Band: SCHISM:IX 🇬🇧
Titel: The Pain Within
Label: Independent
VÖ: 07.08.2026
Format: Digital
Genre: Experimental Metalcore / Deathcore / Alternative Metal

Tracklist

01. THE BURDEN
02. KILL THE GODS
03. BURN WITH ME
04. SOLITUDE
05. THE PAIN WITHIN
06. SYMBIOSIS

Besetzung

WITNESS – Gesang / Texte / Mix & Mastering / Dark Ambient
HERETIC – Gitarre / Songwriting
WARDEN – Schlagzeug
ROGUE – Gitarre / Songwriting / Produktion
EXILE – Bass

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Masken, anonyme Namen, verstörende Bilder und die kryptische Behauptung, das Paradies sei eine Lüge – besonders gesprächig geben sich SCHISM:IX außerhalb ihrer Musik nicht. Dafür legt das über digitale Distanzen entstandene britische Kollektiv auf seiner Debüt-EP »The Pain Within« innerhalb von rund 20 Minuten eine ganze Reihe innerer Abgründe offen. Experimental Metalcore, Deathcore, dunkle Ambient-Flächen und vereinzelte Shoegaze-Texturen treffen auf Texte über Abhängigkeit, Kontrollverlust, religiöse Manipulation und jene Schmerzen, die man so lange in sich trägt, bis sie beginnen, die eigene Persönlichkeit aufzufressen.

Albumplaylist: SCHISM:IX – The Pain Within

PARADISE IS A LIE

SCHISM:IX begreifen ihre Songs als sogenannte „Entries“, also Einträge oder Übertragungen innerhalb einer fortlaufenden Erzählung. WITNESS übernimmt dabei die Rolle des Sängers, Erzählers und Überbringers. Found-Footage-Ästhetik, Analog Horror, gotische Bildsprache und psychologische Albtraumwelten im Geiste von Silent Hill bilden den visuellen Rahmen.

Die Entstehungsgeschichte ist mindestens ebenso ungewöhnlich. Der ursprüngliche Kern des Kollektivs arbeitete vollständig über digitale Distanzen und hatte beim Schreiben und Produzieren der Musik nie gemeinsam in einem Raum gestanden. Was nach einem schwerfälligen Austausch einzelner Dateien klingt, wirkt auf »The Pain Within« erstaunlich geschlossen. Gitarren, Bass, Schlagzeug, Synthesizer und Gesang greifen weitgehend schlüssig ineinander.

Stilistisch möchte sich die Gruppe nicht auf eine einzelne Schublade festlegen. Das Fundament besteht aus modernem Metalcore und Deathcore, wird aber durch Alternative Metal, elektronische Texturen, Dark Ambient und kurze melodische Öffnungen erweitert. Dadurch entsteht ein Sound, der zwischen unmittelbarer Gewalt und psychologischer Beklemmung pendelt.

THE BURDEN – DIE LAST AUF DEN SCHULTERN

»The Burden« eröffnet die EP mit einem dunklen, schleichenden Spannungsaufbau, bevor tief gestimmte Gitarren und eine massive Rhythmussektion das Kommando übernehmen. Aufgebaut auf einem soliden Fundament aus Bass und Gitarre entwickelt sich ein moderner Metalcore-Sound, der seine Härte nicht allein aus Breakdowns bezieht. Elektronische Flächen und atmosphärische Zwischentöne erzeugen zusätzlichen Druck.

WITNESS klingt angegriffen, verzweifelt und zunehmend wütend. Seine Stimme wechselt zwischen verständlich artikulierten Passagen, heiseren Shouts und aggressiveren Ausbrüchen. Inhaltlich geht es um eine zerstörerische Verbindung, in der Nähe, Abhängigkeit und Erniedrigung nicht länger voneinander zu trennen sind. Die Hoffnung auf Rettung steht permanent neben der Angst, von der anderen Person vollständig verschlungen zu werden.

Der wiederkehrende Refrain bringt Struktur in die dichte Produktion und sorgt dafür, dass der Song trotz seiner wechselnden Intensität nachvollziehbar bleibt. Gerade diese Verbindung aus Eingängigkeit und innerer Unruhe macht »The Burden« zu einem gelungenen Opener.

KILL THE GODS – ABRECHNUNG MIT FALSCHEN HEILIGEN

Mit knapp zweieinhalb Minuten ist »Kill The Gods« die kompakteste reguläre Metalnummer der EP. Das Stück verzichtet auf größere Umwege und feuert seine Riffs, Tempowechsel und Breakdowns in schneller Folge ab. Die Gitarren bleiben kantig und rhythmisch, während Bass und Schlagzeug den Song mit viel Nachdruck vorantreiben.

Lyrisch richtet sich die Nummer gegen institutionalisierte Religion, gesellschaftliche Kontrolle und jene Machtstrukturen, die Gewalt, Krieg oder die Kontrolle über fremde Körper mit vermeintlich höheren Wahrheiten rechtfertigen. Der Titel ist dabei weniger als platter Aufruf zur Zerstörung zu verstehen, sondern als Forderung, falsche Autoritäten von ihren selbst errichteten Thronen zu stoßen.

