Tracklist
01. The Secular Awakening
02. World of Darkness
03. Towards Rebirth
04. Final Hologram
05. Into the Coldness of Land of Dead
06. The Source Exterminator
07. Messages from the Other Side
08. The Secret Dawn
09. The End of Universe
10. Procession to the Eternal Rest
Besetzung
Patricio Spalinger – Gesang, Lead- und Rhythmusgitarren
Nicolás Young – Lead- und Rhythmusgitarren
Tomás Barriga – Bass
Javier Buzeta – Schlagzeug
Zehn Jahre ohne neues Studioalbum können einer Band erheblich zusetzen. Bei Ripper scheint die lange Pause dagegen sämtliche angestaute Energie in vierzig Minuten kontrollierten Wahnsinn verwandelt zu haben. Auf »Towards Rebirth« verbinden die Chilenen rasenden Thrash Metal, klassischen Death Metal und technische Präzision zu einer nahezu ununterbrochenen Attacke. Kreator, frühe Sepultura, Sadus, Pestilence, Demolition Hammer und Morbid Angel bleiben als Bezugspunkte erkennbar. Ripper nutzen diese Einflüsse jedoch nicht für eine nostalgische Stilübung, sondern als Grundlage für eine konzentrierte und erstaunlich lebendige Rückkehr.
Ripper wurden 2007 im chilenischen Talagante im Großraum Santiago gegründet. Damals waren die beteiligten Musiker teilweise noch Jugendliche, ihre Begeisterung für die Übergangsphase zwischen Thrash und frühem Death Metal war jedoch bereits deutlich ausgeprägt. Nach mehreren Demos erschien 2014 das Debüt »Raising the Corpse«, das die Band auch außerhalb der südamerikanischen Szene bekannt machte.
Zwei Jahre später folgte »Experiment of Existence«. Die Platte erweiterte den aggressiven Grundstil um technischere und progressivere Strukturen und entwickelte sich für viele Anhänger zum bisherigen Referenzwerk der Band. Die EP »Sensory Stagnation« aus dem Jahr 2019 und das Demo »Paranormal Waves« von 2020 hielten den Namen anschließend präsent, ein drittes Studioalbum ließ allerdings auf sich warten.
Pandemie, räumliche Entfernungen und mehrere Besetzungswechsel verzögerten die Arbeit erheblich. Viele der neuen Stücke entstanden bereits Jahre vor ihrer endgültigen Aufnahme. Von der früheren Formation ist nur Sänger und Gitarrist Patricio Spalinger geblieben. Mit Gitarrist Nicolás Young, Bassist Tomás Barriga und Schlagzeuger Javier Buzeta beginnt Ripper tatsächlich eine neue Phase.
Die personelle Veränderung führt nicht zu einem völligen stilistischen Bruch. Stattdessen besinnt sich das Quartett stärker auf die unmittelbare Gewalt des Debüts. Die progressiven Ausflüge von »Experiment of Existence« verschwinden nicht vollständig, werden aber seltener und gezielter eingesetzt. Spalinger erklärte selbst, dass ihm technische Fähigkeiten nie als Selbstzweck dienen. Entscheidend seien die dunklen Themen, Science-Fiction-Ideen und Theorien über Tod, Wiederkehr und das mögliche Leben nach dem Leben.
THE SECULAR AWAKENING: EIN KURZER BLICK IN DIE LEERE
Das einminütige »The Secular Awakening« beginnt mit kalten Synthesizerflächen und einer Atmosphäre, die beinahe an Dungeon Synth oder einen alten Science-Fiction-Horrorfilm erinnert. Nach der langen Veröffentlichungspause erfüllt dieses Intro eine verständliche Funktion: Es kündigt keine gewöhnliche Fortsetzung, sondern das erneute Erwachen einer Band an.
