexant zwar unablässig Druck aufbauen, ihre Musik aber keineswegs dem Zufall überlassen.
Der Übergang zu »No Angels Weep« wirkt folgerichtig. Das Intro hat den Raum geöffnet, nun beginnt das Album mit seinem ersten vollständigen Angriff. Die knappe Gestaltung schützt »Apex« zugleich vor überflüssiger Theatralik. Andere Bands hätten aus denselben Motiven eine ausgedehnte Ouvertüre gebaut; Complexant setzen den notwendigen Rahmen und gehen weiter.
NO ANGELS WEEP: RACHE, PARANOIA UND EIN VERFAULENDER GARTEN
»No Angels Weep« gehört zu den stärksten Stücken des Albums. Sebastian Su treibt die Komposition mit schnellen Blastbeats und präzisen Fills an, während die Gitarren zwischen tremolierenden Linien, schweren Akkorden und kurzen melodischen Konturen wechseln. Dan Greigsy wechselt zwischen tiefen Growls und schärferen Schreien, ohne dabei die Verständlichkeit der zentralen Zeilen vollständig aufzugeben.
Der Text erzählt von falschen Freunden, deren Intrigen eine paranoide Wahrnehmung bestätigen. Aus Misstrauen wird Rache, aus Rache ein Mord. Die Opfer werden mit einem alten Gartengerät getötet und im Hinterhof begraben. Die vermeintliche Befreiung hält jedoch nicht lange an: Aus der Schuld wächst ein verfaulender Garten, der den Täter fortan verfolgt. Dieses Bild verleiht der Geschichte mehr Tiefe als eine gewöhnliche Gewaltfantasie. Die Natur deckt das Verbrechen nicht zu, sondern bringt es in veränderter Form wieder an die Oberfläche.
Musikalisch folgt der Song dieser Entwicklung. Die anfängliche Geschwindigkeit vermittelt Kontrollverlust, während schwerere Passagen die Konsequenzen der Tat verkörpern. Kurze klarere Stimmen erweitern das Spektrum, besitzen allerdings nicht dieselbe Überzeugungskraft wie Greigsys extreme Register. Sie erzeugen zwar einen Kontrast, nehmen der ansonsten bedrückenden Atmosphäre aber für einen Augenblick etwas von ihrer Schärfe.
AFTERLIFE: GEMEINSAM IN DIE AUSWEGLOSIGKEIT
»Afterlife« behandelt einen gemeinsamen Suizidpakt. Ein verheiratetes Paar wird von finanziellen Problemen erdrückt und versucht, im Tod einen letzten Ausweg aus der sozialen Not zu finden. Der Text ist wie das abschließende Gespräch zweier Menschen angelegt, die einander lieben, aber keine lebenswerte Zukunft mehr erkennen können. Dadurch erhält die Brutalität des Albums erstmals eine eindeutig tragische Perspektive.
Die Musik setzt zunächst auf hohes Tempo. Rasende Bassläufe, eng gesetzte Stopps, technisch bewegliche Gitarren und Greigsys aggressive Stimme erzeugen den Eindruck völliger innerer Überforderung. Sebastian Su wechselt zwischen Blastbeats, galoppierenden Figuren und schweren Grooves, ohne den Zusammenhang zu verlieren. Die gesamte Rhytmussektion arbeitet mit einer Präzision, die selbst während der dichtesten Passagen jedes Detail nachvollziehbar hält.
Im letzten Teil verändert sich die Komposition. Das Schlagzeug wird gleichmäßiger, die Gitarren öffnen sich und Greigsy setzt klaren Gesang ein. Dieser Wandel spiegelt die erschöpfte Ruhe nach der gemeinsam gefassten Entscheidung. Inhaltlich ist das schlüssig, musikalisch bleibt der klare Abschluss jedoch streitbar. Seine beinahe Alternative-Metal-artige Färbung wirkt weniger zwingend als die zuvor aufgebaute Verzweiflung. Dennoch zeigt »Afterlife«, dass Complexant über die reine Dauerattacke hinausdenken.