WITNESS trägt den Text mit einer beinahe spuckenden Verachtung vor. Die Kürze steht dem Song gut, denn seine direkte Botschaft benötigt keine fünfminütige Ausarbeitung. Trotzdem hätten einzelne Ideen etwas mehr Raum vertragen können, da manche Übergänge so schnell aufeinanderfolgen, dass sie kaum ihre vollständige Wirkung entfalten.

BURN WITH ME – DER KONTROLLIERTE KONTROLLVERLUST

»Burn With Me« markiert den bewussten Bruch innerhalb der EP. Der Song entstand aus einer etwa einminütigen Demoidee und wurde anschließend immer schwerer, hektischer und unberechenbarer gestaltet. Das hört man: Wo die übrigen Stücke ihre Atmosphäre geduldig aufbauen, tritt diese Nummer praktisch sofort die Tür ein.

Breakdowns, abrupte rhythmische Veränderungen und ein beinahe chaotischer Vorwärtsdrang bestimmen das Geschehen. Die Gitarren bewegen sich zwischen schwerem Stampfen und nervösen Figuren, während der Bass das notwendige Gewicht beisteuert. Das Schlagzeug setzt markante Akzente und verhindert, dass der Song in einer beliebigen Aneinanderreihung moderner Core-Bausteine endet.

Inhaltlich steht »Burn With Me« für den Moment, in dem angestauter Schmerz in offenen Widerstand kippt. Die erzählende Figur akzeptiert das Feuer nicht länger als Strafe, sondern macht es zur eigenen Waffe. Aus Ohnmacht wird eine Form von Selbstbehauptung, auch wenn diese keineswegs gesund oder versöhnlich ausfällt.

Die Nummer ist einer der härtesten Momente der Veröffentlichung und funktioniert als kompakter Ausbruch ausgezeichnet. Etwas mehr Dynamik hätte den abschließenden Einschlägen zusätzliche Wucht verliehen, doch die kompromisslose Ausrichtung ist offensichtlich gewollt.

SOLITUDE – RUHE GIBT ES HIER NICHT

Nach dem Chaos folgt mit »Solitude« ein knapp zweiminütiges Instrumental aus der Feder von WITNESS. Statt eines typischen Zwischenstücks mit ein paar beliebigen Synthesizerflächen liefert das Kollektiv eine kleine Dark-Ambient-Komposition, die wie ein Gang durch einen verlassenen Gebäudekomplex wirkt.

Dunkle Klangflächen, entfernte Geräusche und eine bewusst diffuse Räumlichkeit erzeugen jene psychologische Horroratmosphäre, die auch die visuelle Identität von SCHISM:IX bestimmt. Der Silent-Hill-Einfluss ist hier besonders deutlich, ohne dass das Stück wie die bloße Kopie eines Videospiel-Soundtracks klingt.

Als Übergang erfüllt »Solitude« seinen Zweck. Nach dem permanenten Angriff von »Burn With Me« darf die Musik kurz zurückweichen, ohne dass die Spannung verloren geht. Erholung sieht dennoch anders aus, denn die vermeintliche Ruhe fühlt sich eher wie das angespannte Warten auf den nächsten Zusammenbruch an.

THE PAIN WITHIN – ABHÄNGIG VOM EIGENEN UNTERGANG

Der Titeltrack ist mit fast fünf Minuten das längste Stück der EP und zugleich ihre emotional deutlichste Nummer. »The Pain Within« nimmt sich mehr Zeit für atmosphärische Passagen und melodische Entwicklungen, bevor die schweren Gitarren erneut zuschlagen. Dadurch entsteht ein ausgewogenerer Spannungsbogen als bei den vorherigen Stücken.

Im Zentrum steht eine destruktive Beziehung, deren Beteiligte genau wissen, wie viel Schaden sie einander zufügen, sich aber trotzdem nicht voneinander lösen können. Schmerz wird zur Gewohnheit, das gegenseitige Verletzen zur gemeinsamen Sprache und die Aussicht auf Veränderung zu einer weiteren Lüge. Die körperlichen Bilder des Textes verdeutlichen, wie tief diese Verbindung bereits in die eigene Wahrnehmung eingedrungen ist.

Musikalisch treffen schwere Metalcore-Riffs auf dunkle Alternative-Metal-Flächen und melodischere Gitarrenschichten. Der Refrain besitzt den größten Wiedererkennungswert der EP, ohne den bedrückenden Charakter aufzugeben. WITNESS liefert hier seine abwechslungsreichste Gesangsleistung und bewegt sich überzeugend zwischen innerer Erschöpfung und offenem Ausbruch.

Der Titeltrack zeigt besonders deutlich, wohin sich SCHISM:IX entwickeln könnten. Härte und Atmosphäre stehen nicht getrennt nebeneinander, sondern unterstützen dieselbe emotionale Aussage.