Notwendig wäre dieser Auftakt nicht unbedingt gewesen. Seine zurückhaltende Stimmung wird bereits nach wenigen Sekunden von der folgenden Thrash-Attacke vollständig verdrängt. Innerhalb der thematischen Welt des Albums funktioniert er trotzdem. Das Erwachen führt hier nicht in eine hellere Zukunft, sondern unmittelbar in eine Gegenwart aus Krieg, Manipulation und gesellschaftlicher Verrohung.
WORLD OF DARKNESS: DIE GEGENWART ALS ALPTRAUM
Mit »World of Darkness« ist jede Zurückhaltung beendet. Javier Buzeta treibt den Song mit rasenden Thrash-Beats an, während beide Gitarren eine kaum zu überschauende Menge aus Tremolofiguren, schnellen Akkordwechseln und aggressiven Gegenbewegungen aufbauen. Das Eröffnungsriff lässt kurz auffällig an Riots »Thundersteel« denken. Ripper verlassen diese Ähnlichkeit jedoch schnell und wechseln innerhalb weniger Takte zu ihrem eigentlichen Angriff.
Patricio Spalinger beschreibt in dem Stück keine abstrakte Fantasiewelt. Der Text bezieht sich auf die reale Gegenwart: Pandemie, internationale Kriege, getötete Kinder, politische Einflussnahme, technologische Kontrolle und eine durch Medien gesteuerte Gesellschaft. Der Titel erscheint deshalb weniger als düstere Übertreibung denn als pessimistische Bestandsaufnahme.
Spalingers Stimme liegt zwischen rauem Thrash-Gebrüll und frühem Death Metal. Sein Organ besitzt kaum melodische Variation, passt mit seiner heiseren Dringlichkeit aber hervorragend zu dieser Musik. Einzelne Formulierungen werden beinahe ausgespuckt, während die Gitarren den Inhalt nicht illustrieren, sondern dessen Überforderung und Wut körperlich nachvollziehbar machen.
Trotz des enormen Tempos bleibt die Produktion erstaunlich verständlich. Die Gitarren lassen sich voneinander unterscheiden, Bass und Schlagzeug verschwinden nicht in einer undurchsichtigen Klangmasse. »World of Darkness« stellt sofort klar, dass Ripper ihre Rückkehr nicht langsam vorbereiten wollen.
TOWARDS REBIRTH: TOD, WIEDERKEHR UND EIN NEUES LINE-UP
Der Titelsong beginnt mit einem deutlicher hervortretenden Bass und einer abwärts führenden Gitarrenbewegung. Anschließend verschieben Ripper den Schwerpunkt vom reinen Thrash Metal stärker in Richtung Old-School-Death-Metal. Das Tempo bleibt hoch, die Riffs wirken jedoch schwerer und erhalten eine dunklere harmonische Färbung.
Inhaltlich bildet »Towards Rebirth« das Zentrum des Albums. Spalinger beschäftigt sich mit der Frage, ob der Tod tatsächlich einen endgültigen Abschluss darstellt oder den Übergang in eine andere Form der Existenz ermöglichen könnte. Persönliche Erfahrungen, Träume und psychologische Überlegungen verbinden sich mit Science-Fiction und metaphysischen Vorstellungen.
Die Musik übersetzt diesen Gedanken nicht in spirituelle Ruhe. Wiedergeburt ist bei Ripper ein gewaltsamer Vorgang. Alte Strukturen werden zerstört, der Körper verliert seine bisherige Form und eine neue Existenz beginnt unter vollkommen unbekannten Bedingungen. Kurze Hintergrundstimmen geben dem Song stellenweise einen beinahe rituellen Charakter.
Besonders gelungen ist das Zusammenspiel zwischen Spalinger und Nicolás Young. Die Gitarristen wechseln zwischen gemeinsamen Hochgeschwindigkeitsläufen, gegeneinander arbeitenden Leads und melodischen Soli. Gegen Mitte erinnert die Verbindung aus Rhythmuswechsel und Leadgitarre an Sepulturas »Schizophrenia«, ohne zur direkten Kopie zu werden.