SWING MYSELF TO SLEEP: WENN SCHLAF ZUM TODESWUNSCH WIRD
Bereits der Titel »Swing Myself To Sleep« verdreht ein scheinbar beruhigendes Bild in etwas Endgültiges. Der Song kreist um Suizidgedanken und einen Zustand, in dem Ruhe nur noch als vollständiges Verschwinden vorstellbar erscheint. Complexant behandeln dieses Thema nicht mit melodramatischer Distanz. Die Musik wirkt eng, dissonant und körperlich, als würde sich der innere Raum der erzählenden Person immer weiter verkleinern.
Black-Metal-Akkorde bestimmen die Eröffnung, bevor schwere Death-Metal-Riffs und zurückhaltend eingesetzte Breakdowns übernehmen. Besonders gelungen ist eine technisch unruhige Brücke, in der die Gitarren ihre sonst so kompakte Form aufbrechen. Die kurzen, nervösen Läufe klingen wie Gedanken, die keinen Abschluss finden und immer wieder in dieselbe Dunkelheit zurückkehren.
Der Breakdown erhält seine Wirkung gerade deshalb, weil Complexant ihn nicht zum alleinigen Ziel des Stücks machen. Er bildet den emotionalen Zusammenbruch innerhalb einer bereits entwickelten Komposition. Diese Disziplin unterscheidet die Band von vielen modernen Deathcore-Produktionen, die sämtliche Übergänge lediglich als Vorbereitung für den nächsten möglichst tiefen Einschlag behandeln.
CRITICAL MASS: DER DRUCK IM EIGENEN KOPF
»Critical Mass« beginnt mit unheilvollen Gitarrentönen, bevor ein massives Hauptriff einsetzt. Der Text beschreibt einen Geist, der mit jedem weiteren Gedanken näher an den Zusammenbruch gerät. Das Bild der kritischen Masse ist unmittelbar verständlich: Der Kopf wird zum geschlossenen Reaktor, in dem sich Druck ansammelt, bis keine kontrollierte Reaktion mehr möglich ist.
Die Komposition konzentriert sich stärker auf Wucht als auf die technischen Verzweigungen der vorausgehenden Titel. Greigsy setzt seine Stimme rhythmisch gegen die Gitarren, während Bass und Schlagzeug den Song unerbittlich vorantreiben. Gerade in dieser Konsequenz liegt allerdings auch seine Begrenzung. Einige Übergänge wirken erwartbar, und das Ende kommt in einem Moment, in dem die Komposition eigentlich erst ihren entscheidenden Höhepunkt entwickeln könnte.
Als einzelner Titel bleibt »Critical Mass« deshalb hinter »No Angels Weep« oder »Swing Myself To Sleep« zurück. Innerhalb des Albums erfüllt er dennoch eine Funktion: Er reduziert die komplexeren Bestandteile, rückt den körperlichen Druck in den Vordergrund und bereitet die Rückkehr der stärkeren schwarzen Atmosphäre vor.
HERETICAL SUPREMACY: KEIN RAUM FÜR ERLÖSUNG
Mit »Heretical Supremacy« kehren die dunkleren Harmonien deutlicher zurück. Dissonante Akkorde und schneidende Gitarrenlinien treffen auf ein Schlagzeug, das zwischen hoher Geschwindigkeit und schweren Akzenten wechselt. Greigsys Stimme besitzt hier kaum menschliche Wärme. Sie wird zur Verkörperung eines Machtanspruchs, der jede Form von Widerspruch auslöschen will.
Zivkovic und Bradley spielen nicht dauerhaft gegeneinander, sondern verdichten ihre Gitarren zu einer gemeinsamen Wand. Erst kleine Verschiebungen im Hintergrund lassen erkennen, wie viele Bewegungen innerhalb dieser Fläche stattfinden. Der Bass bleibt darunter deutlich hörbar und verleiht den schnellen Riffs jene körperliche Tiefe, die bei stark komprimierten Extreme-Metal-Produktionen häufig verloren geht.
