Band: JOYOUS WOLF 🇺🇸
Titel: In Between
Label: Blue Grape Music
VÖ: 21.08.2026
Format: Digital
Genre: Hard Rock / Blues Rock / Alternative Rock / Soul Rock

Tracklist

01. Runaway – 03:20
02. Juniper – 03:51
03. In Your Shadow – 04:02
04. Karma – 03:58
05. Get Myself Right – 03:30
06. Fine By Me – 04:01
07. Storm – 04:00
08. Talk To Me – 03:59
09. The Mechanic – 05:43

Besetzung

Pedro Cordeiro – Gesang
Blake Allard – Gitarre
Greg Braccio – Bass
Robert Sodaro – Schlagzeug

Produktion:
Jay Ruston – Produktion, Mix
Jens Dreesen – Mastering

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Um den heutigen Mittwoch nach den extreme Metal Exzessen etwas ausklingen zu lassen, gibt es nun etwas Rock Musik. Ganz ohne kräftige Gitarren geht es allerdings auch bei JOYOUS WOLF nicht. Die Kalifornier verbinden auf ihrem ersten vollständigen Album »In Between« Blues, Soul, Alternative Rock und klassischen Hard Rock zu neun Songs, die lieber auf Dynamik und Groove als auf dauerhafte Lautstärke setzen. Mit dem brasilianischen Sänger Pedro Cordeiro beginnt für die seit 2014 aktive Band zudem ein neues Kapitel – eines, das überraschend häufig an die große Zeit jener Rockmusik erinnert, in der ein Refrain noch aus Stimme, Gitarren und echter Spannung bestehen durfte.

Albumstream:

ZWISCHEN SUNSET STRIP UND NEUER ZEIT

Seit zwölf Jahren bewegen sich JOYOUS WOLF durch die Rocklandschaft Südkaliforniens. Aus den Clubs des Sunset Strip führte der Weg auf Tourneen und Bühnen mit Deep Purple, Slash und Buckcherry. Trotzdem dauerte es nach der EP »Place In Time« von 2019 weitere sieben Jahre, bis das erste vollständige Album erschien. Diese lange Anlaufzeit hört man »In Between« nicht als Unsicherheit, sondern als ziemlich klare Vorstellung davon an, welche Band hier zu hören sein soll.

Der Titel passt dabei bestens. JOYOUS WOLF stehen zwischen klassischem Rock und Alternative, zwischen bluesiger Lockerheit und moderner Härte, zwischen bekannten Formen und dem Wunsch, nicht wie eine reine Rückblickveranstaltung zu klingen. Die Band löst diesen Spagat nicht mit revolutionären Ideen. Sie spielt vertraute Musik mit genügend Energie, handwerklicher Qualität und Persönlichkeit, damit die alten Zutaten noch immer frisch wirken.

Entscheidend dafür ist Pedro Cordeiro. Der in Brasilien geborene Sänger besitzt eine Stimme, die rau und groß klingen kann, im nächsten Moment aber zu kontrollierter Wärme findet. Vergleiche mit Chris Cornell drängen sich in den kraftvollsten Passagen durchaus auf. Cordeiro kopiert ihn jedoch nicht, sondern nutzt ein ähnliches Wechselspiel aus Bruststimme, rauem Druck und überraschend gefühlvollen Höhen.

RUNAWAY RENNT SOFORT LOS

Der Opener »Runaway« verschwendet keine Zeit. Robert Sodaro setzt das Schlagzeug kräftig in den Raum, Greg Braccio schiebt am Bass und Blake Allard liefert ein Riff, das den Song ohne Umwege aus den Lautsprechern zieht. Der Groove erinnert an einen Rock-Boogie, wurde aber fest genug produziert, um nicht nach verstaubter Barband zu klingen.

Cordeiro macht schon hier klar, warum die Neubesetzung am Mikrofon so wichtig für die aktuelle Phase ist. Er drückt gegen das Instrumentarium, ohne permanent schreien zu müssen. Besonders im Refrain besitzt seine Stimme jene Mischung aus Dringlichkeit und Melodie, die einfache Zeilen größer wirken lässt. »Runaway« ist kein komplizierter Song, aber ein verdammt wirkungsvoller Türöffner.

Das Stück offenbart zugleich eine Stärke des gesamten Albums: Die Rhythmussektion klingt nicht nach sauber zusammengesetzten Einzelspuren. Bass und Schlagzeug bewegen gemeinsam Luft. Gerade bei einer Rockplatte, die ihre Live-Erfahrung als Teil der eigenen Identität versteht, ist diese körperliche Wirkung wichtiger als jedes technische Kunststück.

JUNIPER SPIELT EIN FALSCHES SPIEL

»Juniper« beginnt zugänglicher und könnte zunächst als klassischer amerikanischer Radiosong durchgehen. Dann wächst die Nummer. Die Gitarren werden dichter, Cordeiro stemmt sich immer stärker in die Melodie und aus dem lockeren Anfang entwickelt sich ein emotionaler Höhepunkt. Inhaltlich geht es um Verrat, dargestellt als unterbewusstes Spiel mit Regeln, die lediglich den beteiligten Figuren bekannt sind.