Der Titelsong benötigt etwas länger als andere Stücke, um seine Wirkung zu entfalten. Sein Aufbau ist weniger unmittelbar als jener von »World of Darkness«. Gerade dadurch erhält die Platte jedoch eine erste kleine Erweiterung ihrer ansonsten kompromisslosen Bewegungsrichtung.
FINAL HOLOGRAM: ZWISCHEN DIGITALER ILLUSION UND MOSHPIT
»Final Hologram« kehrt zu einer kompakteren Form zurück. Ein schnell wiederholtes Hauptmotiv gibt dem Song einen beinahe kreisenden Charakter. Die Gitarren verändern kleine Bestandteile des Riffs, während Buzeta das Tempo mit kurzen Unterbrechungen und harten Akzenten zusammenhält.
Der Titel fügt sich in die technologische und psychologische Ebene des Albums ein. Das Hologramm lässt sich als letztes Abbild einer Existenz lesen, deren ursprüngliche Gestalt längst verschwunden ist. Was bleibt von einem Menschen, wenn Wahrnehmung, Erinnerung und Identität zunehmend durch künstliche Bilder ersetzt werden? Ripper liefern keine eindeutige Antwort, sondern stellen den vermeintlich festen Begriff der Wirklichkeit infrage.
Musikalisch arbeitet das Stück direkter. Zwischen den rasenden Passagen findet sich ein für den Moshpit gebauter Thrash-Break. Dieser besitzt nichts von einem modernen Metalcore-Breakdown. Bass, Gitarren und Schlagzeug verschieben lediglich ihr Gewicht, reduzieren kurz das Tempo und erzeugen dadurch zusätzliche Wucht.
Die Wiederholung des Hauptmotivs kann bei mehreren Durchläufen etwas vorhersehbar wirken. Mit knapp vier Minuten bleibt »Final Hologram« jedoch konzentriert genug, um diesen Ansatz nicht übermäßig auszureizen.
INTO THE COLDNESS OF LAND OF DEAD: DER HÖHEPUNKT DER ERSTEN HÄLFTE
Bereits der Titel »Into the Coldness of Land of Dead« führt unmittelbar zu den zentralen Fragen der Platte zurück. Der Tod erscheint als fremdes Gebiet, das betreten werden muss. Ob dort Leere, Erlösung oder eine neue Form des Bewusstseins wartet, bleibt offen.
Die Gitarrenarbeit gehört zu den stärksten des Albums. Morbid Angel, frühe Pestilence und die technischere Seite von Death bilden erkennbare Bezugspunkte. Ripper übernehmen allerdings keine vollständigen Stilmodelle, sondern zerlegen deren Eigenschaften in einzelne Bestandteile: dissonante Wendungen, schnelle Tremololäufe, plötzlich einsetzende Grooves und melodische Leads.
Tomás Barrigas Bass bleibt selbst unter den beiden Gitarren deutlich hörbar. Er verdoppelt nicht ausschließlich die tiefsten Töne, sondern entwickelt eigene Bewegungen zwischen den Riffs. Das erzeugt eine kontrollierte Unruhe und verhindert, dass die hohe Geschwindigkeit zu einer flachen Geräuschwand wird.
Buzeta arbeitet mit schnellen Skank-Beats, kurzen Wirbeln und ständig wechselnden Beckenakzenten. Sein Spiel wirkt nicht klinisch. Einzelne Schläge besitzen eine beinahe rohe Trockenheit, die an Thrash-Produktionen der späten Achtziger erinnert.
Über knapp fünf Minuten bleibt das Stück dicht, ohne unübersichtlich zu werden. Mehrere Motive kehren in veränderter Gestalt zurück und schaffen einen nachvollziehbaren Zusammenhang. »Into the Coldness of Land of Dead« ist der Höhepunkt der ersten Albumhälfte und eine der vollständigsten Kompositionen von »Towards Rebirth«.
