Band: LITOSTH 🇧🇷
Titel: Dreaming
Label: Personal Records
VÖ: 24/07/26
Genre: Melodic Black/Death Metal

Tracklist

01. Defy
02. Ruin
03. Eclipse
04. Abyss
05. Monolith
06. Iconoclast
07. Nadir
08. Golgota

 

Besetzung

Maicon Ristow – All Instruments, vocals
Wendel Siota – Bass and lyricist

 

Bewertung:

4,5/5

Der kontrollierte Absturz in die Dunkelheit

Mit ihrem vierten Studioalbum »Dreaming« legen LITOSTH ein Werk vor, das den Hörer nicht unterhalten oder trösten möchte. Das brasilianische Duo um Multiinstrumentalist und Sänger Maicon Ristow, der sämtliche Instrumente einspielt, sowie Bassist und Texter Wendel Siota verfolgt seit Jahren einen kompromisslosen musikalischen Ansatz. Zwischen melodischem Black-Metal und Death-Metal erschaffen sie Klanglandschaften, die gleichermaßen von Aggression, Atmosphäre und philosophischer Tiefe geprägt sind. Nach dem bereits anspruchsvollen Vorgänger »Cesariana« führt »Dreaming« diesen Weg konsequent weiter und entwickelt ihn zu einem geschlossenen Konzeptalbum, das den Zerfall menschlicher Gewissheiten thematisiert.

Ein Album ohne Hoffnung

Bereits die Grundidee des Albums macht deutlich, dass hier keine leichte Kost geboten wird. LITOSTH verzichten bewusst auf jede Form von Erlösung oder optimistischen Ausblicken. Stattdessen zeichnen sie das Bild eines vollständigen Zusammenbruchs. Religion, Moral, gesellschaftliche Werte und vermeintliche Lebensziele werden Schicht für Schicht abgetragen, bis nur noch Leere und Asche übrigbleiben.

Diese düstere Philosophie spiegelt sich nicht nur in den Texten wider, sondern bestimmt auch den musikalischen Aufbau. Die acht Songs wirken wie Kapitel einer zusammenhängenden Geschichte. Jeder Titel steht für einen weiteren Schritt in Richtung endgültiger Selbstauflösung und macht das Album zu einem geschlossenen Gesamtkunstwerk, das sich am besten in einem Durchgang erleben lässt.

Gewalt und Melodie im perfekten Gleichgewicht

Musikalisch bewegen sich LITOSTH gekonnt zwischen melodischem Black-Metal und modernem Death-Metal. Rasende Blastbeats treffen auf präzise Gitarrenläufe, während melodische Leadgitarren immer wieder kleine Lichtblicke setzen, ohne die bedrückende Atmosphäre zu zerstören.

Besonders beeindruckend ist dabei die Leistung von Maicon Ristow, der sämtliche Instrumente selbst eingespielt hat. Seine Gitarrenarbeit überzeugt gleichermaßen durch technische Präzision und emotionale Intensität. Die Riffs wechseln zwischen kalter Raserei und schweren, fast monumentalen Passagen. Immer wieder entstehen dichte Klangwände, die den Hörer regelrecht einschließen.

Auch die Produktion unterstützt diesen Eindruck hervorragend. Sie klingt modern und druckvoll, bewahrt aber gleichzeitig genügend Rauheit, um den Charakter des Albums nicht zu verwässern. Jeder Instrumententeil besitzt ausreichend Raum, ohne dass die Gesamtwirkung an Wucht verliert.

Acht Kapitel eines konsequenten Abstiegs

Schon der Opener »Defy« eröffnet das Album mit enormem Druck. Rasante Gitarren und aggressive Vocals machen sofort klar, wohin die Reise führt. »Ruin« intensiviert diesen Eindruck mit einem Wechselspiel aus melodischen Passagen und brutalen Ausbrüchen.

Mit »Eclipse« und »Abyss« wird die Atmosphäre zunehmend dichter. Hier treten die melodischen Elemente stärker hervor und verleihen den Songs eine fast hypnotische Wirkung. Gerade diese Balance aus Melodie und Härte gehört zu den größten Stärken des Albums.

»Monolith« entwickelt sich anschließend zum massiven Zentrum der Platte. Schwerfällige Riffs und ein beinahe erdrückendes Klangbild erzeugen das Gefühl einer unausweichlichen Last. »Iconoclast« bringt anschließend wieder mehr Geschwindigkeit ins Spiel, ohne den roten Faden zu verlieren.

Ein besonderes Highlight stellt »Nadir« dar. Der Gastauftritt von Kyp Amandil sorgt für zusätzliche Dynamik und erweitert das ohnehin starke vokale Spektrum sinnvoll. Die verschiedenen Gesangsstimmen ergänzen sich hervorragend und verleihen dem Stück zusätzliche Intensität.

Den Abschluss bildet schließlich »Golgota«, das den Kreis eindrucksvoll schließt. Der Song wirkt weniger wie ein Finale als vielmehr wie das endgültige Verstummen nach einer langen Reise durch Dunkelheit und Verzweiflung. Ein Ende, das bewusst keine Antworten liefert.

Anspruch statt einfacher Unterhaltung

Was »Dreaming« besonders auszeichnet, ist seine Konsequenz. LITOSTH verzichten vollständig auf eingängige Refrains oder offensichtliche Hits. Stattdessen setzen sie auf Atmosphäre, Spannungsaufbau und musikalische Geschlossenheit. Das Album fordert Aufmerksamkeit und belohnt jene, die bereit sind, sich vollständig darauf einzulassen.

Gerade Fans von Bands, die Extreme-Metal mit konzeptioneller Tiefe verbinden, werden hier viel entdecken. Trotz aller Brutalität verliert das Duo nie die Kontrolle über seine Kompositionen. Die Songs besitzen Struktur, entwickeln sich organisch und vermeiden unnötige Wiederholungen.

Natürlich verlangt diese Herangehensweise Geduld. Wer ausschließlich nach schnellen Ohrwürmern sucht, dürfte mit »Dreaming« weniger anfangen können. Wer hingegen intensive Alben schätzt, die musikalisch wie inhaltlich zum Nachdenken anregen, erhält hier eine beeindruckende Veröffentlichung.

Mit »Dreaming« liefern LITOSTH ihr bislang geschlossenstes und atmosphärisch dichtestes Werk ab. Das Duo verbindet melodischen Black- und Death-Metal mit philosophischer Schwere, ohne dabei in Beliebigkeit oder übertriebene Komplexität abzudriften. Die starke Instrumentalarbeit, die intensive Produktion und das konsequent umgesetzte Konzept machen dieses Album zu einer spannenden Veröffentlichung innerhalb des modernen Extreme-Metal.

Fazit: Mit »Dreaming« liefern LITOSTH ein Werk ab, das keine einfachen Antworten bietet.

Internet

LITOSTH - Dreaming - CD Review

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Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.