Auch dieser Song endet etwas früh. Die Band baut ein starkes Motiv auf, führt es jedoch nicht bis zu jener endgültigen Zuspitzung, die der Titel erwarten lässt. Das spricht für die grundsätzliche Fähigkeit von Complexant, Material zu verdichten, zeigt aber zugleich, dass Kürze und Vollständigkeit nicht automatisch dasselbe bedeuten.
CYCLOPS: EINE PERSPEKTIVE, VIELE MUSIKALISCHE WINKEL
»Cyclops« besitzt die deutlichsten progressiven und technischen Anteile des Albums. Der Titel greift die eingeschränkte Wahrnehmung des einäugigen Wesens auf und überträgt sie auf einen Menschen, der nur seine eigene Sichtweise gelten lässt. Die Textidee wird sehr direkt formuliert und gehört nicht zu den subtilsten Momenten der Platte. Musikalisch zeigt die Band jedoch ausgerechnet hier mehrere Perspektiven.
Gitarrenfiguren verändern ihre Betonung, das Schlagzeug reagiert mit kurzen Fills und der Bass verbindet Abschnitte, die zunächst nur lose miteinander verwandt erscheinen. Ein gezielt platzierter Breakdown unterbricht die technische Bewegung, ohne den Song in gewöhnlichen Deathcore zu verwandeln. Die Wirkung entsteht aus dem Kontrast zwischen beweglichen Riffs und plötzlicher Schwere.
Sebastian Sus Leistung fällt besonders auf. Seine Geschwindigkeit bleibt beeindruckend, wichtiger ist jedoch die Fähigkeit, jede Veränderung der Gitarren präzise aufzugreifen. Dadurch klingt die Komposition dicht, aber nicht überfüllt. »Cyclops« zeigt, welches Entwicklungspotenzial in Complexant steckt, wenn die Band ihre technische Seite mit klaren dramaturgischen Entscheidungen verbindet.
EYE FOR AN EYE: VERGELTUNG OHNE MORALISCHE DISTANZ
»Eye For An Eye« gehört zu den kompromisslosesten Stücken von »Apex«. Der Text kennt keine abstrakte Diskussion über Gerechtigkeit. Auf einen gewaltsamen Tod folgt die Forderung nach dierkter Vergeltung, und die Musik übernimmt diese Haltung ohne erkennbare Distanz. Greigsys Stimme klingt nicht wie ein Erzähler, sondern wie eine Person, die sich bereits mitten in der Konfrontation befindet.
Schwere Death-Metal-Riffs wechseln mit dissonanten schwarzen Akkorden. Der Bass verleiht den langsameren Stellen beträchtliches Gewicht, während das Schlagzeug zwischen beschleunigtem Angriff und groovenden Passagen vermittelt. Am Ende steigert die Band den Titel in eine besonders ätzende Schwere, die das vorherige Motiv nicht nur wiederholt, sondern endgültig zuspitzt.
Hier greifen Inhalt und musikalische Form am stärksten ineinander. Die Rachefantasie wirkt weder dekorativ noch als bloßer Vorwand für Brutalität. Sie bestimmt Rhythmus, Stimme und Aufbau. Das Ergebnis ist unangenehm, aber gerade deshalb glaubwürdig. Complexant zeigen, dass ihre Musik dann am besten funktioniert, wenn die emotionale Härte der Texte eine ebenso klare musikalische Entsprechung erhält.
NO HOPE FOR HUMANITY: DIE STILLE VOR DEM LETZTEN ZUSAMMENBRUCH
Das nur etwas mehr als eine Minute lange Instrumental »No Hope For Humanity« ist der notwendige Ruhepunkt des Albums. Ätherische, dunkle Gitarrenflächen nehmen das Tempo heraus und schaffen erstmals einen größeren Abstand zur konstanten Aggression. Die Hoffnungslosigkeit wird nicht durch Geschwindigkeit, sondern durch Leere vermittelt.