THE SOURCE EXTERMINATOR: GITARRENDUELL UND BASS-SOLO
»The Source Exterminator« reduziert die Geschwindigkeit nicht grundsätzlich, verändert aber die Verteilung der Kräfte. Die Rhythmusgitarren erhalten schwerere Abschnitte, während Spalinger und Young mehrfach kurze Soli austauschen. Statt einen einzelnen Gitarristen in den Vordergrund zu stellen, entwickelt sich ein echtes Duell.
Der Song verwendet erneut abstrakte Science-Fiction-Bilder. Der sogenannte Quellenvernichter kann als Kraft verstanden werden, die nicht nur einzelne Existenzen beseitigt, sondern deren Ursprung auslöscht. Dadurch knüpft das Stück an die Vorstellungen von Wiedergeburt, kosmischem Ende und dem Verschwinden jeder bekannten Ordnung an.
Nach der Hälfte öffnet sich das Arrangement für einen klassischen Thrash-Break. Anschließend erhält Tomás Barriga seinen deutlichsten Einzelmoment. Sein kurzes Bass-Solo ist keine dekorative Unterbrechung, sondern führt unmittelbar zurück in das Hauptriff. Der warme und leicht übersteuerte Ton erinnert an Steve DiGiorgios Arbeit bei Sadus und Death.
Gerade dieser Bassmoment zeigt, wie wichtig Barriga für die neue Besetzung ist. Auf vielen modernen Death-/Thrash-Produktionen wird das Instrument lediglich als zusätzliche Tiefe verwendet. Hier besitzt es eine erkennbare Stimme und reagiert selbst in den schnellsten Passagen auf die Gitarren.
MESSAGES FROM THE OTHER SIDE: STIMMEN AUS DEM UNBEKANNTEN
Mit »Messages from the Other Side« wird die Verbindung zum Jenseits unmittelbar. Der Titel beschreibt die Möglichkeit, dass Tod keine vollständige Trennung bedeutet und Zeichen aus einer anderen Realität in die Welt der Lebenden gelangen könnten. Ob diese Botschaften tatsächlich existieren oder aus Erinnerung, Sehnsucht und psychischer Belastung entstehen, lässt der Song bewusst offen.
Die Riffs bewegen sich stärker als bei mehreren Vorgängern. Kurze aufsteigende Figuren wechseln mit abgehackten Akkorden und schnell kreisenden Läufen. Der Rhythmus wirkt dadurch beinahe taumelnd, obwohl die Band technisch jederzeit die Kontrolle behält.
Spalingers gleichbleibend rauer Gesang passt zur unheimlichen Perspektive, zeigt hier aber zugleich seine Grenzen. Nach mehr als der Hälfte des Albums wäre eine deutlichere Veränderung der Stimmlage willkommen. Die kurzen Hintergrundstimmen und rhythmischen Verschiebungen sorgen dafür, dass der Song trotzdem nicht vollständig mit seinen Vorgängern verschmilzt.
Die Stärke liegt erneut in der Instrumentalarbeit. Beide Gitarren füllen jeden freien Raum mit kleinen Übergängen, ohne den eigentlichen Songaufbau zu zerstören. Ripper schreiben technisch anspruchsvoll, vermeiden aber weitgehend den Eindruck einer reinen Leistungsschau.
THE SECRET DAWN: SECHS MINUTEN OHNE GESANG
Das sechsminütige Instrumental »The Secret Dawn« ist die größte Überraschung des Albums. Nach der nahezu ununterbrochenen Geschwindigkeit der vorherigen Stücke beginnt die Komposition kontrollierter. Gitarren und Bass bauen ein Motiv auf, bevor das Schlagzeug die Musik erneut beschleunigt.