Diese Idee passt zur musikalischen Bewegung. Der Song scheint anfangs leicht lesbar, verschiebt seine Gewichte aber fortlaufend. Allard lässt zwischen den Akkorden genügend Platz, damit Gesang und Rhythmus atmen können. Erst später zieht er die Gitarrenwand hoch. Dadurch wirkt der laute Teil nicht einfach lauter, sondern tatsächlich größer.

»Juniper« gehört zu den stärksten Songs des Albums, weil hier alle Einflüsse gleichzeitig funktionieren. Soul steckt im Gesang, Blues in der Phrasierung, Alternative Rock in der Dynamik und klassischer Hard Rock in der körperlichen Wucht. Nichts davon wird als historisches Kostüm präsentiert. Es klingt nach vier Musikern, die diese Sprachen längst gemeinsam sprechen.

IM SCHATTEN WARTET DAS KARMA

Mit »In Your Shadow« wird die Stimmung dunkler. Der Song hält sich zunächst zurück, doch unter der Oberfläche bleibt permanente Spannung. Sodaro spielt nicht jede Lücke voll, Braccio hält den Puls und Allard setzt seine Gitarre gezielt ein. Das Arrangement vertraut darauf, dass ein leiser Abschnitt nicht sofort mit zusätzlichen Spuren zugedeckt werden muss.

Gerade diese Geduld unterscheidet »In Between« von vielen modernen Rockproduktionen. Die Band behandelt Dynamik nicht als nachträglich eingezeichnete Lautstärkekurve, sondern als Teil des Songwritings. Wenn die Gitarren schließlich aufgehen, wurde der Moment vorbereitet. Die Wirkung kommt aus dem Weg dorthin.

Noch überzeugender gelingt das in »Karma«. Ein zunächst beinahe schöner, semiakustischer Einstieg führt auf eine falsche Fährte, ehe der Song seinen schweren Groove entwickelt. Cordeiro singt nicht einfach über dem Arrangement, sondern verändert mit jeder Steigerung dessen Temperatur. Die hohen, rauen Ausbrüche sitzen genau dort, wo die Komposition sie benötigt.

»Karma« zählt gemeinsam mit »Juniper« und dem späteren Finale zu den Momenten, in denen JOYOUS WOLF ihre beste Form finden. Hier treffen Melancholie, Härte und große Melodie aufeinander, ohne dass eine Seite die anderen verdrängt. Solche Songs zeigen, dass die Band am stärksten ist, wenn sie sich nicht für Bluesrock oder Alternative entscheiden muss.

SELBSTKORREKTUR OHNE VOLLSTÄNDIGEN NEUSTART

»Get Myself Right« schlägt nach diesen beiden Höhepunkten einen nachdenklicheren Ton an. Die Nummer bleibt geradlinig, gibt Cordeiro viel Raum und bewahrt genug Vorwärtsbewegung, um nicht zur obligatorischen Feuerzeugballade zu werden. Trotzdem erreicht sie emotional nicht ganz dieselbe Tiefe wie »Karma«.

Hier zeigt sich eine kleine Schwäche der Platte. Einige Songs sind handwerklich ausgezeichnet und angenehm zu hören, bleiben aber stärker in bekannten Rockmustern verankert. Die Band besitzt dann noch immer Groove, Stimme und gute Gitarrenarbeit, doch der Überraschungseffekt geht zurück. »Get Myself Right« ist keineswegs Füllmaterial; neben den herausragenden Stücken wirkt es lediglich etwas braver.

Ähnliches gilt für »Fine By Me«. Der Song lehnt sich entspannt in seinen Blues- und Soul-Groove, Allard lässt die Gitarre sprechen und die Rhythmusgruppe spielt mit erfreulicher Lockerheit. Das fühlt sich gelebt und nicht konstruiert an. Gleichzeitig könnte man sich vorstellen, dass die Nummer live stärker zündet als im Albumkontext, wo sie zwischen dramatischeren Kompositionen ein wenig an Kontur verliert.

Für den im Einstieg versprochenen entspannten Ausklang ist sie allerdings genau richtig. Nicht jeder Song muss die Zimmerdecke anheben. Manchmal darf Rockmusik vier Minuten lang einfach gut rollen – besonders nach einem Tag voller Blastbeats, gutturaler Stimmen und Songtitel, die nach illegalen Handlungen auf Friedhöfen klingen.

DER STURM KOMMT MIT KLARER SICHT

»Storm« bringt wieder mehr Spannung. Klare Gitarren und eine fast sommerliche Atmosphäre treffen auf einen kräftigen Unterbau. Der Song klingt weit, ohne kraftlos zu werden. Vor allem Braccio sorgt dafür, dass die ruhigeren Flächen nicht davonschweben, während Sodaro mit kontrollierter Energie durch die Wechsel führt.