Diese Unterbrechung kommt spät, entfaltet aber eine wichtige Wirkung. Nach acht weitgehend unerbittlichen Stücken erhält der Hörer Gelegenheit, die angesammelte Spannung wahrzunehmen. Zugleich bereitet das Instrumental das abschließende »No Hope For Sanctuary« vor. Die beiden Titel bilden inhaltlich und musikalisch eine Einheit: Zuerst verschwindet die Hoffnung auf die Menschheit, anschließend auch die Möglichkeit eines sicheren Ortes.
Eine solche dynamische Öffnung hätte dem Album bereits früher gutgetan. Sie zeigt, dass Complexant Atmosphäre nicht ausschließlich durch dichte Riffs und extreme Geschwindigkeit erzeugen müssen. Gerade die Zurückhaltung macht die nachfolgende Rückkehr der vollständigen Band umso wirkungsvoller.
NO HOPE FOR SANCTUARY: KEIN SCHUTZ IM EIGENEN ZUHAUSE
Der abschließende Titel bildet den emotionalen Höhepunkt des Albums. »No Hope For Sanctuary« schildert eine Kindheit, die von häuslicher Gewalt, instabilen Verhältnissen und Angst geprägt ist. Der Ort, der Schutz bieten sollte, wird selbst zur Gefahrenzone. Das Bild eines Menschen, der unter den Trümmern seiner Herkunft eingeschlossen bleibt, verleiht dem Song eine persönliche Schwere, die weit über allgemeine Menschenfeindlichkeit hinausgeht.
Complexant verbinden schwere Grooves mit schnellen Angriffen und dissonanten Gitarren. Greigsy trägt den Text mit einer Wut vor, hinter der deutlich Verletzung zu erkennen ist. Die Instrumente verstärken diesen Eindruck, indem sie nicht pausenlos beschleunigen. Langsamere Passagen lassen einzelne Aussagen stehen, bevor die gesamte Band erneut einsetzt.
Der Song bündelt damit jene Eigenschaften, die auf »Apex« am überzeugendsten sind: brutale Riffs, ein präzises rhythmisches Fundament und einen konkreten menschlichen Abgrund. Im Gegensatz zu mehreren früheren Titeln wirkt das Ende vollständig entwickelt. Die Komposition erreicht ihren Höhepunkt, ohne ihn künstlich zu verlängern, und hinterlässt eine beklemmende Stille.
FÜNF MUSIKER, EIN GESCHLOSSENER ANGRIFF
Die instrumentale Leistung auf »Apex« ist durchgehend hoch. Shannon Zivkovic und Gavin Bradley verbinden tremolierende Black-Metal-Flächen, technische Death-Metal-Läufe, dissonante Akkorde und schwere Chugs. Ihre Gitarren besitzen genügend Trennschärfe, um auch in dicht arrangierten Passagen als zwei Stimmen wahrgenommen zu werden.
Chris Tuckleys Bass verschwindet nicht unter den Gitarren. Besonders in langsameren Abschnitten fügt er dem Klang ein tiefes physisches Gewicht hinzu. Sebastian Su liefert die auffälligste Einzelleistung des Albums. Seine Blastbeats sind schnell und kontrolliert, doch auch die groovenden Figuren, plötzlichen Stopps und sparsam gesetzten Fills zeigen ein ausgezeichnetes Verständnis für die Kompositionen.
Dan Greigsy setzt seinen Gesang häufig als zusätzliche rhythmische Ebene ein. Tiefe Growls und scharfe Schreie verstärken die Bewegung der Riffs und verleihen den Texten unmittelbare Aggression. Die klaren Passagen in »No Angels Weep« und »Afterlife« erweitern zwar seine Bandbreite, erreichen aber noch nicht dieselbe Ausdruckskraft. Hier besitzt die Band für kommende Veröffentlichungen Entwicklungspotenzial.