Ohne Spalingers Gesang wird besonders deutlich, wie sorgfältig die Riffs miteinander verbunden sind. Ein Motiv wird nicht einfach beendet und durch das nächste ersetzt. Einzelne Töne und rhythmische Figuren wandern zwischen Gitarren und Bass, verändern ihre Position und führen in einen neuen Abschnitt.
Die Band greift dabei stärker auf ihre technischen und progressiven Fähigkeiten zurück. Dennoch bleibt »The Secret Dawn« fest im Death-/Thrash-Metal verankert. Es entstehen weder lange atmosphärische Flächen noch selbstverliebte Solopassagen. Selbst die komplizierteren Wechsel behalten einen körperlichen Vorwärtsdrang.
Der Titel lässt sich als erster Moment nach dem Ende einer alten Welt verstehen. Dieser neue Morgen bleibt geheim, weil noch niemand weiß, welche Existenz nach Tod, Zusammenbruch oder kosmischer Vernichtung folgen könnte. Die Instrumentalform passt dazu: Ohne Sprache kann die Band einen Zustand beschreiben, für den es noch keine eindeutigen Begriffe gibt.
Trotz seiner sechs Minuten gehört der Song zu den konzentriertesten Teilen des Albums. Ripper lassen ihre Fähigkeiten erkennen, ohne das Stück unnötig zu verlängern. »The Secret Dawn« ist gemeinsam mit »Into the Coldness of Land of Dead« der kompositorische Höhepunkt.
THE END OF UNIVERSE: WENN NICHT NUR DIE WELT STIRBT
»The End of Universe« erweitert die Perspektive vom individuellen Tod zur endgültigen Auflösung des gesamten Kosmos. Spalinger interessiert sich ausdrücklich nicht ausschließlich für das Ende der Erde, sondern für die Frage, was nach dem Verschwinden sämtlicher Materie, Zeit und bekannter Naturgesetze bleiben könnte.
Passend dazu entwickelt die Musik eine leicht futuristische Atmosphäre. Die technischeren Gitarrenfiguren und dunklen Leads erinnern stellenweise an Nocturnus. Ripper ergänzen diese kosmische Ebene durch einen schweren Groove, der innerhalb des Albums beinahe wie eine kurze Verlangsamung wirkt.
Das Stück besitzt einige der stärksten Riffs der Platte. Eine zunächst einfache rhythmische Figur wird mehrfach verändert, beschleunigt und von den Leadgitarren kommentiert. Der spätere Mosh-Abschnitt entsteht schlüssig aus dieser Entwicklung und wirkt nicht wie eine nachträglich eingesetzte Unterbrechung.
Die Produktion unterstützt den Inhalt. Spalingers Stimme erhält einen leicht hohlen Nachhall, während Gitarren und Bass trocken im Vordergrund bleiben. Dadurch klingt der Gesang, als erreiche er die Band aus einem entfernten und bereits zerfallenden Raum.
PROCESSION TO THE ETERNAL REST: DER LETZTE WEG
Mit 2:49 Minuten ist »Procession to the Eternal Rest« der kürzeste vollständige Song. Ripper schließen das Album nicht mit einem ausgedehnten Finale, sondern mit einer kompakten Prozession in den endgültigen Zustand.
Melodische Tremologitarren eröffnen den Titel. Für einen kurzen Moment entsteht beinahe eine schwarzmetallische Färbung, bevor Bass und Schlagzeug das Motiv zurück in den Death-/Thrash-Metal ziehen. Die Leads besitzen mehr Melodie als in vielen früheren Stücken, verlieren dabei aber nicht ihre aggressive Wirkung.
Inhaltlich endet die Platte folgerichtig. Nach Erwachen, gesellschaftlicher Finsternis, Wiedergeburt, Botschaften aus dem Jenseits und dem Ende des Universums folgt der letzte Übergang. Ob die ewige Ruhe tatsächlich Erlösung bedeutet oder lediglich den Beginn eines weiteren Kreislaufs bezeichnet, bleibt ungeklärt.