SYMBIOSIS – GEMEINSAM IN DEN ABGRUND

»Symbiosis« führt das Motiv der Abhängigkeit konsequent weiter. Die Verbindung zwischen zwei Menschen erscheint hier beinahe wie ein Parasit, der sich durch Körper und Geist frisst. Die erzählende Figur wird geschwächt, ausgezehrt und immer stärker vereinnahmt, versucht aber wenigstens einen letzten Rest Kontrolle zu verteidigen.

Die Musik verbindet schwere, rhythmisch betonte Gitarren mit atmosphärischen Erweiterungen und einem Refrain, der sich schnell festsetzt. Bass und Schlagzeug bilden ein dichtes Fundament, während elektronische Texturen die klaustrophobische Stimmung verstärken. Im Vergleich zu »Burn With Me« ist der Aufbau kontrollierter, aber keineswegs harmloser.

Als Abschluss funktioniert der Song gut, weil er die zentralen Themen der EP zusammenführt: emotionale Abhängigkeit, körperlich empfundener Schmerz, Kontrollverlust und die Frage, ob zwei beschädigte Menschen einander retten oder endgültig zerstören. Eine eindeutige Antwort gibt es natürlich nicht. Friede, Freude und Gruppenkuscheln wären bei diesem Konzept allerdings auch eine ziemliche Überraschung gewesen.

DICHTE PRODUKTION AUS DIGITALER DISTANZ

Dass die Beteiligten während der Entstehung nicht gemeinsam in einem Raum standen, hört man der EP kaum an. Die Produktion wirkt geschlossen und besitzt einen klar definierten klanglichen Mittelpunkt. WITNESS verantwortet Mix und Mastering und beweist dabei ein gutes Gespür für die Verbindung aus massiver Härte und düsterer Atmosphäre.

Die Klangbühne im Hörraum ist breit, dunkel und stark verdichtet. Gitarren und Synthesizer besetzen die äußeren Bereiche, während Bass, Schlagzeug und Gesang zentralen Druck erzeugen. Besonders der Tieftonbereich besitzt ordentlich Gewicht, ohne sämtliche melodischen Details zu verschlucken.

Gelegentlich wird die Produktion allerdings etwas zu kompakt. Wenn Gitarren, Bass, Schlagzeug, Elektronik und mehrere Gesangsschichten gleichzeitig aufeinanderprallen, verliert der Sound einen Teil seiner räumlichen Tiefe. Größere Unterschiede zwischen den leiseren und härteren Passagen hätten einzelnen Breakdowns noch stärkere Wirkung verliehen.

Der Gesang sitzt deutlich im Vordergrund und trägt die konzeptionelle Erzählung. WITNESS klingt weniger wie ein klassischer Frontmann und eher wie eine Stimme innerhalb einer psychologischen Übertragung. Das passt ausgezeichnet zur Idee der „Entries“, kann auf Dauer aber auch etwas gleichförmig wirken, wenn mehrere aggressive Passagen unmittelbar aufeinanderfolgen.

ZWISCHEN EIGENER IDENTITÄT UND BEKANNTEN BAUSTEINEN

SCHISM:IX kombinieren auf »The Pain Within« verschiedene moderne Metalströmungen, ohne sich vollständig einer davon zu unterwerfen. Deathcore-Breakdowns, Metalcore-Strukturen, Alternative Metal, Ambient und leichte Shoegaze-Texturen bilden einen abwechslungsreichen, aber erkennbar zusammengehörenden Klangkosmos.

Die stärkste Eigenschaft der EP ist ihre Atmosphäre. Selbst direkte Nummern wie »Kill The Gods« oder »Burn With Me« wirken wie Teile derselben verstörenden Welt. Das Kollektiv hält sein Konzept nicht nur über Masken und kryptische Bilder zusammen, sondern über wiederkehrende Klangfarben, elektronische Texturen und eine konsequent beklemmende Grundstimmung.

Noch ist nicht jeder musikalische Baustein unverwechselbar. Einige Breakdowns und rhythmische Gitarrenfiguren kennt man in ähnlicher Form aus dem modernen Metalcore und Deathcore. Wenn SCHISM:IX jedoch ihre Ambient-Seite, die erzählerische Ausrichtung und die melodischen Kontraste weiter ausbauen, könnte daraus eine wirklich eigene Identität entstehen.

FAZIT:

»The Pain Within« ist eine düstere und abwechslungsreiche Debüt-EP, auf der SCHISM:IX modernen Metalcore, Deathcore und psychologischen Horror überzeugend miteinander verbinden. Besonders »Burn With Me«, der Titeltrack und »Symbiosis« punkten mit Härte, Atmosphäre und einer konsequent unheilvollen Bildsprache. Noch greift nicht jede Idee vollkommen eigenständig, doch das Fundament für weitere verstörende „Entries“ steht.

SCHISM:IX – Burn With Me – Visualizer

Internet

SCHISM:IX - The Pain Within - EP Review

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