Tracklist
01. Eigengrau
02. Crude Exhibitions Of The Soul
03. Sour Mercy
04. Brave New Corpse
05. Bright Violence
06. Mother Atrophy
07. Driftwood
Besetzung
Jake O’Brien – Guitars/Bass/Vocals
Drums on Crude Exhibitions Of The Soul performed by J V Green
Additional guitar work on ‘Crude Exhibitions Of The Soul’ by Thorn Blackfyre
Ein Blick in die dunkelsten Winkel der Seele
Depressive Atmospheric Black Metal gehört zu den Spielarten des extremen Metals, die weniger auf Aggression als auf Emotionen setzen. Statt permanentem Tempo stehen Atmosphäre, Melancholie und innere Zerrissenheit im Mittelpunkt. Genau dort bewegt sich FLOWERS OF RUST. Hinter dem Projekt steht Jake O’Brien, der Gitarren, Bass und Gesang selbst übernimmt. Für das Schlagzeug konnte er J V Green gewinnen, der unter anderem durch BURIAL OATH und GOATCHAMBER bekannt ist. Auf dem Titelsong steuert Thorn Blackfyre zusätzliche Gitarren bei. Veröffentlicht wird „Crude Exhibitions Of The Soul“ über Apocalyptic Witchcraft auf Kassette und digital.
Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass dieses Album keine leichte Kost sein will. Es fordert Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, sich auf eine bedrückende Stimmung einzulassen. Wer schnelle Hooks oder eingängige Refrains erwartet, dürfte hier kaum fündig werden.
Atmosphäre vor Geschwindigkeit
Mit „Eigengrau“ beginnt die Reise erstaunlich zurückhaltend. Kalte Gitarrenlinien, schwebende Klangflächen und eine dichte Grundstimmung bauen langsam Spannung auf. Der Titelsong „Crude Exhibitions Of The Soul“ gehört zu den stärksten Momenten des Albums. Hier greifen alle Elemente sauber ineinander. Das variable Schlagzeugspiel von J V Green bringt Bewegung in die langen Songstrukturen, während Thorn Blackfyres Gitarrenarbeit den Sound an den richtigen Stellen erweitert, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Das Ergebnis wirkt geschlossen und überzeugend.
Zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit
Mit „Sour Mercy“ und „Brave New Corpse“ zieht die Intensität spürbar an. Die Gitarren klingen rau und frostig, während der verzweifelte Gesang den emotionalen Kern der Songs transportiert. Die rohe Stimme passt hervorragend zum Gesamtkonzept. Hier geht es nicht um technische Perfektion, sondern darum, ein bestimmtes Gefühl glaubwürdig zu vermitteln.
Dennoch zeigen sich in der Mitte des Albums auch kleinere Schwächen. Mehrere Songs bewegen sich in einem ähnlichen Tempo und folgen vergleichbaren Spannungsbögen. Dadurch verschwimmen einzelne Passagen miteinander. Die Atmosphäre bleibt zwar jederzeit erhalten, doch es fehlen Momente, die sich dauerhaft im Gedächtnis festsetzen.
Starke Momente mit kleinen Längen
„Bright Violence“ lebt von seinen gelungenen Melodiebögen. Immer wieder blitzen kurze Lichtblicke auf, bevor die Musik erneut in ihre dunkle Grundstimmung zurückfällt. Genau diese Kontraste verleihen dem Song zusätzliche Tiefe.
Noch eindringlicher wirkt „Mother Atrophy“. Das langsamere Tempo und die schwere Klangfarbe erinnern stellenweise an Funeral Doom, ohne die Wurzeln im Black Metal zu verleugnen. Gerade in diesen ruhigen Abschnitten zeigt FLOWERS OF RUST, wie wirkungsvoll Reduktion sein kann.
Den Abschluss bildet „Driftwood“, dass die melancholische Atmosphäre konsequent weiterführt. Der Song verabschiedet den Hörer nicht mit einem großen Finale, sondern klingt langsam aus. Das passt zur Gesamtstimmung des Albums und wirkt deutlich stimmiger als ein künstlich inszenierter Höhepunkt.
Rau, ehrlich und ohne Hochglanz
Auch klanglich bleibt „Crude Exhibitions Of The Soul“ seiner Linie treu. Die Produktion besitzt genügend Druck, ohne den natürlichen Charakter der Instrumente zu verlieren. Gitarren und Bass ergänzen sich gut, das Schlagzeug klingt angenehm lebendig und der Mix lässt ausreichend Raum für Details. Thom Tadsen hat hier ein ausgewogenes Klangbild geschaffen, das weder überproduziert noch zu roh wirkt.
Der Gesang dürfte allerdings Geschmackssache bleiben. Wer mit den typischen, schmerzvollen Black-Metal-Vocals wenig anfangen kann, wird sich vermutlich schwertun. Für Fans des Genres gehört genau dieser Ausdruck jedoch zum Gesamtbild.
FLOWERS OF RUST liefert mit „Crude Exhibitions Of The Soul“ ein Album ab, das konsequent seiner eigenen Vorstellung von Depressive Atmospheric Black Metal folgt. Die bedrückende Atmosphäre ist von Anfang bis Ende spürbar, das Schlagzeug setzt immer wieder gelungene Akzente und die Gitarren erzeugen eine dichte, kalte Klangwelt, in der sich Melancholie und Verzweiflung glaubwürdig entfalten.
Ganz ohne Kritik bleibt das Werk dennoch nicht. Einige Songs ähneln sich stärker, als es der Platte guttut. Dadurch verliert das Album zwischendurch etwas an Spannung und Wiedererkennungswert. Wer sich jedoch gerne Zeit für atmosphärische Musik nimmt und weniger nach einzelnen Hits sucht, wird an diesem Werk Gefallen finden.
„Crude Exhibitions Of The Soul“ ist kein Album für jede Gelegenheit. Es richtet sich an Hörer, die sich bewusst auf eine intensive Stimmung einlassen möchten und dabei keine Angst vor düsteren Klanglandschaften haben. FLOWERS OF RUST zeigt viel Gespür für Atmosphäre, auch wenn noch Luft nach oben bleibt.
Fazit: „Crude Exhibitions Of The Soul“ ist eine beeindruckende Demonstration roher emotionaler Kraft im Black Metal.