Gerade diese Offenheit passt zum Albumtitel. »Towards Rebirth« beschreibt keinen abgeschlossenen Neubeginn, sondern eine Bewegung auf eine mögliche Wiederkehr zu. Die Prozession erreicht ihr Ziel nicht hörbar. Der Song endet, während die grundlegende Frage bestehen bleibt.
KONTROLLIERTER WAHNSINN MIT SICHTBAREM BASS
Pablo Clares hat »Towards Rebirth« im DM6 Studio aufgenommen, gemischt und gemastert. Seine Produktion findet eine überzeugende Balance zwischen klassischem Extrem-Metal-Klang und moderner Verständlichkeit. Das Album ist roh und aggressiv, klingt aber keineswegs undifferenziert.
Die beiden Gitarren besitzen leicht unterschiedliche Klangfarben. Dadurch bleiben selbst schnelle Gegenläufe und Soloduelle nachvollziehbar. Der Ton ist scharf, trocken und weitgehend frei von übermäßiger digitaler Glättung. Kleine Nebengeräusche und die körperliche Härte der Anschläge dürfen bestehen bleiben.
Besonders erfreulich ist der Bass. Tomás Barriga wird nicht unter den Gitarren begraben. Sein Spiel erzeugt eine beständige tiefe Bewegung und trägt erheblich zum chaotischen Charakter der Platte bei. In einzelnen Momenten scheint das Instrument beinahe aus dem Rhythmus auszubrechen, landet jedoch immer wieder exakt auf dem nächsten gemeinsamen Akzent.
Javier Buzetas Schlagzeug vermittelt enorme Ausdauer. Schnelle Thrash-Beats, harte Snare-Schläge, Wirbel und kurze Tempowechsel folgen in dichter Abfolge. Der Klang der Trommeln ist allerdings nicht vollkommen ausgewogen. Einige Schläge erscheinen etwas flach und den Becken fehlt stellenweise die notwendige Brillanz. Angesichts des ohnehin vollen Mixes verhindert diese Zurückhaltung möglicherweise eine zusätzliche Überladung.
Patricio Spalingers Gesang besitzt ausreichend Wut und Charakter, bleibt über die gesamte Spielzeit jedoch recht gleichförmig. Sein heiseres Bellen funktioniert ausgezeichnet für einzelne Stücke. Über vierzig Minuten wären tiefere Growls, stärkere rhythmische Veränderungen oder häufiger eingesetzte Hintergrundstimmen eine sinnvolle Erweiterung gewesen.
Die größte Stärke liegt in der Riffarbeit. Ripper verwenden in einem einzigen Song mitunter so viele Gitarrenideen wie andere Bands auf einer halben EP. Bemerkenswert ist, dass diese Fülle nur selten beliebig wirkt. Wiederkehrende Motive und klare rhythmische Übergänge halten die Kompositionen zusammen.
Eine gewisse Gleichförmigkeit lässt sich dennoch nicht vollständig vermeiden. Die meisten Stücke arbeiten mit hohem Tempo, ähnlicher vokaler Intensität und dauerhaftem Druck. »The Secret Dawn«, das Bass-Solo in »The Source Exterminator« und die schwereren Abschnitte von »The End of Universe« zeigen, wie wirkungsvoll zusätzliche Kontraste sein können.
FAZIT:
Mit »Towards Rebirth« melden sich Ripper nach zehn Jahren mit einem ausgezeichneten Death-/Thrash-Album zurück. Rasende und dennoch nachvollziehbare Riffs, zwei hervorragend aufeinander reagierende Gitarristen, Tomás Barrigas präsenter Bass und eine druckvolle Produktion überwiegen die recht gleichförmigen Vocals und die geringe Tempovariation deutlich. »Into the Coldness of Land of Dead«, »The Secret Dawn« und »The End of Universe« gehören zu den stärksten Kompositionen der bisherigen Bandgeschichte. Vier von fünf Punkten.