CHRISTIAN DONALDSON SCHAFFT KLARHEIT IM DRUCK
Die Gesangsaufnahmen entstanden bei Joey Marsh in den Beyond The Marsh Studios, während Shannon Zivkovic Gitarren und Bass aufnahm. Für Mix und Mastering zeichnet Christian Donaldson verantwortlich. Der Cryptopsy-Gitarrist hat bereits mit Suffocation, Shadow Of Intent, Ingested und Despised Icon gearbeitet und verleiht »Apex« einen modernen, stark verdichteten Klang.
Trotz der Kompression bleiben die einzelnen Instrumente erstaunlich klar. Das Schlagzeug besitzt Kraft, ohne die Gitarren zu verdrängen, der Bass bleibt hörbar und Greigsys Stimme steht fest im Zentrum. Donaldson glättet die Musik jedoch nicht vollständig. Die kalte Atmosphäre und die rauen Kanten der Riffs bleiben erhalten, sodass die Produktion technische Präzision ermöglicht, ohne den Black-Metal-Anteil zu sterilisieren.
Matt Prisos Artwork folgt derselben Linie. Die dunkle, teilweise von chaotischen Strukturen verdeckte Komposition greift vertraute Bilder des Blackened Death Metal auf, reduziert sich aber nicht auf eine beliebige Ansammlung genretypischer Symbole. Musik und Gestaltung vermitteln dieselbe feindselige, bedrückende Atmosphäre.
KONSTANTE AGGRESSION ALS STÄRKE UND GRENZE
Die größte Stärke von »Apex« ist zugleich sein entscheidendes Problem. Complexant halten die Intensität beinahe über die gesamte Spielzeit auf einem hohen Niveau. Die kurzen Songs und präzisen Arrangements verhindern zwar ausgedehnte Leerlaufphasen, doch in der zweiten Albumhälfte verlieren einzelne Titel an Unterscheidbarkeit. Wenn nahezu jeder Abschnitt maximale Dringlichkeit beansprucht, besitzt der nächste Ausbruch zwangsläufig weniger Steigerungspotenzial.
»No Hope For Humanity« beweist, wie wirksam eine stärkere dynamische Abstufung sein kann. Auch die verlangsamten Passagen in »Afterlife« und »No Hope For Sanctuary« geben den extremen Teilen zusätzlichen Raum. Mehr solcher Kontraste hätten die Wirkung des gesamten Albums erhöht.
Hinzu kommen einige abrupte Enden und klare Gesangsmomente, die noch nicht vollkommen in die übrige Klangsprache integriert sind. Diese Schwächen sind bei einem Debüt nachvollziehbar, dürfen aber nicht übergangen werden. Complexant beherrschen ihr musikalisches Handwerk bereits, müssen ihre zahlreichen starken Ideen künftig jedoch noch konsequenter zu vollständig entwickelten Spannungsbögen verbinden.
FAZIT:
»Apex« ist ein technisch starkes und thematisch beklemmendes Debüt, mit dem Complexant ihren Anspruch auf internationale Aufmerksamkeit überzeugend anmelden. Besonders »No Angels Weep«, »Swing Myself To Sleep«, »Eye For An Eye« und »No Hope For Sanctuary« verbinden brutale Riffs, präzises Schlagzeugspiel und menschliche Abgründe zu geschlossenen Kompositionen. Die nahezu pausenlose Aggression, einige zu frühe Songenden und noch nicht vollständig integrierte klare Gesangspassagen begrenzen jedoch die Langzeitwirkung. Wenn die Australier ihre dynamischen Kontraste und dramaturgischen Entwicklungen weiter schärfen, kann der im Titel beanspruchte Gipfel tatsächlich in Reichweite geraten. Dreieinhalb von fünf Punkten.