Cordeiro zeigt hier seine gefühlvollere Seite. Statt die Komposition an jeder möglichen Stelle zu überwältigen, hält er sich zurück und baut die Intensität stufenweise auf. Genau diese Disziplin macht seine großen Ausbrüche glaubwürdig. Ein Sänger mit diesem Volumen könnte leicht jeden Song in eine Demonstration der eigenen Stimmbänder verwandeln. Cordeiro dient meistens der Dramaturgie.

Mit »Talk To Me« folgt einer der unmittelbarsten Titel. Der Refrain sitzt schnell, die Strophen wirken fast wie ein direktes Gespräch und das Arrangement räumt der Stimme das Zentrum frei. Das ist zugänglich, aber nicht belanglos. Allard setzt kleine Akzente, anstatt jede Pause mit einem Solo zu beantworten.

Die beiden Stücke führen den zweiten Albumteil wieder nach oben. Nachdem »Get Myself Right« und »Fine By Me« etwas stärker im soliden Mittelfeld lagen, finden JOYOUS WOLF hier erneut die Balance aus Melodie, Kraft und Charakter. Das Album besitzt damit tatsächlich eine erkennbare Kurve statt bloß neun nebeneinander platzierter Singles.

DER MECHANIKER ZIEHT DIE LETZTE SCHRAUBE FEST

Das Finale »The Mechanic« nimmt sich mit 5:43 Minuten den größten Raum. Der nachdenkliche Anfang lässt zunächst keine große Explosion erwarten. Langsam kommen weitere Ebenen hinzu, die Rhythmussektion verdichtet den Druck und Cordeiro arbeitet sich aus kontrollierten Linien in einige seiner eindrucksvollsten Schreie vor.

Allard nutzt die längere Spielzeit für ausgedehnte Gitarrenpassagen, ohne den Song in eine Vorführung zu verwandeln. Seine Soli wirken wie die logische Fortsetzung der Melodie. Gerade in den Schlussminuten darf die Band sich strecken und jene Live-Energie andeuten, mit der sie sich über Jahre einen Namen erspielt hat.

Als Abschluss bündelt »The Mechanic« die Stärken des Albums: dynamischen Aufbau, bluesige Wurzeln, alternative Schwere und einen Sänger, der sowohl Nähe als auch enorme Lautstärke erzeugen kann. Der Song endet nicht schnellstmöglich nach dem letzten Refrain, sondern gönnt dem Album einen richtigen Schlusspunkt. In einer Zeit des Zwei-Minuten-Streamingfutters ist das beinahe schon eine kleine Unverschämtheit – eine erfreuliche allerdings.

KLAR PRODUZIERT, ABER NICHT GLATTGEBÜGELT

Jay Ruston produzierte und mischte »In Between«, Jens Dreesen übernahm das Mastering. Die Klangbühne im Hörraum ist breit, warm und ausreichend transparent. Allards Gitarren besitzen Gewicht, ohne den Gesang zu verdecken, während Bass und Schlagzeug erfreulich organisch bleiben. Selbst in den größeren Refrains lässt sich noch erkennen, welches Instrument gerade welchen Druck erzeugt.

Die Produktion wirkt modern, vermeidet aber den klinischen Glanz mancher Radioplatte. Cordeiros raue Stellen wurden nicht vollständig geglättet, Sodaros Schlagzeug behält einen körperlichen Anschlag und Allards Soli dürfen kleine Unregelmäßigkeiten tragen. Diese Entscheidungen helfen einer Band, deren Ruf wesentlich auf Konzerten gewachsen ist.

Perfekt ist das Album trotzdem nicht. Wenn JOYOUS WOLF sich zu gemütlich auf traditionellen Bluesrock verlassen, sinkt die Spannung. Die besseren Songs zeigen deutlich, dass dunklere, härtere und alternativere Elemente der Band besonders gut stehen. Davon hätte »In Between« an zwei oder drei Stellen gerne noch etwas entschlossener Gebrauch machen dürfen.

Unterm Strich bleibt jedoch ein Debütalbum mit eigener Handschrift, starkem Ablauf und mehreren außergewöhnlich guten Gesangsmomenten. Die lange Wartezeit hat nicht zu einer überladenen Materialsammlung geführt, sondern zu 36 konzentrierten Minuten. Vielleicht steht die Band stilistisch tatsächlich dazwischen – musikalisch aber keineswegs auf halbem Weg.

FAZIT:

»In Between« verbindet klassischen Hard Rock, Blues, Soul und Alternative zu einem dynamischen Debüt, das vor allem durch Pedro Cordeiros mächtige Stimme sowie Blake Allards geschmackvolle Gitarrenarbeit überzeugt. Ein paar traditionellere Nummern bleiben hinter »Juniper«, »Karma« und dem hervorragenden »The Mechanic« zurück, doch als rockiger Ausklang nach den heutigen Extrem-Metal-Eskapaden funktioniert die Platte ausgezeichnet.

JOYOUS WOLF – Juniper

Internet

JOYOUS WOLF - In Between - Album Review

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